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Montag, 25. September 2023

Da gehn wir wieder hin

Blick zurück auf Beggingen einige Zeit nach dem Start daselbst.
Kurz vor dem "Randenhaus". In Schaffhausen haben sie schöne Wolken.
Begginger Birnen.
Der Randen, das Schaffhauser Jurahochland, hat bei aller Schönheit einen Nachteil: Er ist klein. Geht man öfters hin, macht sich das bemerkbar, gar nicht einfach, jedesmal eine andere Route zu finden. Nun, am Samstag gelang es weitgehend, einmal abgesehen vom Mittelteil der Wanderung, als wir für den Zmittag dem Siblinger Randenhaus zustrebten. Gestartet waren wir in Beggingen, einem ungeheuer abgelegenen Dorf. Zuerst durch die Felder, dann durch den Wald gelangten wir auf den Felssporn mit dem Schleitheimer Randenturm und den kümmerlichen Resten der Randenburg; die schmalen Kehren im steilen Hang unterhalb bereiteten Spass umso mehr, als wir sonst die meiste Zeit auf breiten Waldwegen und Fahrsträsschen unterwegs waren. Zum Beispiel auf dem folgenden Abschnitt vom Turm hinab zum Randenhaus, in dem wir wieder einmal sehr gut assen, siehe Eintrag von gestern. Via Hinterranden und Stauffebärg hielten wir später hinab nach Löhningen, Ende der Wanderung. Wenig anstrengend war diese gewesen und erholsam, der Randen mit seinen weiten Flächen abseits der Dörfer in den Tiefen rundum harmonisiert das Gemüt. Macht es ruhig. Weswegen wir irgendwann ein nächstes Mal hingehen werden. Wieder auf neuen Pfaden, hoffentlich.
3 1/2 Stunden. 460 Meter aufwärts, 520 abwärts.
Schmaler geht nicht. Spalt zwischen zwei Häusern in Löhningen.

Sonntag, 24. September 2023

Jawohl, jetzt ist Herbst!

So geht Herbst: mein (kleiner) Coupe Nesselrode.

Gestern im Siblinger Randenhaus war in mir nach dem Hauptgericht Platz für ein Dessert. Ich orderte den wunderbaren Coupe mit dem schrecklichen Namen "Nesselrode", bei dem ich immer an Brennnesseln und Nesselfieber denken muss. Der Coupe schmeckte herrlich – dieses Gemenge aus Nidel, Vermicelles, Vanilleglace und Meringue ist genial. Blöder Name hin oder her. Als alles weggeputzt war, dachte ich: Jawohl, jetzt ist Herbst!

P.S. Ich habe den Namen "Nesselrode" vor Jahren erklärt. Hier der Link zu meinem Eintrag vom November 2017. Und hier gleich noch ein zweites Foto aus dem Randenhaus, in dem sie gut kochen, wir kehrten dort schon mehrmals ein und waren jedesmal zufrieden. Auch dieses Foto belegt, dass es Herbst ist. Der Teller mit allen Wildbeilagen ohne Wild sieht super aus, oder?

So geht Herbst: der Wildteller für Vegis.

Samstag, 23. September 2023

Das Wetter am Bodensee

In der Ausstellung.

Der Montagvormittag war windig, die Sonne nicht zu sehen. Wolken trieben über den Himmel, der Bodensee war aufgewühlt. Ich besuchte die Ausstellung "Wasser, Wolken, Wind" im Forum Würth in Rorschach, was draussen vor sich ging, passte. Für einen Wanderer ist die Darstellung von Wetterphänomenen in gesteigerter Weise ein Faszinosum, und so genoss ich die Schau mit Bildern und Skulpturen aus der Sammlung Würth. Ebenfalls gefielen mir die auf Tafeln mitgelieferten geografischen und meteorologischen Infos zum Bodenseeraum. Ich erfuhr zum Beispiel, dass ein Wassertropfen im Schnitt 4,2 Jahre im Bodensee verweilt. Wer Lust hat, sich die Ausstellung anzusehen, hat dafür bis Mitte Februar 2025 – jawohl, 2025 – Zeit.
Blick durch die Fenster des Würth-Gebäudes auf den Bodensee.

Freitag, 22. September 2023

Overtourism

Der Staubbachfall im Lauterbrunnental zu einer Zeit,
als Touristen noch rar waren.
(Ölgemälde von Johann Ludwig Aberli, um 1758 / Wikicommons)

Orte, die den Fremdenverkehr fördern und von ihm leben, haben plötzlich zu viele Touristinnen und Touristen. Oder sind es die falschen? Die Strasse von Glarus zum Klöntalersee hinauf musste kürzlich an einem Sonntag gesperrt werden, alle Parkplätze besetzt. Das Wildkirchli samt dem Gasthaus Aescher im Appenzeller Alpstein ist seit längerem ein Hotspot, also praktisch täglich überrannt. In Iseltwald am Brienzersee kämpft man gegen das Problem, dass es zu viele Fremde aus Südkorea hat, seit der idyllische Bootssteg am See in einem Liebesfilm vorkam. Gestern las ich einen Artikel aus der "Berner Zeitung" über Lauterbrunnen, ebenfalls Berner Oberland. Dort sind die Strassen voll und die Läden verstopft, Menschenmassen drängen sich durchs Dorf. Der Gemeindepräsident klagt über Leute, die kreuz und quer parkieren, mitten auf der Strasse Familienselfies machen und den Verkehr blockieren, in der Lütschine baden, was Gefahr birgt. Oder gar auf dem Friedhof Fussball spielen. Die Einheimischen fühlen sich nicht mehr wohl in ihrem Dorf. Man nennt das Phänomen "Overtourism". Tourismus im Übermass.

Donnerstag, 21. September 2023

Riegel, Regel, Regula

Das Kreuz am Wanderweg von der Alp Egg auf den Regelstein.
Bei dem Stein sollen Felix und Regula auf dem Weg nach Zürich gerastet haben.

Die Stadtheiligen von Zürich, Felix und Regula, sind auch anderswo im Land präsent. Zum Beispiel in der Kapelle zwischen dem Kloster Berg Sion und dem nahen Dorf Uetliburg in der Gemeinde Gommiswald SG; dort sind Statuen der beiden Märtyrer zu sehen, die ihre abgeschnittenen Köpfe in Händen halten. Wenige Kilometer entfernt wiederum steht unterhalb des Berges Regelstein ein grosses Kreuz zur Erinnerung daran, dass Felix und Regula, die aus dem Wallis nach Zürich zogen und dort hingerichtet wurden, an diesem Ort angeblich innehielten. Wir passierten das Kreuz am Samstag auf dem Wanderweg zum Gipfel. An derselben Stelle fand sich einst eine Kapelle, die Felix und Regula gewidmet war, der Berg hiess deswegen früher auch einmal "Regulastein". Alles sehr stimmig. Nun, nicht wirklich. "Regulastein", das war eine gezielte Umbenennung. Der Versuch, den Berg mit der grossen Heiligenlegende zu verknüpfen. Der richtige Name, "Regelstein", geht darauf zurück, so die wissenschaftlich fundierte Datenbank ortsnamen.ch, dass dieser Höhenzug vom Toggenburg aus wirkt wie ein Riegel. Das ist nicht christlich. Aber dafür historisch korrekt.

Mittwoch, 20. September 2023

Das Eschenrad

Die Alp Wielesch, Gemeinde Gommiswald SG.

Gern komme ich noch einmal auf die Alp Wielesch oberhalb von Rieden zurück; eben berichtete ich, dass wir dort am Samstag im Alpbeizli eingekehrt waren und uns sehr wohl gefühlt hatten. Nun muss noch der spezielle Flurname Wielesch erklärt werden, den es übrigens auch im Glarnerland gibt. In der zweiten Silbe von Wielesch steckt die Esche, womöglich ist speziell die Eberesche gemeint. Der Namensteil wiel wiederum – das finde ich überraschend – ist verwandt mit englisch wheel, Rad. Aus dem Holz der Eberesche stellte man einst Wagenräder her.

Dienstag, 19. September 2023

Berge, Wolken, Herbstlicht

Zehn Minuten nach Wanderstart in Uetliburg.
Auf dem Regelstein. Hinten in der Mitte der Säntis, darunter das Toggenburg.
Widmers Beine chillen.
Die erste Dreiviertelstunde und die letzte Dreiviertelstunde wars am Samstag brutal steil – man muss sich das Hügelland oberhalb von Kaltbrunn, von dem ich vorgestern erzählte, zuerst erkämpfen. Ist man aber oben, wird man belohnt, man kommt kaum nach mit Berge Anschauen und Benennen, lassen wir es hier bei ganz wenigen Gipfeln, die wir sahen: Säntis, Churfirsten, Glärnisch, Mürtschenstock, Mythen, Titlis. An unserem Wandertag war auch der Himmel zauberhaft, immer neu formierten sich die Wolken und Wölklein. Und das Licht war schon herbstlich flach, das verlieh der Landschaft zusätzlich Kontur. Muss ich es aussprechen, dass unsere Tour von Uetliburg auf den Regelstein und hinab nach Rieden eine besonders schöne Tour war in der langen Reihe schöner Unternehmungen dieses Jahren?

Uetliburg, Ottenhofen (Bus) – Schafweid – Mösli – Axerberg – Alp Egg – Regelstein – Breitenau – Wielesch – Chirnenberg – Bitziweid – Rieden (Bus). 3 3/4 Stunden, 700 Meter aufwärts, 715 Meter abwärts.

Trockenmauern auf dem Regelstein.
Rieden SG hat eine kurios riesige Kirche.