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Freitag, 21. April 2023

Nazi am Wanderweg

Es war der in der Region verwurzelte Arzt und Schriftsteller Ludwig Finckh (1876-1964), der die Vulkanschlote des Hegaus als "des Herrgotts Kegelspiel" bezeichnete. Die schöne Wendung ist bis heute geblieben. Massgeblich war Naturfreund Finckh auch daran beteiligt, dass man den Basalt-Abbau an einem der Kegelberge, dem Hohenstoffeln, einstellte. Vor dem Jagdhaus Hohenstoffeln am Wanderweg auf den Berg erinnert auf einem Stein eine Tafel in knappen Worten an Finckh, den "Dichter und Hüter der Landschaft". In diesem Fall wäre mehr Information angebracht. Der Mann war ein glühender Nazi und ein Antisemit und gelobte Adolf Hitler 1933 auf einer landesweit verbreiteten Liste mit 88 unterzeichnenden Literaten "treueste Gefolgschaft". Gleichen Jahres trat er in die NSDAP ein, hielt in seiner Gegend fortan regelmässig Vorträge über Erbbiologie und amtete auch als Referent in einer Waffen-SS-Schulungsstätte in Radolfzell. Nach dem Krieg kam Finckh glimpflich davon, man schaute ihn als Mitläufer an. Reue zeigte er keine. Der Dichter Hermann Hesse, vor dem Ersten Weltkrieg ein Freund Finckhs, entzweite sich später von diesem und bezeichnete dessen Autobiografie von 1961 als "das Buch eines alten vernagelten Nazi, der 12 Jahre lang 'Heil Hitler' geschrien hat und es am liebsten wieder täte." Man betrachtet die Gedenktafel am Hohenstoffeln anders, wenn man das alles bedenkt.

Verschweigt Wesentliches: Gedenktafel vor dem Jagdhaus Hohenstoffeln.

Donnerstag, 20. April 2023

Kreuz und Primel

Das Hegaukreuz – sieht ein wenig aus wie ein Mensch, oder?
Der Mägdeberg mit der Burgruine, rechts hinten der Hohenkrähen.
Das ist sie! Primula veris.
Das Wetter war nicht besonders, als wir am Dienstag im Kegelbergland des Hegaus unterwegs waren. Habe ich gestern unter Beigabe weiterer Negativa erzählt und am Ende angekündigt, heute darzulegen, was alles uns an unserer Tour trotzdem gefiel. Die dauerte knapp vier Stunden und führte uns vom Bahnhof Mühlhausen auf den Mägdeberg mit seiner Burgruine und zum Hegaukreuz, dann hinab nach Weiterdingen, auf dem direkten Weg auf den Hohenstoffeln und etwas umständlicher via Sennhof wieder hinab nach Weiterdingen. Vieles mochten wir. Natürlich die Tiefblicke vom Mägdeberg und vom Hohenstoffeln, der zuoberst von Basaltsäulen gesäumt ist. Auch nicht zu verachten war der Rundblick von der Kuppe mit dem Hegaukreuz. Dieses wurde 1968 zu Ehren eines Lokalfunktionärs montiert, der sich um die Belange der Region und den Landschaftsschutz verdient gemacht hatte. Zudem sichtete Wanderfreundin M. in einer Wiese beim Kreuz eine Primel-Art, die dort in Massen gedieh; das sei, verkündete M., die seltene, die wundervoll riechende, die grossartige Primula veris. Zu Deutsch: die Echte Schlüsselblume. Und damit zurück zu den grossen Dingen. Der Hochnebel verhüllte vieles, reichte aber doch, dass wir erkennen konnten, wie wunderschön unser Stück Hegau mit den urzeitlichen Vulkanschloten ist. Und so ist klar: Man wird wieder hinreisen. Wohl noch mehrmals.
Blick vom Hohenstoffeln zum Binninger Baggersee.
Basaltsäulen am Pfad auf den Hohenstoffeln.

Mittwoch, 19. April 2023

Nebel und Dreck

Hegau im Hochnebel.
Unser Wanderweg am Hohenstoffeln.

Gestern waren wir zu zweit im Hegau unterwegs in der Gegend der Städte Singen und Engen – und um es kurz zu machen: Nicht alles war und lief ideal. Vor allem meine ich das Wetter. Dass die Bise heftig blies: kein Problem. Aber der Hochnebel setzte uns zu, er verhüllte die höheren Lagen und liess kein Schauen in die Weite zu. Auch die berühmten Vulkankegel im nahen Umland waren umdunstet. Nun gut, wir wanderten trotzdem mehr als vier Stunden und erstiegen zwei der erwähnten Kegelberge, den Mägdeberg und den Hohenstoffeln. Mühsam fanden wir, beide erprobte Wanderer, die Signalisierung am Hohenstoffeln – was für wirre Markierungen! Ziemlich übel war im Übrigen der Zustand des Waldweges zum Hohenstoffeln. Dort hatte ein Wahnsinniger von Waldarbeiter auf einem Fahrzeug mit Monsterreifen gewütet, der Pfad war über hunderte Meter bloss Dreck, man sank ein, rutschte, schlitterte, machte sich total schmutzig. Deprimierend sah der Wald aus. Als hätte Godzilla geholzt. Hätten wir das gewusst, hätten wir den Berg ausgelassen. Doch es wurde nirgendwo vermeldet. Klingt sehr negativ, ich weiss. Morgen will ich nachschieben, was uns an der Gegend und unserer Route alles gefiel.

Dienstag, 18. April 2023

Kegelrunde

Einer der markanten Hegauberge ist der Hohenkrähen.
(Foto: Jörg Braukmann / Wikicommons)

Heute gehts ins grenznahe Deutschland. In den Hegau, wie die Landschaft nordöstlich von Schaffhausen mit Singen als Hauptort heisst. Ein, zwei oder drei der Kegelchen zu besteigen, die da herumstehen, dies ist das Ziel. Vor etwa 14 Millionen Jahren wurden in der Gegend mehrere Vulkane aktiv. In der Eiszeit, vor etwa 150 000 Jahren, bedeckten dann Gletscher das Hegau, das Eis schliff Molasse und Tuff weg, die härteren Gesteine hingegen, Basalt und Phonolith, hielten sich. Aus ihnen bestanden die Vulkanschlote, die deswegen geblieben sind – die Kegelchen, die heute mal aus der Nähe beschaut werden sollen.

Montag, 17. April 2023

Spargelsamstag

Bei Pfungen wird die Töss romantisch.
Irchtelturm voraus.
Bluescht im Zürcher Weinland.
Der Spargel bei Gislers.
Unsere Samstagsunternehmung wurde durch ein kleines Wetterwunder veredelt: Es regnete nicht, weder meine Pelerine noch der Schirm kamen zum Einsatz. Die Wanderung führte uns aus der Gegend von Winterthur ins Zürcher Weinland. Wir starteten in Pfungen, überquerten die Töss, stiegen auf den Irchel, steuerten im Heerenbänkli den Aussichtsturm an, hatten von oben den Rest der Route vor Augen: hinab nach Buch, weiter nach Flaach und zum Hof der Familie Gisler. Im improvisierten Bauernbeizli assen wir frischen Spargel – er war das Ziel der dreieinhalbstündigen Wanderung gewesen, die bald darauf in Flaach endete.

Sonntag, 16. April 2023

Gut gegessen

Wenn man über die Jahre im Land unterwegs ist und ab und an einkehrt, ergibt sich eine Art kulinarische Landkarte. Auf ihr vermerkt ist neuerdings Bauma im Tösstal, wo ich am Freitag mit einer Freundin in der Nähe des Bahnhofs sehr gut ass. Die Wirtschaft zum Schöntal – klassisches Dorfbeiz-Interieur mit Holzstühlen und Holztischen ohne Tischtücher – hat einiges auf der Karte, was andere Restaurants nicht anbieten. Zum Beipiel Grick, Lunge und Herz, vom Gitzi in diesem Fall. Oder Kalbskopf. Nun gut, ich gebe zu, dass ich vor Ort dann doch nicht so mutig war. Ich entschied mich für den Gitzi-Hackbraten mit einem Bärlauch-Sösseli, Spätzli und Gemüse. War sehr fein, ich will da wieder hin.

Samstag, 15. April 2023

Das Meringue-Comeback

Vergesst die Diät, Leute, schlagt zu!
Meringue im "Kemmeriboden-Bad".
(Foto: Schnäggli/Wikicommons)
Überall Schlamm und Dreck und Schwemmholz, alles öd und braun und feucht und kaputt. Trostlos sah es letzten Sommer im und um das Hotel Kemmeriboden-Bad in Schangnau aus, nachdem die gewitterhalber stark angeschwollene Emme Gelände und Gebäude heimgesucht hatte. Diese Woche wurde bekannt, dass das Hotel, das damals geschlossen werden musste, Anfang Juli wieder öffnet und das Restaurant jeweils von Donnerstag bis Sonntag Tagesausflüglerinnen und -ausflügler versorgen wird. Nicht um irgendeinen Betrieb handelt es sich, sondern um das bekannteste Hotel des Emmentals. Um ein Haus, das seit 1834 Generation um Generation die legendär feine Meringue serviert. Die feiert jetzt ihr Comeback. Respektive: Wir feiern ihr Comeback.