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Dienstag, 6. August 2019

Vor dem Gipfel wird alles leicht

Widmer keucht. Unten der Obersee.
Markante Bänder in der Wand vom Wiggis zum Schijen.
Am Samstag bestiegen wir, siehe den Eintrag von gestern, in so mühe- wie lustvoller Wanderei vom Obersee aus den Rautispitz, mit dem Abstieg brauchten wir dafür 6 1/2 Stunden, abgesehen von den Pausen. Hinauf nahmen wir die Direktlinie via Geisschappel, wählten hingegen im Abstieg die längere, dafür sanftere Schleife über die Rautialp retour zum Obersee; das dortige Restaurant taufte ich in Anlehnung an Everest-Expeditionen "Basislager eins". Die Gegend rund um den Obersee ist von grosser Schönheit, die Gipfel wetteifern miteinander, wer der zackigste ist; toll auch der Moment, wenn man nach gut zweieinhalb Stunden Gehzeit bzw. Keuchzeit plötzlich in mittlerer Distanz den Walensee sieht. Wer dazu kommt und einigermassen fit ist, dem respektive der empfehle ich diese Unternehmung unbedingt. Wer oben war, wird den Rautispitz nie mehr vergessen, diesen Riesen, der sich bis vor dem Gipfel abweisend gibt, um ganz oben den Widerstand gegen seinen Besucher einzustellen, so dass dieser die letzten 150 Höhenmeter komfortabel auf einer Grasrampe geht, um bester Laune das Kreuz auf 2283 Metern zu erreichen.
Vor dem Gipfel wird alles leicht, der Rautispitz polstert das eigene Haupt mit Gras.

Montag, 5. August 2019

Alle heil, doch furchtbar dreckig

Im Abstieg vom Rautispitz zum Sattel Richtung Wiggis. Nebel dräut heran.
Oberster Teil der Seilpassage Geisschappel.
Das war eine Tour! Am Samstag bestiegen wir vom Obersee, der oberhalb Näfels im Kanton Glarus liegt,  den Rautispitz. Es war hart. Weniger wegen der je 1350 Höhenmeter auf und ab. Die Beschaffenheit der Wege war es vielmehr, die uns zu schaffen machte. Es hatte am Morgen noch geregnet, der Schrattenkalk war schmierig glatt, die Erde in den tiefen Löchern zwischen den Schratten unheimlich rutschig. In den mächtigen Felsbändern, die wir auf der Direttissima via Gletti und Geisschappel querten, waren die Tritte zum Teil hüfthoch, eine Passage war mit einem fünf Meter langen Seil ausgerüstet, an anderen Stellen waren Metallstufen montiert. Das Wetter verhielt sich nicht wirklich kooperativ. Während es im Mittelland unten langsam heiss wurde, froren wir, ein eiskalter Wind blies, einmal tröpfelte es kurz, die Sonne machte sich rar. Auf dem vom Nebel belagerten Gipfelkamm waren wir glücklich. Und noch glücklicher waren wir, als wir wieder unten am Obersee waren, alle heil, doch furchtbar dreckig.

PS: Morgen zeige ich drei, vier weitere Fotos, diese Gegend ist grandioses Wanderland.
Dunkle Wolken über dem Brünnelistock. Die beiden Zacken zu seiner Linken
sind der Zindlenspitz (ganz links) und der Rossälplispitz.

Sonntag, 4. August 2019

Fisch, Berg, Spritz

Am Tag der Bundesfeier machte ich mit meinem Bruder und meiner Mutter ein Autofährtli samt Pass; da ich nicht Auto fahren kann, ja nicht einmal das Billett habe, geniesse ich die seltenen motorisierten Eskapaden immer sehr. Obiges Foto zeigt drei Orte respektive Momente des Ausflugs. Erstens assen wir so teuer wie hervorragend in der Fischerstube in Weesen, ich hatte den Hecht, natürlich kam er aus dem Walensee. Zweitens gab es, nachdem wir den Klausen überquert hatten, im Gasthof etwas oberhalb von Bürglen einen Zwischenhalt. Ich nahm einen Aperol Spritz. Hatte ich nie zuvor, war mir neu, doch, moll, fein und erfrischend. Auf der Rückfahrt mussten wir dann auf die Westseite des Urnersees ausweichen, auf die Seelisbergtunntel-Route, die Axenstrasse auf der anderen Seite war nach einem Steinschlag gesperrt. Der Umweg gab mir Gelegenheit, den Anblick des Rophaien zu geniessen und im Bewusstsein zu schwelgen, dass ich letzte Woche oben gewesen war. Ich war grad wieder stolz.

Samstag, 3. August 2019

Mich gibts auch in Braille

Mein neues Buch "Hundertundein Stein" gibt es jetzt, bei der Schweizerischen Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte, als Braille-Ausgabe. Brailleschrift kennt man, oder? Sie wurde 1825 vom Franzosen Louis Braille kreiert, es handelt sich um Punktmuster, die als Relief im Papier mit den Fingern tastbar sind.

Freitag, 2. August 2019

Gehpartnerfindeapp

"Let's GOW" heisst eine App von Obwalden Tourismus. Mit ihr finde man den richtigen Gehpartner fürs Wandern, Spazieren, Joggen, Nordic Walken, Langlaufen oder Schneeschuh-Laufen im Kanton, heisst es in der Beschreibung. Wie kompliziert digitale Instrumente das Leben doch machen, wie absurd diese angeblichen Leichtmacher sind! Man könnte sich ja auch einfach umschauen und herumfragen, wenn man jemanden sucht, der oder die einen im Gelände begleitet. Stattdessen lädt man eine App herunter, muss Diverses einrichten und, vermute ich, ein Passwort bestimmen und dieses per Freischalt-Link bestätigen und und und. Und am Ende stellt man doch wohl fest, dass kaum jemand Passendes zur Verfügung steht, weil das ganze Prozedere garantiert 90 Prozent aller Gehwilligen in Obwalden und Umgebung, die überhaupt im Internet verkehren, abgeschreckt hat. Behaupte ich und lasse mich gern gelegentlich eines Besseren belehren, falls die App ein Erfolg wird.

Donnerstag, 1. August 2019

Kalter Jura

Auf dem Chellenchöpfli, 1157 Meter über Meer.
Bei der Wasserfallen: Kleinfamilie auf Grossbänkli.
Gestern wanderte ich mit meinem alten Freund aus Berner Studientagen und einstigen Redaktionskollegen S. im Solothurner und Baselbieter Jura. Startpunkt war Langenbruck, das Dorf am Oberen Hauenstein. Von dort hielten wir via Helfenberg, Tüfelschuchi, Sool zum Chellenchöpfli, einer Klippe mit Weitsicht und Tiefblick. Bald darauf langten wir nach drei Gehstunden auf der Wasserfallen an und nahmen im Restaurant Hintere Wasserfallen den Zmittag. Wir waren froh um die Einkehr, denn der Vormittag war zwar trocken gewesen und hell, doch hatte ein Kaltwind geweht, der uns zusetzte. Die zweite Etappe war leichter, auch begann die Sonne nun doch zu wirken. Auf dem alten Waldweidweg steuerten wir hinab nach Waldenburg, was anderthalb Stunden dauerte. In dem Mittelalterstädtchen anzukommen, das in die engste Stelle des Tals der Vorderen Frenke gezwängt ist: immer wieder ein Vergnügen. Besonders streng war die Unternehmung nicht: 690 Meter aufwärts, 880 abwärts. Mir wars recht, denn ich habe ein paar saftige Bergwanderungen hinter mir, und die nächste soll, wenn das Wetter mitspielt, am Samstag folgen. Nun wünsche ich allen einen schönen, hoffentlich arbeitsfreien und stresslosen Nationalfeiertag.
Ich gebe zu, dass ichs nicht glaube. Zu verlottert wirkt das Haus.

Mittwoch, 31. Juli 2019

Ein neuer Aussichtsturm

Der Stern markiert den Ort des neuen
Turms. (Screenshot Wikicommons)
Wer in Zürich wohnt oder im Limmattal, wird früher oder später über den Mutschellen wandern und den Hasenberg passieren. Dort entsteht auf Boden der Gemeinde Widen AG bald ein Aussichtsturm, meldete gestern der Tagi. Von der Plattform auf 35 Metern Höhe wird man weit ins Land sehen. Hinter dem Projekt, das rund eine Million kosten soll, steht der Trägerverein Hasenbergturm. Die Finanzierung ist praktisch gesichert, und die Baubewilligungen liegen vor, so dass im kommenden Winter der Bau beginnen kann. Nächsten Frühling soll der Turm eingeweiht werden. Man wird ihn dann gern bald besuchen.