Gesamtzahl der Seitenaufrufe

Mittwoch, 7. April 2021

Eier tütschten wir auch

Kurz vor Wanderschluss bei Le Pied-d'Or.
Hallo Welt, hier sind wir: Krokusse.

Freude in Coronazeiten: brätlen.
Kalt war sie, unsere Osterwanderung am Samstag in den Freibergen. Eine starke Bise blies auf dem Plateau, drang durch die Kleider in die Knochen. Dafür sahen wir keine anderen Wanderer bis ganz kurz vor dem Schluss. Start war in Les Bois, wir zogen, vorbei am Pestfriedhof von Le Boéchet, nach Le Creux-des-Biches und Le Noirmont.  Dort deckten wir uns im Coop mit Würsten und Rotwein ein. Einige Zeit später fanden wir unterhalb der Krete südlich des Ortes im Wald einen windgeschützten Platz. Das Feuer wärmte. Die Würste wärmten. Der Rotwein wärmte. Das war eine gute Sache. Eier tütschten wir auch. Und zogen dann weiter via Le Peu-Girard und Les Breuleux zur abseitig platzierten Zughaltestelle Le Pied-d'Or. Im letzten Drittel hatte die Sonne geschienen, ohne viel Wärme abzugeben. Gut, kam gleich die Bahn. Während wir nach Tavannes hinab tuckerten, dachte ich: lieber Bise als Gedränge. Das war eine tolle einsame Unternehmung.
Gehzeit 5 Stunden. 360 Meter aufwärts, 385 abwärts.
Markenzeichen der Gegend: Windturbinen auf den Höhenzügen.

Dienstag, 6. April 2021

Thibaud Orys früher Tod


Letztes Jahr sah man in den Zeitungen Satellitenfotos. Sie zeigten Friedhoffelder in Iran, die in aller Eile geschaffen worden waren, um die vielen Corona-Toten aufzunehmen. Die Sache kam mir wieder in den Sinn, als wir am Samstag in den Freibergen unterwegs waren. Wir gingen von Les Bois Richtung Le Noirmont. 600 Meter vor dem Weiler Le Boéchet sahen wir in geringer Entfernung zum Wanderweg in der Weidefläche ein ummauertes Geländeviereck, das mit Bäumen bestanden ist. Ein Friedhof laut der Landeskarte, der mehr nicht zu entnehmen ist. Das Eingangstor ist durch eine Kette mit Karabinerhaken verschlossen, man kann es also öffnen, tritt ein und sieht in der Mitte des Platzes ein altes Kreuz. Darunter eine Plakette, das Einzige an Schriftlichem am und im Friedhof. Sie besagt, dass hier 1636 Thibaud Ory beerdigt wurde, der Pfarrer des Dorfes Les Bois. Er wurde 31 Jahre alt. Auch alle anderen Dorfbewohnerinnen und -bewohner, die in jenem Schreckensjahr verstarben, sind an diesem Ort begraben. Der Friedhof ist ein Pestfriedhof.

Montag, 5. April 2021

Ein Südtiroler in Zürich

Negrelli 1845 auf einer Lithografie.
(Foto: Peter Geymayer / Wikicommons)
Woher kommt der Name des Negrellistegs in Zürich, über den ich gestern bloggte? Ein Südtiroler Ingenieur ist gemeint. Alois Negrelli, 1799 bis 1858, kam berufshalber in die Eidgenossenschaft und war zunächst mit dem Linthwerk betraut, der von Hans Konrad Escher korrigierten und meliorierten Linth; Negrelli musste prognostizieren, wie sich die Wasserlinie des Walensees durch die Linth-Korrektur verändern würde. Später leitete er die Erweiterung des Hafens Rorschach. Dann wirkte er ab 1836 in Zürich. Auf ihn geht die Münsterbrücke zurück. Sowie die Ladengalerie aus Kalk unterhalb des Grossmünsters. Und auch der Bau der ersten Schweizer Bahnstrecke, der Spanisch-Brötli-Bahn von Zürich nach Baden, vollzog sich ab 1845 unter Negrellis Obhut. Passend, dass man in unserer Gegenwart den Steg nach ihm benannt hat, von dem aus man die Züge aus dem HB Zürich ausfahren sieht. Zum Beispiel nach Baden.

Sonntag, 4. April 2021

Meine 160-Meter-Wanderung

Die Lifttürme des Negrellistegs sind – Markenzeichen – zylinderförmig.

Blick zum Hauptbahnhof, der Zug fährt Richtung Bern aus.

Mit Freuden gehe ich hin, wenn in Zürich Neues zu besichtigen ist. Kürzlich schaute ich mir den Negrellisteg an, der wenige Tage zuvor eröffnet worden war  Die neue Fussgängerbrücke überquert das Geleisfeld beim Hauptbahnhof und verbindet die Stadtkreise vier und fünf, genauer gesagt den Gustav-Gull-Platz beim Zentralstellwerk und die Zoll- und Klingenstrasse auf der anderen Seite. Über komfortable Wendeltreppen oder aber per Lift gelangt man auf die Überführung. Gekostet hat sie, hups, 11 Millionen Franken; die Stadt Zürich und die SBB bezahlen davon je die Hälfte. Mir gefiel meine 160-Meter-Wanderung sehr gut. So lang ist der Negrellisteg.
Hübsche kurze 160-Meter-Wanderung: auf dem Negrellisteg.

Samstag, 3. April 2021

Dunkle Berufe


Es gibt die Schweizer TV-Serie "Der Bestatter" mit Mike Müller. Und es gibt das Aargauer Storenunternehmen "Die Beschatter", dessen Wagen ich kürzlich in meiner Strasse fotografierte. Ein Beschatter bewirkt, dass die Wohnung im Sommer schön dämmerig und kühl bleibt. Wird es dann endgültig dunkel, kommt der Bestatter.

Freitag, 2. April 2021

Das Morobbia-Abenteuer

Ein bitzli aufpassen muss man auf dieser Route schon. Um die Ecke wird der Pfad eng.

Ich hatte rudimentär geplant und wusste von meiner Route hinein in die Valle Morobbia theoretisch Folgendes: Start am Bahnhof Giubiasco. Von dort zum östlichen Ortsrand, über die Morobbia und danach alles aufwärts: vorbei an der uralten Kirche San Bartolomeo via Montagna und die Monti di Verona zu den Monti di Stagno. Und danach steil hinab zur Morobbia und zum Damm, der sie staut und den Carmena-See bewirkt, hinauf nach Vellano und, grossteils auf der Strasse, via Carmena und Melera nach Carena, dem obersten Dorf mit der hintersten Postauto-Haltestelle der Valle Morobbia. Auch die Gehzeit und die Höhenangaben kannte ich: 5 Stunden, 1180 Meter aufwärts, 450 abwärts. Vor Ort erwies sich die Unternehmung als kleines Abenteuer mit grossen Momenten und etlichen Attraktionen. Oberhalb Giubiasco stehen zwei imposante Rundtürme des regionalen Befestigungswerkes Fortini della Fame aus den ersten Jahren unseres Bundesstaates (zu diesem Thema bloggte ich früher einmal). Zudem säumen Thementafeln der Via dell'Acqua den Weg; die Stadt Bellinzona bezieht ihre Energie von der Kraft der Morobbia. Es gibt alte Stollen zu sehen. Steinbrücken, die im Inneren eine Wasserleitung enthielten. Eine riesige Druckleitung, die man auf einem Steg überquert. Und natürlich ist da die Staumauer des Carmena-Sees. Freude bereiteten zudem die nicht grad krass ausgesetzten, aber doch leicht prickelnden Abschnitte, die mit Ketten und Seilen gesichert waren. Vor allem im Abstieg von den Monti di Stagno zur Morobbia war Vorsicht geboten, das trockene, seidenglatte Laub vom Vorjahr machte den Waldboden ruschtig. Ich bin stolz, froh, glücklich, diese Wanderung gemacht und die Valle Morobbia nun so richtig kennengelernt zu haben.
Steinbrücke über die Valle di Verona. Sie trug in sich eine Wasserleitung.
Turm der Fortini della Fame bei Ai Munt oberhalb Giubiasco.
Die Staumauer des Carmenasees. Der rote Ausfluss deutet auf eisenhaltiges Wasser.

Donnerstag, 1. April 2021

Fünf Köpfe, ein Tal

Eine Tessiner Tageswanderung, die ich knapp vor dem Osterrun Richtung Süden grad noch geschafft habe: hinein und hinauf ins Val Morobbia, das bei Giubiasco östlich abzweigt hinauf zur italienischen Grenze. Es gibt viel zu erzählen von der Route. Heute will ich mich freilich kurz fassen und nur drei Fotos mit insgesamt fünf Köpfen zeigen.

Christoph Blocher und Micheline Calmy-Rey an einer Hauswand in Vellano.
Über den Zaun geglotzt: Lama (oder Alpaka) bei Carmena.
Madonna und Kind im Bildstock auf den Monti di Stagno.