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Mittwoch, 4. Dezember 2019

Die SBB bedauert das sehr

Das Tessin (hier das Val Bavona) ist schön. Die Zugreise ins Tessin weniger.
Was tut die SBB, wenn ihre Züge überlastet sind? Sie versucht mit allen Mitteln, mehr Sitzplätze anzubieten. Ha ha, Witz! Das Gegenteil ist der Fall. Gestern las ich im "20 Minuten", dass ab dem Fahrplanwechsel am 15. Dezember eine Verbindung morgens ins Tessin ab Zürich und drei Verbindungen retour am Abend weniger Sitzplätze haben, entweder sind es 71 oder aber 142 weniger. Dies, weil auf dieser - notorisch überlasteten - Strecke just zu diesen intensiven Tageszeiten keine Intercity-Neigezüge mehr unterwegs sein werden, sondern Giruno-Züge von Stadler mit weniger Plätzen. Die SBB bedauert das sehr, sagt ihr Sprecher.

Dienstag, 3. Dezember 2019

Das Toggenburg spinnt

Letztes Jahr winterwanderte ich bei Wildhaus.
Aber dieses Jahr?
Dies ist prinzipiell ein gutgelaunter Blog. Doch für einmal muss ich schimpfen. Was für Idioten! Im Toggenburg schaffen es die zwei angrenzenden Skigebiete Wildhaus und Chäserrugg dieses Jahr nicht, ein gemeinsames Winterticket anzubieten, las ich gestern im Tagi. Deswegen bleiben auch die Verbindungspisten zwischen den beiden Gebieten geschlossen. Wintersportler in der Region müssen entweder zwei Billette lösen oder sich für eine Destination entscheiden. Grund ist ein Streit zwischen den Bergbahnen Wildhaus AG und der Toggenburg Bergbahnen AG ums Geld - die Nachbarn können sich nicht einigen, nach welchem Schlüssel die Einnahmen verteilt werden. Unglaublich.

Montag, 2. Dezember 2019

Das Chinavögeli

Ein Tienschan-Laubsänger. Aber nicht der vom Chinagarten.
(Ron Knight/ Wikicommons)
Zürich hat im Seefeld einen Chinagarten. Lustig, ausgerechnet dort sichteten Hobbyornithologen kürzlich einen Vogel aus China. Den Tienschan-Laubsänger. Gut zehn Zentimeter gross ist er, hat ein grünliches Gefieder und ruft "dsu-wit". Ist das Chinesisch? Keine Ahnung. Jedenfalls war der Gast aus Fernost eine Sensation, unzählige Ornithologen pilgerten zum Chinagarten. Dass das Vögeli bei uns in der Schweiz landete, hat mit dem Phänomen des Umkehrzuges zu tun. So nennt man es, wenn Vögel den falschen Weg einschlagen und so in einer völlig anderen Gegend landen als ihre Artgenossen. Mittlerweile ist der Tienschan-Laubsänger wieder weg. Und ich bin dem Tagi dankbar für den schönen Artikel, der mir von ihm erzählt. Verfasst hat ihn der passionierte Vogelkundler Stefan Hohler, ein früherer Redaktionskollege, der mir und meinem Grüpplein unlängst die Waldohreulen beim Katzensee zeigte.

Sonntag, 1. Dezember 2019

Mmmmm, Reisporridge

Wenn ich Zeit habe, vor allem am Wochenende, mache ich mir gern einen Reisporridge. Heute zum Beispiel, denn ich bin erkältet, bleibe zuhause und mache gar nichts ausser ruhen. Das Rezept: Reis (ohne Salz) mit ganz wenig Wasser so richtig verkochen lassen, was gut 40 Minuten dauert. Danach Milch dazugiessen und noch einmal 10 Minuten kochen. Zimt und Bienenhonig nach Belieben beigeben. Und mit Früchten garnieren. Wer diese Komfortspeise isst, hat garantiert lange keinen Hunger mehr.

Samstag, 30. November 2019

Solarstaumauer

Der Muttsee im Jahr 2016. Kurz darauf wurde eine neue
Staumauer gebaut und so das Volumen des Sees erweitert.
(Foto: Wala/ Wikicommons)
Interessant, was sich so alles tut in den Bergen. Gestern las ich in der NZZ, dass der Energiekonzern Axpo Solarstrom produzieren will - auf 2500 Metern über Meer in den Glarner Alpen. Die einen Kilometer lange Staumauer des Muttsees soll mit 6000 Photovoltaik-Modulen von ingesamt 10 000 Quadratmetern Fläche ausgestattet werden. Weil im Hochgebirge kaum Nebel liegt und der Schnee die Sonnenstrahlung verstärkt, kann die Anlage insbesondere auch im Winter Strom liefern; an ihm mangelt es in der Schweiz in der kalten Jahreszeit. A propos Solarstrom aus den Bergen: Auf dem Lac des Toules im Wallis an der Strasse zum Grossen Sankt Bernhard gibt es neuerdings sogar eine schwimmende Solaranlage.

Freitag, 29. November 2019

Nur die Hebamme hat den Schlüssel

Der Chindlistein vom Hüttikerberg ist als Wanderziel ausgeschildert.
Wenn früher hiesige Kinder ihre Eltern fragten, woher das neugeborene Geschwisterlein komme, so gab es diverse Möglichkeiten zu antworten. Zu flunkern, genauer gesagt. 1922 listete ein Zürcher Chronist auf, was in seinem Kanton an Behauptungen kursierte. Wahlweise sagten Eltern, die Kindlein kämen aus Schluchten, Felsen oder Brunnenstuben, wo die Hebammen sie aus einem verborgenen Raum holten, zu dem nur sie den Schlüssel besässen. Die Kinder aus der Gegend von Wädenswil, Schönenberg und Hirzel stammten angeblich aus einer Felshöhle beim Sihlsprung. Und in Horgen wurde behauptet, die Neugeborenen kämen vom Chindlistein im nahen Wald. Auch auf dem Hüttikerberg hoch über dem Limmattal gab es einen solchen Stein. Die Mär vom Storch als Kindlein-Bringer kam übrigens erst um 1900 aus Deutschland in die Schweiz. Bilderbücher, Kinderverse, Reime, Postkarten machten sie schnell populär.
Meine Quelle: "Bräuche im Lebenslauf am Zürichsee" von Peter Ziegler, Th. Gut Verlag, 2014.

Donnerstag, 28. November 2019

Danioth, der Föhn, der Kiosk


Heinrich Danioth, 1896 - 1953, grosser Schweizer Künstler aus dem Urnerland. 1944 malt er im Auftrag der SBB die "Föhnwacht" an die Wand des Bahnhof-Wartsaals in Flüelen - er zeigt eine Sturmnacht, in der die Menschen bangen: Wird der Wind einen Funken finden, der sich zur Feuersbrunst auswächst? Gestern kam ich in Flüelen vorbei, ging mir das Gemälde anschauen und war betrübt. Der Wartsaal ist jetzt ein Kiosk. Unter dem Bild zieht sich ein Regal mit Heftli. Raum, Danioths Werk wirklich zu betrachten, hat man nicht mehr. Es kann so nicht wirken.