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Mittwoch, 3. Juli 2019

Dürler und Denzler

200 Meter südöstlich des Üetliberg-Restaurants Uto Staffel steht am Wanderweg Richtung Balderen und Felsenegg ein wenig verlassen dieser Gedenkstein im Unterholz. Die verwitterte Inschrift erinnert an Friedrich von Dürler, Stadtzürcher Armenpflege-Sekretär. Er kehrte im Spätwinter 1840 auf dem Zürcher Hausberg ein. Hernach wollte er in einer steilen Rinne talwärts rutschen, dies aufgrund einer Wette mit Freunden. Er schlug mit dem Kopf gegen einen Felsen und starb. Tragisch, denn Dürler war an sich kein Geländesimpel; er war bekannt als einer der ersten Besteiger des Tödi, des höchsten Glarner Berges (1837). Ein Pionier der Turnerbewegung war er auch, es mangelte ihm also nicht an Sportlichkeit. Der Üetliberg ist mit Namen und Geschichten bepackt. Ein zweites Beispiel: Der Denzler-Weg vom Albisgüetli auf den Gipfel ist benannt nach dem Bäcker Felix Denzler, 1863 bis 1917. Er trug täglich sein frisches Brot von der Stadt die steilen Stufen hinauf zum Kulm-Gasthaus, die Rede ist von 4000 Besteigungen.

Dienstag, 2. Juli 2019

Dänengeld

Karl der Kahle. Das Porträt findet sich in
seinem eigenen Gebetbuch. (Wikicommons)
Im Spätmärz des Jahres 845 fahren 120 Langschiffe die Seine hinauf. Wikinger! Diese scheussliche Soldateska aus Skandinaviern ist damals schon seit Jahrzehnten gefürchtet, auch in England hat es Überfälle gegeben. Die Nordmänner gehen mit äusserster Gewalt vor. Sie töten auch Wehrlose. Oder sie verschleppen sie in die Sklaverei. Dass ihr allerliebstes Jagdgebiet das Baltikum ist und sie auch ins heutige Russland übergreifen, erklärt die Herkunft unseres Wortes "Sklave", englisch "slave"; es kommt ziemlich sicher vom ethnischen Begriff "Slawe". Zurück an die Seine. Dorf um Dorf am Fluss wird in Schutt und Asche gelegt. Paris ist bedroht. Die Armee Karls des Kahlen, wie der damalige Frankenkönig und christliche Kaiser heisst, flieht. Der verzweifelte Karl offeriert den Wikingern 7000 Pfund Silver, wenn sie abziehen. Diese akzeptieren und verziehen sich. Doch sind sie nun auf den Geschmack des Geldes gekommen. In Zukunft wird es solche Zahlungen immer wieder geben, sie sind für die Invasoren ein gutes Geschäft. Gerade lese ich eine Geschichte der Wikinger. Sie ist Seite für Seite abstossend. Und lehrreich. Zum Beispiel wusste ich nicht, dass für diese Art Tributzahlung bald ein eigener Begriff aufkam, der auf Deutsch und Englisch gleich lautet: "Danegeld". Dänengeld.

Montag, 1. Juli 2019

Jrtzt bin ich auch ein Insider

Auf dem Kettenweg unter der Üetliberg-Plattform mit dem Aussichtsturm.

Zum Lindenweg gehören Stege.
Am Samstag begingen wir abenteuerliche Pfade am Üetliberg: Kettenweg, Coiffeurweg, Lindenweg. Wir starteten in Wettswil bei der Bushaltestelle Eggächer. In der Halbzeit kehrten wir ein im Waldbeizli Jurablick, wo ich Rosensirup trank. Und am Ende nahmen wir im Sternen Albisrieden in Zürich in einem von Kastanienbäumen beschatteten Biergarten einen späten Zmittag. Die Route war schlau gewählt, wir gingen die meiste Zeit im Wald und merkten kaum etwas von der Hitze, eine feine Brise trug dazu bei. Und nun bin ich also ein stolzer Insider des Zürcher Hausberges. Einer, der um die Schleichwege an dessen steilen Hängen weiss. Wer sich interessiert, hier unsere Route, 4 1/2 Stunden, 660 Meter aufwärts, 800 abwärts, Nachmachen auf eigenes Risiko.
Widmer ist oben. Das Geländer gehört zur Üetliberg-Plattform. Das Velo links stört.

Sonntag, 30. Juni 2019

Batts Haltestelle

Beatus heilt Blinde und Lahme. In der
Illustration von 1511 wird er "Sant
Bat" genannt. (Wikicommons)
Eben war ich zu Besuch bei der Mutter. Die Postautofahrt von St. Gallen nach Stein führt jeweils bei der Haltestelle Battenhaus vorbei, sie liegt in Niederteufen. Seit ich mich mit Ortsnamen befasse, weiss ich, was der Name der Haltestelle bedeutet; anhand der wissenschaftlichen Datenbank lässt sich seine Herkunft eruieren. "Batt" ist ein Kosename für Beat. Das Battenhaus ist das Haus des Beat. Ein solcher muss dort einmal gelebt haben.

Samstag, 29. Juni 2019

Die grossen Sieben

Der Leuchtturm von Pharos in der Rekonstruktion des
Archäologen Hermann Thiersch. (Wikicommons)
Unlängst war hier die Rede von den sieben Weltwundern des Altertums. Wobei "Welt" in diesem Fall aus Sicht der griechischen Zivilisation gedacht ist. Südamerika oder China bargen damals mindestens so beeindruckende Wunder. Bloss waren diese Regionen den Menschen am Mittelmeer und im Vorderen und Mittleren Orient, deren Sicht der Welt uns überliefert ist, nicht bekannt bzw. vertraut. Hier die sieben Weltwunder gemäss der antiken Liste, die unter anderem auf Herodot zurückgeht:
  1. Die Hängenden Gärten der Semiramis in Babylon, siehe den erwähnten Eintrag.
  2. Der Koloss von Rhodos. Eine 30 Meter hohe Bronzestatue des Sonnengottes Helios, die später durch ein Erdbeben vernichtet wurde.
  3. Das Grab des Königs Mausolos II. in Halikarnass. Die Anlage war prachtvoll und protzig. Sie prägte sich samt ihrem Namen ein, weswegen wir heute noch das Wort "Mausoleum" kennen.
  4. Der Leuchtturm auf der Insel Pharos im Meer vor Alexandria an der ägyptischen Mittelmeerküste. Er war über 100 Meter hoch.
  5. Die Pyramiden von Gizeh in Ägypten am Rande des heutigen Kairo. Die muss ich nicht erklären, jeder kennt sie.
  6. Der Artemistempel von Ephesus. Er galt als grösster Tempel überhaupt.
  7. Die Zeusstatue des Künstlers Phidias. Ein sitzender Koloss von 13 Metern Höhe, aus Gold und Elfenbein gefertigt.

Freitag, 28. Juni 2019

Tod am Hausberg

Der Üetliberg mit Fernmeldeantenne, Restaurant und
(r.) Aussichtsturm. (Foto: Andreas Faessler/Wikicommons) 
Mit dem Üetliberg ist nicht zu spassen, er birgt Gefahr, eben mussten wieder einmal Leute aus einer Steilflanke gerettet werden, zwei amerikanische Jungtouristinnen, die auf Abwege geraten waren. Nicht dass die Einheimischen vor Ungemach gefeit wären, auch Zürcherinnen und Zürcher geraten an ihrem Hausberg bisweilen in Gefahr. Das war schon immer so. 1567 machten sich zwei junge Stadtzürcher auf zur Üetzgi-Tour. Sie bezahlten sie mit dem Leben. Nun gut, in diesem Fall war kein Unfall schuld. Der eine junge Mann starb auf dem Rückweg, weil er "kaltes Wasser in die Hitze hinein getrunken" hatte. Und der andere hatte sich offenbar überanstrengt und erlag zwei Wochen später einer Krankheit. Das kuriose Aperçu findet sich in einem NZZ-Artikel, den ich gestern mit Genuss las. Er widmet sich den heiklen Seiten des Üetlibergs und berichtet, wie auf dem lieblichen Hügel gar ein Pionier des Schweizer Alpinismus zu Tode stürzte. Oh weh! Morgen wollen wir am Üetliberg abenteuerliche Kraxelpfade erkunden. Freilich kennt sich unser Führer Peider aus und werden wir mit Bedacht gehen und genug Wasser mitnehmen. Ich rechne also damit, die Sache zu überleben und nächstens Bericht erstatten zu können.

Donnerstag, 27. Juni 2019

Eisluft im Sommer

Der Farnihubel 50 Gehminuten nordöstlich von Iseltwald ist ein toller Aussichtspunkt. Man blickt hinab auf den Brienzersee, hat über dem See den langgezogenen Grat vom Harder zum Brienzer Rothorn mit dem Augstmatthorn vor sich, sieht auch auf Iseltwald. Noch fantastischer ist der Wanderweg, der  ab Iseltwald zum Hubel führt. Er zweigt von der Hauptroute Richtung Schweibenalp ab als Sackgasse. Man gerät in eine Blockschutthalde mit umgestürzten Bäumen, Felsen und Höhlen, die Steine tragen Moospolster, eiskalte Luft steigt zwischen ihnen hoch. Als wir am Dienstag dort waren, fanden wir, dies sei der perfekte Ort für die, die die Hitze nicht ertragen.