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Mittwoch, 7. August 2013

Die Pest ist da!

Vorsicht, nicht betreten: die Lucelle.
Letzten Samstag tat mir ein Muskel im rechten Oberschenkel heftig weh, als wir vom Brunalpeli Richtung Klöntalersee abstiegen, vermutlich eine leichte Zerrung oder ein leichter Riss oder was auch immer, nicht weiter schlimm, aber ich will doch die nächsten zwei, drei Wanderungen ein wenig kürzer treten. Und so begab ich mich gestern nicht auf eine weitere grobe Bergwanderung, sondern auf eine Schlenderei: von Lucelle JU nach Moulin-Neuf, hinauf nach Roggenburg BL und weiter nach Kleinlützel SO. Die Anfangspartie der Lucelle entlang, zu Deutsch Lützel, war enorm romantisch. Bis ich ein Plakat las, das am Weg mehrfach auftauchte. Und zwar wird man gebeten, sich auf keinen Fall ins Nass des Flusses zu begeben. Er ist von der Krebspest befallen, einer Pilzkrankheit, die um 1860 aus Amerika eingeschleppt wurde, seither Europa erobert hat und die einheimischen Flusskrebse tötet. Schade, ich hatte ein gemütliches Fussbad vor, aber man will ja nicht zum Weiterverbreiter einer Tierseuche werden. Der Lucelle, einem munteren Gewässer, war im Übrigen nichts anzumerken; zum Anschauen war sie dem Desaster zum Trotz malerisch.
Peste de l'Ecrevisse heisst die Seuche auf Französisch.

Dienstag, 6. August 2013

Weisstannen goes panoramic

Das war im letzten Herbst: Weisstannen SG und ein paar Kinder beim Spielen.
Das Weisstannental, das sich von Mels im Sarganserland Richtung Sardonagebiet zieht, ist eines meiner Lieblingstäler - was man da wandern kann! Hinüber zur Pizolhütte zum Beispiel oder, via Foopass, nach Elm. Das Tourismusteam der Talgemeinschaft hat in mehreren hundert Stunden ehrenamtlicher Arbeit eine Panoramakarte erstellt. Sie ist ab sofort gratis erhältlich, zum Beispiel bei Heidiland Tourismus in Bad Ragaz und Unterterzen.

Montag, 5. August 2013

Mein viertes Mal

Totalverkalkter Hang zwischen Bützi und Erigsmatt.
 Erigsmatt mit Schäferhütte. Der Schäfer bietet übrigens Bananenshakes an.
Die Schafe liegen derzeit am liebsten auf dem Schnee.
Am Samstag zogen wir von Braunwald/Gumen durch die Karrenfelder hinab nach Klöntal-Plätz, ein Sechsstünder, halb im Kanton Glarus spielend, halb im Kanton Schwyz. Ich hatte die Route zuvor bereits drei Mal gemacht und fand sie auch beim vierten Mal grandios. Diese weiten Flächen schrundigen Kalkes! Und plötzlich, von einer Anhöhe aus, der Anblick der Schäferhütte Erigsmatt in einer grünen Ausnahmewiese. Eine Stunde vor Schluss dann kehrten wir auf der Alp Käsern ein. Der Himmel wurde derweil grau, auf der letzten Wanderstunde hinab zum Klöntalersee begann es zu regnen. Gut so, die Pflänzli und Blüemli können einem dieser Tage leid tun, wie sie in der Hitze darben.
Klöntalersee und Glärnisch aus dem Bus.


Sonntag, 4. August 2013

Urner zieht Leine

Man muss wirklich nicht immer in die Ferne schweifen. Warum denn zum Beispiel nach Neapel reisen, um hernach von den Wäscheleinen zu schwärmen, die dort so malerisch bestückt sind? Gibts bei uns auch - im Schächental, Kanton Uri.

Samstag, 3. August 2013

Die Barke von St-Léonard

Das Dorf St-Léonard westlich von Sierre hat genau eine Touristenattraktion. Aber eine starke. 100 000 Menschen besuchen jedes Jahr St-Léonards unterirdischen See, den grössten natürlichen Europas. Gestern taten wir das auch. Wir fanden inmitten der Rebberge den Kiosk mit dem Café, zahlten, stiegen ab zur Barke unter Tag, liessen uns vom Führer über den See rudern. Seine Form ist dafür optimal, er ist nur 20 Meter breit, dafür 300 Meter lang. Wir waren beeindruckt: das glasklare Wasser, das immer 11 Grad warm (oder kalt) ist. Die Buchten zu beiden Seiten und die Aushöhlungen über unseren Köpfen. Die fetten Forellen, für die die Guides stets Futter mitführen. Wir erfuhren dann auch, dass sich im Jahr 2000 ein fetter Zwei-Tonnen-Block von der Decke gelöst hatte. Darauf blieb der See für drei Jahre geschlossen, in denen man das Wasser abpumpte, Baumaschinen auffuhr und die Decke aufwändig für 2.5 Millionen Franken befestigte. Tatsächlich, beim genaueren Hinschauen erkannten wir Armierungseisen und riesige, schraubenähnliche Verankerungen. Ganz so natürlich ist dieser See also nicht. Aber hey, er ist ein Spektakel, das ich allen empfehle. Und St-Léonard braucht ihn halt einfach ganz fest.


Freitag, 2. August 2013

Operation Beton

Gestern Ausflug per Bus zur weltweit höchsten Gewichts-Staumauer, der Grande Dixence im Wallis. Vor Ort buchten wir eine Tour ins Innere der Mauer, durchschritten glitschige Galeriegänge, stiegen eine  Treppe mit 40 Zentimeter hohen Stufen hinauf, die "Todestreppe", fuhren mit der alten Werksseilbahn hinauf auf die Mauerkrone. Auch einen Kurzfilm von 1954 gab es zu sehen, einen Sechzehnminüter über die herkulischen Bauarbeiten. Er stammt von keinem Geringeren als dem Schweizer Jean-Luc Godard, der damit als Regisseur debütierte. Leider kann ich den Film nicht linken, man findet ihn aber auf Youtube leicht unter seinem Namen: "Opération 'Béton'."

Donnerstag, 1. August 2013

Am Abgrund

Gestern ein Wanderklassiker der Romandie: vom Lac de Derborence über den Pas de Cheville nach Anzeindaz und Gryon. Der Tag begann mit der Postautofahrt meines Lebens. Wir tuckerten von Sion den Hang hinauf nach Aven - und dann nahm uns die Schlucht. Ein V. Die Strasse hoch über der schäumenden Lizerne extrem schmal und in ihrer Horrorhaftigkeit über Kilometer sich ziehend. Im Bus kam es zur Umschichtung: Die einen Passagiere flohen von ihrer Plätzen zur Linken, um nicht in den vorsintflutlichen Abyss blicken zu müssen; die abgehärteten Gemüter schnappten sich die freien Plätze und taten genau dies. Endlos währte die Gruselei, bis der See von Derborence auftauchte, umstanden von einem Fôhrenurwald. Unser Leben war ganz in der Hand bzw. in den Händen eines Walliser Chauffeurs gewesen.