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Samstag, 7. März 2015

Blauen zwischen Glück und Desaster

Ich mag Ortswappen. Hier
das von Blauen am Fusse
des gleichnamigen Berges.
(Wikicommons)

Heute geht es über den Blauen, also in den Baselbieter Jura, das Wetter soll recht gut werden mit einer Portion Sonne, die Bise dürfte einen angenehm erfrischen, wer weiss, vielleicht sind sogar die ersten Blümlein zu sehen, Primeln oder so. In Zwingen soll gestartet werden, in Flüh will man gut essen, am Bahnhof Basel dann schliesslich ankommen, drei Kantone auf einen Schlag also: beide Basel und dazu Solothurn. Wenn man den Tagesplan und seine Glücksmöglichkeiten derart plastisch vor sich sieht, nagt tief in einem drin allerdings oft ein kleiner Zweifel: Kann es sein, dass das alles so kommt? Was, wenn etwas passiert, ein Unfall zum Beispiel? Auch wenn man nicht abergläubisch ist, scheut man davor zurück, das Glück allzu aggressiv zu beschwören, auf dass daraus nicht Unglück werde.

Freitag, 6. März 2015

3 Minuten 46 Sekunden

Das Rössli Zollikon by night.
Kürzlich ass ich hervorragend im Rössli in Zollikon, das gerade eine neue Wirtin bekommen hat. Der Dorfkern besteht aus einigen wunderbaren alten Häusern, deren allerschönstes das besagte Restaurant ist. 1562 wurde es eingeweiht und war laut meinem ortskundigen und historisch bewanderten Freund R. offenbar vor langer, langer Zeit auch einmal ein Bordell. Sei dem, wie dem sei, heute speisen dort die Dörfler und die Reichen von der Goldküste - und natürlich der Widmer, der zwar nicht reich ist, aber ein Dörfler, wenn auch ein minderer vom Zollikerberg, dem Mittelstandsghetto. Wir hatten ein Entrecôte Café de Paris mit Allumettes-Pommesfritli und die Rössli-Crèmeschnitte. Beim Studieren der Dessertkarte ging mir durch den Kopf, dass das Lokal schon sehr nah an der gestressten Stadt liegt. Ist doch irre, dass man anmerken zu müssen glaubt, das Sabayone brauche acht Minuten. Der nächste Schritt ist vermutlich, dass sie die Kochzeit noch genauer angeben und zum Kalbsschnitzel vom Grill dazuschreiben: "3 Minuten 46 Sekunden."
Ausschnitt aus der Desserkarte, sorry für das schlechte Foto.

Donnerstag, 5. März 2015

Der Einsiedlerhof

Das Zunfthaus zur Meisen in Zürich. (Wikicommons/ Roland zh)
Ich lese gerade ein wenig Zürcher Geschichte und lerne dabei wieder so manches. Zum Beispiel dies: Unmittelbar beim Fraumünster steht das prachtvolle Zunfthaus zur Meisen von 1757. Es nimmt den Platz des einstigen Einsiedlerhofes ein, der schon 1268 urkundlich belegt ist. Der Einsiedlerhof war die Dependance des überaus mächtigen Einsiedler Abtes in der Stadt, hier residierte er bei Besuchen, hier wurden Abgaben an ihn gesammelt und gelagert. Für Zürich war der Abt ein wichtiger Partner, die Bindung wurde alljährlich erneuert, indem unter Führung der Ratsdelegation aus jedem Haus der Stadt ein Vertreter zur 40 Kilometer entfernten Gnadenkapelle pilgerte. Man war auch verburgrechtet, stand sich also bei Angriffen von aussen bei. Bis heute ist der Abt von Einsiedeln automatisch Zürcher Ehrenbürger.

Mittwoch, 4. März 2015

Die Endzeit kommt!

Eben bekam ich das neue Heft "Falstaff" zugeschickt; es geht darin um Wein, Essen, Reisen. Im Editorial wird überraschenderweise bereits die Endzeit ausgerufen. Oder doch ein sehr endzeitnaher Hedonismus, der die Zukunft verdrängt. Die beiden Herausgeber, Wolfgang und Angelika Rosam, raten der Leserschaft:
"Trinkt die besten Weine und Champagner jetzt! Leistet euch die schönsten Dinge des Lebens, ein bisschen Luxus, und verwirklicht eure Reiseträume. Es wird nicht besser! Die volatile Situation auf den Finanzmärkten und noch mehr die grosse politische Unsicherheit - denken wir nur an Russland und die Ukraine oder den Terrorismus - fordern geradezu ein neues Bewusstsein auf das Jetzt und das Heute heraus!"
Ha, danke für die Aufforderung. Ich begebe mich gleich in den Weinkeller und suche schon mal eine gute Flasche für heute abend heraus. Sollte es dann doch ein Morgen geben, werde ich den Kater irgendwie überleben. Jetzt aber im Ernst: Ist das nicht ein wenig ungeschickt, in einem Genussmagazin apokalyptisch zu werden. Die Inserenten jedenfalls könnten denken: Warum noch Anzeigen schalten, wenn doch Europa ohnehin demnächst ein Trümmerhaufen ist?

Dienstag, 3. März 2015

Der Biser war kein Biser

Während der Kantizeit und später als Student verdiente ich in den Ferien Geld mit Briefträgern in Hundwil AR. Der anstrengendste Tag kam jeweils gegen Monatsende. Ich musste dann bei 20, 30 Leuten läuten und ihnen die AHV auszahlen, meist warteten sie schon und hatten auch den Schnaps parat für "de jung Weppme". Einer meiner Kunden war der Biser, ein ruhiger älterer Mann, dem ich das Geld in seiner Stube auf den Tisch blätterte; mittlerweile ist er gestorben. Dank dem Appenzeller Namenbuch weiss ich jetzt auch, was der Familienname Biser bedeutet, der in vielen Flurnamen wie etwa Bisersweid (in Stein, Nachbargemeinde von Hundwil) auftaucht. Es gibt ein mittelhochdeutsches Verb "bisen" mit langem I. Es bedeutet: schwärmen (wie Insekten), rennen wie eine von Bremsen geplagte Kuh. Des weitern heisst "bisen": auf jemanden losgehen, sich ausbreiten, sich eilig bewegen, herumschiessen, davonschiessen. Fazit des Lexikons: "Der Übername bezeichnet einen leicht erregbaren oder ständig intensiv beschäftigten Menschen." Zu meinem Biser passt das jetzt gar nicht.

Montag, 2. März 2015

Göttliches Uster

Was soll das, fragten wir uns kürzlich in Uster. Gleich neben dem Gebäude der Kantonspolizei und der Staatsanwaltschaft steht im Rasen, zu ihrem Schutz umhagt, die Helvetia mit Schweizerkreuz auf der Brust. Fast vier Meter hoch, hält sie in der Hand eine Kugel, auf der ein vergoldeter Merkur steht mit seinem Heroldsstab, um den sich Schlangen winden. Hier die Geschichte zur kurios platzierten Skulptur: Bei ihrem Erschaffer handelt es sich um Richard Kissling, der auch den Wilhelm Tell zu Altdorf und die Alfred-Escher-Statue am Zürcher Bahnhofplatz schuf. "Helvetia und Merkur", diese Kombination von Schweizer Nationalfigur und antikem Gott des Handels, Gewerbes, Reichtums entstand 1899 und stand dann bis 1959 am Zürcher Paradeplatz, wo sie die Kunden des Schweizerischen Bankvereins empfing. Dann musste sie einem Neubau weichen. Der begüterte Walter Bechtler rettete sie vor der Verschrottung und stellte sie zuerst vor seiner Firma Luwa in Zürich-Albisrieden auf. Als die Luwa mit der in Uster basierten Firma Zellweger fusionierte, wurde die Skulptur ein zweites Mal gezügelt, nach Uster eben, in den Zellwegerpark, ein sagenhaftes Areal, das von alten Industrieweihern geprägt ist. Und von allerlei Kunst. Der kleine Merkur wurde übrigens schon einmal abgeschlagen und geklaut. Man musste ihn anhand einer Fotografie rekonstruieren. Der Zaun rundum hat also seinen Sinn.

Sonntag, 1. März 2015

Lasset die Blümlein kommen

Schön wärs.
So, wir haben den ersten März. Der meteorologische Winter, der die drei Monate Dezember, Januar, Februar umfasst, ist zu Ende. Die nächsten drei Wochen sind eine spezielle Zeit im Jahreskalender, denn gleichzeitig dauert der astronomische Winter bis zur Frühlings-Tagundnachtgleiche an. Wir haben also ab heute Winter und nicht mehr Winter. Wenn die Theorie widersprüchliche Aussagen liefert, muss die Praxis übernehmen. Ein Blick aus dem Fenster ergibt, dass der Rasen um mein Haus noch eine weisse Decke hat: Winter! Hoffen wir, dass er sich in den nächsten 20 Tagen verzieht; lasset die Blümlein kommen!