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Montag, 10. Juli 2017

Bewegung auf der Käseschnitte


Von unserer Journalistenreise ins Saanenland - sie endete gestern - will ich zwei weitere substanzielle Einträge publizieren. Aber nicht heute, man soll nicht jeden Tag lang bloggen. Hier also vorerst etwas Kurzes. Kollegin Ronja nahm die Käseschnitte auf, die in der Alpwirtschaft Hüsliberg beim Sparenmoos hoch über Zweisimmen auf den Tisch kam. Sie brutzelte derart intensiv, dass das Dekorationsgürkli in Bewegung geriet.

Sonntag, 9. Juli 2017

Ich machte auch schon weniger komfortabel Ferien

Im Gebiet Fang oberhalb Lauenen steht bei einem Tobel dieser Schuppen.
Die waagrechte Linie ist ein Stahlkabel, befestigt am Baum.
Gestern ein Ausflug nach Lauenen: Besichtigung der altehrwürdigen Kirche und Einkehr im Hotel Wildhorn, das einstmals die Schauspieler Hans Schenker und Isabelle von Siebenthal leiteten; nun ja, das Duo infernal legte sich mit der Dorfbevölkerung an und ging nach allerlei Zermürbungen ab, mittlerweile sind andere Leute zuständig. Nach dem Kafi wurde gewandert. In der süttigen Hitze ging es taleinwärts via Rohrbrücke und Hinderem See hinauf zum Lauenensee, der Anblick des Wassers erfrischte. Und gleich kam der Retourweg: auf einem reizend wilden, an einer Stelle kettengesicherten Pfad die Rossfalleschlucht hinab und nach einer Passage am Louwibach durch das Feuchtgebiet Rohr, bis nach zwei Gehstunden bei der Rohrbrücke Schluss war. Und nun? Ging es mit dem Bus wieder hinauf zum See, wo wir im Seerestaurant assen. Der Rest des Tages war nicht minder intensiv. Wir besuchten einen Garagisten in Feutersoey (mehr darüber später), schauten beim gerade laufenden Beach-Volleyball-Turnier vorbei und genossen argentinisches Beef in einem der Restaurants des Fünfsternehauses Park Gstaad. Es gehört Dona Bertarelli, der Schwester von Ernesto Bertarelli. Ja, ich habe schon weniger komfortabel Ferien gemacht. Aber heute ist Schluss, um neun reise ich ab ins Unterland, ade Gstaad, ade Saanenland.
Augenerfrischung: der Lauenensee. Hinten erahnt man das Hochgebirge. 
Das Fussbad im Louwibach tat gut.
Weiter unten im Feuchtrevier Rohr. Sein Markenzeichen sind solche Tristen.

Samstag, 8. Juli 2017

Traute Nähe und zackiger Horizont

Das war gestern im Saanenland ein guter Tag. Und ein abwechslungsreicher. Die Highlights waren:

Mmm, etwas Leichtes:
die Käseschnitte auf dem Hüsliberg.
  • Auf dem Rellerli, das man per Gondelbahn ab Schönried erreicht, hielt uns der Bergbahnenchef der Region einen Vortrag - interessant und ziemlich düster sieht die Lage aus. Aber es gibt auch Ideen, wie man die Bahnen in die Zukunft führen kann. Mehr davon bald in diesem Blog.
  • Vom Sparenmoos fuhren wir mit dem Trottinett hinab nach Zweisimmen, mir zittern heute die Hände vom vielen Bremsen. Grandios, diese Schussfahrt zu Tale mit den vielen engen Kurven.
  • Am Abend gab es eine Führung durch Saanen, das ich noch gar nicht kannte. Wir sahen das Grab von Gunter Sachs. Historische Chalets aller Grösse. Und eine Achtjährige in Tracht, die gerade auf dem Weg zu einem Alphornkonzert war. Der Vater trug ihr das Alphorn.
  • Die Hauptsache zum Schluss. Vom Rellerli, siehe oben, zum Sparenmoos, siehe ebenfalls oben, gingen wir zu Fuss durch eine berückende Voralpinlandschaft (3 Stunden, 289 Meter aufwärts, 385 abwärts). Zur Linken hatten wir die Freiburger Dolomiten mit dem Gastlosen-Massiv, zur Rechten aber gestaffelt in Ketten die Berner Alpen samt Wildhorn und Plaine Morte und und und. Gibt es eine aussichtsreichere Drei-Stunden-Wanderung? Ich wüsste keine. Ah ja, wir assen dann auch noch opulent, Käseschnitte und so, auf dem Hüsliberg (Vorderer Hüsliberg auf der Karte), einer Alp beim Sparenmoos. Sehr stimmig, dieses Gesamtpaket von trauter Nähe mit Kühen und Blüemli zum einen, zackigem Horizontabschluss zum anderen.
Kurz nach Wanderstart beim Rellerli.
Deutsche Wandererfamilie, in die sich ein paar Kühe verliebt haben.
Oh du liebliches Saanenland.

Freitag, 7. Juli 2017

Frau Martins Spezialbrille

Scherenschnitt-verzierte Scherenschnittkünstlerinnenbrille.
Es ist 2 Uhr 30, irgendwie bin ich schlaflos, an der guten Luft kann es nicht liegen, still ist es auch draussen, die kleine Journalistengruppe, zu der ich gehöre, ist im Hotel Hornberg in Saanenmöser untergebracht, einem stimmigen Ort abseits jeden Rummels, das Abendessen war hervorragend und das Hotelier-Ehepaar enorm nett. Bevor ich mich wieder ins Bett lege, publiziere ich hier schon mal den Blogeintrag für heute Freitag. Zur Erinnerung: Dies ist eine Pressereise, bei der wir die Schönheiten und Besonderheiten des Saanenlandes kennenlernen sollen. Gestern abend trafen wir Regina Martin, die ursprünglich Keramikerin war und dann auf Scherenschnitte umsattelte; die sind eine Spezialität der Gegend, auch in meinem Hotelzimmer hängt ein wunderbarer Scherenschnitt. Ich fand die Begegnung interessant, natürlich durften wir mit der speziellen Schere, die ein wenig wie eine Nagelschere aussieht, selber probieren. Was herauskam... nun ja, Frau Martin kann es besser. Lustig fand ich, dass sogar ihre Spezialbrille, die genau auf die Entfernung der Augen zum Papier abgestimmt ist, mit Scherenschnitt-Motiven verziert ist. Alles Weitere zu der Künstlerin aus Schönried, die mehr als genug Arbeit hat, findet man auf ihrer Homepage.

Trauffer ist der Berner Sänger. Das
Plakat stammt von Regina Martin.
P.S. Heute Freitag soll es mit einem Besuch auf dem Rellerli weitergehen. Die Bahn wird nächstes Jahr die letzte Saison fahren, dann läuft die Konzession aus. Was danach kommt, hängt zu einem guten Teil von zwei bekannten Financiers ab, die sich bei den örtlichen, arg darbenden Bergbahnen eingekauft haben - das Rellerli wird wohl eine Art halbprivater Hoger, freilich ist unklar, wie genau; und sicher wird auch das normale Volk irgendwie dort verkehren dürfen. Aber das ist wieder eine andere Geschichte genau wie die Sache mit Les Arts Gstaad; auch darüber redeten wir gestern. Jetzt lege ich mich noch einmal hin, wer weiss, vielleicht hat mich die Bloggerei schlafreif gemacht - schenke mir Schlaf, grosser Tourismusgott, schenke mir Schlaf.
Regina Martin präsentiert eigene Arbeiten.

Donnerstag, 6. Juli 2017

Adieu Tagi, hallo Gstaad

Beachvolleyball-Turnier in Gstaad. Auch diese
Veranstaltung steht auf unserem Reiseprogramm.
(Gstaad Tourismus/ Wikicommons)
Gestern hatte ich den Letzten beim Tagi, ich gab für alle einen aus in der Sherif's Bar, das war lustig. Und damit vorwärts geschaut: Heute geht es ins Saanenland, ich bin Teil einer kleinen Pressereise, die bis Sonntag dauert und uns Journalisten zeigen soll, dass die Gegend sich nicht nur für Superreiche als Ferienziel eignet. Das Programm ist bunt, es gibt Miniwanderungen, grosse Essen und vor allem Begegnungen, zum Beispiel mit einer Scherenschnitt-Künstlerin oder auch einem sehr speziellen Unternehmer aus Feutersoey. Als ich mich am Sonntag einlas, hirnte ich ein wenig, warum ich selber selten nach Gstaad, Saanenmöser usw. reise. Vier Dinge fielen mir ein; nun bin ich gespannt, ob die Reise mein Bild der Region verändern wird.

Die vier Dinge sind:
  • Tatsächlich fährt man immer ein bisschen kleinlaut an Orte, die man mit Reichen und Superreichen assoziiert; man denkt: Ist das etwas für mich? Werde ich da überhaupt wertgeschätzt? Gstaad kann den Mittelständler durchaus einschüchtern.
  • Punkto Stars ist das Image von Gstaad ältlich: Julie Andrews, Blake Edwards, Roger Moore, Johnny Halliday.
  • Das Saanenland liegt verkehrstechnisch nicht besonders gut. Die Anreise von Zürich dauert und ist umständlich. Und jedes Mal, wenn ich Richtung Gstaad unterwegs bin, sind die Züge das Simmental hinauf übervoll, irgendwie ist die Linie überlastet oder schlecht gemanagt.
  • Das Saanenland ist keine Einheit und hat keine interne Hierarchie. Es besteht aus mehreren Orten und etlichen Talschaften. Wenn man sich Ferien dort vorstellt, fällt einem alles und nichts ein. Es fehlt ein wichtigster Berg; das Appenzellerland zum Beispiel hat den Säntis, an dem sich die Fantasien festmachen können. Aber Gstaad?

Mittwoch, 5. Juli 2017

Rätselhafte, faszinierende Walser

Ünsch? Klingt so ein Bündner? Ja, wenn er auch ein Walser ist.
Das Schild steht vor einer Wirtschaft im Sertigtal nah Davos.
Heute gibt es von mir im Tagi eine Hintergrundseite zu den Walsern. Der Titel lautet "Das Phantom der Alpen", er spielt darauf an, dass die Walser einerseits historisch sehr wirksam waren und einen Gutteil der hiesigen Berggebiete besiedelt und geprägt haben. Dass anderseits diese Walser gar nicht leicht zu fassen sind. Am ehesten geht das über den Dialekt; wer im Prättigau mit Einheimischen redet, stellt fest, dass die ganz anders klingen als die Bündner der Tourismuswerbung. Für "uns" sagen sie "ünsch", das klingt doch heftig nach dem Goms, aus dem sie im Mittelalter auszogen.

Dienstag, 4. Juli 2017

Eine sehr nützliche Karte

Woher wissen wir, dass Schleitheim in der Römerzeit "Iuliomagus" hiess (Eintrag von gestern)? Von der Tabula Peutingeriana, einer 6,8 Meter auf 34 Zentimeter grossen Rollkarte, die die Welt zeigt, wie sie die Römer kannten. Die Tabula wurde im 12. Jahrhundert angefertigt aufgrund einer karolinigischen Vorlage, die wiederum auf eine römische Strassenkarte zurückgeht. 1591 wurde die Tabula ein erstes Mal gedruckt.
Ein Ausschnitt der Tabula Peutingeriana. Der Bodensee ist etwas klein geraten.
Gleich darunter ist Arbon eingezeichnet, "Arbor felix". Und darüber sehen wir
"Iulio mago" (grammatikalisch ein Dativ oder Ablativ zu "Iuliomagus").
(Wikicommons).