Gesamtzahl der Seitenaufrufe

Montag, 3. März 2025

Wir sind jetzt drin

Allererste Impression des Alpenpanorama-Weges:
der von der Bise aufgewühlte Bodensee am Hafen von Rorschach.
Primeln in Rehetobel.
Wir sind wieder unterwegs, haben uns in eine Klammer begeben, die uns das ganze Jahr umfangen, uns zusammenhalten, uns Sinn geben wird, wir wollen den Schweizer Alpenpanorama-Weg machen. Am Samstag starteten wir zur ersten Etappe: Rorschach-Hafen, Rorschacherberg, Wienacht-Tobel, Heiden, Kaienspitz, Rehetobel, Chastenloch, Trogen. Knapp sechs Stunden brauchten wir bei 1130 Metern aufwärts und 630 Metern abwärts, fühlten uns dabei nicht schlimm beansprucht, zu abwechslungsreich, also ablenkend waren das Gelände und die Landschaften: zuerst die Bodensee-Gestade, dann der Rorschacherberg, dann das Appenzeller Vorderland, schliesslich das Appenzeller Mittelland. Sicht zum Alpstein hatten wir nicht, denn der Himmel war gegen die Berge zu bedeckt, aber wir schauten doch weit über den Bodensee. Pause machten wir in Heiden in "Bedas Café", kehrten dann kurz vor Schluss richtig ein im "Chastenloch", einer so abgelegenen wie herzigen Wirtschaft. So wars, wir sind jetzt drin in unserem Projekt, ich denke im Übrigen, dass dies die letzte Noch-nicht-so-richtig-Frühling-Wanderung des Jahres war, nächsten Samstag solls ja schon 14 Grad warm werden. Dann wechseln wir von Ausserrhoden nach Innerrhoden.
Im Restaurant Station in Schwendi, einem Ortsteil von Heiden,
war grad Metzgete, daher das Säuli an der Hauswand.
Die letzten Meter zum Chaienspitz mit einem harmlosen Schneeli.

Sonntag, 2. März 2025

Sophie und ich

Gestern im Wartsaal des Bahnhofs Trogen.
Das war gestern ein spezieller Moment für mich. Unsere Wanderung von Rorschach nach Trogen, die erste Etappe des Schweizer Alpenpanorama-Weges, endete am Bahnhof von Trogen. Die Bise blies, wir mussten eine Viertelstunde warten, setzten uns in den kleinen Wartsaal. Es war der Raum, in dem ich des öftern auf die Trogenerbahn wartete, als ich von 1975 bis 1981 die Kanti Trogen besuchte. Damals war der Billettschalter noch bedient, es gab einen Stationsvorstand, der uns Schüler und Schülerinnen durch die Scheibe im Auge behielt, Blödsinn machen oder so lag nicht drin. Inzwischen ist der Bahnhof nicht mehr mit Personal ausgestattet, immerhin gibts noch den Kiosk. Im Wartsaal wiederum fand ich eine Ausstellung vor, die grosse Wand mit dem alten Billettschalter war über und über beklebt mit Fotos. Es sind Kopien jener Fotos, die Sophie Taeuber-Krüsi in Trogen um 1900 aufgenommen hatte. Sie, eine Appenzellerin, war die Mutter von Sophie Taeuber-Arp, geboren 1889; Sophie, die Tochter, später berühmt als Leitkünstlerin der Dada-Bewegung, verbrachte von 1895 bis 1908 einen Grossteil ihrer Kindheit und Jugend in Trogen. Hübsch, wie sie und ihre Mutter im töteligen Bahnhof aufleben.

Samstag, 1. März 2025

Heute geht es los

510 Kilometer Länge
17 800 Höhenmeter aufwärts
17 800 Höhenmeter abwärts
29 Etappen

Vom Bodensee an den Genfersee: der Alpenpanorama-Weg
bei Schweizmobil (Screenshot).
Oben die Zahlen zum Schweizer Alpenpanorama-Weg, der von Rorschach nach Genf führt und durchgehend als nationale Route Nr. 3 ausgeschildert ist. Heuer wollen wir uns diesem Weg widmen, der nicht etwa durch die Alpen führt, sondern durch die Voralpen; die Alpen bilden die zweifellos attraktive Kulisse. Zwei Dinge weiss ich nicht. Erstens, ob wir alle Etappen machen werden; bis Lausanne weichen sie praktisch integral vom Schweizer Jakobsweg ab, den wir letztes Jahr begingen, ab Lausanne gibt es dann Überlappungen. Gut möglich daher, dass wir nur bis Lausanne laufen. Zweitens zweifle ich, dass wir jede Etappe voll durchziehen, manche Stücke sind etwas gar lang mit sehr viel Höhendifferenz; kann also sein, dass wir immer wieder mal eine Etappe in zwei kleine aufteilen. Heute starten wir jedenfalls in Rorschach. Ob uns die Unternehmung gefällt, wird sich in den nächsten Wochen zeigen – schwer, den Jakobsweg (Nr. 4) zu überbieten, der uns 2024 mit seiner historischen Tiefe und den vielen Kirchen und Kapellen am Weg voll und ganz in seinen Bann schlug. Wir werden sehen.

Freitag, 28. Februar 2025

Er ist nah

Bald wird die Primel überall sein.
(Foto: BerndH/Wikicommons)
Auch wenn die Primeln sich noch rar machen, die Widechätzli noch fast erfrieren, die Wälder noch nicht nach Bärlauch riechen und die Temperaturen in der Nacht mancherorts noch knapp in den Negativbereich absinken – der Frühling macht sich bemerkbar. So wird es am Abend schon viel später dunkel als zu Jahresbeginn. Heute ist der letzte Tag des meteorologisch definierten Winters, der die drei Monate Dezember, Januar und Februar umfasst. Ich freue mich auf milde Winde, Wiesen mit Blumen und Ausflugsgipfel ohne Schnee. Frühling, komm jetzt bitte schnell!

Donnerstag, 27. Februar 2025

Mikwe und Synagoge

Nein, das ist nicht die Kirche von Lengnau AG, sondern die Synagoge.
Die Inschrift in Hebräisch und Deutsch an der Synagoge gibt eine Bibelstelle wieder:
"Mein Haus wird ein Bethaus genannt für alle Völker." (Jesaia 56.7)
Ebenfalls im Dorfkern von Lengnau zu finden:
das einstige jüdische Frauenbad.
Seit vier Jahrhunderten leben in Endingen und Lengnau im Surbtal, Kanton Aargau, Juden. Gegen Ende des Ancien Régime durften sie sich in unserem Land überhaupt nur hier niederlassen, kein Wunder, haben so viele von ihnen eines der beiden Dörfer als Bürgerort, die frühere Bundesrätin Ruth Dreifuss etwa. Die Juden und Jüdinnen im Aargauischen wurden von der Obrigkeit kräftig geschröpft, zahlten regelmässig hohe Summen für einen sogenannten Schutz- und Schirmbrief. Schikaniert wurden sie auch, indem man ihnen gewisse Berufe wie das Bauern und alle Arten von Handwerk untersagte. Die landesweite Niederlassungsfreiheit bekamen die Juden erst 1866, 18 Jahre nach der Gründung unseres Bundesstaates. Letzten Samstag kamen wir in Lengnau durch, schauten uns die Synagoge an und die zeitweise verfallene und umgenutzte Mikwe, das Badehaus der Frauen. Beide Gebäude waren verschlossen, die Synagoge wird derzeit renoviert. Wer sich interessiert: Es gibt einen Weg, auf dem man an etlichen Stationen in Lengnau und Endingen mehr zum Thema erfährt.

Mittwoch, 26. Februar 2025

Wo war die Hexe?

Der Eetelweier. Ohne Wybli.
Vor Lengnau.
Am Samstag wanderten wir vom Rhein zur Limmat. Zogen von Mellikon via Lengnau und Freienwil nach Baden. Eine mittellange Route, knapp viereinhalb Stunden Gehzeit bei 550 Metern aufwärts und 510 Metern abwärts. Die erste Stunde verlief im Nebel, der dem Waldgewässer Eetelweier einen gewissen Zauber verlieh; leider sahen wir das Etelwybli nicht, die zugehörige Hexe – war sie in den Ferien, arbeitet sie Teilzeit, hatte sie Angst vor uns? In Lengnau tranken wir etwas im Ristorante Schmitte, ein schüchternes Meitli bediente uns, der Schnupperstift, wie sich herausstellte, später kam auch ihre Kollegin an den Tisch, ebenfalls Schnupperstift. Toll später der Moment, als wir oberhalb von Ennetbaden im Gebiet Hertenstein zu einem Känzeli kamen und tief unter uns Ennetbaden und, auf der anderen Seite der Limmat, Baden erblickten; eindrücklich die Dimensionen des neuen Thermalbades Fortyseven von Mario Botta. Eine gute halbe Stunde später sassen wir im Restaurant Schwyzerhüsli in Baden, die Wanderung endete somit wie sehr viele unseres Grüpplis mit einem späten Zmittag.
Blumenschmuck in Freienwil.
Tiefblick bei Hertenstein. Links der nahe Kamm der Lägern. Unten die Limmat mit Ennetbaden
(linke Bildhälfte) und Baden. Rechts direkt am Fluss Badens neue Badeanlage Fortyseven.

Dienstag, 25. Februar 2025

Büsingens Wahl

Vor der Wahl: Plakatwerbung
Anfang Februar in Büsingen.
Kürzlich wanderten wir durch Büsingen am Hochrhein, die deutsche Exklave unweit von Schaffhausen. Gestern fiel mir ein, ich könnte nachschauen, wie die circa 1650 Büsingerinnen und Büsinger in der Bundestagswahl vom Wochenende abgestimmt haben.

Zur Erinnerung: Landesweit wählten 28,5 Prozent der Deutschen die CDU/CSU und 20,8 Prozent die Rechtsaussenpartei AfD. Die SPD erhielt 16,4 Prozent der Stimmen.

Und Büsingen? Es wählte im Vergleich mit dem nationalen Durchschnitt stärker rechts. Die CDU/CSU kommt bloss auf 26,4 Prozent. Die AfD aber auf 26,1 Prozent. Und die SPD auf nur 11,5 Prozent. Die AfD hat in Büsingen fast mit der CDU/CSU gleichgezogen. Was dahintersteht, kann ich nicht sagen.