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Donnerstag, 7. Mai 2015

Die Karrenspurenexpedition

Schöner Wanderstart: Blick von der Station Vuiteboeuf nach Vuiteboeuf.
Reizend das Wetter, als ich gestern gegen halb zehn in Vuiteboeuf eintraf, einem Dörfchen über Yverdon; schnell treibende Wolken teilten sich den Himmel mit der Sonne. In zweieinhalb Gehstunden stieg ich nach Ste-Croix auf. Es war eher eine geschichtliche Exkursion als eine Wanderung; ich folgte der ausgeschilderten "voie historique" durch den Hang und liess mir von den Infotafeln die Sache mit den Rillen im Kalkstein erklären. Im 17. und 18. Jahrhundert trieben die Gnädigen Herren von Bern einen schwunghaften, per Monopol abgesicherten Handel mit Salz aus grenznahen französischen Salinen. Im Steilgelände von Ste-Croix hinab nach Vuiteboeuf hatten die Ochsenkarren ein Problem, die kostbare Fracht konnte rutschen und kippen. Die Rillen, quasi Schienen, halfen, man spurte ein, blockierte die Räder, schlitterte kontrolliert abwärts - geniale Sache. Wer es genauer will: hier der Aufsatz eines Forschers.
Die verflixten Rillen waren gar nicht einfach zu fotografieren.

Mittwoch, 6. Mai 2015

La voie à ornières

Heute geht es in den Waadtländer Jura. Zwischen Vuiteboeuf und Sainte-Croix will ich mir die Spuren alter Wagengeleise anschauen. In der frühen Neuzeit nämlich bewältigten Ochsenkarren und dergleichen die steile Passage zwischen den zwei Orten abwärts mit Hilfe in den Kalk geschlagener Schienen. Man blockierte die Räder, rutschte kontrolliert zu Tale, eine Vorwegnahme des Prinzips Eisenbahn oder Tram. An manchen Stellen sieht man die alten Rillen offenbar noch, man nennt diese Sorte Strasse auf Französisch "voie à ornières". Eine hübsche französische Redewendung, übrigens: "sortir de l'ornière", aus dem alten Trott ausbrechen.

Und da wir somit bei sprachlichen Dingen gelandet sind: Wie nennt man einen Einwohner von Sainte-Croix? "Sainte-Croisard", hätte ich jetzt spontan gesagt. Falsch! C'est un Sainte-Crix.

Dienstag, 5. Mai 2015

Wer bist du, Toter?

Am 1. Mai ging ich kurz ins Wallis, jemanden besuchen. Zudem machte ich in Leuk einen Halt und schaute mir die Stephanskirche und vor allem deren Beinhaus an; hatte ich schon lange tun wollen. Fast 20 Meter lang ist die Schädelwand im Beinhaus, gut 2 Meter hoch und wohl gegen 2 Meter tief. Zuhause lud ich die Fotos von der Kamera auf den Computer hoch - das Verarbeitungsprogramm iPhoto reagierte auf dieselbe Weise wie immer, wenn auf Fotos Menschen auftauchen: Es bat mich, die Herren und Damen zu identifizieren.

Montag, 4. Mai 2015

Dick und dünn in Flaach

Rapsfelder bei Desibach.
Die samstägliche Expedition in den Spargel war lang und beglückend. Der Regen hörte auf, nachdem wir vom Bahnhof Winterthur 45 Minuten gelaufen waren. Durchs Lind und über den Steg beim Bahnhof Grüze kamen wir auf den Goldenberg, hielten über den Lindberg und hinab nach Forrenberg, erreichten endlich via Unterohringen, Riet, Hofstetten das Zwischenziel Neftenbach. Kaffeehalt im Pöschtli. Dessen Stil darf man vielleicht als bizarr bezeichnen. Die junge Serviererin konnte auf meine Frage "Haben Sie Pommes Chips" nicht mit Ja oder Nein antworten, sie hatte keine Ahnung, was Pommes Chips sind. Hernach der zweite Teil: Über Steig und Wisshalden nach Desibach und über Wattiker, Chriegäcker, Eigental nach Flaach und weiter durch die Ebene nördlich des Dorfes zum Gislerhof im Boden. Den Rückweg von dort nach Flaach mitgerechnet brauchte die ganze Sache knapp 6 1/2 Stunden (26 Kilometer, 338 m aufwärts, 415 m abwärts) - und wenn ich das wichtigste Merkmal der Unternehmung nennen müsste, so die goldgelben Rapsfelder.

Abgesehen vom Spargel natürlich. Gislers werfen in den drei Monaten der Spargelsaison alles an die Verkaufs- und Servierfront, was sie haben; den Dessert servierte uns strahlend ein kleines Mädchen. Jedes Jahr bauen sie ihre mehrräumige, teilweise mit Heizstrahlern versehene Besenbeiz neu und dekorieren sie anders. Heuer war das Thema "Birke", die Lampe über unserem Tisch war in einen Birkenprügel eingebaut. Der Spargel war dann wirklich fein. Ich nahm meinen mit Hollandaise und leistete mir dazu eine Portion Pommes Frites, weswegen mich Wanderfreund R. als Barbar beschimpfte. Etwas, was jetzt bitte nicht als grosse Kritik gelesen werde, aber doch erzählt sei: C. fiel auf, dass unsere Spargeln dünn waren. Sie fragte die eine Servierfrau, ob auf dem Hof keine dickeren wüchsen. "Momoll", antwortete die Frau. "Aber die dicken Spargeln liefern wir an die Gastrobetriebe. Und die dünnen muss schliesslich auch jemand essen."

Sonntag, 3. Mai 2015

Flexibel ist die Wanderin

Einen Eintrag zur sehr schönen Wanderung Winterthur - Neftenbach - Flaach mit Einkehr beim Spargelbauer gibt es morgen. Hier vorerst die Geschichte in der Geschichte. Kurz nach Unterohringen merkte C., dass sich die Sohle ihres einen Wanderschuhs löste. M. und sie plünderten einen Robidog, verknüpften circa zehn Säcklein zu einer Art Kunststoff-Strick, mit dem man sich auch hätte aus einem Gefängnis abseilen können, und verschnürten die Sohle. Das hielt dann doch so lang, dass C. problemlos bis zur nächsten Bushaltestelle kam. Flexibel ist die Wanderin.

Samstag, 2. Mai 2015

Heute wird gespargelt

Spargel. Illustration in einem deutschen
Pflanzenführer. (Wikicommons/CSvBibra)
Heute geht es in die Spargeln, nach Flaach, wo etwas ausserhalb des Dorfes die Gislers bauern, Spargel anbauen und saisonal auch wirten. War gar nicht so einfach, dort für fünf Personen Platz zu bekommen, am Mittag und Abend war schon alles reserviert, als ich gestern anrief. Nun essen wir um vier Uhr nachmittags. Gar nicht schlecht. Bis dann sind wir gut sechs Stunden gelaufen und haben Hunger - unsere heutige Route führt vom Bahnhof Winterthur durchs Lind nach Neftenbach und über den Wolschberg nach Flaach. Etwas seltsam finde ich, dass die Flaacher in ihrem Gemeindewappen nicht den Spargel haben, für den sie berühmt sind, sondern eine goldene Eichel - man denkt automatisch ans Jassen, wenn man das Wappen sieht.

Freitag, 1. Mai 2015

Gut gemacht, Dänu!

Cool, sehr cool. Als ich vor ungefähr zwei Jahrzehnten systematischer zu wandern begann, schaffte ich mir immer wieder mal zu einer bestimmten Gegend den Rother Wanderführer an. Die kleinen roten Dinger passen gut in den Rucksack, sind nicht dick und doch kompakt mit jeweils 50 Routen, man bekommt das Nötige ohne Geschwafel und irgendwelchen Grossformat-Bildband-Schnack serviert. Jetzt ist in der Reihe ein neuer Band erschienen, "Emmental mit Oberaargau und Entlebuch". Gut der Service, dass man zu den 50 Routen auf der Internetseite des Verlags den GPS-Track herunterladen kann. Autor ist Daniel Anker, den ich aus Berner Zeiten kenne. Gut gemacht, Dänu!