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Mittwoch, 12. Februar 2025

Starke Szenen in Delémont

Adam und Eva in der "Moutier-Grandval-Bibel". (Wikicommons)
Wunderschön, oder? Wir sehen die Geschichte von Adam und Eva. Die farbenfrohe Illustration findet sich in der "Moutier-Grandval-Bibel", einem grossformatigen, überaus wertvollen Band, der um 840 in einem Kloster in Tours in Frankreich entstand. Später kam er ins Kloster Moutier-Grandval im Schweizer Jura; nachdem dieses aufgehoben worden war, wurde er 1836  an die "British Library" in London verhökert. Die hat die Bilderbibel nun für eine Ausstellung ans "Musée Jurassien d'Art et d'Histoire" in Delémont, dem Hauptort des Kantons Jura, ausgeliehen. Bis zum 8. Juni können wir sie uns dort anschauen und staunen. Zum Beispiel über die Szenen, die zeigen, wie Adam und Eva erschaffen werden, sich von der Schlange betören lassen, den verbotenen Apfel vom Baum pflücken, sich ihrer Nacktheit plötzlich schämen, Kleider anziehen, aus dem Paradies verstossen werden. Fortan ist die Menschheit verflucht: Eva, die erste Frau, hat unter Schmerzen geboren. Und Adam rackert auf dem Acker.

Dienstag, 11. Februar 2025

Grenzfall am Rhein

Das "Waldheim" (links oben) steht auf der Grenze Deutschland–Schweiz. Zur
Orientierung rechts das Kloster St. Katharinental TG. Die dicke violette Linie bezeichnet
die Staatsgrenze, die dünne im Fluss die Kantonsgrenze SH–TG. (Schweizmobil)

Zwei Screenshots aus dem Fernsehbeitrag über das Restaurant.
Unten die markierte Grenze quer über die Terrasse. Die Leute oben sitzen in der Schweiz.
Man sieht vieles beim Wandern. Und vieles sieht man nicht. Das Restaurant Waldheim steht südlich von Dörflingen an einer Wiesenhalde am Rhein, die Aussicht auf das Wasser ist herrlich, wir tranken drinnen etwas. Die Markierung, die sich draussen über die Gartenterrasse zieht, beachteten wir nicht. Dabei zeichnet sie eine Staatsgrenze nach: Das "Waldheim", in dem das sympathische Ehepaar Buenacosa-Gietl wirtet, er Deutscher, sie Filipina, steht zum Grossteil in Deutschland. Der Teil der Terrasse zum Rhein hin aber, der ist Schweizer Gebiet. Man sieht das in einem Fernsehbeitrag, den ich mir einen Tag nach der Restaurantvisite zuführte.
Wir bei unserer Einkehr am Samstag.
Auch hier sieht man die Grenzmarkierung.
 

Montag, 10. Februar 2025

Wenn sein Eis schmilzt ...

Plant jemand einen Firmenausflug? In Thayngen wüsste ich etwas.
Zwischen Winter und Frühling: am Morgetshofsee.
Hier war ich nie zuvor: Dörflingen.
Die machten einen Höllenlärm. (Foto: Ronja)
Am Samstag zogen wir von Thayngen nach Schaffhausen, die Sonne schien, das machte die Unternehmung von Anfang beschwingt. Dörflingen, das wir nach gut anderthalb Stunden erreichten, war mir neu, das letzte Schaffhauser Dorf, das ich bislang nicht besucht hatte. Weiter südlich, nun am Rhein, tranken wir zur Halbzeit der viereinhalbstündigen Wanderung im Ausflugsrestaurant Waldheim" etwas. Waren wir zuvor auf den weiten Flächen und in den ebenso weiten Wäldern des Reiat unterwegs gewesen, so folgten wir nun dem Flussufer. Durchquerten bald Büsingen, das vollständig von Schweizer Territorium umgebene deutsche Dorf. Erblickten einige Zeit später den Munot und beendeten schliesslich die Tour beim Bahnhof von Schaffhausen mit einem deftigen Nachmittagsessen im "Santa Lucia". Toll wars gewesen. Wenn ich von den vielen Highlights eines besonders erwähnen müsste, wäre es der Morgetshofsee. Wenn die dünne Eisschicht, die ihn deckt, schmilzt, dann ist es Frühling. Wie lange es noch dauert, bis die Frösche quaken, weiss ich nicht.
Im Rheinhölzle, eine knappe Gehstunde vor Büsingen.

Sonntag, 9. Februar 2025

Das Tor der Frauen

Das Frauentor an der Strasse von Cumbel hinab nach Ilanz.
Schweizmobil-Koordinaten: 735284 177991. 
(Foto: Adrian Michael / Wikicommons)
Die Plakette, an der wir vorbeiwanderten.
Als wir kürzlich im Lugnez winterwanderten, kamen wir zwischen Vella und Vattiz an einer Reihe von Pfosten mit historischen Plaketten vorbei – eine Timeline zur Geschichte des Tales. Eine Plakette erwähnt den Kampf der Lugnezer Frauen wenige Kilometer entfernt bei Porclas im Jahre 1352. Belegen lässt sich dieses Vorkommnis im Zusammenhang der Belmonter Fehde nicht, es ist wohl eher eine Sage. Im genannten Jahr führten die Herren von Belmont, das regionale Adelsgeschlecht, jedenfalls in der Surselva, zu der das Lugnez gehört, erfolgreich einen Aufstand gegen die Grafen von Werdenberg-Heiligenberg an. Geblieben ist davon zwischen der Stadt Ilanz, die damals niederbrannte, und Cumbel im Lugnez am Strassenrand ein Tor. Der Rest einer Sperranlage, die auch eine verschliessbare Tür bzw. ein Fallgatter im Tor umfasste sowie eine gut sechs Meter hohe Mauer. Das Tor heisst "Frauentor" und ist im Wappen von Cumbel abgebildet. Hätte ich auf der Talfahrt im Bus nach Ilanz bloss besser aufgepasst, statt mit meinen zwei Bündner Sitznachbarn zu plaudern. Dann hätte ich das Frauentor bei Porclas gesehen. Laut der Sage sollen sich die Frauen des Lugnez dort wacker an der Abwehr des Feindes beteiligt haben.
Das Wappen von Cumbel GR. (Bernina/Wikicommons)

Samstag, 8. Februar 2025

Das letzte Dorf

Einmal Winterwandern, einmal Wandern im Winter.
Es gibt, was das Wandern im frostigen Jahresviertel betrifft, eine begriffliche Unterscheidung, die ich sinnvoll finde und anwende. Einerseits ist da das Winterwandern, das sich auf gewalzten Pisten und mehr oder minder geräumten Strässchen abspielt, in der Regel jedenfalls auf Schnee und in den Bergen. Und anderseits ist da das Wandern im Winter, das für gewöhnlich im Flachland stattfindet, wo Schnee keine oder keine grosse Rolle spielt, gegangen wird auf normalen Wanderwegen, allenfalls trägt man mal ein Paar Stulpen. Heute werden wir im Schaffhausischen unterwegs sein. Ich freue mich auf die Route, weil sie uns durch das letzte Dorf des Kantons führt, das ich noch nicht kenne. Mehr von dieser Wanderung im Winter erzähle ich nächstens.

Freitag, 7. Februar 2025

Kostbar und verletzlich

Vrins Kirche ist ein Bijou.
Schädel als Baumaterial für das an die Kirche angefügte Beinhaus.
In der "Ustria dalla Posta" gibts Feines zu degustieren. (Foto: Ronja)
Wie gut geht es Vrin? Das 250-Menschen-Dorf zuhinterst in der Talschaft des Lugnez, in einer 47-minütigen Postautofahrt ab Ilanz erreichbar, präsentiert sich dem Aussenstehenden als Idyll, ich und meine Begleiterin waren bei unserer Visite am Montag berückt. Die kolorierte Kirche! Die Blockhäuser aus Holz in Strickbauweise! Die urgemütliche "Ustria dalla Posta", in der die Einheimischen grad jassten, auf Rätoromanisch parlierend! Alles liebenswert. Freilich waren die Jasserinnen und Jasser alle im sehr fortgeschrittenen Alter. Ob es mit der Verjüngung klappt, ob im Ort auch Bewegung herrscht, wenn nicht die Sonne scheint und unsereins Unterländer vorbeischaut, ob sich das Gewerbe samt der Metzgerei und dem Volg halten kann: Ich hoffe es. Einen konkreten Grund zu zweifeln habe ich nicht. Bloss kam mir das kleine Vrin, das so vieles richtig gemacht hat, das zum Beispiel das Land rundum der Spekulation entzogen hat und für die mit Sorgfalt betriebene Erneuerung des Dorfbildes 1998 den Wakkerpreis bekam – mir kam das kostbare Vrin unendlich verletzlich vor.
Hässlich ist hier gar nichts. (Foto: Ronja)

Donnerstag, 6. Februar 2025

Gratis durchs Tal

Vrin, diese Frau (deren Kopf ich retuschiert habe)
fährt gleich hinab nach Ilanz. Und zwar gratis.
Nicht zum ersten Mal ist im Winter, heuer bis 6. April, Postauto-Fahren auf der Linie Ilanz-Vrin gratis. Das gilt auch für die übrigen Linien auf dem Gebiet der Gemeinde Lumnezia, zu der die Ortschaften Vrin, Lumbrein, Vignogn, Degen, Vella, Morissen, Cumbel und Suraua gehören. Eine gute Sache? Grundsätzlich bin ich kein Fan von Gratis-ÖV. Was etwas wert ist, soll etwas kosten, finde ich. Bekannt war mir das Angebot nicht, bevor ich diesen Montag im Lugnez, dem Seitental der Surselva, winterwanderte – bei der Heimreise war das Postauto dann übrigens schrecklich überfüllt.