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Dienstag, 5. Februar 2019

Daniel vermisste sein Handy

Bushaltestelle in Vollenweid beim Türlersee.
Am Samstag wanderte ich von Mettmenstetten nach Thalwil. Vom Säuliamt  an den Zürichsee also. Hier eine Begebenheit von der Anreise nach "Mettmi". Plus ein Foto von der Wanderung, das mit der Begebenheit nichts zu tun hat; es gefällt mir bloss.

Im Zug war das so. Ich sass morgens um acht in der S-Bahn von Zürich Richtung Zug, sie war fast leer. Bei Altstetten kam ein Typ auf mich zu, vielleicht 16-jährig, Lederjacke, südländisches Gesicht, der Nasenrücken war blutig geschürft, die Stirn auch, er sah übernächtigt aus und ich dachte: O-ou, will mich der schlagen? Wirklich Angst hatte ich nicht, denn der junge Mann war klein und schmächtig. Ein Stiftli. Es stellte sich heraus, dass er ein, zwei Stunden zuvor im Ausgang im Zug das Handy verloren hatte. Und ich sollte ihm jetzt meines borgen, damit er das SBB-Fundbüro anrufen konnte, darum war er auf mich zugekommen, älterer Mann mit angegrauten Haaren und so - das sind die Leute, die man fragt, wenn man in Not ist. Ich gab ihm mein Handy. Er rief die SBB an. Es dauerte endlos, bis klar war, dass sein Handy noch nicht aufgetaucht war, und bis eine Fundbüro-Fallnummer vorlag, die der junge Mann notierte («händ Si Chugelschriber?"), um später nachfragen zu können. Ich hatte mitbekommen, wie er hiess: Daniel plus ein portugiesischer Nachname.

Daniel wirkte leicht verzweifelt. Vielleicht hatten ihm seine Eltern das Handy geschenkt ("so chömmer di jederzit erreiche"). Bald fiel er in einen komaähnlichen Schlaf. Ich hoffe jetzt, die Bahn habe sein Handy gefunden und ihm zurückgegeben.

Montag, 4. Februar 2019

Gottfried in Glattfelden

Gottfried-Keller-Brunnen in Glattfelden.
(Foto: Roland Zumbuehl/Wikicommons)
Gottfried Keller ist 15, als er in Zürich der Schule verwiesen wird; er hat an einer Art Spontandemo zum Haus eines Lehrers teilgenommen und wird im Nachhinein von den Mitschülern bezichtigt, der Rädelsführer gewesen zu sein. Im Spätsommer wandert er nach Glattfelden, wo sein Onkel lebt, um dort einige Zeit zu bleiben. Später verarbeitet Keller seine Jugend im Roman "Der Grüne Heinrich", so findet auch Glattfelden, das freilich nicht namentlich benannt wird, Eingang in die Literatur; Kellers Alter Ego im Buch heisst Heinrich Lee.

Dies die Erklärung zum Sonntagsrätsel, die richtige Lösung mailten mir gestern: Christa Stalder (als erste). Sowie: Niklaus Bruggmann, Barbara Herzog. Maurus. Die Leute, die googelten, erwähne ich nicht namentlich.

Sonntag, 3. Februar 2019

Das Dorf im grünen Wiesental

Heute wieder einmal ein Sonntagsrätsel. Ein literarisches. Aus welchem Schweizer Roman stammen die folgenden Sätze, wer hat sie geschrieben, und welches Dorf war Vorbild? Wer die Lösung kennt oder zu kennen glaubt, erreicht mich auf widmerwandertweiter@yahoo.de. Und jetzt wünsche ich allen einen schönen Sonntag.
Endlich sah ich das Dorf zu meinen Füssen liegen in einem grünen Wiesentale, welches von den Krümmungen eines leuchtenden kleinen Flusses durchzogen und von belaubten Bergen umgeben war. Die Abendsonne lag warm auf dem Tale, die Kamine rauchten freundlich, einzelne Rufe klangen herüber. Bald befand ich mich bei den ersten Häusern, ich fragte nach dem Pfarrhause, und die Leute, welche an meinen Augen und meiner Nase erkannten, dass ich zu dem Geschlechte der Lee gehörte, fragten mich, ob ich vielleicht ein Sohn des verstorbenen Baumeisters sei?

Samstag, 2. Februar 2019

Was für eine Genferei!

Die Stadt, die für ihre Sauereien ein eigenes Wort verwendet:
Genf (im Bild die Gegend bei der Uno).
In Genf haben sie, las ich gestern im Tagi, ein schönes Wort dafür, wenn vor Ort wieder einmal etwas schief läuft, die Leute ärgert, Kopfschütteln auslöst. Die Genfer nennen es Genevoiserie, ebenso häufig gebrauchen sie die eingedeutschte Variante: Genferei. Bereits für das 19. Jahrhundert ist der Ausdruck belegt, heutzutage gibt es gar ein Komitee, das jährlich den "Prix Genferei" verleiht. Heuer ist aufgrund finanzieller Mauscheleien Genfs Sicherheitsdirektor Pierre Maudet der Topfavorit. Oder doch nicht? Diese Woche ist ihm Konkurrenz erwachsen: Eine Genfer Richterin schlief während eines Mordprozesses ein; dieser muss wiederholt werden. Was für eine Genferei!

Freitag, 1. Februar 2019

Völkerfreundschaft

Das Ehepaar Kohl 1990. Ein Wanderfoto habe ich nicht.
(Bild: Bundesarchiv/ Wikicommons)
Germanisches Nationalmuseum in Nürnberg? Hm, das Hirn spielt gleich einen Nazifilm ein. Doch das Germanische Nationalmuseum, im 19. Jahrhundert gegründet, machte sich zur Zeit der Nationalsozialisten nicht speziell schuldig. Nicht mehr als andere Kultur-Institutionen. Heute ist es das grösste kulturhistorische Museum im deutschen Sprachraum. Es wird von drei Stellen verantwortet und finanziert: von der Bundesrepublik Deutschland, vom Freistaat Bayern und von der Stadt Nürnberg. Noch bis Ende April läuft im Museum eine Ausstellung, die ich gern sähe: "Wanderland. Eine Reise durch die Geschichte des Wanderns"; der Besucher zieht in einer Indoor-Wanderlandschaft vorbei an allerlei Exponaten von alten Gehstöcken über Gemälde bis zu High-Tech-Gadgets. Zu sehen ist auch der Wanderschuh des früheren Bundeskanzlers Helmut Kohl. Hatte der Zeit zum Wandern? Ja! Jedes Jahr wanderte er, in der Regel mit seiner Gattin Hannelore, meist im Salzkammergut. Der zweite Wanderschuh von Kohl befindet sich übrigens in einem französischen Schuhmuseum; als Gegenleistung erhielten die Deutschen einen Schuhleisten von Charles de Gaulle. Das ist Völkerfreundschaft!

Donnerstag, 31. Januar 2019

Niue trauert

Trevor in seiner Pfütze. (Screenshot von hier)
Es gibt eine Pazifikinsel namens Niue. Auf diese Insel, gut 2500 Kilometer nordöstlich von Neuseeland gelegen, verschlug es vor gut einem Jahr eine Ente; vielleicht hatte sie der Sturmwind im Flug abgetrieben. Die Ente war die einzige auf der Insel, die Einheimischen tauften sie - der Vogel war männlichen Geschlechts, also ein Erpel - Trevor. Der einsame Trevor wurde zur Attraktion und lebte in einem Tümpel, den die Feuerwahr auffüllte, wenn das Wasser wieder einmal schwand. Nun ist Trevor, der mit der Zeit Touristen anlockte, nicht mehr da. Ein Hund hat ihn offenbar gerissen. Niue trauert. So las ich es diese Woche in diversen Zeitungen.

Mittwoch, 30. Januar 2019

Neue Wirtsleute auf dem Gäbris

Appenzeller Grundnahrung.
Gäbris-Resti, herangezoomt von der Höhenklinik Gais aus.
Als wir am Wochenende den Gäbris erstiegen, hatte dies einen konkreten Grund. Prinzipiell kann man dort immer hin, der Hügel im Ausserrhoder Mittelland ist ein klassisches Wanderziel, sommers und winters. Was uns bewog, ihm wieder einmal Reverenz zu erweisen, war diesmal ganz konkret die Tatsache, dass das Gasthaus neue Wirtsleute hat. Ralf Menet, Gaiser Bürger, verfügt über viel gastronomische Erfahrung und besorgt die Küche; seine Chäshörnli samt Siedwurst obendrauf und Apfelmus mundeten. Viel sahen wir von ihm freilich nicht. Dafür von seiner Partnerin Laura Grunewald, einer Brandenburgerin. Sie macht den Service und gefiel uns durch ihre freundliche, flinke und aufgestellte Art. Momoll. Es wird ein nächstes Mal auf dem Gäbris geben, den mein Fähnlein jetzt doch schon einige Male besucht hat.

Nachtrag zu vorgestern: Ich habe inzwischen mit der Gemeindeverwaltung Bühler telefoniert, die Gemeindepräsidenten herself nahm ab. Sie findet es auch eine gute Idee, beim Steigbach für alle Ortsfremden einen Wegweiser aufzustellen, der anzeigt, wo der Winterwanderweg zur Hohen Buche beginnt.
Nette Worte auf dem Gäbris.