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Dienstag, 14. November 2017

Der schrecklich liebe Hirtenhund

Die Cadlimohütte liegt hoch über Airolo im Ritomgebiet auf 2570 Metern über Meer. Toni Kaiser, Chefredaktor von "Schweiz Das Wandermagazin", verbrachte in ihr einen Sommer, ein Zuckerschlecken war das nicht, denn er war Teil des Teams, arbeitete also kräftig mit. Aber fotografiert hat er auch - daraus ist ein schönes Fotoheft entstanden. Es zeigt Andy beim WC-Putzen,  Dania beim Betten, Jana beim Zubereiten des Salats, Alma im Vorratskeller. Und auch Terribile ist zu sehen, der Hirtenhund vom nahen Val Canaria, dessen Schäfer sagt, Terribile sei eigentlich zu lieb für seinen Job. Schrecklich lieb sei er. Daher ja auch der schalkhaft gemeinte Name Terribile.

Montag, 13. November 2017

Sonnenblumenkerneparabel

Der Saal mit den Sonnenblumenkernen. Sie sind ...
... aus Porzellan.
Am Samstag besichtigten wir Lausanne. Und wir besuchten die Ai-Weiwei-Ausstellung. Das war eine Art Schnitzeljagd, man durchstreift das gewaltige Palais de Rumine und dessen Museen von Zoologie über Archäologie bis Geologie sowie natürlich Kunst und sichtet immer wieder mal irgendwo zwischen den guten alten Exponaten (Kalb mit zwei Köpfen, Säbelzahntiger-Skelett, Asbestbrocken, ausgestopfter Igel) ein verschmitzt eingefügtes Objekt von Ai Weiwei, zum Beispiel ein Sextoy zwischen den menschlichen Föten in Formaldehyd. Zwei grössere Installationen des Künstlers einzig durchbrechen das Konzept, indem sie allein für sich stehen. Hier im Bild die Installation "Sonnenblumenkerne". Sie war schon in London zu sehen; dort waren es 100 Millionen Kerne, hier in Lausanne immerhin 10 Millionen. Und zwar keine natürlichen, sondern von chinesischen Handwerkern der alten kasierlichen Manufakturen in Jingdezhen von Hand bemalte Imitate aus Porzellan. Gewaltig - ich glaube, auf so etwas kann nur ein Chinese kommen. Und was soll das? Nun, man könnte angesichts der Menge der Kerne auf das Verhältnis des Einzelnen zur Masse kommen: Kann er seine Individualität gegenüber dem Kollektiv behaupten; sie scheint fragil und lächerlich. Das Thema passt zu Ai Weiwei, der sich bekanntlich mit dem Regime angelegt hat und auch schon im Gefängnis landete. Die Reise nach Lausanne lohnt sich! Bis 28. Januar ist die Ausstellung offen.
Das Atrium des Palais de Rumine mit dem Konterfei von Ai Weiwei.

Sonntag, 12. November 2017

Ganz oben

Das Kili-Diplom. Den Namen der Besitzerin habe ich wegretuschiert.
Gestern wanderten wir nicht. Wir fuhren stattdessen nach Lausanne zur Ai-Weiwei-Ausstellung und besichtigten danach die Kathedrale und die Altstadt. Mehr davon morgen. Hier ein Diplom. Wanderfreundin C., gestern auch dabei, hat es errungen, indem sie kürzlich den Kilimandscharo bestieg. Afrikas höchsten Berg. Geschafft hat man die Unternehmung, die dem Körper ziemlich zusetzt (Sauerstoffarmut), wenn man einen von drei definierten Punkten erreicht:
  • den Uhuru Peak ganz zuoberst auf 5895 Metern;
  • den Stella Point auf 5756 Metern;
  • den Gilman's Point auf 5685 Metern.

Samstag, 11. November 2017

Return of the Streusalz

Winter ist, wenn im Eingang zu meinem Mehrfamilienhaus der Streusalz-Eimer auftaucht; gestern war es soweit. Unser Hauswart verfolgt offensichtlich die Wetterprognosen: Bis Montag soll die Schnellfallgrenze auf 500 Meter fallen.

Freitag, 10. November 2017

Der Ameisler

Ein Ameisler - Zeichnung von 1820.
(Wikicommons)
Gestern stiess ich zuhause beim Lesen auf einen Beruf in Süddeutschland, Österreich und Böhmen, den es längst nicht mehr gibt: den Ameisler. Er sammelte einst die Puppen ("Eier") der Waldameise und verkaufte sie - zum einen dienten diese als Vogelfutter, zum anderen wurden daraus Arzneien gefertigt. Oft waren es arme Bauern, die diese Arbeit im Nebenamt ausübten und also Ameisenhaufen siebten, um die Puppen zu gewinnen.

Donnerstag, 9. November 2017

Ab nach Richterswil, Vallorbe, Biel!

Schön! "Der Stundentanz" von Philippe Robert im Wartsaal im Bahnhof Biel.
(Bild: Wikicommons)
Was haben die Bahnhöfe von Richterswil ZH, Vallorbe VD und Biel BE gemeinsam? Jawohl, alle diese Orte haben einen stilvollen alten Wartsaal - eine Einrichtung, die andernorts längst ganz verschwunden oder durch Umnutzungen entstellt worden ist. Die NZZ brachte zu diesem Thema gestern eine schöne Geschichte. Auch Flüelen kommt vor. Im dortigen Bahnhof gibt es einen denkmalgeschützten Wartsaal mit dem Heinrich-Danioth-Wandbild "Föhnwacht" von 1944. Doch leider ist der Raum durch einen Kiosk beeinträchtigt. Eine Frau von der SBB nennt einen Grund, warum aus ihrer Sicht ein Kiosk manchem Wartsaal durchaus gut tut: "Die Anwesenheit von Kioskangestellten erhöht die Sicherheit der Wartenden und schützt vor Schäden." Ist schon wahr, die Vandalen sind heutzutage überall. Schade ist das trotzdem.

Mittwoch, 8. November 2017

Baselbieter Gipsgeschichte



Am Montag war ich für einen Artikel in Läufelfingen BL, er wird sich dem dortigen Tierfriedhof widmen. Die Betreiberin sagte mir im Gespräch, dass ihr Friedhof auf dem Gelände einer alten Gipsfabrik liege, deren Gebäude samt und sonders verschwunden seien, wenn man vom Trafoturm absehe. Sie empfahl mir einen Youtube-Clip von fünf Minuten Länge, der die Geschichte der 1984 stillgelegten "Gipsi" aufgreift. Diese verarbeitete Gipsgestein aus dem Nachbarort Zeglingen; Arbeiter brannten das Gestein in einem Ofen und machten es so mürbe; anschliessend wurde das Material zermahlen zu Gipsmehl. Hübsch fand ich die Art und Weise, wie der Aushub von Zeglingen in die Gipsi geschafft wurde: mit einer Seilbahn. Sechs Kilometer lang war sie und war damit die längste Seilbahn der Schweiz. Leider gibt es sie auch nicht mehr. Immerhin kommt in dem Clip ein ehemaliger Arbeiter der Gipsi zu Wort, der erzählt, dass er als Bub mit anderen Kindern aus dem Dorf gern ein Stück mit der Seilbahn mitfuhr. Die Kinder hängten sich einfach an die Wägeli und sprangen ab, sobald sie in Sichtweite Erwachsener kamen. Uff, gefährlich.