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Montag, 14. Juli 2014

Der Alte vom Bachtel

Holzbohlenstufen hinab zur Täuferhöhle. Brutal steil war das. Und glitschig.
Kotelett und Rösti auf dem Bachtel.
Holzbohlen, mit Eisenbeschlägen gesichert, dominierten unsere Samstagswanderung: Holzbohlen im Aufstieg von Wernetshausen zum Bachtel. Holzbohlen im Abstieg vom Bachtel zur Egg. Holzbohlen im Wald vom Allmen hinab zur Täuferhöhle, der so feucht und steil war, dass man sich am liebsten angeseilt hätte. Holzbohlen schliesslich auf der letzten Passage von Wappenswil nach Bäretswil.

Die 5 1/2-stündige Wanderung (Wetzikon - Hinwil - Wernetshausen - Bachtel - Egg - Allmen - Täuferhöhle - Wappenswil - Stockrüti - Bäretswil) war im Übrigen vollgepackt mit guten Dingen. Wir fanden den Anfang, die Drumlinlandschaft gleich nach Wetzikon, apart. Wir mochten die Wirtschaft Zum Bachtel in Wernetshausen, wo wir Kaffeehalt machten und uns erkundigten, wo genau Ueli Maurer wohnt (wir erfuhren es nicht). Wir liebten das Kotelett und die Rösti oben im Bachtel-Restaurant, dessen Wirt es wirklich gut macht. Wir waren von der Täuferhöhle beeindruckt, ihrer Lage unter einem Nagelfluhvorsprung, dem Wasserfällchen, der Abgelegenheit dieses Ortes. Schliesslich amüsierte uns vor dem Volg von Bäretswil, wo wir unser Schlussbier kauften, ein 76-jähriger Bauer mit quicklebendig-jungen Äuglein, der uns in fünfzehn Minuten mehr oder minder sein Leben erzählte. Und das beste von allem: Es regnete erst, als wir ausgewandert hatten. Perfektes Timing.
Die Täuferhöhle erinnert an die Anatomie eines Nashorns oder so.

Sonntag, 13. Juli 2014

Connelly und die Kofferwörter

Michael Connelly, einer der besten
amerikanischen Krimischreiber.
(Wikicommons/ Larry D. Moore)

Der Begriff "Kofferwort" kam in diesem Blog auch schon vor, es ging  um das Radom auf der Lägern; ein Zusammenzug aus "Radar" und "Dom". Kürzlich nun las ich einen ziemlich blutigen Krimi*, in dem es um zwei Schwesterstädte geht, deren eine in Mexiko liegt, die andere aber gleich über der Grenze in Kalifornien. Die mexikanische Stadt heisst Mexicali, die kalifornische Stadt Calexico. Interessant, zwei Kofferwörter, die quasi gespiegelt sind. Kann man mir folgen? Ich hoffe es.

* Ich habe in den letzten Monate alle Krimis von Michael Connelly um den Mordermittler Harry Bosch gelesen, grossartig. "The Black Ice" spielt an der Grenze, führt - eben - nach Mexicali und Calexico und handelt, wie könnte es anders sein, vom Drogenschmuggel.

Samstag, 12. Juli 2014

Bachtel und Täuferhöhle, wieder einmal

Die Täuferhöhle im Zürcher Oberland. (Wikic./ Adrian Michael)
Von Wetzikon aus peilen wir heute den Bachtel an, mir schwebt vor, oben ein Kotelett mit Rösti zu vertilgen. Rotwein ist auch gesetzt, wir simulieren den Herbst. Hernach wollen wir, wenn es nicht gerade giesst oder gewittert, zur Täuferhöhle hinüberhalten. Die finde ich immer wieder eindrücklich. Wer das Nagelfluh-Wunder besucht, landet automatisch in der Geschichte der Reformation, die sich zwar vom Katholizismus befreite, gleichzeitig aber neue Unterdrückung schuf, indem sie die Täufer verfolgte. In der nach ihnen benannten Höhle versteckten sich einst die Täufer vor den Häschern aus Zürich, bei Grabungen kamen Nischen mit Besteck zum Vorschein.

PS: Heute gibts in der Zeitung von mir eine Analyse zum Projekt einer neuen Nationalhymne. Brauchen wir nicht, finde ich; wir fahren gut mit der jetzigen - gerade weil sie so herrlich metaphorisch ist, in Wetterwörtern schwelgt und nicht konkret wird.

Freitag, 11. Juli 2014

Das Beugen des Knies

Schön! Frühe Koranabschrift; Tinte, Farbe und Gold
auf Pergament, Nordafrika oder Nahost. (Wikicommons)
Ha, der Titel führt in die Irre. Da meint doch jeder, es ginge hier um Orthopädie, um Kniefunktionalität oder um Kniebeschwerden - vermutlich eine Knieklage von Widmer-dem-Wanderer. In Tat und Wahrheit aber handelt es sich um den Titel einer der Suren (Kapitel) des Korans. Die 45. ist so benannt: "das Beugen des Knies". Und da wir nun schon bei einem völlig wanderfremden Thema sind, verweilen wir grad. Interessant ist, wie verschieden je nach Übersetzung das heilige Buch der Muslime klingt. Hier Vers 28 dieser Sure in vier deutschen Versionen. Erstens die Übersetzung der Ahmadiyya, einer Glaubensgemeinschaft des Islams; zweitens die des bekannten deutschen Orientalisten Rudi Paret; drittens die des in Deutschland lebenden Azhar-Gelehrten M.A. Rassoul; viertens die der Azhar-Universität in Kairo.
  • Und du wirst jedes Volk knien sehn. Jedes Volk wird zu seinem Buche gerufen werden: "Heute sollt ihr belohnt werden für das, was ihr getan."
  • Und du siehst (dann) jede Gemeinschaft (umma) (in Erwartung des Gerichts) auf den Knien liegen. Jede Gemeinschaft wird zu ihrer Schrift (mit dem Verzeichnis ihrer Taten) gerufen (mit den Worten): "Heute wird euch für das vergolten, was ihr (in eurem Erdenleben) getan habt." 
  • Und du wirst jede Nation auf Knien sehen. Jede Nation wird zu ihrem Buch gerufen werden: "Heute sollt ihr für das, was ihr getan habt, belohnt werden."
  • Du wirst jede Gemeinschaft kniend sehen. Jede Gemeinschaft wird zu ihrem Buch gerufen, in dem alles verzeichnet ist. "Heute wird euch vergolten, was ihr im irdischen Leben getan habt."  

Donnerstag, 10. Juli 2014

S Bedretto betrete

Das Dorf Bedretto, das ich vom Gegenhang sah. Hübsch, oder?
Mein Zmittag in All'Acqua.
Gestern morgen um fünf dachte ich, es würde ein häuslicher Tag werden, Kolumne schreiben, ein bisschen lesen, vielleicht einen Couscous kochen. Um zehn vor sechs schoss die Wanderlust ein. Ich zog mich an, warf ein paar Sachen in den Rucksack, fuhr nach Zürich und weiter nach Airolo. Um neun wanderte ich dort los ins Bedrettotal auf dem Sentiero Basso, dem Talweg. Es wurden vier gute Wanderstunden, ich sah schöne Hangdörfer, ging auf breiten Forstwegen und schmalen Waldpfaden, traf einen Tessiner Pfadfinder um die 40, der eine Wanderung für seine Jungpfadis rekognoszierte. Wir gingen eine Zeitlang zusammen und meisterten vereint einen wilden Gebirgsbach, der im Vorjahr den Steg weggespült hatte. Hernach hatte ich nasse Füsse. In All'Acqua ass ich im Restaurant an der Nufenenstrasse, der Himmel war grau, aber es regnete nicht. Der Ossobuco mit Polenta haute mich nicht um, doch das Lokal war gemütlich, ich blieb zwei Stunden und fand das Tiramisù dann doch sehr gut. Hernach zog ich einen Kilometer auf der Passstrasse hinab nach Cioss Prato, der obersten Haltstelle des Bedrettotal-Busses, und schaute zwei Holländerinnen zu, die vor der Skibuvette parkierten; ihre Männer kamen angeradelt, sie fotografierten wie wild, reichten den Männern Wasser und Schoggiriegel. Begleitfahrzeug für Radler spielen: Meine Ferien wären das nicht. Schliesslich kam der Kleinbus, ich fuhr heimwärts und bin froh, meine Bildungslücke geschlossen zu haben, ich war nämlich bis anhin nie im Bedrettotal gewesen. Im Zug das Urnerland hinab kalauerte ich vor mich hin: I ha s Bedretto jetz betrete.

Mittwoch, 9. Juli 2014

Wer hat das Schweppes erfunden, wer?

"Die Schweiz für die Hosentasche", passenderweise mit abgerundeten Ecken versehen und also rucksacktauglich, ist ein hübsches Brevier. Die Neuerscheinung, die sich bestens als Geschenklein eignet, präsentiert unser Land in Form von Listen; die einen sind einigermassen erwartbar (Auflagezahlen der grössten Zeitungen, höchste Berggipfel), die anderen doch recht überraschend (zehn Dinge, die Schweizer an Deutschen nicht mögen; zehn Dinge, die Deutsche an der Schweiz nicht mögen). Hier eine Liste mit Dingen, die Schweizer oder Leute, die in der Schweiz lange lebten, erfunden haben:
Alufolie. Birchermüesli. E-Gitarre. Elektrische Zahnbürste. Klettverschluss. Knoblauchpresse. LCD-Anzeige. Milchpulver. Reissverschluss. Schweppes. Sparschäler. Velokette. Würfelzucker.

Dienstag, 8. Juli 2014

Sorge um die Kirche Kappel

Altehrwürdige Gotik im Säuliamt: Klosterkirche Kappel.
Zürichs Grossmünster-Kirche, die Klosterkirche auf der Rheinau und die Klosterkirche von Kappel am Albis sind die drei Zürcher Kirchen, die dem Kanton gehören; die Direktion der Justiz und des Innern ist zuständig. Gestern las ich im Tages-Anzeiger, dass die ehrwürdige Kirche von Kappel offenbar am Verlottern ist, Moos und Flechten arbeiten sich die Fassade hinauf. Eine Gruppe von Liebhabern der Kirche, heute ein Haus der Stille, ist besorgt; beim Kanton freilich wusste man von nichts und wiegelte ab, als die Zeitung um einen Kommentar anfragte. Immerhin: Man hat versprochen, sich die Sache demnächst einmal anzusehen. Und sie bewegt sich doch, die Beamtenschaft.