Gesamtzahl der Seitenaufrufe

Samstag, 15. Januar 2022

Wie die Gesellschaft ins Lesen kommt

Johann Peter Hasenclever, "Das Lesekabinett", Gemälde von 1843. (Wikicommons)
Im kürzlich mir zugegangenen "Zolliker Jahrheft", Ausgabe 2021, las ich als erstes den Aufsatz über die Lesegesellschaft der Gemeinde. Um 1700 besitzen die meisten Schweizer Familien schon Bücher. Allerdings in der Regel nur eine Handvoll. Am weitesten verbreitet ist das "Zeugnis", ein Abriss der reformierten Konfession, dazu kommen das Psalmenbuch und das Betbuch. Solche Bücher liest man nicht, man liest in ihnen, manchmal ein Leben lang. Hundert Jahre später hat sich das geändert. Die Auswahl an Büchern in den Familien ist nun viel grösser. Und man liest ein Buch am Stück und und geht dann über zum nächsten. Wesentlich zur Verbreitung von Aufklärung, Bildung, weltlichem Wissen tragen die Lesegesellschaften bei, die in unserem Land ab 1750 entstehen. Sie kompensieren das Manko, dass es kaum öffentliche Bibliotheken gibt. Die Lesegesellschaften bieten Lesestoff, leihen ihn aus, lassen ihn kursieren. Und man trifft sich, um das Gelesene zu diskutieren, redet über Dinge wie Glauben, Geschichte, fremde Länder, Mann und Frau. Das alles trägt zur Meinungsbildung bei, lange bevor es Parteien gibt. Die Lesegesellschaften sind die frühen demokratischen Foren im Land, in denen sich die Bürgerschaft austauscht.

Freitag, 14. Januar 2022

200 kamen nicht zurück

1936 putschten in Spanien Teile der Armee gegen die demokratisch gewählte Regierung. Es folgte ein dreijähriger Bürgerkrieg, die daraus hervorgegangene faschistische Diktatur unter General Franco dauerte bis zu dessen Tod 1975. Im Bürgerkrieg der Dreissigerjahre kämpften in Spanien in internationalen Brigaden etwa 40 000 Ausländer, mehr als die Hälfte von ihnen kam um. Auch 800 Schweizer beteiligten sich, Kommunisten, Sozialdemokraten, Anarchisten und so weiter. Das organisierte Gedenken in der Schweiz an die rund 200 jungen Männer, die nicht zurückkamen, liess auf sich warten. 1976 erst wurde am Zürcher Volkshaus eine Tafel angebracht. Es folgte zwei Jahre später ein Denkmal auf dem Monte Ceneri speziell für die Spanienkämpfer aus dem Tessin, später entstanden auch in der Romandie Erinnerungsorte. Kürzlich kam ich auf dem Monte Ceneri beim Grotto al Ceneri am Stein mit den Namen der Gefallenen vorbei.

Donnerstag, 13. Januar 2022

Ein neues Stauseeprojekt

Energiequelle: der Gornergletscher, hier gesehen
vom Breithorn. (Foto: Johnny.m76 / Wikicommons)

Hoch über Zermatt liegt der Gornergletscher, dessen Schmelzwasser eine Schlucht in die Berglandschaft gefräst hat. Nun gibt es ein Projekt, den Gletscherbach zu stauen, las ich gestern in der NZZ. 85 Meter hoch wäre die Mauer, 150 Millionen Kubikmeter Wasser könnte der Speichersee fassen. Das ist in etwa das doppelte Volumen der Talsperre am Triftgletscher im Grimselgebiet, des zweiten konkreten Vorhabens dieser Art in der Schweiz. Rund 250 Millionen Franken würde der Bau des Gornergletscher-Staudamms kosten, laut den Verantwortlichen würde das gespeicherte Wasser nicht nur zur Produktion von Winterstrom für 600 000 Haushalte verwendet, zusätzlich könnte es im Sommer zur Trinkwasserversorgung beisteuern, und der Stausee könnte bei andräuenden Sturmfluten als Notreservoir herhalten. Gegen das Projekt sind Landschaftsschützerinnen und -schützer.

Mittwoch, 12. Januar 2022

Die Seeberger Linde


Die Kirche der Oberaargauer Gemeinde Seeberg, die wir am Samstag passierten, steht erhaben auf einem Hügel. Eindrücklicher noch als das spätgotische Gotteshaus fanden wir den Baum vor ihm. Die "Reformationslinde", wie sie genannt wird, ist rund 500 Jahre alt, dürfte also wirklich zur Zeit der Reformation gepflanzt worden sein. Neun Meter Umfang hat sie und steht unter Schutz. Auf einer Infotafel las ich, dass Linden besonders effizient Verletzungen reparieren und sehr schnell neue Rinde bilden. Und dass sie oft bei Kirchen stehen. Warum – wo ist der Zusammenhang? Ich weiss es leider nicht.

Dienstag, 11. Januar 2022

Die Pfarrer-Bubble

Am Samstag kamen wir in Wynigen im Kanton Bern an jener Kirche (Foto) vorbei, in der Albert Bitzius 1833 Henriette Zeender geheiratet hatte. Ein Blick in die Biografie der Brautleute ergibt: Die lebten in einer "Bubble", wie man heutzutage sagt. In einer Pfarrer-Bubble.

  • Albert Bitzius, der sich als Schriftsteller "Jeremias Gotthelf" nannte, war der Sohn eines Pfarrers. Er selber wurde 1831 Pfarrvikar im emmentalischen Lützelflüh und wurde ein Jahr später als ordentlicher Pfarrer daselbst gewählt.
  • Henriette Zeender war die Tochter eines Berner Theologieprofessors. Sie wuchs bei den Grosseltern auf. Der Grossvater war Pfarrer in Lützelflüh. Ihr Onkel, bei dem sie gern weilte, war Pfarrer in Jegenstorf. Ihr erster Verlobter, der Vorgänger von Gotthelf, war Pfarrvikar.
Die älteste Tocher von Bitzius und Zeender heiratete dann einen Pfarrer. Und der Sohn der beiden wurde ... man ahnt es ... Pfarrer. 

Montag, 10. Januar 2022

Eine Route, zwei Kantone, drei Landschaften

Der Inkwilersee. Die Kantonsgrenze Bern-Solothurn verläuft durch ihn.
Winterlandschaft oberhalb von Grasswil.
Zmittag im Seerestaurant.
Der Samstag meinte es gut mit uns, wir waren den ganzen Tag bei anständigem, zeitweise richtig gutem Wetter unterwegs und bekamen kurz sogar mal blauen Himmel serviert. Ein Schneelein lag an manchen Orten, das grad die richtige Höhe hatte. Es verzuckerte die Natur, hatte aber nicht so viel Höhe, uns in die Schuhe zu schwappen. Mal matschig und mal glitschig war der Boden, wir kamen langsam voran und brauchten für die 21 Kilometer von Wynigen via Grasswil, Seeberg, Burgäschi, Aeschi, Bolken, Wangenried nach Wangen an der Aare doch fünfeinhalb Stunden. Lohnend wars auf jeden Fall, wir gingen durch stille Wälder, bewältigten einige mindere Höger, passierten zwei herrliche Seen, den Inkwilersee und zuvor den Burgäschisee. An ihm nahmen wir den Zmittag im Seeblick, das Essen war gut von Pilzrisotto über Filet vom Herefordrind bis Rösti mit Geschnetzeltem. Als wir in Wangen anlangten, begann es einzudunkeln, denn wir waren im Restaurant verweilt. Am Ende stellte ich fest, dass wir nicht nur in zwei Kantonen gewandert waren, sondern auch in drei Landschaften: Emmental, Oberaargau und Wasseramt.
Vor Bolken trafen wir ein Paar, das seine Alpakas spazieren führte.

Sonntag, 9. Januar 2022

Luzerner Mammut

In Eschenbach im Luzerner Seetal fotografierte ich vor Tagen in einer Unterführung dieses hübsche Mammut, das offensichtlich von einem Kind gemalt wurde. Das Sujet passt zum Ort. Hier und im benachbarten Ballwil förderten in den letzten Jahren Bagger in zwei Kiesgruben sechs Mammut-Stosszähne zutage. In Ballwil hat die Kiesgrubenbetreiberin mittlerweile gar einen Themenweg eingerichtet. Rund 85 000 Jahre alt sind die Seetaler Stosszähne. Das Mammut gilt als Symbol der Eiszeit, die letzten Populationen hielten sich in Ostsibirien, um 2000 vor Christus starb das Elefantentier aus. Ein Mammutmuseum gibt es hierzulande in Niederweningen im Kanton Zürich.