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Montag, 2. Oktober 2023

Die Motorradoase

Wanderweg verpasst. Immerhin ist Obstalden schon einigermassen nah.
Das Töff-Oäschen an der Strasse.
Auf Harleys spezialisiert: "Glarona Choppers". (Foto: Ronja)

Man hat nach dem Abstieg von doch 1200 Höhenmetern einen Höllendurst. Sieht nun bereits das Dorf Obstalden vor sich, wo die Wanderung enden wird. Realisiert allerdings gleichzeitig, dass man den Wanderweg verpasst hat, der auf der Höhenkurve hinführen würde. Stattdessen ist man zu tief unterwegs und wird die letzten paar hundert Meter auf der stark befahrenen Strasse laufen müssen. Aufwärts. Ohne Trottoir. Auch ist einem klar, dass in Obstalden eine Einkehr nicht möglich ist und auch der Dorfladen zu haben wird. Hechel. Und dann taucht wie eine Oase in der Wüste vor dir an der Strasse ein Etablissement namens Glarona Choppers auf, ein Ort, an dem Harley-Davidson-Motorräder verkauft, repariert oder auch auf das jeweilige Kundenbedürfnis zugerüstet werden. Und vor dem Haus stehen ein paar Tischli und ein Schild, das einlädt, sich hier niederzulassen. Genau das taten wir, fanden im Inhaberpaar extrem nette Leute vor und hatten schnell auch ein paar kleine Bier auf dem Tisch. Das Bier war, was die Frau grad sagte, als sie es servierte, soeben abgelaufen, weswegen wir es nicht zu bezahlen brauchten. Ist das, so geschehen am Samstag nach einer Wanderung in den Glarner Alpen, nicht wunderbar? Ich bin jetzt Harley-Fan.

Sonntag, 1. Oktober 2023

Drei Stunden Surselva

Der Stausee von Brigels, hinten das Dorf.
Dasselbe Gewässer anders gesehen.
In Danis gabs direkt am Wanderweg
durch das Dorf einen Hofladen.
Am Dienstag fuhr ich nach Waltensburg in der Surselva. Im Ortsteil Sumvitg startete ich und zog von dort nach Breil/Brigels, wobei ich bald einmal den Flem überquerte und im Folgenden nördlich dieses Flüsschens ging. Das Wetter war schlicht und einfach perfekt, alles blitzte und glänzte. Der See von Brigels, gestaut aus dem Flem, gab ein Postkartenfoto her. Im Dorf kaufte ich mir beim Bäcker einen Hefenussgipfel und einen Kafi, schaute in die Kirche und nahm dann die zweite Hälfte der Route in Angriff, steil ging es hinab nach Tavanasa. Und ich entdeckte, dass es ein Fehler wäre, diesen Hang zu verschmähen, weil es höher oben womöglich schöner ist und vermeintlich Lohnenderes wartet. Die alten Verbindungswege zwischen Brigels, Dardin, Danis und Tavanasa sind gut instandgehalten, eine Passage spielt Höhenweg, ein andermal ist man in einem Hohlweg unterwegs. Unten in Tavanasa war ich sehr zufrieden mit meiner bloss dreistündigen Unternehmung  (315 Meter abwärts, 565 Meter aufwärts). Einzig bereute ich es, nicht einen zweiten Nussgipfel für die lange Heimreise gekauft zu haben.
In Danis, nah der Brücke über den Vorderrhein. Dieses farbige Haus ist ein Hostel.

Samstag, 30. September 2023

Das Problem

Leider kann ich heute morgen bloss diese „Notbotschaft“ absetzen, liebe Leserin und lieber Leser. Ich bekam ein SMS von der Swisscom, Netzproblem in meinem Gebiet. Allen einen schönen Tag, ich selber gehe nächstens aus dem Haus, wir wandern in der Walenseeregion.

Freitag, 29. September 2023

Der doppelte Flem

Der westliche Flem zwischen Waltensburg und Andiast.

Dass zu Flims der Flem gehört und dass dieser Fluss, der unterhalb des Segnespasses entspringt und im Vorderrhein endet, dem bekannten Tourismusort ja auch den rätoromanischen (und davon abgeleitet den deutschen) Namen gegeben hat – dass wusste ich. Hingegen realisierte ich erst vor kurzem, dass es gut 20 Kilometer weiter westlich, ebenfalls in der Surselva, einen zweiten Flem gibt. Er kommt aus dem idyllischen Val Frisal, passiert unter anderem Breil/Brigels und mündet in den Schmuèr, der seinerseits im Vorderrhein aufgeht. Am Dienstag überquerte ich diesen weniger bekannten anderen Flem in der Nähe von Waltensburg und machte natürlich auf dem Steg ein Foto. Der Name, den die beiden Gewässer teilen, ist naheliegend. Flem kommt von lateinisch flumen, Fluss. Halt, das ist jetzt ein wenig zu einfach, auch wenn ich es lange als gegeben annahm. Die Dialektforschung vermutet, dass flem nicht direkt aus dem Lateinischen abgeleitet ist, sondern einer älteren, diesem verwandten Sprache stammt. Eventuell ist es das Venetische

Donnerstag, 28. September 2023

Byzanz in Sarnen

Alles so schön rund: die Sarner Kollegikirche.

Der Innenraum ist reizvoll unübersichtlich.

Am Montag kam ich in den Genuss einer Führung durch Sarnen. Wars eine Stadtführung? Der Obwaldner Hauptort hat mittlerweile etwas mehr als 10 000 Einwohnerinnen und Einwohner, versteht sich aber als grosses Dorf. Doch lassen wir das. Ich möchte nämlich berichten, dass mich eine Kirche begeisterte. Die Kollegiumskirche St. Martin, die zum angrenzenden Benediktinerkloster gehört. Sie ist riesig, weil sie entstand, während die Benediktiner noch ihr Internat führten, das Kollegi. 300 Schüler plus die Mönche mussten hineinpassen. Die Kollegikirche, wie sie genannt wird, ist ein Wunderwerk allein des Lichtspiels wegen, es gibt praktisch keine Fenster in den Wänden, das Tageslicht, ergänzt durch schlau geführtes Kunstlicht, kommt von der Decke und beleuchtet jede Ecke und jede Fläche anders. Fasziniert war ich aber auch vom umlaufenden Gang um den Mönchschor und das Schiff, die in diesem Gotteshaus übrigens nicht durch ein Gitter abgetrennt sind, die beiden Welten mischen sich. In dem Gang gibt es 12 Nischen mit Einzelaltären aus Beton. Die Kollegikirche entstand, während in den 1960er-Jahren das Zweite Vatikanische Konzil lief, ein Reformprojekt, das den Brauch praktisch beseitigte, dass jeder Priester täglich seine eigene Messe lesen muss; stattdessen setzte das Konzil die grosse Messe in Anwesenheit der Gemeinschaft der Gläubigen durch. Doch eben, die 12 Seitennischen waren eingebaut, als die Kirche 1966 eingeweiht wurde. Als erster moderner Sakralbau der Innerschweiz gilt sie, ihr Urheber war der Zürcher Architekt Ernst Studer, ein Bewunderer Le Corbusiers. Studer hat eine Kirche kreiert, die praktisch ohne rechte Winkel auskommt, die vielen Rundungen verleihen ihr Schwung. Auffällig sind die flachen Kuppeln, die an Byzanz erinnern. Eines bedachte Studer freilich nicht. Nämlich, dass es hierzulande extrem viel mehr regnet als im Orient. Das Wasser sammelte sich im Lauf der Jahrzehnte am Rand der einzelnen Dachflächen, drang in die Wände ein, es kam zu Frostschäden und Rissen. 2007 musste die Kollegikirche für 900 000 Franken saniert werden. Seither ist wieder alles gut.
3 der 12 Altarnischen.

Mittwoch, 27. September 2023

Mein neuer Lieblings-Löwen


In Oberriet im St. Galler Rheintal hätte ich kürzlich gern zu Mittag gegessen. Aber das Restaurant, auf das ich aspirierte, hatte Ruhetag. Ich beschloss heimzufahren, das Smartphone gab mir als Verbindung nach Zürich die Route via Buchs und Sargans an. Im Zug stellte ich fest, dass ich wirklich ein Hüngerli hatte. Auch war mir nach gediegen, ich hatte an dem Tag etwas zu feiern. Wieder konsultierte ich das Smartphone, das halt wirklich smart ist. Ich stiess auf das Zunfthaus zum Löwen in Sargans, rief dort an; ja, man habe Platz, hiess es. Gegen zwölf pilgerte ich vom Bahnhof Sargans ins Städtli hinauf, eine manierliche Welt einiger weniger Gassen und Strassen unter dem Schloss. Am Kirch- und Marktplatz fand ich mein Zunfthaus und las beim Eintreten die Tafel, gemäss der dort schon im 17. Jahrhundert ein Gasthaus stand, das freilich dem Stadtbrand von 1811 zum Opfer fiel; gut zehn Jahre später entstand der Nachfolgebau im Biedermeierstil. Interessant. Ich liess mich in der guten Stube platzieren, draussen essen hasse ich, wenns nicht grad beim Wandern ist und wirklich heiss. Im Folgenden schwelgte ich, man sieht es auf dem Foto: Alpensaibling mit Äpfeln und gelben Randen, zu dem Fischtartar gehörte auch eine Fischglace. Gang Nummer zwei, das war das Wolfsbarschfilet mit Schwertmuschel, einer Art Chorizo-Chip, Bohnencassoulet und Peperoni, ich fand es optimal, wie das Stück Fisch, das einem so nature auch langweilig werden könnte, durch die Beigaben konkurrenziert wurde – tolle Kombination. Zum Schluss gabs fünf Sorten Käse, wieder toll. Ah ja, die Weinbegleitung nahm ich auch in Anspruch. Beschwingt fuhr ich am Ende heim und habe mir vorgenommen, wieder mal, wenn ich besonders und Besonderes speisen will, in diesem Restaurant zu essen. In meinem neuen Lieblings-Löwen.

Dienstag, 26. September 2023

Das Öko-Bijou

Reizvolles St. Galler Gewässer: der Wichensteinsee.

Letzte Woche hatte ich in Oberriet im St. Galler Rheintal zu tun. So nebenbei wanderte ich zum nahen Wichensteinsee am Ostfuss des Semelenberges und umrundete diesen auf einem Weg, an dem Tafeln einiges zur Flora und Fauna erklären. An einer Stelle ist eine Beobachtungsstation eingerichtet, von der aus man die beiden Becken, in die der See zerfällt, einigermassen überblickt samt dem Riedgürtel. Dies ist zusammen mit der nahen Grube Loo Naturschutzgebiet, es gibt hier ein Flachmoor, in dem rare Amphibien laichen, die Gelbbauchunke etwa. Auch das Teichhuhn, der Teichrohrsänger und die Sumpf-Heidelibelle gedeihen auf der wertvollen Fläche. Mit der erwähnten Grube Loo hat der Wichensteinsee eines gemeinsam: Auch er war – bis 1972 – eine Lehmgrube.