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Montag, 22. November 2021

Tod eines Kallenfängers

Chorgestühl-Figuren im Berner Münster.
(Foto: Mike Lehmann / Wikicommons)

Vor kurzem berichtete ich, dass das Berner Münster der höchste Sakralbau der Schweiz sei. Ich bekam Post von Blogleserin Christine Lienhart-Racine, eine Dokumentation über das Berner Münster, die sie bei Recherchen zu ihrer Familiengeschichte zusammengestellt hatte. Ich las und fand das interessant. Mit Dank an die Autorin hier vier Aperçus:

  1. Der Turm des Berner Münsters schwankt beim Läuten, das leuchtet ein. Doch auch Temperaturdifferenzen bewirken, dass der Turm sich subtil bewegt. Scheint die Sonne, wärmt sie am Morgen dessen Ostseite auf, am Mittag heizt sie von Süden, am Nachmittg von Westen. Die jeweils beschienene Seite dehnt sich um zwei Zentimeter aus.
  2. Am 22. Juni 1502 tobt in Bern ein Hagelsturm. Eisklumpen, gross wie Hühnereier, zerstören einen Grossteil der südlichen Chorfenster des Münsters. Aus den traurigen Trümmern fertigt man ein einziges grosses neues Fenster.
  3. 1517 wird über dem Chor der "Himmlische Hof" vollendet. In dem Kreuzrippengewölbe ist jeder Knotenpunkt mit einer Heiligenfigur befestigt. Ein Heiligenhimmel schwebt also über denen, die die Kirche besuchen.
  4. Die grösste der sieben Münsterglocken wiegt fast zehn Tonnen und gilt als schwerste Glocke der Schweiz. Acht Mann brauchte es einst, sie ins Schwingen zu bringen. Dem erfahrensten Glöckner, dem Kallenfänger, oblag es, am Ende des Läutens den Glockenklöppel mit einem Seil einzufangen. An Silvester 1943 wird der Kallenfänger vom Klöppel erschlagen. Kurz darauf stellt man das Glockenwerk auf Motorenbetrieb um.

Sonntag, 21. November 2021

Röntgens Restaurant

Am 23. Januar 1896 machte Wilhelm
Conrad Röntgen diese Aufnahme von
der Hand (mit Ring) eines Kollegen.
(Foto: Wikicommons)
1310 wird die Liegenschaft, in der heute das Restaurant und Zunfthaus "Zum Grünen Glas" untergebracht ist, erstmals urkundlich erfasst. Sie liegt am Rand der Zürcher Altstadt und ist – wie könnte es anders sein bei diesem Alter? – geschichtsträchtig. Hier nur eine Anekdote: Ab 1845 ist ein Wirtschaftsbetrieb belegt. Der erste Wirt ist ein deutscher Revolutionär, der fliehen musste und in Zürich den Studenten der nahen Uni im eigenen Fechtsaal das Fechten beibringt. Ein Student, der bei Johann Gottfried Ludwig verkehrt, findet Gefallen an dessen Tochter Anna Bertha. Und umgekehrt. Die zwei heiraten 1872 in Utrecht. Wilhelm Conrad Röntgen, so heisst der glückliche Ehemann, entdeckt 1895 eine bestimmte Art Strahlung – nach ihm, dem Physiker und späteren Nobelpreisträger, werden diese Strahlen als "Röntgenstrahlen" benannt. Man isst gut im "Grünen Glas", stellte ich kürzlich bei einem Besuch fest, sehr gut.

Samstag, 20. November 2021

Erdbrustweg?

Neuerdings gibt es für Zürich eine online zugängliche Datenbank, in der die 2500 Stadtzürcher Strassen aufgeführt sind mit jeweils einer kurzen historischen Erklärung. Hier vier Müsterli:

  • Basteiplatz. Er liegt am 1830 abgebauten Schanzenwerk. Eine Bastei ist der vorspringende Teil einer Befestigung.
  • Pelikanstrasse. Die Häusergruppe zum Pelikan entstand ab 1675. Der Hausname ist in Zürich mehrfach belegt, der Wasservogel symbolisiert Christus und die Nächstenliebe.
  • Erdbrustweg. Die Siedlung ist 1256 erwähnt. "Brust" kommt von "burst", das mit "bersten" zu tun hat. Gemeint ist wohl ein Erdeinbruch.
  • In der Ey. "Ey" heisst "Au", gemeint ist am Wasser gelegenes Gelände. Die Strasse verläuft entlang des teilweise eingedolten Döltschibachs. Früher wohnte ich in dieser Strasse, über den gluckernden Döltschibach führte ein Brücklein, das war lauschig.

Freitag, 19. November 2021

Zerfetztes Pferd

Pflanze oder Tier? Phycodurus eques. (Foto: Eye Karma / Wikicommons)

Tarnung ist in der Tierwelt alles. Der Grosse Fetzenfisch sieht eher aus wie eine Pflanze, er passt sich hervorragend an sein Habitat vor der Küste Australiens an. Ich stiess gestern zufällig auf das Foto, als ich auf Wikipedia über Knochenfische nachlas. "Phycodurus eques" lautet der wissenschaftliche Name des Fisches. Eques ist lateinisch für Reiter – tatsächlich erinnert er ein wenig an ein Pferd.

Donnerstag, 18. November 2021

Der Randenentlaster

Gestern ging es in diesem Blog um den öffentlichen Verkehr in Schaffhausen. Heute gleich wieder. Erneut ist Fortschritt zu melden: Seit Anfang Oktober verkehrt der Randenbus, ein Kleinbus, der an schönen Wochenenden und Feiertagen vom Dorfplatz Hemmental (Bus ab Bahnhof Schaffhausen) hinauf in den Randen fährt zum Parkplatz Mäserich*. Das neue Angebot soll dazu beitragen, das Wandergebiet Randen vom Autoverkehr zu entlasten; öffentlichen Verkehr hinauf aufs Plateau gab es bis jetzt nicht. Obs klappt? In einem Jahr wissen wir mehr, so lange dauert das Pilotprojekt. Mein Foto zeigt den Randenbus bei Mäserich, wo wir ihn letzten Samstag sichteten.

*Mäserich ist auf der Landeskarte nicht eingezeichnet. Schweizmobil-Koordinaten: 684208 289092.

Mittwoch, 17. November 2021

Ladearme, nicht Lampen


Während wir am Samstag in Schaffhausen vor dem Bahnhof standen und auf den Bus nach Bargen warteten, motzten wir: diese hässlichen schwarzen Strassenlampen! Nun, irgendwann merkten wir, dass das gar keine Lampen waren. Sondern Ladestationen. In Schaffhausen ist man daran, etappenweise das ganze Busnetz zu elektrifizieren. Vorteilhaft wirkt sich dabei aus, dass besagtes Netz in der Form einer 8 angelegt ist mit dem Bahnhof in der Mitte. So entsteht, lese ich online in der Information zur Umstellung, "ein getakteter und regelmässiger Kontaktpunkt". Am Bahnhof wird aufgeladen.

Dienstag, 16. November 2021

Genialer Mix

Bastian Baker als Zirkusstar.

Motorräder sprangen über das Publikum und rasten durch Kugeln. Ein Ehepaar, er New Yorker und sie aus Effretikon, lieferte sich ein spassiges Geschlechter-Verbal-Duell. Tells Apfelschuss wurde nachgestellt. Männer tanzten hoch oben unter dem Chapiteaudach über ein Seil, dass es einem schwindlig wurde. Und ein winziges schneeweisses Pferd rannte durch die Manege, was so bizarr aussah, als sei es einem Gemälde von Salvador Dalí entflohen. Am Sonntag war ich mit meinem Neffen in St. Gallen im Circus Knie, die Show war ein Spektakel und bekam von uns beiden die Note sechs. Dazu beigetragen hatte auch der Schweizer Popstar Bastian Baker, der mehr machte als nur ein wenig singen. Er leitete ein, er leitete aus, er schwebte am Seil durch die Luft, ritt auf einem Pferd, war Motor des Programms. Doch, das war eine grosse Show, ein genialer Mix aus Sensation, Humor, Akrobatik und Entertainment.
Das fliegende Motorrad.