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Donnerstag, 14. Mai 2015

Ich gab mir den Spir

Der Vorderrhein in der Ruinaulta-Schlucht, gesehen vom Spir.
Die Anzeigetafel im Bahnhof Zürich zeigte mir gestern morgen um 5.40 Uhr ein Problem mit der Gotthardlinie an: Strecken-Unterbruch in Erstfeld, Ersatzbusse im Einsatz, massive Verspätungen. Ich griff zum Handy, wählte den Dropbox-Ordner mit meinen Wanderideen und suchte mir meinen Plan B; Plan A wäre Chiasso gewesen. Ah ja, genau, schon seit einiger Zeit wollte ich mir "Il Spir" ansehen. Ich fuhr nach Chur, stieg um nach Flims, war um neun da, zottelte eine Stunde durch den Wald hinab nach Conn - da war der "Spir" oder Mauersegler, wie die Aussichts-Plattform über der Ruinaulta-Schlucht auf Deutsch heisst. Der Blick auf den Vorderrhein 350 Meter unter mir war grandios. Nachdem ich mich sattgeschaut hatte, setzte ich fort nach Trin-Digg und Tamins. Dort Wanderende nach dreieinhalb Stunden, ich fuhr heim und fand, dass ich etwas Schönes gesehen hatte. Nach Chiasso geht es später einmal.
Die Plattform erinnert wirklich an einen Vogel.

Mittwoch, 13. Mai 2015

75B

Heute nur ein kurzer Eintrag, ich will gleich los und um sechs in Zürich den Zug ins Tessin nehmen; es geht nach Chiasso, eine lange Fahrt. Verschiedene Dinge will ich mir dort unten wandernd zuführen, darunter zum Beispiel den Grenzstein 75B, der den südlichsten Punkt unseres Landes markiert. Ebenso wie auf das Laufen freue ich mich auf das Reisen, ich führe einiges an Literatur mit, etwa Gottfried Kellers "Züricher Novellen" sowie einen ebenfalls schon angelesenen Krimi von P.D. James, in welchem ein Serienmörder namens "The Whistler" in Norfolk sein Unwesen treibt. Sowie diverse Heftli. Doch, ich bin gerüstet für gut acht Stunden Zug.

Dienstag, 12. Mai 2015

Ballys pädagogischer Patriotismus

Das "Tor" zum Park, wenn man von Schönenwerd her kommt:
das Bally-Kosthaus von 1919, eine soziale Einrichtung für die Arbeiter.

Das Pfahlbauerdörfchen. Eine Brücke gibt es nicht.
Tausend Mal im Zug von Zürich nach Bern Schönenwerd passiert, immer wieder mal den Park zur Kenntnis genommen, mehr nicht. Kürzlich gingen wir hin und durchzogen den Bally-Park. Er entstand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und liegt zwischen der Aare und dem ehemaligen Fabrikkanal. Sein Stifter war Carl Franz Bally, der Begründer der Schuhfabriken, der die öffentliche Anlage aus Unternehmer-Stolz, aber auch aus Bürgersinn und sozusagen pädagogischem Patriotismus begründete. Er wollte den Leuten ein Flaniererlebnis und Naherholung bieten und zudem die Identität des jungen Bundesstaates zelebrieren. Darum das Pfahlbauerdörfchen; in den Pfahlbauern sahen die Schweizer damals ihre wahren Vorfahren. Der Bally-Park ist bis heute eine tolle Sache, man kommt in zehn Gehminuten der Aare entlang (flussaufwärts) hin.

Montag, 11. Mai 2015

Auf einmal waren sie weg

Beromünster vom Schlosswäldli (Waldkathedrale) aus gesehen.
Samstag: von Sursee via Schenkon und Grüt auf den Blosenberg zum stillgelegten Turm des einstigen Landessenders Beromünster und auf dem "Radioweg" und durch die Waldkathedrale nach Beromünster. Daselbst Zmittag. Hernach weiter zur Wendelkapelle und über den bewaldeten Erlosenkamm nach Römerswil und hinab nach Hochdorf (6 1/4 Stunden, 24 km, 530 m aufwärts, 550 abwärts). Ein paar Dinge:
Sieht gut aus, oder?
  • In Sursee schauten wir uns den Pranger am Rathaus an. Eine Frau fragte uns, ob wir die für die Stadtführung angemeldete Gruppe seien. Sie sei die Führerin. Hätten wir ja gesagt, wäre es gleich losgegangen.
  • In Greuel sahen wir neu gebaute Häuser, die zum Namen dieses Ortsteils von Schenkon passten.
  • Auf dem Grüt gsprächleten wir mit einem alten Bauern. Er sagte, früher sei er viel in die Berge und habe einmal in Italiens höchster Berghütte übernachtet. Sie liege auf 6700 Metern.
  • Auf dem Blosenberg sichteten wir bei Hörstation 7 des Radiowegs eine pendelartig aufgehängte Kugel. Kunst? Wer dazu etwas weiss, bitte melden!
  • Die Waldkathedrale kurz vor Beromünster war toll und untoll zugleich. Die Prachtanlage, angelegt für die Chorherren des Stifts zu Beromünster und deren Lustwandeleien, war einst eine Art englischer Garten mit niedrigen Bäumen, Hecken, Rasen. Weil man sie später dem freien Wachstum überliess, ist die geometrische Herrlichkeit nur noch erahnbar.
  • Sehr gut das Essen im Hirschen, einem charismatischen Gemäuer neben dem Stift. Ich hatte ein Kalbssteak mit Morchelsauce, Spargeln, Frühkartoffeln, dazu gab es Rotwein.
  • Im Erlosenwald kamen wir zum Vogelmoos. Eine traumhafte Naturfläche; zuhause fand ich heraus, dass sie gar nicht alt ist. 
  • Selbst die allerrobusteste Blase der Welt kann an ihre Grenzen stossen. Nach Römerswil musste ich pinkeln und schlug mich kurz in die Büsche. In der Zwischenzeit schaffte es mein Grüpplein, vom rechten Weg abzukommen. Ich langte allein in Hochdorf an, trank ein geeistes Sagres und koordinierte per Handy das Wiedersehen mit den anderen im Zug Richtung Lenzburg.
    Im Vogelmoos.

Sonntag, 10. Mai 2015

Abschaffe!

Alles auf Erden vergeht, bloss die Verwaltung besteht; man weiss es ja. Angesichts des neuen, superteuer gemachten Jahresbericht-2014-Heftlis der Swisstopo, also des Bundesamtes für Landestopographie, dachte ich: Wozu? Wozu ein solches Heftli? Vermutlich dazu, dass der Direktor Fridolin Wicki cool aus der Tür eines Landestopographie-Flugzeuges schauen darf - um in seinem Geleitwort unsägliche Wischiwaschi-Managerspeak-Sätze abzusondern:
"Die fachlichen Kompetenzen, die Erfahrung und die persönliche Motivation unserer Mitarbeitenden in Kombination mit Offenheit und Neugierde sind unser grösstes Kapital. Darauf bin ich enorm stolz - und überzeugt, dass wir für die Herausforderungen der Zukunft bestens gerüstet sind."
Gähn. Abschaffe! Den Chef und das Heftli. Das Bundesamt natürlich nicht.

Samstag, 9. Mai 2015

Blosenberg, wir kommen

Schmuck, der Blosenbergturm.
(Wikicommons/ Rekoki)
Heute geht es von Sursee direkt in die Mediengeschichte. Wir wollen zum Blosenbergturm, einst Hauptsendeturm des Landessenders Radio Beromünster, das 1931 startete und 2008 stillgelegt wurde. Vom Blosenberg soll es auf dem jungen Radioweg - einem Themenweg mit Hörstationen - hinab nach Beromünster gehen. Ich freue mich.

P.S. Zürich stimmt bald einmal ab, ob es an ein Zürich-Museum zahlen will; es geht um eine Ausstellungsfläche im bestehenden Landesmuseum, auf welcher die Stadt ihre Geschichte, Gegenwart und Zukunft darstellen würde. Ich und zwei Tagikollegen schauten uns in diesem Zusammenhang in Bern, Basel, Lausanne und Genf um: Wie präsentieren sie dort ihre Historie? Der Artikel ist interessant geworden, meine ich; hier kann man ihn nachlesen.


Freitag, 8. Mai 2015

Leidenschaftlicher Einzelgänger

Mein Wanderfreund René P. Moor legt ein neues Buch vor mit einem schönen Titel: "Rucksacktage". 50 Schweiz-Routen sind darin gesammelt, vor allem Kolumnen aus der "Tierwelt". Moor liest man immer gern, er hat das Auge für witzige Details und Bizarrerien des Alltags; es geht zum Beispiel nach Moskau, einem Weiler der Schaffhauser Grenzgemeinde Ramsen. Überhaupt staune ich immer wieder, wie Moor, übrigens auch ein begnadeter Fotograf, die Energie findet, ungewöhnliche Übungen zu veranstalten - wo andere in der kalten Jahreszeit die Sonne suchen und sich um die Bergbahnen scharen, propagiert er den "Reiz des Winterschattens" zwischen Schwanden und Aussereriz und steigt in die vereisten Gräben, wo Ruhe herrscht. René P. Moor: ein leidenschaftlicher Einzelgänger.