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Freitag, 22. Juni 2018

Goldreiche Schweizer

Poseidonios.
(Wikicommons)
Wer hat eigentlich als erster die Helvetier beschrieben, den keltischen Hauptstamm der heutigen Schweiz? Nein, nicht Julius Caesar, der sie bekriegte. Sondern Poseidonios, der das Volk mit Namen nennt und dessen Männer  als "goldreich, aber friedlich" bezeichnet. Man rätselt seither, ob das Goldadjektiv sich auf bestimmte Bäche etwa im Napfgebiet bezieht. Poseidonios, circa 135 vor Christus bis 51 vor Christus, war ein griechischer Universalgelehrter, geboren in einer griechischen Kolonie in Syrien; er unternahm ausgedehnte Reisen, etwa nach Spanien, und schrieb darüber. Auch den Erdumfang soll er berechnet haben.

Donnerstag, 21. Juni 2018

Eyja was schon wieder?

Heute wieder einmal schlechte Werbung. Das Plakat, das ich kürzlich sah, preist ein Erfrischungsgetränk mit Weisstee, das auch nach Rhabarber und Preiselbeeren schmecken soll. Doch wer versteht die plumpe Oberzeile und erinnert sich, dass "Eyjafjallajökull" jener isländische Gletschervulkan ist, der 2010 wieder einmal lebendig wurde und soviel Asche austiess, dass der europäische Flugverkehr beeinträchtigt war? Und wie genau inspiriert der Vulkan das Getränk? Die Sache ist konfus.

Mittwoch, 20. Juni 2018

Der Morgenkafiort

Das Il Baretto im Zürcher Hauptbahnhof, ebenerdig so circa gegenüber Gleis 16 gelegen, ist mir ans Herz gewachsen. Es hat am Morgen offen, wenn die meisten anderen Cafés noch zu sind; wenn ich um sechs Uhr zum Wandern irgendwo hinfahre, gehe ich vorher fast immer ins Baretto und hole mir einen Kafi. Der ist sehr gut. Suspendiert ist für den Moment meine Gewohnheit, dazu einen Gipfel mit Aprikosenconfi zu nehmen, ich will die ganz süssen Sachen mal ein paar Wochen auslassen.

Dienstag, 19. Juni 2018

Pumpfel und Famergü

Schloss Famergü: Klingt nicht sehr edel.
Es gibt Orte in der Romandie, da finde ich: Gut, ist der deutsche Name nicht mehr in Gebrauch. Bonfol JU hiess einst auf Deutsch Pumpfel, oh Graus. Und Vaumarcus NE, stellte ich vergangenes Wochenende fest, trägt den deutschen Namen Famergü; Gott sei Dank ist auch er verblasst.

Montag, 18. Juni 2018

Sonntagstrouvaillen

Dieser behauene Menhir heisst Menhir de l'Asile und steht gleich unterhalb eines
Heilsarmeeheims für Suchtkranke in St-Aubin.
Was wäre der Juni ohne Klatschmohn.
Wandern heisst entdecken. Gestern ging ich von Vaumarcus nach Bevaix. Aber nicht auf dem direkten Weg, sondern über die Agrarterrasse im Hinterland des Neuenburgersees. Ich lernte charmante Dörfer wie Fresens und Montalchez kennen. Berauschte mich am Blau der Kornblumen und am Rot des Klatschmohns. Passierte mehrere Menhire, die mir bisher kein Begriff gewesen waren. Einen gewaltigen Schalenstein traf ich auch an. Und und und. Wandern heisst entdecken. Ich glaube, es gab noch nie eine Route, die mir nicht Dinge beschert hätte, von deren Existenz ich zuvor nichts gewusst hatte.
Schön wohnen in Fresens.

Sonntag, 17. Juni 2018

Hey, das war eine von Maillart!

Habkern, am Traubach, gleich geht es über die Brücke.
Am Freitag, unterwegs von Habkern nach Harder Kulm, kamen wir fünf Minuten nach Wanderstart zur Strassenbrücke über den Traubach. Erst zuhause realisierte ich: Das war eine Brücke des grossen Robert Maillart, 1872 bis 1940. Sie stammt aus dem Jahre 1932, ist aus Stahlbeton, ist 55 Meter lang bei einer Spannweite von 40 Metern und wurde in unserem Jahrtausend renoviert; ziemlich nahe steht mit der Bohlbachbrücke ein weiteres Werk von Maillart, aber die sahen wir nicht. Wie alle Maillartbrücken ist auch die über den Traubach gleichzeitig auf Eleganz und Einsparung von Material angelegt, nicht von ungefähr stehen die "Maillarts" häufig in Berggebieten, wo der Bauherr wenig Geld hatte.
Das schöne Bauwerk im Rückblick.

Samstag, 16. Juni 2018

Oben wurde es laut. Und lustig

Lebensfreude auf der Harder-Kulm-Aussichtsplattform.
Das HK-Restaurant.
Mehr als drei Stunden keine Menschen. Dafür das Tosen des Lombachs. Knabenkraut noch und noch auf der Sumpfwiese unter dem Luegibodenblock. Und brutal hohe Tritte im steilen Wald: Das sind Eindrücke von unserer Wanderung gestern von Habkern via Luegiboden nach Harder Kulm. Als wir oben ankamen, wurde alles auf einen Schlag anders. Lauter. Aber auch bunter mit asiatischen Damen fortgeschrittenen Alters, die exaltierte Hüte trugen, mit amerikanischen Teenagern, die sich Bier aus hohen Humpen zuführten, mit dudelnder Ländlermusik - Harder Kulm ist Berner Oberländer Tourismusland. Wir assen im Restaurant gut, genossen den Blick auf Jungfrau & Co., fuhren inmitten einer riesigen Gruppe von Japanern nieder nach Interlaken Ost und fanden, dass der Kontrast von einsam und geschäftig-trubelig diese Route umso interessanter macht.
Wenn das die Turnschuhtouristen wüssten: eine Stunde zuvor im mühevollen Aufstieg.

Freitag, 15. Juni 2018

Die Strasse, der See, der Urwald

Unterwegs in den Kessel von Derborence. Hinten der Riegel der Diablerets.
Am See.
Gestern war ich für eine Reportage im Wallis, genauer gesagt im Bergkessel von Derborence, einer Gegend, die mich wieder einmal begeisterte, bewegte, befeuerte. Allein schon die Zufahrt über das schmale, schwindelerregende Strässchen und 400 Meter tiefer die bleigraue Lizerne in ihrem Canyon. Und hinten der See mit der Felswand dahinter. Sowie der Föhrenurwald. All das verdankt sich zwei Bergstürzen des 18. Jahrhunderts, deren erster 14 Menschen tötete, während der zweite die Gestalt der Gegend veränderte und den See samt der heutigen Vegetation erst schuf. Derborence, Kanton Wallis: Man muss da hin. Am besten immer wieder.
Auf der Rückfahrt. Recht das Tal des Todes, äh, die Lizerne-Schlucht.

Donnerstag, 14. Juni 2018

Stamm und die Vier vom Everest

Kurz vor der Expedition auf den Everest 1962: Hans-Peter
Duttle auf dem Breithorn im Wallis. (zvg)
In der neuen "Schweizer Familie", ab heute am Kiosk, habe ich zwei Artikel, die hier interessieren mögen. Zum einen ist da das Interview mit dem in Winterthur lebenden Thurgauer Schriftsteller Peter Stamm. Wir trafen uns für das sogenannte Feuerstellengespräch bei der Grillstelle am Ganggelisteg in Bussnang; vielleicht erinnert man sich an den Blogbeitrag kürzlich, in dem ich vom Steg erzählte, ohne aber den Namen meines Gegenübers zu verraten. Eben, Peter Stamm. Ein netter, völlig allürenloser Typ, dessen neuer Roman "Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt" mir sehr gut gefällt.

Zum anderen findet sich im neuen Heft mein Porträt von Hans-Peter Duttle, 80, zuhause in Gümligen BE. Er versuchte 1962 mit drei Amerikanern den Mount Everest zu besteigen, illegal, ohne Bewilligung der nepalesischen und chinesischen (Tibet) Behörden, ohne Sauerstoff auch. Die frechen Vier scheiterten und wurden in Alpinistenkreisen zu Unpersonen. Bis mit Reinhold Messner und anderen eine neue Kletterära anbrach, in der plötzlich Duttle und seine Compagnons als Helden und Pioniere eines neuen Direktstils dastanden. Man lese diese Lebensgeschichte, die es übrigens auch als Buch gibt - sie ist so zerklüftet und abgründig wie der Himalaya.

Mittwoch, 13. Juni 2018

Murianer, Muriger, Murioten

Muri bei Bern im Jahre 1822. (Wikicommons)

Die Einwohner von Muri bei Bern sind die Muriger, diejenigen hingegen von Muri im Freiamt, Kanton Aargau, die Murianer. Nun las ich kürzlich in einem Immobilienheftli noch ein drittes Wort und erinnerte mich, dass mir das ein Studienkollege aus Muri BE vor Jahren erzählt hatte. Offenbar sind die noblen Muriger ein wenig dünkelhaft. Sie nennen die Zugezogenen... Murioten.

Dienstag, 12. Juni 2018

Ich war im Heiligen Land

Teil der Terre Sainte: Commugny.
(Bild: Jeremy.toma/ Wikicommons)
Bei "Heiliges Land" denkt jeder an die Region, in der die biblischen Ereignisse spielen, Israel und so. Wir Schweizer haben aber auch ein "Heiliges Land", "Terre Sainte" auf Französisch; am Wochenende war ich dort (Crans-près-Céligny). Die Terre Sainte umfasst acht Gemeinden am Genfersee südwestlich von Nyon. Woher der Name kommt, ist unklar. Allenfalls von Jakobspilgern, also Leuten mit einem "heiligen" Anliegen, die in der Gegend rasteten und Kraft tankten für den Weitermarsch nach Santiago de Compostela.

Montag, 11. Juni 2018

Winterthur, ich komme

Eine Mitteilung in eigener Sache: Übermorgen Mittwoch habe ich einen Auftritt in der Stadtbibliothek Winterthur, die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr, ich erzähle ein wenig aus meinem Wanderer- und Kolumnistenleben und zeige auch Dias.  Und jetzt wünsche ich allen eine schöne Woche - möglichst mit einer Portion Natur und Landschaft. Ich selber werde wohl erst am Freitag oder Samstag wieder zum Wandern kommen.

Sonntag, 10. Juni 2018

Vnà und die Sintflut

Neuschwanstein nach Engadiner Art.
Die Pedra Fitta, der Hexentreff von Sent.
Blick über das Tobel der Brancla nach Vnà.
Belohnung muss sein.
Am Freitag fuhr ich nach Sent. Zuerst machte ich einen Abstecher zum Hexenstein Pedra Fitta östlich des Dorfes, ging dann via Crusch, Tschern, Chavriz Pitschen zum Hotel Val Sinestra und verliess auf der anderen Seite der wilden Brancla das Tal wieder, indem ich Vnà ansteuerte. Dort gab ich mir einen kleinen Coupe Dänemark, Zufriedenheit herrschte über die Route, die mir viel Neues beschert hatte. Und praktisch null Regen. Zwar war der Himmel die meiste Zeit verhangen gewesen, doch hatte es nur kurz getröpfelt, als ich Vnà schon direkt vor Augen hatte. Hier ein paar Dinge, die mir bleiben werden:
  • Die Pedra Fitta steht unsignalisiert und unangeschrieben in einer Wiese. An diesem Ort sammelten sich bisweilen die Hexen zum Tanz, heisst es. Offenbar immer zur Stunde nach Mitternacht. So lange warten mochte ich nicht.
  • Das Kurhotel Val Sinestra wirkt von weitem, durch die Tannen besehen, wie Schloss Neuschwanstein. Aus der Nähe hat es etwas Heruntergekommenes, Erbärmliches, fand ich; dazu tragen auch die alten Busse bei, die herumstehen. Aber die schummrige "Bündnerstube", in der ich für eine Stunde Halt machte, war gemütlich. Und die Serviererin total nett.
  • Vnà, das Hangdörfchen, ist reizend, man muss es gesehen haben in seiner Vogelnesthaftigkeit. Übrigens hiess es früher Mna; wie aus dem M ein V wurde, ist mir unklar. Toll fand ich, dass die Pension Arina jetzt im Saisonloch offen hatte; dort nämlich gönnte ich mir den Minicoupe. Um hernach im Kleinbus - auch rührend - das 400 Meter tiefere Ramosch anzusteuern.
  • Während ich am frühen Abend gemütlich heimtuckerte, erreichten mich die ersten Meldungen von apokalyptischen Regengüssen in Zürich. Die Sintflut, sie fand ohne mich statt. 

Samstag, 9. Juni 2018

Winters Relikt

Gestern war ich im Val Sinestra, einem Seitental des Unterengadins bei Sent. Das gleichnamige Hotel war offen, nun, so halb offen; jedenfalls aber bekam ich in der "Bündnerstube" rudimentär etwas zu essen (Portion Pommes Frites, Salat), was ich schätzte. Grossen Eindruck machte mir der Lawinenkegel unterhalb des Hotels; er zeugt von der Gewalt der Schneemassen des letzten Winters. Welche Route ich wanderte, will ich morgen erzählen.

Freitag, 8. Juni 2018

Geniale Lenkung

Kurz nach Wanderstart: eine ehemalige Kabelbude. Dort, wo wichtige
Kabel verbunden wurden, schützten solche Buden die Installation.
Das Wärterhaus Eggwald.
Plattform mit viel Sicht kurz vor Wassen.
Am Mittwoch ging ich auf dem Gottardo-Wanderweg von Göschenen nach Wassen. Ein Themenweg. Er zelebriert die alte Bergstrecke der Gotthardbahn, auf der es ziemlich still geworden ist seit der Eröffnung des Neat-Basistunnels, der das Urner Oberland und die Leventina aus der Wahrnehmung des Reisenden mehr oder minder eliminiert hat. Die Wanderung machte mir viel Spass, abgesehen mal von der Verwirrung, ob der Weg nun offen war oder nicht (siehe Eintrag von gestern und das heutige P.S.). Wie der Verkehrsstrom, Schiene und Strasse, durch das enge Tal gelenkt wird: Das hat etwas Geniales. Man begreift es erst aus der Anschauung so richtig.

P.S. Uri Tourismus hat sich - siehe Eintrag von gestern - gemeldet. Am Telefon sei es wohl zu einem Missverständnis gekommen. Und was die Wegsperrung angeht: Es gebe oberhalb der Route noch Couloirs mit Schneefeldern, also Lawinengefahr. Noch vor Mitte Juni solle der Weg aber aller Voraussicht nach offiziell geöffnet werden.

Donnerstag, 7. Juni 2018

Verwirrung im Urnerland

Schild am unteren Dorfrand von Göschenen, wo der Gottardo-Weg beginnt.
Sperre im Gebiet Schöni.
Gestern fuhr ich nach Göschenen. Ich besichtigte den Teufelsstein, das hatte ich schon lange tun wollen. Und dann machte ich mich daran, talabwärts zu laufen auf dem Gottardo-Wanderweg, dem Themenweg an der alten Bahn-Bergstrecke. Allerdings: Gleich als erstes traf ich, am Ortsausgang, ein rotes Schild, das verkündete, der Weg sei gesperrt, Wintersperre wegen Lawinengefahr. Das fand ich eher absurd, da man ja unter 1000 Metern über Meer unterwegs ist und sich doch im Juni befindet. Ich rief Uri Tourismus an. Die Frau am Telefon sagte, sie wisse nichts von einer Sperrung, ihres Wissens sei der Weg offen. Okay, danke, ich machte mich auf den Weg. Nach 40 Gehminuten war im Gebiet Schöni am Weg dasselbe Schild montiert, gleich danach kam ich zu einer Abschrankung quer über den Weg: Weg gesperrt. Ein paar Meter weiter ein Sperrband. Ich rief noch einmal Uri Tourismus an. Der Frau, derselben, war das neu. Ui, sagte sie, da müsse ich wohl umkehren, sorry. Ich tat das Gegenteil und ging weiter, natürlich mit dem Vorsatz, bei echter Gefahr kehrtzumachen. Aber da war nichts, der Pfad durch ziemlich unwegsames Gelände war korrekt hergerichtet, nirgendwo ein Problem, nicht einmal ein gestürzter Baum. Weiter unten traf ich verunsicherte Wanderer, die in der Gegenrichtung unterwegs waren und auch schon ein Sperrschild gesehen hatten, und konnte ihnen genau das mitteilen. In Wassen dann nahm ich in der Alten Post den Zmittag - sehr fein! - und fragte mich: Was wissen die bei Uri Tourismus eigentlich von ihrem eigenen Gebiet? Reden die nicht mit den Wegmachern? Ich werde diesen Blogeintrag heute dorthin mailen, vielleicht bekomme ich ja eine Antwort. Würde mich schon interessieren, ob nun der Gottardo-Weg offiziell geöffnet ist oder nicht. Verwirrung mag man als Wanderer nicht.
Die Schneeschuh-Saison ist an sich vorbei.

Mittwoch, 6. Juni 2018

Lääsch, liis, lugg, blööd

Ist diese Brühe blööd?
Gestern ging mir die neue Ausgabe des Y-Mag zu, eines sehr bunten, aufwendig gemachten, vom Amt für Wirtschaft des Kantons Schwyz herausgegebenen Magazins mit Schwyz-Stoffen aller Art. Besonders mag ich jeweils die Rubrik "Kantonesisch", die ein Dialektwort behandelt. Diesmal ging es um Mundartausdrücke für "fad" bei Speisen. Die Schwyzer haben da offenbar vier Ausdrücke - wie mir scheint, gibt es diese freilich mehr oder minder auch anderswo im Land:

  1. Lääsch. Das Wort braucht man zum Beispiel für eine Suppe. Die hochdeutsche Entsprechung ist "lasch".
  2. Liis. Das Adjektiv "leise" passt zu einem dünn gebrauten Kaffee.
  3. Lugg. Ein lugger Sirup ist ein Sirup mit wenig Sirup.
  4. Blööd. Eine blöde Suppe ist schal.
Hier kann man das Magazin bestellen und abonnieren. Gratis. Die Ausgabe, um die es in meinem Eintrag geht: Nr. 25.

Dienstag, 5. Juni 2018

Warum feiern die den?

Hugo Chavez, mittlerweile verstorben, war Venezuelas Präsident - und, wie ich das sehe, eine Gruselfigur. Ein Linkspopulist, der sich diktatorisch gebärdete und mehr kaputtmachte, als er aufbaute. Und so war ich vorgestern schockiert, als ich in Brig unweit des Bahnhofs am Chavezweg vorbeikam - warum ehren die Hugo Chavez? Später, im Zug, recherchierte ich und fand heraus: Es geht um einen anderen Chavez. Jorge mit Vornamen. Der, Sohn eines aus Peru nach Frankreich übergesiedelten Millionärs, war ein Pionier der Aviatik und realisierte etliche Rekorde. 1910 startete er von Ried-Brig aus, um mit seinem Eindecker nach Domodossola zu fliegen - es sollte der erste Flug über den Alpenhauptkamm werden. Alles ging gut, bis das Flugzeug bei der Landung nach einer unkontrollierten Phase auseinanderbrach.  Chavez starb acht Tage später an den Verletzungen. In Brig erinnert an ihn auch ein Brunnen.

Montag, 4. Juni 2018

Die Leventina ist weg

Sechs Minuten bis zur Abfahrt:
Locarno, im unterirdischen Bahnhof der Centovallibahn.
Was für ein Bahnexzess! Gestern fuhr ich um 5 Uhr 22 in Zollikerberg ab. Die Stationen meiner Reise: Zollikerberg - Zürich - Bellinzona - Locarno - Domodossola - Brig (eine Verabredung) - Bern - Zürich - Zollikerberg. Die ganze Übung hatte in erster Linie mit einem Artikel für die "Schweizer Familie" zu tun; ich stelle ihn dann vor, wenn er erschienen ist. Für einmal stimmte an diesem Sonntag alles am ÖV, was vielleicht auch damit zusammenhängt, dass ich mir einen Tagesklassenwechsel leistete und erste Klasse fuhr; ich hatte hinab ins Tessin praktisch den ganzen Waggon für mich. Und auf der Centovalli-Linie war ich auch allein, abgesehen von den zwei Kondis, die auf italienischem Gebiet zustiegen und mehr als eine Stunde durchschnatterten; eines aber taten sie gar nicht: Billette kontrollieren und sich um die Fahrgäste kümmern. Die Anschlüsse wurden alle eingehalten, die einzige kleine Verspätung summierte sich auf vier Minuten bei der Abfahrt in Brig, aber bis Bern waren wir wieder pünktlich. Was mir am frühen Morgen klar wurde, während ich im neuen Bahntunnel durchs Gotthardmassiv sauste: Aufgrund der Neat ist eine ganze Tessiner Talschaft aus dem Bewusstsein des modernen Bahnreisenden eliminiert. Die Leventina findet nicht mehr statt.

P.S. Heute geht es, für einen anderen Artikel, schon wieder ins Wallis. Diesmal in die Gegend von Sion. 
Intragna. Der Kirchturm ist der höchste im Kanton Tessin.

Sonntag, 3. Juni 2018

Nach Wasserauen walzern

Der Walzer. (Screenshot aus dem
  Video der Appenzeller Zeitung).
Diese Woche wurden die neuen Wagenkompositionen "Walzer" der Appenzeller Bahnen vorgestellt. Und ich war am Freitag beruflich im Appenzellerland und fuhr Bahn, worüber ich gestern bloggte. Leserin Marianne kombinierte aus beidem, dass ich beim "Walzer"-Medienanlass gewesen war. Stimmt nicht, keineswegs. Da nun aber das Thema aufgetaucht ist, hier die Fakten, die an diesem Anlass mitgeteilt wurden: 40 Millionen Franken zahlen die AB für fünf Walzer-Kompositionen von Stadler Rail. Momentan ist Testbetrieb, kann sein, dass man als Passagier auf der Strecke Gossau - Appenzell - Wasserauen walzert. Ich selber war am Freitag auf der Strecke Gais - Appenzell unterwegs. Da waren die altgewohnten Wagen im Einsatz.

Samstag, 2. Juni 2018

Gewitterdeppen und eine schöne Zugfahrt

Schreiben kann er, der gefallene Meteorologe Jörg Kachelmann, ich fand seine Kolumne kürzlich über Gewitter amüsant. Und - gegen Schluss - nützlich mit den Tipps, wie man sich gegen den Blitz schützt. Schlüsselaussage: "Nur Deppen werden vom Gewitter überrascht." Hier geht es zum Artikel.

P.S. Gestern war ich beruflich unterwegs und fuhr eine Zugstrecke, die mich für eine halbe Stunde in die Ferien katapultierte: Gais - Stoss - Altstätten. Wunderbar, zuerst die Hochebene zwischen Sommersberg und Hirschberg und dann die Zahnradstrecke steil hinab ins Rheintal.

Freitag, 1. Juni 2018

Tramelots und Delémontains

Gestern war ich wegen einer Reportage im Jura. Wie immer, wenn ich durch eine bestimmte Gegend komme, kaufte ich mir eine lokale Zeitung, in diesem Fall das "Journal du Jura". Beim Lesen eines Artikels über Jugendliche in Tramelan, die konfirmiert worden waren, erfuhr ich, wie man die Einwohner dieses Dorfes nennt: les Tramelots. Sehr schön, ein neuer Eintrag auf meiner Liste solcher Wörter. Die Einwohner von Delémont heissen übrigens... Delémontains.

Donnerstag, 31. Mai 2018

Als Helvetien von Mainz aus regiert wurde

Kaiser Claudius. Siehe
Punkt 2. (Wikicommons)
Heute ein bitzli Römerkunde. Das Gebiet der heutigen Schweiz gehörte in der Antike fünf römischen Verwaltungsbezirken an:
  1. Das Tessin war ein Teil Italiens.
  2. Das Wallis, das zuerst zu Rätien zählte, wurde unter Claudius eine eigene Provinz, die Walliser erhielten das volle römische Bürgerrecht. Vermutlich geschah das wegen der enorm wichtigen Heerstrasse über den Grossen St. Bernhard. Man wollte die Walliser motivieren, treulich über diesen zu wachen.
  3. Genf gehörte zur narbonnensischen Provinz.
  4. Die ganze Ostschweiz samt Graubünden gehörte zu Rätien.
  5. Helvetien, der Grossteil des Gebiets der heutigen Schweiz, unterstand der Provinz Gallia Belgica. Im Jahr 90 nach Christus wurde Helvetien neu zugeteilt, nämlich der Provinz Germania superior. Verwaltungssitz war Mainz.

Mittwoch, 30. Mai 2018

Flühli will auch eine

Wilder Winkel: im Chessiloch in Flühli.
Sieht so aus, als gäbe es bald schon wieder eine Hängebrücke. Diesmal in Flühli LU, dem Dorf unterhalb von Sörenberg. Im Gebiet Chessiloch soll die Brücke den Seebenbach auf 40 Metern Höhe überqueren, 62 Meter lang würde sie, ihr Bau dürfte rund 370 000 Franken kosten. Die Gemeinde macht geltend, dass man, falls die Brücke kommt, ein Wegstück und einen Holzsteg nicht mehr brauchen wird, die in der Vergangenheit durch Hochwasser immer wieder beschädigt wurden. Und natürlich geht man in Flühli davon aus, dass eine solche Hängebrücke in sich selber eine touristische Attraktion darstellt. Wer etwas mehr wissen will, hier geht es zum Artikel von gestern online bei der "Luzerner Zeitung".

Dienstag, 29. Mai 2018

Safransenf

Amerikas Präsident hat das Atomabkommen mit Iran gekündigt. Aber Thomy, die Mayonnaise- und Senffirma, die aus der Werbung bekannt ist, in der das Kotelett in der Pfanne singt, während es mit Senf (glaubs) eingerieben wird - diese Thomy, seit 1971 Teil von Nestlé, macht einen Schritt auf Iran zu. Mit einem Senf mit, wie die Firma mir in einem Mail schreibt, persischem Safran. Handgepflückt ist der Safran auch. Ist das nicht grossartig völkerverbindend?

Montag, 28. Mai 2018

Tour de Sent

Am Samstag machte ich eine Rundwanderung um Sent - die Blumenwiesen dufteten, die Bienen summten, die Grillen zirpten derart laut, dass es Tinnitus auslösen konnte. Am allerbesten gefiel mir an meiner Route von etwas mehr als drei Stunden, dass ich das Dorf von allen Seiten sah samt dem Kirchlein mit dem spitzen Turm.