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Montag, 7. Februar 2022

Die Tour de Rafzerfeld

Blick vom Schürlibuck auf einen Teil des Rafzerfeldes.

Die Grafen von Sulz, ein süddeutsches Geschlecht, waren in Geldnot. 1651 verkauften sie ihren Schweizer Nachbarn deswegen definitiv ein riesiges Stück Land. So kam der Kanton Zürich zum Rafzerfeld nördlich des Rheins, das an Deutschland und an den Kanton Schaffhausen stösst und heute aus vier Gemeinden besteht. Am Samstag erkundeten wir das Rafzerfeld in einer knapp fünfeinhalbstündigen Wanderung. Wir zogen vom Bahnhof Hüntwangen-Wil via das Amphitheater von Hüntwangen nach Wasterkingen, stiegen auf zum Hof Bergheim hart an der Landesgrenze, hielten durch einsames Land, meist im Wald, via Forsthütte und Hochenstich nach Hüsliholz, leisteten uns einen Abstecher auf den Schürlibuck, stiegen ab nach Rafz, setzten fort über Waldhof und Galgenbuck – ein zweiter Abstecher auf einen Aussichtspunkt – nach Eglisau. Auf den 21 Kilometern der Route sahen wir viel. Einen Teil des Alpenkranzes mit dem Säntis, Schienen mit alten Kiesloren, prächtige Fachwerkbauten in den Dörfern. Und Haselzötteli en masse, deren Pollen unserer Allergikerin zusetzten. Bloss die Bise erinnerte uns auf manchen Abschnitten daran, dass wir im Winter unterwegs waren und nicht im Frühling.
Holcim-Relikt nah Hüntwangen.

Flaches Land zwischen Hüntwangen und Wasterkingen.

Sonntag, 6. Februar 2022

Das Holcim-Theater


Amphitheater, hinterlassen von den Römern, gibts einige im Land. Hüntwangen, ein Dorf auf dem Rafzerfeld im Norden des Kantons Zürich, hat auch eines, wie wir gestern entdeckten. Allerdings handelt es sich nicht um eine antike Anlage. Die Firma Holcim, die in der Gegend Kies abbaut, spendierte der Gemeinde zu deren 750. Geburtstag im Jahre 2004 dieses Amphitheater. Es ist in eine rekultivierte Kiesgrube eingepasst und bietet 700 Sitzplätze. Vor allem kommunale Anlässe, etwa solche von Vereinen, werden an dem, wie wir fanden, stimmungsvollen Ort durchgeführt.

Samstag, 5. Februar 2022

Frühlingsbotin in Nöten

Sing im Flug: die Feldlerche.
(Foto: BirdLife Schweiz / Beat Rüegger)
Mit "Alouette, gentille Alouette" beginnt das Volkslied. Lerche, liebe Lerche: Das klingt wie eine Liebeserklärung. Doch geht es so weiter: "Je te plumerai", ich werde dich rupfen. Wenn es der Feldlerche, diese Woche von "BirdLife Schweiz" zum Vogel des Jahres ernannt, schlecht geht und sie sich hierzulande nur noch mit Mühe hält, dann freilich nicht, weil sie als Nahrung herhalten muss. Die Landwirtschaft trägt vielmehr das Gros der Schuld. So bewirkt die Düngung der Felder mit Pestiziden, dass es an Insekten fehlt, also an Nahrung. Unscheinbar ist der Vogel, wird nur gut 17 Zentimeter lang bei einem Gewicht von allerhöchstens 45 Gramm. Ein Künstler ist er auch, der im Flug singt und dabei bisweilen mehr als 100 Meter aufsteigt, um dann zu verstummen, wie ein Stein zu Boden zu stürzen und erst kurz vor dem Crash abzubremsen. Ich hoffe, ich höre in den nächsten Tagen doch eine Feldlerche. Sie ist unsere Frühlingsbotin.

Wer sich anhören will, wie die Feldlerche singt: Hier der Link zur Vogelwarte Sempach.

Freitag, 4. Februar 2022

Winterthur und der Meteoriten-Einschlag

Die Chöpfi-Kegel.
(Foto: Adrian Michael / Wikicommons)
Der Flurname war mir bis anhin kein Begriff. Die Chöpfi findet sich auf dem Wolfensberg am Stadtrand von Winterthur. Bizarre Sandsteingebilde sind so bezeichnet, die ein bisschen aussehen wie Baumstümpfe oder Mini-Vulkankegel. Gestern las ich in der Zeitung, dass die Geowissenschaft jetzt erklären kann, wie sie zustandekamen. Im Nördlinger Ries bei Stuttgart schlug demnach vor rund 15 Millionen Jahren ein Meteorit ein, es war die grösste kosmische Katastrophe Mitteleuropas, von der wir wissen. Sie zeitigte Schockwellen, die auch das hiesige Mittelland erreichten. Bei der heutigen Chöpfi verflüssigte sich unter dem Druck der sandige Untergrund, darüber bildeten sich Blasen. Sedimente überlagerten die Neubildung. Dann kam die Eiszeit, Gletscher schliffen die Ablagerungen Schicht für Schicht weg, die erstarrten Blasen kamen zum Vorschein, Schmelzwasser spülte weicheres Material rundum weg. Ich und mein Grüppli, wir müssen da bald mal hin!

Donnerstag, 3. Februar 2022

Es schneiberlet, es beierlet

 Das Kinderlied, das so anfängt, kennen wir doch alle. Sangen es ja in der Schule.

Darum gehts hier heute.
(Foto: Stöhrfall (talk) / Wikicommons)
Es schneielet, es beielet, es goht en chüele Wind.

Das Verb "beiele" habe, las ich gestern in der neuen "Schweizer Familie", zu tun mit "Beieli" oder "Beili", also Bienen. Dies, weil die tanzenden Schneeflocken an schwärmende Bienen erinnerten. Leuchtet mir ein. Neben der schweizerdeutschen Variante gibt es, fand ich in der "Alemannischen Wikipedia", auch einige andere alemannische Versionen.

Oberrheinalemannisch:

Es schneielet, es beielet, es goht e kiehle Wind.

Schwäbisch:

Es schneielet, es beielet, es goht an kalder Wend.

Mittelschwäbisch:

Es schneiberlet, es beierlet, es ghot an kualer Wind.

Mittwoch, 2. Februar 2022

Zürich will auch

Ein Bild aus dem Januar: Basels Roche-Türme 1 (rechts) und 2 (links, im Bau).
(Foto: Silesia711 Wikicommons)
In Basel haben sie mit dem Roche-Turm ein Hochhaus von 178 Metern Höhe. Daneben ist ein zweiter Roche-Turm von 205 Metern im Bau, ein dritter ist geplant und wäre gar 221 Meter hoch. Da kann der Zürcher Prime Tower mit seinen armseligen 126 Meterchen natürlich nicht mithalten. Doch jetzt ist die Stadt daran, ihr Hochhaus-Leitbild zu aktualisieren. Entlang des Gleisfelds der SBB und in Zürich-West könnten gemäss diesen neuen Plänen Hochhhäuser von bis zu 250 Metern entstehen, las ich gestern im "Tagi". Zürich fühlt sich zu Höherem berufen.

Dienstag, 1. Februar 2022

La guette

Kassandra auf einem Gemälde von
John Collier, undatiert. (Wikicommons)
In den Städten des Mittelalters gab es einen Türmer, der in der Regel auch Feuerwächter war. Er hielt Ausschau nach Bränden und schlug nachts die Uhr an. Manchmal rief er die Stunde auch aus. Auf der Lausanner Kathedrale besteht das Amt noch, freilich verkündet der guet, wie er auf Französisch heisst, nur von 22 Uhr bis 2 Uhr die Zeit – es handelt sich um ein reines Nostalgieritual. Kürzlich nun las ich, dass erstmals eine Frau zum Team der guets gestossen ist als guette, wie die feminine Form heisst. Bereits gibt es ein Youtube-Filmli, das sie zeigt, wie sie ihres Amtes waltet. Lustig oder doch ein bisschen schräg ist ihr Name. Sie heisst Cassandre Berdoz. Kassandra: Das ist in der griechischen Mythologie jene Gestalt, die Unheil voraussieht und es ankündigt.