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Sonntag, 7. März 2021

Der Briefkastenritter


Ritter waren mal gefürchtet. Heute ist die stolze Gestalt von einst allenfalls als Blechpuppe im Museum zu sehen. Oder sie wird, in anderen Zusammenhängen, ironisiert. Dieser Ritter ist zum  Briefkastenhalter degradiert. Ich fotografierte ihn an der Forchstrasse in meinem Wohnort Zollikerberg, als ich zum Bäcker ging. Wo ist des Ritters Pferd? Vermutlich schon lange tot.

Samstag, 6. März 2021

Das Sonntagsrezept

Der kocht aserbaidschanisch.
Auf Youtube gibt es diesen Aserbaidschaner, der auf seinem Kanal "Wilderness Cooking" vorführt, wie er kocht. Was er zubereitet, verschenkt er nachher, wenn ichs richtig verstehe. Gestern schaute ich mir gebannt einen Film von 13 Minuten an, in dem der Mann eine Erdgrube aushebt, einen Lehmofen hineinmauert, im Wald Holz holt, Feuer macht und eine gewaltige Rinderkeule in den Ofen abseilt, die er zuvor mariniert hat. Siebeinenhalb Stünden gart das Ding und sieht am Ende sehr gluschig aus. Was für morgen Sonntag zum Zmittag? Also bei mir könnte ich das nicht machen, die Nachbarn würden, fürchte ich, reklamieren, wenn ich im gemeinsamen Vorgarten Erdarbeiten vornähme.

PS: Bei Youtube kann man Untertitel einblenden,

Freitag, 5. März 2021

Armer Atlas

Der Segnespass mit dem Passweg in Grün. Ich muss
den nahen Atlas gesehen haben, als wir letztes Jahr den Pass machten.

Atlas war – ich rede von der griechischen Mythologie – einer aus dem Riesengeschlecht der Titanen, die sich gegen die Olympier auflehnten, gegen die zwölf höchsten Götter. Nachdem der Aufstand gescheitert war, bedachte Göttervater Zeus Atlas zur Strafe mit der Aufgabe, auf ewig den Himmel zu stemmen. Platziert war der arme Atlas am Ende der damals bekannten Welt, irgendwo am Mittelmeer in der Nähe Gibraltars. Genau deswegen heisst das Gebirge, das sich von Tunesien über Algerien bis Marokko zieht, Atlas-Gebirge. 1595 erschien das Kartenwerk des Gerhard Mercator, das dieser nach dem mythischen König Atlas von Mauretanien, grosso modo in derselben Region gelegen, "Atlas" betitelte; seit Mercator werden Kartenwerke gern "Atlas" genannt. Was ich leider nicht weiss: Warum der Berg ganz nah am Segnespass, der von Elm nach Flims führt, Atlas heisst. Ich stiess letzten Sonntag, als ich ein paar Dinge auf der Karte nachschaute, auf den Bergnamen.

Donnerstag, 4. März 2021

Kummakivi

"Kummakivi" heisst offenbar auf Deutsch: kurioser
Stein. Hat was. (Foto: Kotivalo/Wikicommons)
Gnappsteine, "Pierres Branlantes" auf Französisch, gibt es in unserem Land einige. Sie wirken aufgrund ihrer prekären Lage so, als könne man sie zum Wackeln bringen. Manchmal täuscht man sich, so ist es mit dem Gnappstein oberhalb von Mettmenstetten beim Homberg und mit der Pierre Pendue im Wald bei Cuarnens im Waadtland: Man gibt Schub, doch nichts passiert. In Ruokolahti in Finland gibt es auch so einen Stein, er heisst Kummakivi, ist sieben Meter lang und liegt auf kleiner Fläche auf einem anderen Stein auf. Wie ich in der Wikipedia lese, kann man ihn nicht in Bewegung versetzen. Auch wenn es so aussieht.

Mittwoch, 3. März 2021

Cornet Nummer sechs

Das Wasserschloss Hallwyl sieht so aus, wie ein Wasserschloss aussehen soll.

Gestern folgten wir dem Aabach von Lenzburg bis Schloss Hallwyl, hielten dort Mittagsrast, zogen weiter zum Hallwilersee und folgten dessen Ostufer bis Meisterschwanden. Dort war nach vier Stunden (Gehzeit) unter der blitzenden Frühlingssonne Wanderschluss. Der Volg gleich bei der Bushaltestelle hatte offen, wir wollten alle Glace, stellten aber fest, dass es nur Familienpackungen gab – eine Sache der Saison. Nun, wir waren zu fünft und kauften eine Box mit sechs Erdbeer- und Vanillecornets. Draussen vor dem Laden assen wir und schafften es tatsächlich, der ersten Person, die daherkam, einer jungen Frau, Cornet Nummer sechs zu schenken. Sie hatte Freude, und wir hatten Freude. Immer schön, wenns aufgeht.

Dienstag, 2. März 2021

Die Germanenfrisur

Odoaker (l.) nahm den Römern Rom. Und Theoderich
nahm Odoaker Rom. (Wikicommons)
Gerade lese ich Felix Dahns historischen Roman "Ein Kampf um Rom" von 1876, eine teutonisch wallende, in die Zeit des sechsten Jahrhunderts zurückblendende Geschichte, die mit dem Tod des grossen Ostgoten Theoderich im Jahr 526 beginnt; es geht um den Untergang ebendieser Ostgoten und ihres Reiches auf dem Gebiet Westroms mit Zentrum in Ravenna. Die ersten Seiten inszenieren die nächtliche Zusammenkunft von vier ostgotischen Recken, die sich sorgen, derweil ihr verehrter König dem Tode nahe ist. Die Ostgoten, muss gesagt sein, waren Germanen. Einer der Männer im Quartett ist so beschrieben: "Sein schlichtes, hellbraunes Haar war über der Stirn gradlinig abgeschnitten: eine uralte germanische Haartracht, die schon auf römischen Siegessäulen erscheint." Bei diesem Satz musste ich grinsen. Ich hatte nämlich grad eben ein wenig über Theoderich und sein kurzlebiges Reich nachgeforscht und sein Bild auf einer Münze der Epoche erblickt. So ist er dargestellt: schnurgerad geschnittene und horizontal über die Stirn gezogene Linie lockiger Haare. Auch Theoderichs Schnurrbart ist durchaus typisch, die Germanen unterschieden sich von den Römern dadurch, dass sie in der Regel ebenso unrasiert waren wie ihre Kontrahenten rasiert; jedenfalls beschrieben es die Römer so und bemühten so das Klischee des germanischen Barbaren. Der Germanenherrscher Odoaker, den Theoderich eigenhändig ermordete, sieht auf Münzen ganz ähnlich aus. "Ein Kampf um Rom" kann ich übrigens nur empfehlen, man bekommt durch die Lektüre ein Gefühl für die reichlich unübersichtliche Zeit der Völkerwanderung.
Theoderichs Grabmal in Ravenna. (Foto: Wilfred Krause / Wikicommons)

Montag, 1. März 2021

Die Sphinx von Genf


Am Wochenende wanderte ich ausnahmsweise mal nicht. Am Samstag ging ich freilich auf Rekotour für einen Artikel, reiste zuerst nach Basel und dann nach Genf, fuhr somit, inklusive Heimreise, mehr als sieben Stunden Zug. In Genf fotografierte ich in der Rue du Mont-Blanc, die vom Bahnhof Cornavin hinab zum See führt, eine Sphinx. Der Bildhauer François Lempereur schuf 1855 gleich deren zwei. Die Zwillinge flankierten ein grosses Hotel, das Hôtel de Russie. Als dieses in den 1960er-Jahren abgebrochen wurde, gingen die Sphingen an den Betreiber eines Campingplatzes in Avenches. 1982 kaufte die Stadt Genf die Mischwesen – eine Sphinx ist ein Mensch mit Löwenleib – zurück. Seither stehen sie dort in der Fussgängerzone.