Gesamtzahl der Seitenaufrufe

Freitag, 7. März 2025

Die Höhlenbrüder

Hier lebten Menschen: die Sandsteinhöhlen von Lobsigen BE.
Viel ist es nicht, was ich aus dem Buch "Ein Bauernleben auf dem Frienisberg" von Heinz Schwab erfahren habe über die Sandsteinhöhlen bei Lobsigen. Die Leserinnen und Leser dieses Blogs erinnern sich vielleicht: Wir kamen dort vor wenigen Wochen vorbei, waren vom Dutzend Höhlen im steilen Hang angetan, fragten uns freilich, wer in den Sandsteinlöchern einst lebte; dass es jemand tat, davon zeugen Bohrlöcher, die auf Türen oder auch Gestelle hinweisen, die hier montiert waren. Zurück zum Buch: Es erwähnt immerhin, dass zwei der letzten Bewohner Hans Nobs und Bänz Nobs waren, Jahrgang 1894 und Jahrgang 1897. Die Brüder verbrachten ihre ersten Jahre in den Höhlen, vor denen die Eltern aus Platzmangel – acht Kinder – auch einen Schopf gebaut hatten. Kurz vor der Jahrhundertwende zog die Familie dann in ein Heimetli im nahen Ruchwil; Buchautor Schwab, der Hans Nobs persönlich gekannt hat, vermutet, dass das nicht ganz freiwillig geschah, sondern aufgrund einer behördlichen Verfügung. Empfand man die Tatsache, dass es in der Gemeinde Höhlenbewohnerinnen und -bewohner gab, als Schande? Könnte sein. Aber das ist jetzt reine Spekulation meinerseits.

Donnerstag, 6. März 2025

Pestoleid, Pestofreud

Junger Bärlauch.
(Foto: Dietrich Krieger / Wikicommons)
Das eine Erzeugnis war zu salzig, das andere hatte einen sauren Nebengout, und wieder in einem anderen hatte es Kräuter, die nicht hineingehören. Denn für ein echtes Basilikum-Pesto, das man zu den Spaghetti gibt, braucht es genau sechs Dinge: Parmesan, Pecorino, Pinienkerne, Knoblauch, Olivenöl. Und, eben, Basilikum. Der "Kassensturz" hat elf Basilikum-Pestos im Glas degustiert und kommt zum Schluss, dass keines der Produkte so richtig überzeugt; auch die besseren kamen nicht über ein "genügend" heraus. Las ich gestern erschaudernd und dachte so nebenbei, dass ich mich auf ein verwandtes Gericht grad sehr freue. Pasta mit einem Bärlauch-Pesto. Nur noch Tage dürfte es dauern, bis ich irgendwo im Wald die Pflänzli dafür zusammenklaube.

Mittwoch, 5. März 2025

Der Doppelpalast zu Trogen

Dem Kanton Appenzell Ausserrhoden scheint es nicht gut zu gehen. Jedenfalls denkt man das, wenn man die Anzahl von Häusern zum Mass nimmt, die in manchen Dörfern seit langem verkommen: lotternde Schindeln, überwucherte Vorgärten, verrostete Eisenzäune. In Trogen fiel mir das am Samstag speziell auf. Und gleichzeitig stehen dort die steinernen Prunkbauten vergangener Zeiten, in denen die Zellweger und ihresgleichen residierten, Textilbarone mit internationalen Verbindungen, die auch als Mäzene und Philanthropen in Erscheinung traten; nun, manche von ihnen jedenfalls. In der Nideren, etwas unterhalb des Dorfkerns von Trogen, passierten wir den Honnerlag'schen Doppelpalast. Er wurde 1763 für die Brüder Sebastian und Johann Conrad Honnerlag erbaut, die mit zwei Zellweger-Cousinen verheiratet waren. Nicht übel. Beide Brüder hatten zuvor ihr Vermögen im Ausland gemehrt, in Lyon vor allem. Erstaunlich, in einem  Kanton, den viele Leute bloss mit Bauernmalerei und Sennentum assoziieren, eine derartige Prachtentfaltung im Stile des Klassizismus mit Rokoko-Einschlägen zu sehen. Auch das ist (oder war) Ausserrhoden.

Dienstag, 4. März 2025

Der Schwingersteg

Der Schwingersteg ist die grösste frei gespannte, also stützenfreie Holzbrücke der Schweiz. Er überquert zwischen Burgdorf und Kirchberg die Emme, ist 59 Meter lang und wurde 2013 im Hinblick auf das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in Burgdorf gebaut. Am Sonntag ging ich mir den Steg, der auch "Neumattbrücke" heisst, anschauen. Eindrücklich. Noch eindrücklicher fand ich die Fotos, die ich im Internet fand. Sie zeigen, wie die vormontierte Brücke, Gewicht 120 Tonnen, vom grössten Raupenkran unseres Landes platziert wird.

Montag, 3. März 2025

Wir sind jetzt drin

Allererste Impression des Alpenpanorama-Weges:
der von der Bise aufgewühlte Bodensee am Hafen von Rorschach.
Primeln in Rehetobel.
Wir sind wieder unterwegs, haben uns in eine Klammer begeben, die uns das ganze Jahr umfangen, uns zusammenhalten, uns Sinn geben wird, wir wollen den Schweizer Alpenpanorama-Weg machen. Am Samstag starteten wir zur ersten Etappe: Rorschach-Hafen, Rorschacherberg, Wienacht-Tobel, Heiden, Kaienspitz, Rehetobel, Chastenloch, Trogen. Knapp sechs Stunden brauchten wir bei 1130 Metern aufwärts und 630 Metern abwärts, fühlten uns dabei nicht schlimm beansprucht, zu abwechslungsreich, also ablenkend waren das Gelände und die Landschaften: zuerst die Bodensee-Gestade, dann der Rorschacherberg, dann das Appenzeller Vorderland, schliesslich das Appenzeller Mittelland. Sicht zum Alpstein hatten wir nicht, denn der Himmel war gegen die Berge zu bedeckt, aber wir schauten doch weit über den Bodensee. Pause machten wir in Heiden in "Bedas Café", kehrten dann kurz vor Schluss richtig ein im "Chastenloch", einer so abgelegenen wie herzigen Wirtschaft. So wars, wir sind jetzt drin in unserem Projekt, ich denke im Übrigen, dass dies die letzte Noch-nicht-so-richtig-Frühling-Wanderung des Jahres war, nächsten Samstag solls ja schon 14 Grad warm werden. Dann wechseln wir von Ausserrhoden nach Innerrhoden.
Im Restaurant Station in Schwendi, einem Ortsteil von Heiden,
war grad Metzgete, daher das Säuli an der Hauswand.
Die letzten Meter zum Chaienspitz mit einem harmlosen Schneeli.

Sonntag, 2. März 2025

Sophie und ich

Gestern im Wartsaal des Bahnhofs Trogen.
Das war gestern ein spezieller Moment für mich. Unsere Wanderung von Rorschach nach Trogen, die erste Etappe des Schweizer Alpenpanorama-Weges, endete am Bahnhof von Trogen. Die Bise blies, wir mussten eine Viertelstunde warten, setzten uns in den kleinen Wartsaal. Es war der Raum, in dem ich des öftern auf die Trogenerbahn wartete, als ich von 1975 bis 1981 die Kanti Trogen besuchte. Damals war der Billettschalter noch bedient, es gab einen Stationsvorstand, der uns Schüler und Schülerinnen durch die Scheibe im Auge behielt, Blödsinn machen oder so lag nicht drin. Inzwischen ist der Bahnhof nicht mehr mit Personal ausgestattet, immerhin gibts noch den Kiosk. Im Wartsaal wiederum fand ich eine Ausstellung vor, die grosse Wand mit dem alten Billettschalter war über und über beklebt mit Fotos. Es sind Kopien jener Fotos, die Sophie Taeuber-Krüsi in Trogen um 1900 aufgenommen hatte. Sie, eine Appenzellerin, war die Mutter von Sophie Taeuber-Arp, geboren 1889; Sophie, die Tochter, später berühmt als Leitkünstlerin der Dada-Bewegung, verbrachte von 1895 bis 1908 einen Grossteil ihrer Kindheit und Jugend in Trogen. Hübsch, wie sie und ihre Mutter im töteligen Bahnhof aufleben.

Samstag, 1. März 2025

Heute geht es los

510 Kilometer Länge
17 800 Höhenmeter aufwärts
17 800 Höhenmeter abwärts
29 Etappen

Vom Bodensee an den Genfersee: der Alpenpanorama-Weg
bei Schweizmobil (Screenshot).
Oben die Zahlen zum Schweizer Alpenpanorama-Weg, der von Rorschach nach Genf führt und durchgehend als nationale Route Nr. 3 ausgeschildert ist. Heuer wollen wir uns diesem Weg widmen, der nicht etwa durch die Alpen führt, sondern durch die Voralpen; die Alpen bilden die zweifellos attraktive Kulisse. Zwei Dinge weiss ich nicht. Erstens, ob wir alle Etappen machen werden; bis Lausanne weichen sie praktisch integral vom Schweizer Jakobsweg ab, den wir letztes Jahr begingen, ab Lausanne gibt es dann Überlappungen. Gut möglich daher, dass wir nur bis Lausanne laufen. Zweitens zweifle ich, dass wir jede Etappe voll durchziehen, manche Stücke sind etwas gar lang mit sehr viel Höhendifferenz; kann also sein, dass wir immer wieder mal eine Etappe in zwei kleine aufteilen. Heute starten wir jedenfalls in Rorschach. Ob uns die Unternehmung gefällt, wird sich in den nächsten Wochen zeigen – schwer, den Jakobsweg (Nr. 4) zu überbieten, der uns 2024 mit seiner historischen Tiefe und den vielen Kirchen und Kapellen am Weg voll und ganz in seinen Bann schlug. Wir werden sehen.