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Mittwoch, 14. Dezember 2016

Schlieremer Nocebo

Gestern fuhr ich nach Schlieren, das an die Stadt Zürich grenzt. Wahrzeichen der Stadt Schlieren ist das Briefzentrum Zürich-Mülligen - dies ist das grösste Briefsortierzentrum der Schweiz, 70 000 Quadratmeter Grundfläche auf zwei Etagen. Gleich fiel mir auch wieder die Geschichte von 2012 ein. Damals gab es Alarm im Zentrum, ein weisses Pulver war aus zwei Briefen gerieselt, man dachte an einen Terroranschlag, Anthrax und so. 34 Leute wurden in der Folge ins Spital eingeliefert mit Symptomen wie Erbrechen, Husten, Kopfschmerzen. Schliesslich stellte sich heraus, dass das Pulver harmlos war. Und dass es sich bei der vermeintlichen Erkrankung der Mitarbeiter um eine Massenhysterie handelte. Interessant, wie wir Menschen uns Dinge einbilden können. Das Fachwort dafür heisst: Nocebo-Effekt.

Dienstag, 13. Dezember 2016

Grandson und Grandisson

Wuchtig: Schloss Grandson.
(Wikicommons/ Roland Zumbühl - Picswiss)
Bin grad dran zu überlegen, wo ich morgen hin soll. Luzern, eine Promenade den See entlang Richtung Kastanienbaum? Bellinzona, wofür spricht, dass ich endlich durch den neuen Gotthard-Basistunnel fahren könnte? Oder doch Grandson, das ich schon länger kennenlernen will samt natürlich dem gewaltigen Schloss? Gestern las ich, dass der um 1050 gebaute wuchtige Stammsitz der Herren von Grandson am Neuenburgersee einen englischen Ableger gezeitigt hat. Otto I. von Grandson war ein enger Freund des englischen Prinzen Eduard, begleitete diesen auf einem Kreuzzug und war auch bei der Eroberung von Wales dabei. Aus diesem Englandaufenthalt entstand das Adelshaus der Lords of Grandisson. Dass der englische Name leicht abgeändert ist, erstaunt mich nicht. Wenn einer sich als "Lord Grandson" vorstellen würde, würde sein Gegenüber bloss fragen: "And who is your grandfather, Mylord?"

Montag, 12. Dezember 2016

Dezemberlicht

Nach dem Mitttagessen auf der Egg oberhalb Krinau.
Rückblick auf Krinau.
Wienerschnitzel. Tiroler Gröstl. Marillenknödel. Marillenschnaps. Und ein Zweigelt. Der Zmittag am Samstag mittag in Krinau, einem reizend abgelegenen Dorf in einem Seitental der Thur unterhalb der Chrüzegg, war wunderbar - und ja, im Rössli wirten seit kurzem Österreicher. Viel berauschender, betörender, berückender noch als das Essen war auf unserer dreistündigen Krinau-Wanderung (hinauf von Dietfurt via Kengelbach und Sedelberg, hinab via Egg und Mösli) die Landschaft. Genauer gesagt: ihre Beleuchtung durch das flach einfallende Dezemberlicht, das jeden Kuhtritt in den steilen Hängen und jedes Steinchen und jedes vor dem Winter zitternde Grashälmchen einzeln akzentuierte und verzauberte. Fotografisch war ich dem nicht gewachsen, aber der Tag wird in meinem Kopf bleiben.
Weiter unten Richtung Lichtensteig.

Sonntag, 11. Dezember 2016

Ost-West im Gebirge

Wir Schweizer haben zwar nicht den höchsten Berg der Alpen, aber immerhin der Ostalpen; es ist der Piz Bernina mit 4049 Metern im Kanton Graubünden. Ich stiess kürzlich auf das Wort "Ostalpen", musste es nachschlagen. Es ist natürlich komplementär zu "Westalpen", die Grenze folgt einer Linie vom Bodensee das Rheintal hinauf über den Splügenpass bis zum Comer See.
Vom Bodensee zieht sich die Grenze zwischen Westalpen und Ostalpen
Richtung Süden. (Wikicommons)

Samstag, 10. Dezember 2016

Weiach und der Wydler

Die Kirche Weiach 1716. (Wikicommons)
Weiach ganz im Norden des Kantons Zürich brachte in seinen Gemeindemitteilungen zehn Jahre lang jeden Monat eine "Weiacher Geschichte", man kann diese online nachlesen, eine super Sache. Eine Geschichte handelt vom Pfarrer Hans Lux Wydler, der nun nicht gerade eine Zierde seines Berufsstandes war. Schon der Vater, ebenfalls Pfarrer, war unangenehm aufgefallen, liederlicher Lebenswandel und so. Der Sohn wurde 1609 Pfarrer in Tegerfelden AG, wo er verdächtigt wurde, den Altar aus der Kirche entfernt zu haben - die Formulierung lässt offen, ob es um Diebstahl ging. Jedenfalls aber kam es 1618 in Weiach zum Schlimmsten: Pfarrer Wydler erstach seine Frau und floh ausser Landes. Das "Zürcher Pfarrerbuch" nennt als Wydlers Todesjahr ebenfalls 1618. Beging er Selbstmord? Wir wissen es nicht.

Freitag, 9. Dezember 2016

Fürstbischöflicher Fussweg

Die Basler Fürstbischöfe regierten von Basel aus, bis die Reformation kam. Dann verzogen sie sich in ihre jurassischen Ländereien. Auf drei Städte stützte sich die katholische Herrschaft: Pruntrut war der Hauptsitz, St-Ursanne das geistliche Zentrum, Delémont die Sommerresidenz. Was ich nicht wusste und von einem Schild erfuhr, als ich kürzlich in der Gegend des Etang de la Gruère wanderte und dabei von Sous la Neuvevie nach La Combatte südöstlich von Saignelégier zog: Die Fürstbischöfe unterhielten einen durchgehenden Fussweg durch die Freiberge von ihrer Hauptpfarrei Montfaucon nach Les Bois unweit von La Chaux-de-Fonds. Der kurze Abschnitt, den ich bei La Combatte antraf, war von Steinmauern zu beiden Seiten gesäumt; das markiert die Bedeutung der Route.

Donnerstag, 8. Dezember 2016

Stoosbahn: das Update

Die Kapelle Maria-Hilf auf dem Stoos. Hier kann man beten,
zum Beispiel dafür, dass die neue Bahn nicht noch teurer wird.
(Wikicommons/Badener)
Gestern fiel mir, einfach so, die Stoosbahn ein - ich dachte: Wird nicht demnächst die neue, extrem steile Standseilbahn eröffnet? Oder fährt die schon? Ich schaute nach, und oha. Ich wusste das gar nicht: Die neue Bahn vom Muotatal auf das Schwyzer Ferienplateau hat auf den ursprünglichen Bauplan mittlerweile zwei Jahre Verzögerung und wird wohl erst Ende 2017 auf ihrem neuen Trassee parallel zum alten losfahren. Grund für das langsame Vorankommen der Arbeiten waren Pannen und Probleme aller Art, so stürzte zum Beispiel die eigens erstellte Materialbahn ein. Auch beim Bohren der drei Tunnels gab es jede Menge Ärger, so mussten die Bohrköpfe ausgewechselt werden. Die Baukosten sind ebenfalls happig gestiegen, momentan geht man von 52 Millionen Franken aus. Nun, jedenfalls wird Ende nächstes Jahr mit der Bahn auch ein neuer Superlativ Realität: die steilste Standseilbahn der Welt.