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Freitag, 7. April 2023

Der fehlende Fussbeitrag

Heute könnte hier ein Beitrag stehen über jene Zwei, die den Wanderer und die Wanderin Route um Route unverdrossen tragen: die Füsse. Es würde darum gehen, wie man diese pflegt, sodass keine rissigen Stellen entstehen. Nun, der Beitrag kommt nicht. Ich selber habe zum Thema grad nichts Gescheites zu sagen – und habe auch keine Lust, den Text bei einer in Österreich niedergelassenen PR-Agentur zu bestellen. Die würde mir nach meinen Vorgaben einen hübschen Text oder auch ein Interview mit zwei Kosmetik-Spezialistinnen liefern. Gratis natürlich. Gestern bekam ich das entsprechende Angebot. Nun, ich verzichte.

Ein Screenshot des Mails von gestern, zwei Stellen habe ich retouchiert.

Donnerstag, 6. April 2023

Giftküste

Der Ponton auf dem See vor Uetikon. Und die Container für die abgepumpte Erde.

Vor der Goldküstengemeinde Uetikon am See schwimmt im Zürichsee ein Ponton. Von der Plattform aus wird der Seegrund zum Ufer hin gesäubert, Schläuche saugen schädliches Material ab von Blei über Zink und Arsen bis Uranteilchen, alles landet in gelben Containern. 25 Millionen Franken oder auch einiges mehr kostet die komplikationsanfällige Sanierung, 20 Prozent zahlt die öffentliche Hand, 80 Prozent die "Zeochem", wie die "Chemie Uetikon" heute heisst. 1818 gegründet, produzierte die Fabrik lange Dünger. Das verseuchte Abwasser wurde, bevor die ersten Kläranlagen aufkamen, unbehandelt in den See geleitet. Am Sonntag zeigte mir ein Freundespaar aus Uetikon das riesige, 66 000 Quadratmeter messende Chemieareal, das derzeit zum grössen Teil begehbar ist; Dünger wird hier keiner mehr fabriziert, die "Zeochem" geschäftet von Rüti im Zürcher Oberland aus, in einige Gebäude sind Zwischennutzer eingezogen. Die Uetiker Chemiefläche ist im totalen Wandel begriffen, an die Stelle des Industriebetriebs an bester Lage tritt bald ein pfleglicherer Mix: Wohnen, öffentlicher Park, Gewerbe. Und vor allem soll ein neues Gymnasium entstehen. Dessen Schülerinnen und Schüler werden in einigen Jahren einen grandiosen Seeblick haben. Der Ponton ist bis dahin längst entfernt. Die Giftstoffe im See hoffentlich auch.
Auf dem Areal der Düngerfabrik. In ein paar Jahren wird hier gelernt und gewohnt.

Mittwoch, 5. April 2023

Soldatenklage

Im Wald südlich von Laufenburg, nah der Wegkreuzung Waldhaus, fotografierte ich am Samstag diese Büste. Sie zeigt den Kopf eines verdrossen schauenden Mannes mit Soldatenhelm, die Inschrift lautet: "Hier ruht unser Urlaub 1939-45." Die Geschichte zum Stein ist schnell erzählt, ich entnehme sie einem Artikel der "Neuen Fricktaler Zeitung". In der Nähe findet sich demnach ein alter Artilleriebunker, neben dem zur Zeit des Zweiten Weltkriegs in einer Unterkunft Soldaten hausten. Sie hatten die Aufgabe, die nahe Grenze gegen Deutschland zu überwachen und zu sichern. Einige von ihnen stellten die Büste auf, weil sie fanden, sie hätten viel zu wenig Urlaub.

Dienstag, 4. April 2023

Violett verhüllt

In der St.-Antonius-Kirche in Schwaderloch AG.

In Schwaderloch, wo wir am Samstag zu unserer Fricktalwanderung starteten, fanden wir in der modernen – und sehr schönen – Kirche das Kreuz verhüllt von einem violetten Tuch vor. Später in der Kirche in Mettau dasselbe: violett verhülltes Kreuz. Um eine vorösterliche Gepflogenheit der Katholiken handelt es sich, meist wird das Kreuz einen Sonntag vor dem Palmsonntag (er war vorgestern) verdeckt; am Karfreitag dann, am Tag der Kreuzigung Jesu, wird das Tuch wieder abgenommen. Für diesen Brauch gibt es einige Erklärungen, hier zwei. Die  erste Erklärung ist historischer Art, es gab eine Zeit, in der Kreuze mit dem geschundenen Jesus selten waren, stattdessen dominierten die "Triumphkreuze", die mit Gold und Edelsteinen geschmückt waren. So etwas Protziges passte natürlich nicht zum Karfreitags-Thema des Leidens, darum die Verhüllung. Die zweite Erklärung ist eher philosophisch. Was man verhüllt, das macht man sichtbar. Das Kreuz, das in der Karwoche im Mittelpunkt steht, wird mit einem Tuch markiert, sodass es sofort auffällt. Und umso stärker wirkt dann am Karfreitag die Enthüllung. Die violette Farbe des Tuches wiederum ist eine der Liturgiefarben des Katholizismus. Sie steht für das Fasten, in diesem Fall für das Fasten vor Ostern.

Montag, 3. April 2023

Den Osterhasen sahen wir auch

Bei Egg im Mettauertal.
Die Kapelle St. Nikolaus in Leidikon.
Vermooste Waldpiste kurz nach dem Zmittag.
In diesem Gebiet gabs keine Wandermarkierungen.

Das Fricktal ist eine katholische Gegend, wir sahen Kirchen, Kapellen, Kreuze. Wir sahen aber auch Rehe, einmal zwei, dann drei, der starke Regen schien ihnen nichts auszumachen. Vermooste Wälder und triefende Bäume sahen wir, sahen Bächlein, Tümpel und Teiche, sahen den Weiher am Rande Laufenburgs und sahen den riesigen Rhein. Doch, das war am Samstag eine abwechslungsreiche Route, die übrigens zum kleineren Teil auf unsignalisierten Pfaden verlief; zum Fischergut Rheinsulz, wo wir zu Mittag assen, führt nämlich kein Wanderweg. Ah ja, was mir noch einfällt: Den Osterhasen sahen wir auch. Er kam uns, siehe Foto unten, ein wenig ungeschlacht vor.

Schwaderloch, Bahnhof (Bus) – Obere Egg – Egg – Hintere Egg – Mettau – Usser Hofer – Wejeplatzhof – Leidikon, Kapelle – Fischergut Rheinsulz –  Ribiwinkelhütte – Hinter Chalchofe – Waldhaus – Ebnihalde – Schollenhalden – Laufenburg, Bahnhof. 4 Stunden, 610 Meter aufwärts, 605 abwärts.

Der Hase – Osterhase – vor der Hütte
beim Waldhaus oberhalb Laufenburg.

Sonntag, 2. April 2023

Bauch gut, alles gut

Das links wäre ich. (Foto: Brigit)

Wenns chutet, tut eine Einkehr besonders gut. Gestern waren wir im Fricktal unterwegs, vier Gehstunden, die meiste Zeit regnete es stark. Und waagrecht. Umso besser gefiel uns das "Fischergut Rheinsulz", wo wir zu Mittag assen. Es liegt im engen Tal des Sulzerbaches, der zwischen Laufenburg und Etzgen bei Rheinsulz in den Rhein mündet. Das "Fischergut" verfügt über einen mit Forellen und Karpfen gut gefüllten Teich, im Sommer ist die Gartenwirtschaft lauschig, wie ich von einem früheren Besuch weiss. Und man kann angeln. Die hauseigenen Forellen, die wir im Restaurant vorgesetzt bekamen, fanden wir sehr fein. Und unsere Vegetarierin hatte einen schön farbigen, an ein Mosaik erinnernden Flammkuchen. Er mundete auch. Gegen die allgemeine Bauchzufriedenheit hatte der Regen keine Chance.
Impressionen vom "Fischergut Rheinsulz".

Samstag, 1. April 2023

Sprechen Sie rhotisch?

Die Kirche von Schlatt AI.
Also d Schlatte Chölche.
In Teilen des Appenzellerlandes, speziell im Innerrhodischen, wird das R am Ende des Wortes nicht ausgeprochen: Muete statt Mueter (Mutter), Wente statt Wenter (Winter). Eine ähnliche Erscheinung gibt es im Englischen: In weiten Teilen von England spricht man water aus als woo-ta, car als kaa, party als paa-ty – das R fehlt. Ganz anders ist es im Amerikanischen, wo diese R meist gesprochen werden, was die Sprachwissenschaft als "Rhotizität" bezeichnet. Der Fachbegriff samt dem Gegenteil, "Nicht-Rhotizität", ist abgeleitet vom Namen des Buchstabens R im Griechischen, Rho. Nicht-Rhotizität kennt auch das Deutsche, wo Wörter wie Mutter oder Heer in der Regel zu Mutta und Heea werden. Und eben, da sind die Appenzellerinnen und Appenzeller, die zum Teil nicht-rhotisch reden.