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Sonntag, 7. Januar 2018

Die Burglindaufräumer

Grob gesagt, gibt es zwei Arten von Waldarbeitern. Die einen, meist fortgeschrittenen Alters, haben einen struppigen Bart und einen Haltungsschaden, rauchen in der Beiz Krumme und trinken Kafischnaps, und wenn man sie im Wald fragt, was sie da machen, sagen sie: "I rumme die alt Waar use." Die anderen Waldarbeiter sind eher jung, könnten in jeder Rosamunde-Pilcher-Verfilmung den Förster geben, trinken Ingwertee aus dem Thermos, essen wenig Fleisch und beantworten dieselbe Frage mit: "Als Partner der Natur helfe ich, dass der ökologische Kreislauf gut funktioniert." Gestern traf ich auf dem Weg von Eschenbach LU nach Sins AG jede Menge Waldarbeiter beider Subspezies. Sie waren dabei, die Schäden von Burglind zu beseitigen; wahnsinnig, wie der Sturm mancherorts gewütet hat.

Samstag, 6. Januar 2018

Abzug der Braunkutten

Hat mit Brig nichts zu tun,
eignet sich aber zum Zeigen:
der Kapuzinerheilige Bernardo
da Corleone
. (Wikicommons)
Wieder einmal etwas zum Dauerthema des Klostersterbens. In Brig hat Ende 2017 das Kloster der Kapuziner definitiv die Pforte geschlossen, die Brüder mit den braunen Kutten werden aus dem Stadtbild verschwinden. Diesen Monat nehmen sie mit drei Gottesdiensten Abschied von der Bevölkerung, im Februar ziehen sie endgültig von dannen. Bereits klar ist, dass das Klostergebäude durch die Stiftung "Emera" übernommen wird. Sie stellt Zimmer für Menschen mit einer psychischen Behinderung bereit und kann so ihr Angebot ausweiten.

Freitag, 5. Januar 2018

Frau, Katze, Glück

Die "Schweizer Familie" bietet in der ersten Nummer des neuen Jahres eine Titelgeschichte zum Glück. Ich habe den Hauptteil in Form dreier Porträts beigesteuert: Menschen mit Lebenserfahrung erzählen, wie man Unglück überwindet, wie man zufrieden bleibt, wie man vielleicht sogar das Glück findet; es geht um Familie, Tiere, Hobbys, Sport und so weiter. Aber auch von einer Krebserkrankung ist die Rede, von einer schlimmen Berufskrise samt Entlassung sowie von einer frustrierenden Ehe. Und das Wandern kommt ebenfalls vor. Rose Zschokke, eine wunderbare Frau, die ich dank des Artikelprojekts kennengelernt habe und die in der Stadt Zürich lebt, geht regelmässig wandern und hat auch schon den Jakobsweg gemacht. Das hier im Blog beigestellte Foto zeigt Rose, 77, mit ihrer Katze Julie, 18, auf dem Titelbild der SF. Wer mehr von Rose, ihren Katzen, den Aufs und Abs ihres Lebens hören will und auch gern die Porträts von Josef Hochstrasser und Vreni (und Paul) Preisig lesen möchte - die SF gibt es  für 5 Franken 50 am Kiosk. Für eine zünftige Portion Glück ist das nun wirklich nicht zuviel.

Donnerstag, 4. Januar 2018

Widmer und Burglind

Gestern um elf Uhr: Eschlikon fotografiert aus dem Zug.
Als hartgesottener Wanderer brach ich gestern morgen gegen zehn Uhr auf, als Weichei kam ich gut drei Stunden später wieder zuhause an. Den Sturm Burglind hatte ich erleben wollen, nicht im Wald, aber doch auf freiem Feld - die Flachstrecke von Eschlikon nach Sirnach hatte ich mir vorgenommen, Gehzeit eine Stunde. Doch während meine S-Bahn von Winterthur zum Wanderziel vorrückte, nahm Haltestelle um Haltestelle meine Motivation ab. Den Wind hätte ich zu nehmen gewusst, aber der Sturmregen war mir zuviel; er peitschte an die Scheiben wie Schrotkugelsalven, die Leute im Zug lachten und schwatzten, die Kinder schrien erregt. In Eschlikon blieb ich sitzen, in Sirnach ebenfalls, in Wil auch; die gleiche S-Bahn fuhr retour nach Winterthur, an Bord trug sie einen trockenen Widmer, der sich freilich lächerlich vorkam in seiner militanten Regenvollmontur.

Mittwoch, 3. Januar 2018

Man müsste mal nach Zzyzx

Die Zzyzx-Road. (Bild: Vezoy/ Wikicommons)
Ich liebe Michael Connellys Krimis um Hieronymus "Harry" Bosch. In "The Narrows" von 2004 verschlägt es den Polizeiermittler aus Los Angeles in die Wüste des San Bernardino County - an einen Ort, wo ein Serienkiller mehrere Leichen verscharrt hat. Der Ort heisst im Buch, jawohl: Zzyzx. Und wie ich gleich auf Wikipedia eruierte, gibt es ihn tatsächlich. Unter allen Ortsnamen Amerikas handle es sich, steht in der Wiki, um den letzten auf der alphabetischen Liste. Erfunden hat ihn ein Hochstapler in den Jahren des zweiten Weltkriegs, der sich dort als Heiler inszenierte mit einem Konglomerat aus Hotel, Heilbad, Kirche, Radiostation und Flugplatz. Heutzutage wird in Zzyzx die Wüstenökologie erforscht. Man müsste mal hinreisen, wäre sicher interessant. Im Reisebüro müsste man auf die Eintrittsfrage nach dem eigenen Reiseziel sagen: "Ich will nach "Zaizix" (mit weichem Z wie in "crazy")." So wird der Name ausgesprochen.

Dienstag, 2. Januar 2018

2018 ist eingewandert

Kurz nach Wanderstart: Der Himmel über Aadorf.
Mit den üblichen Silvesterleichen fuhr ich gestern früh nach Winterthur und weiter nach Aadorf, Kanton Thurgau. Ein wütender Wind arbeitete daran, den Himmel von den Regenwolken der Nacht freizublasen. Auf dem Waldhügel oberhalb des Dorfs Krillberg kam auf einmal mit Macht die Sonne und beschien das Tal der Murg, als sei es das gelobte Land. Drei Menschen begegnete ich auf der ganzen Wanderung, die gegen Mittag in Eschlikon endete, es waren alles Frauen. Die erste: eine junge Joggerin mit Ohrstöpseln, die mich nicht sah oder so tat, als ob. Die zweite: eine unglaublich mürrische Reiterin, die nicht grüsste und wirkte, als hätte sie seit drei Jahren Leberbeschwerden oder Gallenprobleme. Die dritte Frau immerhin, die eine Runde um Krillberg drehte, ihren Wohnort - diese Person war nett. Sie wünschte mir ein frohes neues Jahr. Natürlich tat ich das ebenfalls. Bei der Heimfahrt, im Zug, dachte ich dann: Okay, 2018 ist eingewandert.
Kurz vor Gehschluss: Wanderweg nach Eschlikon hinein.

Montag, 1. Januar 2018

Maler der Halbwelt

Ausstellungsplakat vor dem Gebäude der Fondation Gianadda.
Der Künstler war auch Werber.
Henri de Toulouse-Lautrec, geboren 1864, stammte aus hohem südfranzösischen Adel, der Vater war ein Graf. Kurz war das Leben des Künstlers, er litt an einer Krankheit, die sein Wachstum bremste, hatte auch mürbe Knochen, 1878 brach er sich den linken Oberschenkel, ein Jahr später den rechten, als Erwachsener war er 1 Meter 52 gross, der Torso normal ausgebildet, Beine und Unterkörper aber krass verkürzt. In Paris fand Toulouse-Lautrec seine Bestimmung als Maler und Grafiker; seine wichtigsten Sujets waren die Damen und Herren der Halbwelt und Kunst, Tänzerinnen, Sänger, Schauspielerinnen, befreundete Maler. In der Fondation Gianadda in Martigny sind von Toulouse-Lautrec bis zum 10. Juni gut 90 Druckgrafiken und Plakate zu sehen; sie dokumentieren aufs Schönste die längst untergegangene Welt der bestrumpfte Beine schwingenden Frauen, der Salons in Plüsch, der schrägen Clowns und Montmartre-Menschen, der ersten Cyclistes. Toulouse-Lautrec erlebte noch den Anfang des 20. Jahrhunderts; er starb 1901 auf dem Familienschloss in der Gironde.

Ist das ein Aztekentempel?
Drinnen.
P.S. Das Gebäude der Fondation Gianadda sieht aus wie ein Aztekentempel. Man sagt, es sei hässlich. Mag sein. Doch das Haus ist angenehm zu nutzen: Man tritt ein und hat gleich den Überblick dank der Atriumkonstruktion, dem riesigen Innenhof also, um den eine Galerie führt. Zusätzlich zur laufenden Ausstellung und der permanenten Antike-Ausstellung sind übrigens im Untergeschoss Oldtimer zu besichtigen. Die fand ich besonders herrlich.