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Sonntag, 20. November 2011

Seltsames SBB-Denken

Im Zug will ich pinkeln, jawoll! (Foto: bahnbilder.ch)
Diese Woche las man, was die SBB in nächster Zeit so vorhaben. Zum Beispiel schwanen den Managern, weil die Zug-WCs des öftern kaputt sind, Gratis-WCs in den Bahnhöfen vor. Was für ein defensives, resignatives Denken! Liebe SBB, bemüht euch doch lieber, die Toiletten im Zug öfter zu warten. Wenn ich beispielsweise von Zürich nach Huttwil fahre und pinkeln muss, täte ich das gern im Zug. Im Bahnhof Langenthal geht es ohnehin nicht, auch wenn ein Gratis-WC warten würde: drei Minuten Umsteige-Zeit! Wovon garantiert eine oder zwei durch die übliche Verspätung schon weg sind.

Samstag, 19. November 2011

Der Wettermacher von Tours

Martini-Sommer 2011 im Toggenburg.
Was haben wir seit Wochen für ein Prachtswetter! Die Meteorologen nennen es Martini-Sommer - womit wir wieder beim Heiligen Martin von Tours wären, dessen Leben ich hier kürzlich referierte. Die Legende behauptet nämlich, dass diese späte, novemberliche Wärmeperiode ein erstes Mal eintrat, nachdem der Bischof im Jahre 397 auf Klostervisite plötzlich verstorben war. Der Leichnam wurde per Barke auf der Loire spediert, an deren Ufern es zum Vegetationswunder kam: Bäume begannen zu blühen, das Gras schlug aus. Sankt Martin, Wettermacher!
So. Weil auch heute wieder Sonne verheissen ist, schnüre ich jetzt die Wanderschuhe. Wir gehen auf eine Alp mit Wirtschaft in der Napfgegend. Mehr zur Route demnächst.

Freitag, 18. November 2011

Das Wunder von Mon (GR)

Vor einer Woche war ich in Tschiertschen: kein Restaurant offen! Diesen Mittwoch hatte ich Glück. Noch eine Stunde war zu wandern, nachdem ich in drei Stunden die Strecke Savognin - Riom - Salouf - Pulens - Del - Mon gegangen war. Mon, hoch am Hang über Tiefencastel gelegen, wirkte verschlafen. Ich hatte Hunger, es war Mittag. Ich querte das Dorf, und siehe da! Zuhinterst fand ich das Restaurant "Avant Porta". Und siehe da! Es war offen. Und siehe da! Keine stinkige Düster-Knelle, keine verschmuddelten Anti-Gastronomen, keine frisch hüftoperierte Grossmutter, die unter Aufbietung aller Kraft einen schalen Kaffee serviert (habe ich alles erlebt)! Sondern: eine gemütliche Gaststube. Mit biologischer Küche. Einer netten Wirtin. Aussicht auf Berge wie Motta Palousa, Lenzer Horn, Piz Mitgel. Die "Fulenzer-Capuns", bereitet vom Gatten der Wirtin, waren köstlich. Hernach schlenderte ich gen Tiefencastel und hätte gern unterhalb von Mon in der romanischen Kirche Sankt Cosmas & Damian ein Dankesgebet gesprochen; das alte Haus war aber verschlossen. Doch vielleicht nützt dem Wirtepaar folgender Appell mehr: Leute, besucht das "Avant Porta"! Es würde etwas mehr Betrieb verdienen. Und übrigens hat es drei Zimmer. Wer seine privaten Tage der Stille absolvieren und gut essen möchte, ist mit dem "Avant Porta" bedient.

Eine Homepage hat das Lokal nicht. Es ist aber im Natürlich-Geniessen-Führer "Goût Mieux" besprochen! Und übrigens hat es auch ein Fumoir!

Donnerstag, 17. November 2011

James Bond ist Schlesier

Diesen Bus steuert (sehr angenehm) ein Pole.
Als ich gestern den Bus 8.00 ab Chur Richtung Bivio bestieg, stellte ich fest, dass der Fahrer Hochdeutsch sprach. Ein Deutscher, nahm ich an. In Lenzerheide, Post, machte der Bus sechs Minuten Pause. Ein anderer Fahrer schlenderte heran, kam mit dem Kollegen ins Gespräch. Ich vernahm, dass mein Fahrer Pole ist. Schlesier. Dass er die meiste Zeit des Jahres in München lebt, Reisebusse mit deutschen Urlaubern chauffiert und es toll findet, auch mal durch Spanien zu fahren. Dass er auf Abruf aber eben auch Schweizer Postautos steuert: "Wenn die mich rufen, komme ich. Wie James Bond."

Morgen: meine Oberhalbstein-Wanderung. Und ein garantiert biologischer Beizen-Tipp.

Dienstag, 15. November 2011

Chuck Norris und sein kranker Bruder

Im Wald über Neuenhof.
Gott sei Dank sass da keiner.
Vielleicht habe ich einfach zuviele Horrorfilme gesehen. Am Montag ging ich durch den Nebel von Neuenhof hinauf zum Rüsler und Sennhof und wieder hinab nach Remetschwil und Mellingen, was knapp vier Stunden dauerte. Im ersten Teil gab es keine Wander-Markierungen. Ich traf auf einen bärtig-wuselhaarigen Waldarbeiter. Er sah aus wie der kranke Bruder von Chuck Norris mit seinen verkaterten, wirren Augen und der Kettensäge in den Händen. Bestimmt ein Serienkiller, dachte ich und sah mich bereits, aus beiden Beinstümpfen blutend, meine letzten Meter kriechen, Chucko-Sicko zum Schlussschnitt ansetzend. Kein Wunder, kehrte ich nicht um, als kurz darauf der Weg im Nichts endete. Ich kraxelte eine steile Halde hoch, zog mir nun freilich eine neue Obsession zu: dass mich ein seniler Jäger aufgrund meiner roten Windjacke für ein Rotwild nehmen und zum Blattschuss ansetzen könnte. Aber auch dieser Worst case traf nicht ein, und irgendwann geriet ich auf einen signalisierten Pfad. Anderthalb Stunden später ass ich in Remetschwil im Restaurant "Zur Post" so glücklich zu Mittag, wie man nur dann isst, wenn man zweimal dem Tode entronnen ist.

Vier Sennen und ein Toni


Auf unserer Innerrhoden-Wanderung assen wir am Wochenende im "Lehmen", einer stolz im Schatten des Weissbach-Tales sich behauptenden Wirtschaft. Leider vermiesten uns vier singende Sennen den Schüblig. Die Herren, gebucht für das Familienfestli am Nebentisch, waren schlecht bei Stimme. Ihre hohen Töne stachen uns ins Ohr. Ein zotiger Text handelte von einer notgeilen Fischerin. Es war Musikantenstadtl-Hansi-Hinterseer-Nichtkultur. Immerhin brachte der eine Senn einen guten Toni-Brunner-Witz:
Der Toni Brunner fährt nachts an einem Polizisten vorbei. Er lässt das Autofenster runter und ruft: "Sie, ich bin der Toni Brunner, ich bin SVP-Präsident, war an einer Versammlung, habe aber fast nichts getrunken und bin auf dem Heimweg!" Der Polizist winkt Brunner weiter. Kurz darauf fährt dieser wieder an einem Polizisten vorbei. Brunner ruft wieder: "Sie, ich bin der Toni Brunner, ich bin SVP-Präsident, war an einer Versammlung, habe aber fast nichts getrunken und bin jetzt auf dem Heimweg!" Auch dieser Polizist winkt Brunner weiter. Dann passiert das Ganze ein drittes Mal; erneut bringt Brunner sein Sprüchli "Sie, ich bin der Toni Brunner, ich bin SVP-Präsident..." Der Polizist antwortet: "Isch scho recht, du Aff. Aber jetzt fahr endlich oss dem Kreisel use!"

Montag, 14. November 2011

Visite bei den Frühappenzellern

Hier hausten vor vielen Jahrtausenden die Bärenjäger.
Das kurze Wegstück durch die eine der drei Grosshöhlen beim Äscher ist jedes Mal neu der Höhepunkt einer Ebenalp-Besteigung. Am Wochenende war die Sache noch aparter als sonst. Zwar hatten die Touristiker angesichts des ungewöhnlich warmen Novemberwetters kurzfristig die Seilbahn aus der Revision zurückgeholt und auch das Gipfelgasthaus aus dem Herbstschlaf erweckt - und doch war wenig Volk in dieser Berggegend, die sonst von üblem Rummel geprägt ist. So hatten wir Musse, uns in die Existenz jener Neandertaler-Jäger zu versetzen, die hier oben zwischen 50 000 und 30 000 vor Christus den Bären jagten und in den Höhlen lagerten. Doch, die Route Weissbad - Äscher - Ebenalp - Lehmen - Weissbad (fünf Stunden Gehzeit) war eine gute Sache. Im morgigen Eintrag werde ich von den singenden Sennen im "Lehmen" berichten, die nicht gut sangen, doch immerhin einen tollen Toni-Brunner-Witz vortrugen.