Gesamtzahl der Seitenaufrufe

Samstag, 7. September 2019

Gruss aus Bad Ragaz

Ich bin in Bad Ragaz im Hotel, heute Samstag ist Wandertag der „Schweizer Familie“, zum Anlass gehören Gratiskonzerte von Patent Ochsner und Sina. Ebenfalls heute Samstag gibts, siehe Screenshot, im „Magazin“ ein Interview mit mir, 66 Fragen zum Wandern. Das Gespräch geführt hat Mikael Krogerus, wir verbrachten unlängst im „Weissen Wind“ in Zürich einen lustigen Abend zusammen. Dies gesagt, versuche ich jetzt wieder zu schlafen, was mir in Hotels meist schwer fällt.

Freitag, 6. September 2019

Seine allererste Wanderung

Die Ruine Neu Schauenburg. Der Zugang ist gesperrt wegen Steinschlag.
Blick nach den ersten 45 Minuten auf Frenkendorf und, weiter hinten;
Füllinsdorf. Der hübsche Hoger links ist das Madlenchöpfli.
M., wiewohl in der Schweiz zuhause, ist noch nie gewandert. Weil er nicht hier aufgewachsen ist. Vor einiger Zeit erzählte er, dass er diesen September eine mehrtägige alpine Passwanderung mit einem Freund machen werde. Sozusagen probehalber brachen wir am Mittwochmittag bei blendendem Wetter auf zu einer kleinen, dreistündigen Baselbieter Unternehmung. Sie führte uns von Frenkendorf vorbei am Madlenchöpfli zur Burgruine Neu Schauenburg und zur Schauenburgflue, danach stiegen wir via Horn und Egglisgraben ab nach Pratteln. Es ging alles gut, M. ist sportlich und ein flinker Geher, wir redeten viel. Die Bergschuhe, die man ihm im Laden verpasst hatte, fand er freilich unangenehm klobig. In Pratteln führte ich engagierter Outdoor-Dozent M. vor, wie eine gute Wanderung endet. Nämlich mit einer Einkehr und einem kalten Bier. Auch das hat ihm gefallen, denke ich.

Donnerstag, 5. September 2019

Ich bin ein Gebissener

Eine Zecke, die sich vollgesogen hat, von unten. Damit keine
Missverständnisse entstehen: Das ist nicht die, die mich
gebissen hat. Sondern eine aus dem Internet. Eine
englischsprachige. A tick, wie die Zecke auf Englisch heisst.
(Bild: Jost Jahn, Hokuzai/ Wikicommons)
Vor gut einer Woche fiel mir zum ersten Mal der Kreis auf meiner Brust auf, linke Seite, circa zehn Zentimeter im Durchmesser, stark geröteter Rand. Ha, dachte ich, dies ist sicher ein Ehrenmal der Wandergötter, sie haben mich ausgezeichnet für meine Leistungen am Berg. Nun, gestern morgen stellte ich nach dem Duschen fest, dass der Kreis grösser geworden war. Ansonsten keine Probleme, kein Fieber, kein Jucken oder Brennen, keine Veränderung der Haut. Am Mittag ging ich im HB Zürich schnell in die Apotheke, streckte der Apothekerin mein Torso-Selfie hin. Vermutlich Borreliose, fand diese. Ich solle zum Arzt, riet sie. Vorerst fuhr ich ins Baselbiet, um dort mit Freund M. zu wandern, er ist kein Schweizer, kennt das Wandern nicht, wollte es mal testen. Die Route war schön, davon ein andermal mehr. In Pratteln endete unsere Unternehmung am späten Nachmittag. M., der in Basel lebt, empfahl mir die Praxis am Bahnhof, eines dieser modernen Ärztezentren; es sei dort nicht so busy wie in Zürich, sagte er, man komme schnell dran. Tatsächlich, 20 Minuten später hatte ich die Diagnose, Zeckenbiss und Borreliose-Bakterien. Vermutlich. Mir war nie eine Zecke am Körper oder Bissstelle aufgefallen. Doch ist die kreisrunde Rötung offenbar typisch. Die Ärztin verschrieb mir ein Antibiotikum. Das muss ich jetzt zwei Wochen nehmen. Dann sollte der Spuk beseitigt sein. Mit grosser Wahrscheinlichkeit. Auf dem Heimweg nach Zürich trank ich ein Bier, das letzte vor der Kur. Und ich dachte: Jetzt bin ich ein Gebissener.

Mittwoch, 4. September 2019

Am Samstag in Bad Ragaz

Die Taminaschlucht. Interessantes Detail: Am Samstag werden
die verantwortlichen Touristiker einen Parallelstollen öffnen.
Dies wegen der vielen Leute, mit denen zu rechnen ist. Man
geht hinein und hinaus nicht auf demselben Weg, wie üblich.
Am Samstag findet wieder der Nationale Wandertag der "Schweizer Familie" statt, heuer in Bad Ragaz. Dort wird es eine riesige Festwirtschaft geben, der formidable Claudio Zuccolini wird die Darbietungen moderieren. Drei Routen kann man vom Dorfzentrum aus absolvieren, Prominente wie Nik Hartmann sind als Wandergöttis und -gotten mit von der Partie, meine Lieblingsstrecke ist die in die Taminaschlucht. Ich bin auch anwesend, man findet mich auf dem Festgelände. Am Abend feiert die SF am selben Anlass ihr 125-Jahr-Jubiläum, Patent Ochsner und Sina geben Gratiskonzerte. Falls jemand kommen mag, hier alle Angaben.

Dienstag, 3. September 2019

Der Bergführer hatte Durchfall

Gleich sind diese zwei Frauen bei der Hörnlihütte. Hinten das Matterhorn.
Wanderfreund S. ass Rösti mit Speck.
Ich nahm eine Gemüsesuppe. Und
hinterher ein Stück Apfelkuchen.
Die Hörnlihütte, 3260 Meter über Meer, 130 Schlafplätze, vor wenigen Jahren umfassend renoviert, führt sozusagen ein Doppelleben. Zum einen versorgt ihr Team die Tagestouristen, Wanderinnen und Wanderer wie unsereins - wir waren am Samstag vom Schwarzsee bei Zermatt aufgestiegen; das Essen, übrigens, wird per Heli hinaufgeflogen. Zum anderen dient die Hütte bzw. ihre Nachfolgebauten seit 1880 als Basislager der Matterhorn-Aspiranten; 15 Jahre zuvor hatte der Engländer Edward Whymper mit seinen Compagnons als erster den 4478-Meter-Berg gemeistert. Wäre interessant, mal in der Hörnlihütte zu schlafen. Am liebsten in einer der beiden Suiten. Um 3 Uhr 50 zuzusehen, wie die Nachtsperre aufgehoben wird und die Bergführer mit ihren Klienten aufbrechen nach dem Prinzip "Die einheimischen Führer zuerst". Und sich dann wieder hinzulegen und dem Morgen entgegenzudösen.
Von der Hütte zum Gipfel sind es noch 1218 Höhenmeter.

Im Netz fand ich einen NZZ-Artikel von 2015, eine Reportage über den Alpintourismus zum Matterhorn. Er enthält viele Anekdoten. Zum Beispiel die von zwei Eheleuten aus Sarnen, die gemeinsam aufstiegen, Mann und Frau jeweils von einem Bergführer begleitet, wie das die Regel ist. Der Mann kam hinauf und frohlockte. Die Frau aber hatte frühzeitig abbrechen müssen. Ihr Bergführer hatte nach einem Drittel des Aufstiegs aufgegeben wegen Durchfall in der Nacht und körperlicher Schwäche.

Montag, 2. September 2019

Platon und das Matterhorn

So muss ein Berg aussehen. Die Hörnlihütte sieht man als weissen Fleck
unterhalb der Bildmitte. Wenn man gute Augen hat.  
Scharfer Kamm: die Mittelmoräne des Zmuttgletschers 500 Meter tiefer.
Als ich am Samstagmorgen kurz vor neun in Zermatt aus dem Hotel trat, hatte ich das Matterhorn direkt vor mir - ich verspürte ein ungeheuerliches Glück. Ich denke, es geht vielen so mit diesem Berg. Woran liegt es? Vielleicht kann der alte Grieche Platon helfen. Gemäss ihm gibt es jenseits unserer dinglichen Welt eine zweite Welt, die der unwandelbaren, ewigen Ideen. Jedes Ding, das wir kennen, und jede Eigenschaft auch ist dort als reine Idee vorhanden. Als Prototyp sozusagen. Vielleicht ist das Matterhorn der ideale Berg, der Berg an sich, der Berg in der Ideenwelt. Als ich ihn in der Walliser Wirklichkeit erblickte, wäre das demnach weniger ein Sehen als ein Wiedererkennen gewesen. Denn der Mensch hat tief in sich eine Ahnung dieser Ideenwelt. Versteht man mich? Ich hoffe es.

Unsere Wanderung startete und endete beim Schwarzsee, den man per Gondelbahn erreicht. Von dort stiegen wir den unteren Teil des Hörnligrates empor bis zur Hörnlihütte, näher kommt man dem "Horu" als Nichtalpinist nicht. Der Rückweg war derselbe. Mit je 750 Höhenmetern auf und ab und einer Gehzeit von knapp vier Stunden ist das eine mittelstrenge Route. Auf dem Papier. Denn immerhin kommt man auf 3260 Meter über Meer hinauf, das Herz flattert auf der letzten, blauweiss markierten Passage zur Hütte wie ein Vogel in einem zu engen Käfig. Manche Leute bekommen starkes Kopfweh, anderen müssen wegen Atemproblemen umkehren. Wir sieben schafften es alle - auch das war schön!

Eine Reihe von Dingen trägt ebenfalls dazu bei, dass die Route zur Hörnlihütte ein unvergessliches Erlebnis ist. Man geht keinen Meter auf Hartbelag, beginnt gleich im Hochgebirge. Der Fels nimmt die exaltiertesten Farben an, ist mal blau und mal rot. Es gibt Metallstege, steile Treppen, Seile, befestigte Stufen, das ist so hilfreich wie atemberaubend. Tief unten sieht man nördlich die enorm steile und scharfe Mittelmoräne, die der Zmuttgletscher geschaffen hat. Und sowieso: überall Gletscher, ich denke, es sind gut 15, die sich einem präsentieren. Last not least ist der Horizont rundum geschmückt von hohen Bergen, darunter Viertausender. Sie sind beeindruckend. Aber das Matterhorn steht über ihnen wie ein Wesen aus einer anderen Welt. Als platonischer Berg.
Komfortable Treppen machen den Hüttenzugang sicher.
Hier begann und endete unsere Wanderung: Gondelstation Schwarzsee.

Sonntag, 1. September 2019

Walliser Wolkenattacke

Sie kommen! Gestern Mittag, Blick von der Hörnlihütte.

Das war zwei Stunden zuvor:
Matterhorn mit Schmuckwolke.
Wir schafften es gestern trocken zur Hörnlihütte hoch über Zermatt und retour zum Schwarzsee. Darauf gewettet hätte ich nicht. Das Regenradar zeigte für den Mittag bereits einen Schwarm kleiner Regenzellen an. Doch es regnete nicht, als wir vor der Hütte auf der Terrasse Platz nahmen, um zu essen. Und es begann erst zu tröpfeln, als wir zweieinhalb Stunden später wieder unten in Zermatt waren. Freilich zeigte starker Wind während unseres Abstiegs von der Hütte den Druckabfall an. Und mächtig, eine anstürmende Kavallerie aus Watte, bauten sich zur gleichen Zeit um das Matterhorn riesige Wolkengebilde auf. Toll, kann ich nur sagen. Solches Wetter ist das Gegenteil von langweilig. Mehr zur einzigartigen Tour morgen.
Auf der Terrasse der Hörnlihütte. Es war angenehm warm.