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Dienstag, 14. Dezember 2021

Zuerst einer, dann zwei, dann drei

Der mittlere der drei Winterthurer Walcheweiher. Hier gibt es auch eine Hütte und einen Grillplatz.

"Walken" oder "walchen" ist eine gewerbliche Technik, bei der man ein Material kräftig knetet, drückt, zieht. Man walkt zum Beispiel traditionell in Wasser eingelegte Textilien, in früheren Jahrhunderten setzte man dafür manchmal die Füsse ein, kein Wunder, heisst auf Englisch "to walk" eben walken, aber auch zu Fuss gehen oder wandern. Am Samstag kamen wir im Lindbergwald, der zur Stadt Winterthur gehört, an den historischen Walcheweihern vorbei. Ursprünglich gab es an diesem Ort nur einen Weiher, zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren es schon zwei. 1892 legte die Stadt den dritten Weiher an. Dies, weil mittlerweile die Brauerei Haldengut im Winter hier Eis gewann und der Bedarf nach diesem immer mehr gewachsen war. Heute dienen die Weiher samt dem umliegenen Forst als Naherholungszone. Und als Badeplatz.

Montag, 13. Dezember 2021

Das fleissige Mühlerad

Wanderzmittag im Restaurant Riedmühle, Gemeinde Dinhard.
Das Mühlerad hinter dem Restaurant.

Das Wetter war lieb zu uns am Samstag. Wir waren kaum am Bahnhof von Winterthur losgezogen, als der Sanftregen sich für den Rest des Tages verzog. Die Route führte uns acht durch praktisch schneeloses Gelände zu den Walcheweihern oberhalb des Kantonsspitals, weiter über den Rosenberg nach Seuzach, das wir freilich nur tangierten, und zur Mörsburg auf ihrem langgezogenen Kamm, dem Stadlerberg. Dann kam das Waldstück namens Elend. Da war wirklich nichts zu sehen von Misere und Unglück. Grossartig war kurz darauf der Zmittag im Restaurant Riedmühle, einem urgemütlichen Lokal, hinter dem das Mühlerad sich fleissig drehte, als sei man noch im Mittelalter und gelte es, säckeweise Getreide zu mahlen. Vom Riz Casimir über den Zander und das Cordonbleu bis zum Fleischspiess zum Selberbrutzeln auf dem heissen Stein: alles bestens. Der Nachmittag war alsbald ein langes Auslaufen durchs weite Land via Rickenbach, Menzengrüt und Kefikon Richtung Frauenfeld. Am Schluss überquerten wir die Kantonsgrenze, Islikon, an dessen ödem Bahnhof wir die Zürcher Wanderung (4 1/2 Stunden, 325 Meter aufwärts, 335 abwärts) gleich darauf beendeten, liegt im Thurgau.
Winter im Flachland.

Die Mörsburg, einst ein wichtiger Adelssitz, gehört der Stadt Winterthur.

Sonntag, 12. Dezember 2021

Bobfahren in Dinhard


Südöstlich von Dinhard ZH kamen wir gestern unweit der Riedmühle an einer Tafel vorbei, die verkündete, dass es hier eine Rollbobbahn gebe. Tatsächlich erblickten wir gleich am Waldrand die gut 100 Meter lange, sich sanft senkende, dann ebenso sanft wieder steigende schnurgerade Asphaltpiste mit zwei eingearbeiteten Schienen. Seit 1971 gibt es die Anlage auf dem Gelände der Sponsorin, der Winterthurer Baufirma Toggenburger. Dank ihr können die Mitglieder des Bob Club Zürich in den warmen, eislosen Zeiten des Jahres das schnelle Starten üben. Das taten an diesem Ort einst auch Jean Wicki, Hans "Hausi" Leutenegger, Werner Camichel und Edy Hubacher. 1972 gewann der Schweizer Viererbob in dieser Besetzung an den Olympischen Winterspielen in Sapporo Gold.

Samstag, 11. Dezember 2021

Ab ins Elend

Das Waldstück "Elend" liegt nah Schloss Mörsburg.

Heute führe ich mein Wandergrüppli gezielt ins Elend. So heisst ein Waldstück zwischen Seuzach und Rickenbach im Kanton Zürich. Der Flurname ist ein Rätsel. Gab der Wald nur mieses Holz her? Ist die Bezeichnung also ähnlich konstruiert wie "Gibisnüd" für einen Acker, dem nur ein spärlicher Ertrag abzutrotzen war? Nachdem ich spekuliert hatte, schlug ich nach und stellte auf ortsnamen.ch fest, dass es in der Schweiz mehrere "Elend" gibt. Zum "Elend" in Bubendorf im Baselbiet vermerkt die wissenschaftliche Datenbank, dass in diesem Wort "Salweide" (die Weidenart) und "Land" verschmolzen sein könnten. Oder es handelt sich um die Kombination von "Saal" (Herrschaftssitz) und "Land". Womöglich lassen sich diese verwandten Ideen ja auf unser Zürcher"Elend* übertragen, zu dem die Datenbank nichts sagt. Einfacher ist eine andere Interpretation, eine aus Deutschland, wo der Name auch mehrfach vorkommt. Im Aufsatz eines Forschers wird auf die ursprüngliche Bedeutung von "Elend" hingewiesen, das früher so viel hiess wie: fremdes, abgelegenes Land ausserhalb der sicheren Umgebung. "Elend" genannt wurden demgemäss Orte, an denen Leute im Abseits rasteten, die auf der Durchreise waren. Diese Interpretation gefällt mir sehr gut. Ob sie auf das "Elend" zutrifft, das wir heute Samstag erwandern wollen, kann ich nicht sagen.

Freitag, 10. Dezember 2021

Säubern nach Zürcher Art

Das Firmenlogo. (SanDurgo2015 / Wikicommons) 
Dass ich kürzlich in der "Schweizer Familie" die Namen starker Schweizer Marken entschlüsselte, also zum Beispiel erklärte, dass der Name des Wäscheständers "Stewi" ein Zusammenzug von "Steiner" und "Winterthur" ist – das habe ich hier erzählt. Ich bekam dann Lob von Leserin Marianne. Nur grad "Durgol" hätte sie auch noch gern erklärt gehabt, schob sie nach. Voilà: Das Entkalkungsmittel kombiniert den Familiennamen "Düring" mit der wissenschaftlich klingenden Endung -ol, wie wir sie etwa auch in "Odol" finden. Maria Düring-Keller, die Grossmutter der drei heutigen Firmeninhaber, mischte das Produkt 1951 aus Substanzen, die ihr Mann, ein Drogist, mit nach Hause gebracht hatte. Firmenstandort ist Dällikon. Vor sieben Jahren leistete sich diese Gemeinde im Zürcher Unterland einen hübschen Aprilscherz. Sie kündigte an, sich zu Ehren der bekannten Firma in "Durgol" umzubenennen.

Donnerstag, 9. Dezember 2021

Regenwetternahrung

Mein Hamburger. Unten das Lokal, in dem es ihn gibt.

Wer wandert, soll auch essen. Und umgekehrt: Wer isst, soll auch wandern. Gestern war ich ab neun Uhr mit meinem Göttibub unterwegs in Zürich, es regnete durchgehend heftig, wir kauften das Weihnachtsgeschenk des 13-Jährigen, lösten in einem anderen Laden einen Gutschein ein, den er bei sich hatte, besichtigten zudem meinen Arbeitsplatz und das ganze Tamedia-Gebäude. So was gibt Hunger. Am Mittag gingen wir zu "The Butcher and his daughter" an der Badenerstrasse und bestellten den Crispy-Chicken-Hamburger. Er war so was von gut vom perfekt gebratenen Speck über das Pouletfleischli bis zum Ei und dem herrlich knusprigen Bun. Ich will wieder in dieses Restaurant, das im Diner-Look dekoriert ist. Kompensativ dazu muss gewandert werden – Kalorien vernichten und so.

Mittwoch, 8. Dezember 2021

Oibel1 und sein Mural


Man nennt ein solches Wandgemälde "Mural", in Zürich hats immer mehr davon. Dieses ist seit einigen Wochen an der Ecke Kalkbreite-/Seebahnstrasse in Wiedikon zu sehen. 17 Meter hoch ist es und stammt vom Künstler Oibel1. Der heisst im Alltag Samora Bazarrabusa und brauchte mit seinem Team fünf Tage für die Monstersprayerei.