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Sonntag, 5. Oktober 2025

Das Loch ist noch da

Das Grosse Tschingelhorn, 2849 Meter, gesehen von
der Bündner Seite. In der Bildmitte das Martinsloch.
In den letzten zwei, drei Jahren hat sich in unseren Bergen so mancher Felssturz ereignet. Wenn ich hier denjenigen hoch über Elm im Glarnerland herausgreife, dann, weil er das Grosse Tschingelhorn betraf. Das Martinsloch in dessen Flanke ist schweizweit bekannt. Keine Angst, das Loch hat den Rutsch überlebt – allerdings sieht der Berg, von dem sowohl auf der  Glarner als auch auf der Bündner Seite (Flims) Gestein niederging, 10 000 Kubikmeter insgesamt, jetzt deutlich anders aus. Wer eine Vorher-Nachher-Darstellung sucht: In diesem Artikel von srf.ch findet man sie.

Nachtrag: Ist mir peinlich. Mir ist ein Fehler unterlaufen. Der Bergsturz am Tschingelhorn ereignete sich letztes Jahr im Oktober, nicht dieses Jahr. Ich ging vorgestern einem Feed auf den Leim, der mir das Vorkommnis als News servierte, und übersah die Datierung.

Samstag, 4. Oktober 2025

"Bären" Nr. 3

Unser Tisch einmal aus Ronjas Sicht (Foto: Ronja) mit ihrem Sauren Mocken
und einmal aus meiner Sicht mit der Doppel-Schweinsbratwurst.
Der Bär auf der Speisekarte.
Schon wieder ein Berner "Bären", der dritte innert weniger Wochen, nachdem wir zuerst den "Bären" in Dürrenroth und kurz darauf den "Bären" in Utzenstorf besucht hatten. Am Mittwoch landeten wir im "Bären" in Eggiwil – und waren ein weiteres Mal angetan. Im Vergleich mit den beiden anderen Restaurants wird hier etwas bodennaher gewirtet, man zahlt weniger, hat ein bisschen mehr das Gefühl, in einer Dorfbeiz zu sitzen und nicht in einem Feinschmecker-Etablissement. Das Essen war aber auch diesmal hervorragend. Wie es sich für ein Traditionshaus gehört, das seit 157 Jahren Gäste bewirtet. Mein Gegenüber schwärmte von ihrem sauren Mocken, der wunderbar zart sei. Und meine Bratwurst vom nahen Hof Heidbühl war so was von würzig. Wann wir das nächste Mal in einem "Bären" essen? Keine Ahnung. Hoffentlich bald.
Eggiwils "Bären" von aussen.

Freitag, 3. Oktober 2025

Berner Frauenpower

Keine Ahnung, warum dieser Käse "Frauenpower" heisst, erklärt wird es mir nicht. Aber jedenfalls sieht er gut aus und wird bald mal gegessen. Am Mittwoch wanderten wir in der Region Emmental, stiegen von Signau Richtung Süden auf ins hügelige Hochland, kamen zum Weiler Höhe. Dort fanden wir eine Käserei mit Selbstbedienungs-Kühlschrank vor und deckten uns ein. So etwas liebe ich. Beim Junkholz, wo Jäger gegen den Mittag zu grad ein Feuer entfacht hatten und schön bescherten, erreichten wir später den höchsten Punkt unserer Route. Leicht fiel uns der Abstieg, im Handumdrehen waren wir unten an der Emme und zogen ihr entlang talaufwärts bis dorthin, wo der Rötebach in sie mündet. Also nach Eggiwil. Dass wir dort einkehrten, versteht sich von selber; mehr davon morgen. Und nun bin ich gespannt, wie die Berner Frauenpower mundet. – 3 Stunden und 20 Minuten. 455 Höhenmeter aufwärts, 400 Höhenmeter abwärts.
Pferde bei Langenegg.

Wie lange wohl die Axt schon in diesem Baumstrunk ruht?

Donnerstag, 2. Oktober 2025

Kurhaus mit Zukunft

Das Kurhaus von Flühli LU, dem Dorf im Tal der Waldemme, ist ein Bijou. Fin de Siècle mit ländlichem Touch und einer besonders schmuck gestalteten Schaufassade. Das Haus, 1889 bis 1904 gebaut, zeugt von der einstigen Blütezeit der regionalen Hotellerie, die auf Luft- und Badekuren setzte. Vor wenigen Jahren wurde das Kurhaus, das zwischendurch in eine Art Dornröschenschlaf abgetaucht war, erweckt, will heissen: aufwändig renoviert. Und nun soll, las ich eben zufällig, hinten eine Dependance mit 30 zusätzlichen Zimmern und Kleinwohnungen angefügt werden. Dass der prächtige Bau eine Zukunft bekommt, freut mich.

Mittwoch, 1. Oktober 2025

Entspannung im Regen

Die Kirche von Illnau, ein ...
... klotziges Modell. (Nahaufnahme: Ronja)
Herbst-Stillleben.
Am Samstag wanderten wir in etwas mehr als dreieinhalb Stunden von Pfäffikon via Russikon, Mesikon und Illnau nach Effretikon. Es regnete. War trotzdem oder genau darum schön. Ruhig war die Landschaft, mit viel Wiesland und Wald und Bächen zwischen den Dörfern und Weilern. Pause machten wir nicht, einzig hielten wir zwecks Visite an bei der grossartig auf einem Hügelsporn platzierten Kirche von Illnau, deren klotziger Turm mittelalterlichen Gepräges ist; an diesem Ort stand schon zur Zeit der Karolinger, im achten Jahrhundert, eine erste Kirche, die heutige, natürlich in der Folge mehrfach verändert, wurzelt im zwölften Jahrhundert. Am Ziel, in Effretikon, gabs einen späten Zmittag, wir fanden am Märtplatz einen guten Italiener, "Villa Barone", assen Pizza und Pasta und tranken einen Roten aus Sardinien. Am Ende spendierte der Wirt den Espresso und einen Schnaps. Doch, diese Unternehmung war entspannt und vergnüglich von A bis Z.
Zwischen Pfäffikon und Russikon.

Dienstag, 30. September 2025

Der Köhler von Wäldi

"Schweizmobil"-Screenhot mit Napoleonturm und Cholhoo. 
500 Meter vom Napoleonturm in der Thurgauer Gemeinde Wäldi entfernt gibt es ein Waldstück Cholhoo. Wir kamen dort vor zwei Wochen durch – und ich fragte mich, warum der Ort so heisst. In der wissenschaftlichen Datenbank ortsnamen.ch wurde ich fündig. Chol steht für Kohle und verweist wohl auf den Platz eines Köhlers, der hier einst arbeitete. Und hoo ist gleich Hau, gemeint ist eine Waldfläche, auf der Holz gehauen, also geschlagen wurde. Wieder etwas gelernt.

Montag, 29. September 2025

Den Samstag wollte sie für sich

Eine Handschriften-Illustration: Melusine im Bad, ihr Gatte hat durch das Loch in der Tür geschaut.
In dieser Fassung von circa 1410 aus Frankreich hat Melusine einen Drachenleib.
(Bibliothèque nationale de France / Wikicomons)
Schloss Landshut.
Der Melusine-Stoff begeisterte die Menschen des Mittelalters, aber auch der Jahrhunderte danach. Der Ritter Raymond trifft im Wald eine wunderschöne Frau und verliebt sich auf der Stelle. Melusine willigt bald darauf in die Heirat ein. Unter einer Bedingung: Der Samstag gehört ihr, sie will ihn im Bad verbringen und nicht gestört werden. Das Eheglück ist vollkommen, bis Raymond es eines Samstags doch nicht lassen kann und sich ins Bad schleicht. Gross der Schrecken: Seine Gattin ist eine Fee oder ähnlich. Ein Wesen, das an diesem Tag vom Bauchnabel abwärts eine Schlange ist mit einem geschuppten Leib. Wie es weitergeht – da gibt es verschiedene Versionen. Zum Beispiel diese: Melusine verschwindet, schleicht sich nur manchmal nachts zurück in die Burg, um nach ihren Kindern zu sehen. 

Eine besonders berühmte Fassung der Geschichte entstand auf Schloss Landshut in Utzenstorf. Dort lebte im 15. Jahrhundert Thüring von Ringoltingen, Spross einer reichen Familie, der es später in Bern mehrfach ins höchste Amt der Stadt, zum Schultheiss, brachte. Mit 41 Jahren übertrug er eine französische Melusine-Vorlage ins Deutsche, wobei er die Handlung zum Teil abänderte. Offenbar mit Geschick, seine "Melusine" wurde zur Zeit des Buchdrucks mehrfach gedruckt und verbreitete sich weit über die Grenzen der Eidgenossenschaft – ein früher Schweizer Bestseller.