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Donnerstag, 10. September 2015

Das Geldloch von Zürich

Der Trichter hat mein Münz gefressen, die Scheibe sich wieder geschlossen.
Die Schwyzer haben das Hölloch. Die Solothurner haben, am Weissenstein, das Nidlenloch. Wir in Zürich aber haben das Geldloch. Am Rennweg gibt es eine PostFinance-Filiale. Und in ihr, eben, das Loch. Man braucht eine Postcard, um das Loch zu öffnen. Dann wird es eindrücklich. Die Scheibe über dem Loch gleitet zur Seite, das Loch öffnet sich. Man leert sein Münz hinein, wenn man will, kiloweise. Es beginnt zu rattern und zu rechnen, das Münz sinkt tiefer und tiefer, ein unheimlicher Vorgang, das Loch schluckt ganz langsam und genüsslich und macht dabei viel Fresslärm. Am Schluss ist das Geld verschwunden, und auf dem Display steht, wieviel einem auf dem Konto gutgeschrieben wird. Mir macht das Geldloch immer unheimlichen Spass. Alle paar Monate trage ich mein Münz hin und füttere es, eine Art Opfervorgang ist das.

Samstag, 30. Mai 2020

Geld made in Innerrhoden

Infotafel bei der Flur Münz.
Der Bahnhof Appenzell unten rechts,
die Flur "Münz" oben links.
(Screenshot Schweizmobil)
Etwas ausserhalb des Innerrhoder Hauptortes Appenzell, nordwestlich von diesem, strebt der Kaubach der Sitter zu. Unweit der Einmündung steht ein Bauernhof, die Flur heisst "Münz". Ein Schild erklärt, dass hier einst die Münzmühle stand, in der die Innerrhoder zwischen 1737 und 1742 ihr eigenes Hartgeld prägten. Warum taten sie das nur gerade fünf Jahre? Innerrhoden hatte das Münzregal, wie das Monopol der Münzprägung heisst, verpachtet. Die eidgenössische Tagsatzung wollte die Vergabe einer derart wichtigen Staatsausgabe in die Hände Privater aber nicht dulden und setzte dem Tun nach einem halben Jahrzehnt ein Ende. Womit das Kleingeld des Kleinstaates am Ende war. Gern würde ich Genaueres erzählen, doch habe ich nicht mehr zum Thema gefunden.

Freitag, 5. Juni 2020

Krauers Münz

In einem meiner letzten Blogeinträge kam ich auf die Münz zu sprechen, eine Flur etwas ausserhalb von Appenzell, wo im 18. Jahrhundert für einige Jahre Innerrhoder Münzen geprägt wurden. Ich merkte an, dass ich gern mehr erzählen würde, aber keine gute Quelle fände. Darauf meldeten sich die Leserinnen Betti und Marianne, die mir beide eine solche - dieselbe - Quelle angaben. Und so kann ich jetzt vom Luzerner Münzmeister Karl Franz Krauer berichten. Er bekam 1734 vom Innerrhoder Landrat die Bewilligung, im Ländli für 15 Jahre eine Münzstätte zu betreiben. Nun hatten die privaten Geldhersteller des Ancien Régime ein Interesse daran, nicht zuviel teures Edelmetall in ihre Münzen zu pressen, um bei der Ausgabe derselben möglichst viel zu verdienen. Krauer stellte in grossen Mengen Münzen von geringem Silbergehalt her, zweifelhafte Ware. Das sprach sich in der Eidgenossenschaft herum, so dass die Innerrhoder Währung wenig beliebt war. 1738 wurde Krauer von der Obrigkeit gerüffelt. Doch durfte er letztlich wieder Geld prägen. Wenige Jahre später wurde er in Österreich verhaftet. Der Landrat löste ihn aus (was sind diese Innerrhödler gutmütig!) und liess ihn weitergeschäften. 1745 starb Krauer. Ein Nachfolger wurde nicht ernannt, dies war das Aus für die eigene Währung der Innerrhoder. 
Der Innerrhoder Hauptort Appenzell, Luftaufnahme aus 400 Metern Höhe
von Walter Mittelholzer, 1922. (ETH-Bibliothek/ Wikicommons)

Montag, 8. Dezember 2014

Als seien wir Heugabeldiebe

Es weihnachtet. Auch im Appenzellerland.
Kalt war es am Samstag. Und den ganzen Vormittag nebelte und nieselte es, was Herisau nicht schöner machte, den Ort, wo wir starteten. Bis wir am späten Nachmittag in Appenzell einliefen und uns bei Regula Dörig in der Linde unser Appenzeller Menü mit Brotsuppe, Salat, Siedwurst und Chäs-Chnöpfli zuführten, hatten wir:
  • vier Töbel durchquert sowie einen Nagelfluh-Abgrund am Hang des Sonderbachs bewältigt, über den ein Gruselsteg führt.
  • die Villa von alt Bundesrat Hans-Rudolf Merz mit Säntisblick passiert (vom Säntis war rein gar nichts zu sehen).
  • den Dorfplatz von Stein besichtigt, wo einst meine Grosseltern lebten.
  • das Volkskundemuseum ebenfalls in Stein besucht und uns die Appenzeller Sennenkunst und anderes auf drei Etagen angeschaut; mehr davon bald in einem eigenen Eintrag.
  • mehr grüne Wiesen gesehen, als ein Mensch im Tag eigentlich fassen kann.
  • uns mit einem Kläffblässli duelliert, das nicht weichen wollte und uns mit einem Ingrimm verbellte, als seien wir gekommen, Heugabeln zu klauen.
Am Schluss waren wir dann doch knapp 5 1/2 Stunden gelaufen (714 Meter aufwärts, 674 abwärts). Die Route: Herisau Bahnhof - Kreckel - Sedel - Egg - Churzenberg - Hundwiler Tobel - Moos - Sonderbach-Steg - Wilen - Haltenweid - Stein Dorf - Stein, Volkskundemuseum und Schaukäserei - Langenegg - Horgenbühl - Würzen - Steg über die Sitter - Haslen - Nördli - Honegg - Rüti - Lankerholz - Anker - Rässenau - Münz - Appenzell Dorf - Appenzell Bahnhof.
Bald ist hier alles vereist: Steg über die Sitter zwischen Stein und Haslen.

Donnerstag, 27. März 2025

Twint gewinnt

Das Twint-Logo.
(TWINT digitales
Portemonnaie / Wikicommons)
Als Journalist sollte man nicht Fan sein, als Wanderer und Schreiber eines privaten Wanderblogs darf man es. Also: Ich bin ein Riesenfan des Bezahldienstes Twint. Ich weiss nicht, wie viele Male ich in den letzten Jahren in einem Hofladen stand, Ware für 5 Franken 85 oder 12 Franken 10 oder 18 Franken 20 zusammengeklaubt hatte, um dann festzustellen, dass ich im Portemonnaie nur Noten hatte und kein Münz. Twint rettete mich, es ist praktisch, elegant, bargeldloses Bezahlen als luftiger Vorgang. Und auch im Grüppli ist manches einfacher geworden dank Twint, zum Beispiel zahle ich manchmal, etwa bei einer Museumsführung, den ganzen Grüpplibetrag und ziehe die Anteile der anderen per Twint ein. Alles total easy. Gestern las ich in der Zeitung, dass Twint aufgrund einer landesweiten Umfrage im Jahr 2024 die beliebteste Firma der Schweiz ist. Es folgen: Zweifel, Migros, Ricola, SBB, Rivella, Die Mobiliar, Coop.

Montag, 1. Mai 2023

Nachwandern, Leute

Blick von der Hundwiler Höhi zum Säntismassiv.
Liebliches Land in der Gegend des Himmelsberges.
Wasserfällchen im Aufstieg zur
Hundwiler Höhi bei der Müllershöhi.
Ohne Worte.
Es ist mir zur Gewohnheit geworden: Endet eine Wanderung in Appenzell, gibts eine Siedwurst mit Chäshörnli in der "Sonne". So wars auch am Samstag, und wieder fand ich, dass die Siedwurst dort besonders fein und würzig ist, was auf andere Art auch auf den "Bärenmandli" passte, einen Pinot noir aus dem nahen St. Galler Rheintal. Vier Stunden waren wir zuvor gewandert, waren je 690 Meter auf- und wieder abgestiegen, von Hundwil via Pfand und Unter der Höhe auf die Hundwiler Höhi, via Ochsenhöhi, Chuterenegg, Himmelberg, Münz und Rüti hinab nach Appenzell. Diese Abstiegsvariante ist meiner Meinung nach die allerschönste, um die "Höhi", meinen alten Hausberg, wieder zu verlassen. Am Samstag stimmte ohnehin alles, Löwenzahn färbte die Wiesen gelb, Wattewolken, zu Anfang hell, später dunkel, trieben über den Himmel, warm wars und die Luft war nach den Regenfällen der letzten Tage besonders klar. Ich kann nur sagen: nachwandern, Leute, diese Route ist toll. Samt der Siedwurst.

Freitag, 2. September 2016

Tod eines ungeliebten Hotels

Betonburg: das Dolder Waldhaus.
"Hart, grau, eckig", schrieb eine Zeitung einst. Ab Oktober wird das Dolder Waldhaus am Zürichberg, das 1975 an die Stelle eines Holzhauses zu stehen kam, abgerissen. Dem mit vier Sternen klassierten Betonklotz, der neben dem grandiosen Dolder Grand schlecht aussieht, wird niemand nachtrauern, mit dem Neubau kann es nur besser werden. Immerhin sind mit dem Waldhaus viele Geschichten verbunden. Eine hübsche erzählte gestern in seinem Artikel mein Redaktionskollege Nicola Brusa. Der einstige Hoteldirektor Tobler war offenbar ein Geizkragen, der stets den Boden im Restaurant nach Münz absuchte. Einmal liess ein Kellner absichtlich am Mittagstisch von Tobler eine Tausendernote fallen. Tobler schnappte sie sich verstohlen und verliess den Raum, ohne den Teller leergegessen zu haben. Tobler sei dann, so der Kellner, bei näherer Musterung der Note sehr enttäuscht gewesen. Sie war aus einer Zeitung ausgeschnitten und wertlos.

Montag, 7. Oktober 2019

Das kleingehaltene Neunkirch

In Neunkirch. Wir - mein Grüppli und
ich - waren am Samstag dort.
Das Landstädtchen mit den schön geometrischen, schnurgeraden, parallelen Gassen, das im gestrigen Sonntagsrätsel gesucht wurde, heisst Neunkirch und liegt ungefähr 13 Kilometer von Schaffhausen entfernt. So richtig entfalten konnte es sich nicht, da die Schaffhauser es kleinhielten, um nicht Konkurrenz zu bekommen; Neunkirch genoss weder Münz- noch Marktrecht, beide Rechte wurden ihm nicht gewährt. Sein Name hat nichts zu tun mit neun Kirchen. "Neun" kommt in diesem Fall von althochdeutsch "niuwi" gleich neu, man kann das auf ortsnamen.ch nachschlagen. Mit der richtigen Lösung meldeten sich gestern Sonntag - ich gratuliere - bei mir diese bewanderten Leute: Andrea Tonella (als erster), Peter Draemann, Stefan Brauchli, Christine Lienhart-Racine, Maurus Horat, Betti Hildebrandt, Monika Schlatter, Monika Demirciler, Wolf-Dieter Deuschle, Ursula Brem, Marlies Sturzenegger-Buser.