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Freitag, 3. Februar 2023

Schwindelerregendes aus dem Wallis

Ein Screenhsot der "Schweizmobil"-Karte mit
dem Dorf Hérémence und dem Weiler Les Masses.

In Hérémence im gleichnamigen Walliser Tal findet sich etwas oberhalb des Dorfes der Weiler Les Masses. Was dort vor sich geht, löst bei mir Schwindel aus. Innerhalb der nächsten drei Jahre wird die Zahl der Hotelbetten in Les Masses von 80 auf 1300 steigen. Gleich zwei grosse Ferienresorts sind am Entstehen, das "Dixence Resort" und das "Dent Blanche Resort". Die Details findet man im Artikel in der "Hotelrevue".

La réalisation du Dixence Resort aux Masses contribue à métamorphoser le hameau qui passera d'environ 80 à près de 1300 lits hôteliers en trois ans. Cette croissance rapide incite la commune à adopter une vraie stratégie touristique.

Donnerstag, 2. Februar 2023

Im Licht des Südens

Im Abstieg nach Bissone am Luganersee, hinten links der Mitte der Dom und andere Gipfel.
Der Monte San Salvatore.

Dieses blitzende Licht – der Dienstag im Sottoceneri tat dem Gemüt gut. Vom Essen im Restaurant La Palma in Bissone habe ich gestern erzählt, hier nun etwas zur Route. Wir starteten an der S-Bahn-Station Maroggia-Melano am Luganersee, stiegen in etwas mehr als anderthalb Stunden via Devoggio auf nach Arogno, wobei wir westlich der Mara gingen und ein längeres Stück auf der Strasse in Kauf nahmen, der Hang östlich der Mara lag noch im Schatten. In Arogno schauten wir uns die Pfarrkirche Santo Stefano an, noch viel besser gefiel uns freilich das höher platzierte, bereits 820 erwähnte Kirchlein San Vitale. Es steht erhaben auf einer Krete, gegenüber erblickten wir den Monte San Salvatore mit seiner abschreckend felsigen Ostflanke, sahen die nördlichen Partien des Luganersees, freuten uns gleich danach, in der Ferne wirklich hohe Berge wie den Dom und die Dufourspitze auszumachen. Es folge ein einstündiger Abstieg durch den schattigen Wald, die Schuhe versanken im Laub des letzten Herbstes, das das Geröll auf dem Boden verbarg, heikle Sache. Unten belohnte uns der formidable Zmittag, Bissone, übrigens, ist von der Autobahn geplagt, doch stellten wir fest, dass die Schutzwände einen guten Teil des Lärms abhalten. Ich kann den Besuch im Dorf mit dem schützenswerten Ortsbild nationaler Bedeutung nur empfehlen.
Bissones Gässlein sind schmal.
San Vitale am oberen Rand von Arogno.

Mittwoch, 1. Februar 2023

Gastroitalienisch

Das Kärtchen auf unserem Tisch.
Da ist Gänsefleisch drin.
Im Restaurant La Palma in Bissone, am Luganersee gegenüber von Melide gelegen, assen wir gestern hervorragend. Beide hatten wir zum Hauptgang grosse Ravioli mit Gänsefleisch, dazu ich als Vorspeise Artischockensalat mit Granatapfelkernen und meine Begleiterin Cozze, Miesmuscheln. Auf unserem Tisch stand ein Kärtchen, das ein saisonales Gericht anpries: Cazzoeula. Um ein lombardisches Wintergericht handelt es sich, das bisweilen auch Cassoeula, Cassola und ähnlich heisst; womöglich ist der Name abgeleitet von französisch Casserole, Topf. Das Eintopfgericht enthält Schweinefleisch und Kohl und wird in der Regel mit Polenta serviert, es gibt viele lokale Varianten. Auf dem selben Kärtchen las ich auch, dass die Cazzoeula im Rahmen der giorni della merla zu haben sei. Tage der Amsel? So heissen in Italien die letzten drei Januartage. Wer sich für die diversen Deutungen der Redewendung und alles Mitschwingende interessiert, findet im italienischen Wikipedia-Eintrag viel Material. Unter anderem heisst es, der Frühling komme früh, wenn die Amseltage besonders kalt sind. Und umgekehrt trifft der Frühling angeblich mit Verspätung ein, wenn die letzten Januartage speziell warm sind. Falls dies stimmt, wird es – oh weh! – dauern bis zur Ankunft des Frühlings.

Dienstag, 31. Januar 2023

Bärlauch und Baumstrunk

Aus dem Postautofahrplan.
Schon als Kind fuhr ich mit dem Postauto von Stein nach St. Gallen und retour und tue es bis heute, in Stein bin ich ja aufgewachsen. Ausserhalb des Dorfes gibt es eine Haltestelle Rämsen-Störgel. Als ich vor einigen Jahren begann, mich für Flurnamen zu interessieren, beschäftigte mich auch Rämsen, freilich ging ich der Sache nicht nach, sondern dachte einfach, dahinter stecke sicher eine "Remise". Falsch. Total falsch. Am Wochenende kam ich wieder einmal dort vorbei und nahm das zum Anlass nachzuschlagen. Rams oder Rämse bezeichnet Bärlauch, Schneeglöckchen und Märzglöckchen, von da stammt der Name; bei der Rämsen trifft man mindestens eines dieser Gewächse offenbar an. Und Störgel? Da gibt es zwei Deutungen: "Baumstrunk" und "Wäschestange". 

Montag, 30. Januar 2023

Eine andere Welt

Margaret Cavendish auf einem
Gemälde von Peter Lely, 1665.
(Quelle: Wikicommons)
Eine junge Frau wird entführt. Das Boot treibt zum Nordpol, der Entführer und die Besatzung erfrieren, die Frau aber gelangt in die "Blazing World" (Gleissende Welt), die an unsere Welt grenzt. Wesen in Tiergestalt von beachtlicher Intelligenz leben dort. Die junge Frau heiratet den König, der über sie herrscht, und macht sich daran, die fremde Welt samt ihren Geschöpfen, Mentalitäten und Wissenschaften systematisch zu ergründen und … (an dieser Stelle lasse ich sehr vieles aus) … bricht am Ende mit einer beachtlichen Streitmacht auf zur Reise zurück in ihre alte Heimat, die von feindlichen Mächten angegriffen wird.

Ich bin fasziniert von "The Blazing World", einem Text von 1666, der als eine der ersten oder gar die erste Science-Fiction-Geschichte der Menschheit gilt; natürlich kann man sich fragen, ob die Kategorie passt. Auch ein feministischer Text ist dies mit einer Heldin, die ihre eigene Meisterin ist und eine grosse Denkerin, ausgestattet mit einem alles wissen wollenden Intellekt. Das trifft auch auf die Autorin zu: Margaret Cavendish, Duchess of Newcastle, war Schriftstellerin, Philosophin und Naturwissenschaftlerin und publizierte Fiktionales ebenso wie Reden und naturphilosophische Erwägungen. Ihre fantastische Geschichte von der Reise in eine andere Welt hat mich gefesselt, wobei ich mit dem altertümlichen Englisch zu kämpfen hatte. Ging aber schon. Ich empfehle die Lektüre allen, natürlich gibt es Übersetzungen ins Deutsche.

Titelseite der Ausgabe von 1668.
(Wikicommons)

Sonntag, 29. Januar 2023

Hinter dem Mond

St. Antönien, Wanderstart. Der spitze Kirchturm ist Spätgotik.
Zwischen Aschüel und dem Capöllerbüel.
Die Bodähütte. Nie, nie, nie hätten wir
draussen essen wollen, es war viel zu kalt.
Bei Küblis im Prättigau öffnet sich ein langes Seitental. An seinem oberen Ende liegt St. Antönien, das für sich den touristischen Slogan "Hinter dem Mond, links" erfand. In der Tat ist das Dorf abgelegen, so dass man hier Ruhe findet, wir sahen gestern, während wir in der Gegend eine gut vierstündige Winterwanderung absolvierten, kaum Menschen. Ein Spektakel war das Wetter, Eiseskälte empfing uns und eine Bise, die mir die Haut vom Gesicht hobeln wollte. Die Sonne duellierte sich mit dem Hochnebel, keiner war am Ende der Gewinner, es war ein Hin und Her mit wallenden Wolken und mal fahlem, mal klarem Licht. Schnee hatte es gerade so viel, dass er die Wege komfortabel polsterte, mir schien, als würde ich auf einem weichen Teppich gehen. Toll war die Einkehr in der Mitte der Unternehmung, wir fanden in der kleinen und gemütlichen Bodähütte den einen der zwei Tische unbesetzt vor, als hätte man auf uns gewartet und für uns reserviert, wir passten perfekt in unsere Ecke, Fondue gabs, Schüblig, Salsiz, Alpkäse, Gerstensuppe, alles schmeckte. St. Antönien war gestern gut zu uns.

Route: St. Antönien, Platz – Aschüel – Capöllerbüel – Boden, Bodähütte – Loch – Unter Calondis – Tratza – Unter Tratza – Büelenwis – Güggelstein – Pany, Skilift (Bus). Die Karte mit dem Winterwanderwegnetz, das wir nutzten, hier.

Kurz vor Wanderschluss beim Skilift von Pany, dem Nachbardorf von St. Antönien.
Winter, wie man ihn sich wünscht.

Samstag, 28. Januar 2023

Wandern reicht mir

Im Radio hörte ich eben von der neuen Fitnessmethode HIIT, "high-intensity interval training". Offenbar ist die Methode derzeit in, man absolviert kurze, sehr heftige Trainingseinheiten. Mir sind solche Trends ebenso zuwider wie die saisonal wechselnden Ernährungs- und Nichternährungs-Hypes von Goji-Beeren und Chia-Samen bis Intervallfasten und Paleo-Diät. Ich machte nie Zumba. Ich stand nie im Hallenbad und trat, schwimmflügelitragend, Wasser. Ich machte nie Crossfit. Und ich werde nie HIIT betreiben. Wandern reicht mir zum Wohlbefinden. In Kombination mit Einkehren und Essen natürlich.