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Mittwoch, 7. Juni 2023

Ferienreisli ins Büro


Ich habe in Zürich einen neuen Arbeitsweg, die Fahrt mit dem Tram Nr. 5 vom Bahnhof Stadelhofen zur Saalsporthalle nah dem Albisgüetli fühlt sich an wie ein Ferienreisli, alles ist neu, ich sehe Dinge, die ich nie zuvor sah. Die "Schweizer Familie" ist vor kurzem gezügelt, hat vom Werdareal am Stauffacher mit dem Gros der "Tamedia"-Redaktionen aufs Bubenberg-Gelände gewechselt, wo "Tamedia" eines ihrer schweizweit drei Druckzentren betreibt. Dasjenige in Zürich ist das grösste und leistungsfähigste Druckzentrum im Land. Unsereins hat im dritten Stock grosszügig bemessene Räume bezogen, nachdem es am alten Standort eng geworden war. Auch eine nette Dachterrasse haben wir. Und es gibt ein Personalrestaurant. Gestern nahm ich, als ich mit der Arbeit fertig war, statt des sogenannten blauen mal das rote Treppenhaus. Ich geriet in die Welt der Drucker, es roch nach Industrie, nach Maschinenschmiere, ich sah die gewaltigen Druckmaschinen. Als ich in einer Hubstaplergasse mit riesigen Papierrollen Zugwaggons entdeckte, war ich vollends fasziniert. Hey, meine Redaktion hat einen eigenen Bahnanschluss!

Dienstag, 6. Juni 2023

Ein bisschen Adlerfeeling

Aufstieg zum Plattaspitz. Unten das Saminatal, wo wir starteten.

Der Aussichtsturm von Gaflei.
Kalbsschnitzel an Morchelrahmsauce
im "Masescha". (Foto: Ronja)
Unsere Liechtensteiner Samstagswanderung begann in Steg, der alten Walsersiedlung an der Strasse von Triesenberg nach Malbun. Wir machten einen Rundgang und nahmen hernach unser erstes Ziel in Angriff, den Plattaspitz, einen kleinen Gipfel auf jenem Bergkamm, der das Rheintal mit Vaduz vom Saminatal mit Steg trennt. Der Abschnitt zuoberst mit dem bewaldeten Grat war ein kleines, ich betone, kleines Abenteuer, es gab da die eine oder andere exponierte Stelle, nichts Krasses, aber man bekam ein wenig Adlerfeeling serviert. Vom Plattaspitz zogen wir hinüber und hinab zum Bargällasattel. Nach dem Abstecher zum Mittelpunkt Liechtensteins bei der Alp Bargälla, siehe Eintrag von gestern, gings vom erwähnten Sattel die meiste Zeit bergab. Das riesige Haus bei Gaflei stellte sich als "Clinicum Alpinum" heraus, man behandelt hier Depressionen und Erschöpfungszustände. Fünf Gehminuten entfernt stand ein kleiner Aussichtsturm, von dem aus wir Säntis und Alvier, Gauschla und Gonzen vor Augen hatten. Steil war das nächste Stück, im Wald gings in langen Kehren abwärts, endlich kam die Querpassage durch ein Tobel hinüber nach Masescha. Im gleichnamigen Restaurant assen wir gut. Weil wir dann noch lange auf den Bus talwärts nach Triesenberg zum Anschlussbus ganz hinab ins Rheintal hätten warten müssen, gingen wir die Strecke nach Triesenberg zu Fuss. Bei einem Bier endete dort die Unternehmung von knapp fünf Gehstunden (750 Meter aufwärts, 1170 Meter abwärts). Auch in diesem Fall gilt übrigens die alte Regel wieder einmal, gemäss der jede Wanderung eine neue Wanderung zeitigt, weil man im Gelände halt stets neue Ziele erblickt. Gern wollen wir dieses Jahr mal von Steg das Saminatal hinab nach Frastanz halten, also vom Ländle ins Vorarlbergische wechseln.
Das Kirchlein von Masescha.
Im Tobel der Prufatschengerrüfi kurz vor Masescha. (Foto: Ronja)

Montag, 5. Juni 2023

Nette Nachbarn

Stattlicher Stein: der Mittelpunkt von Liechtenstein.
Das umzäunte Geviert mit dem Stein. Ein richtiger Weg führt nicht hin.
Der Stein liegt unterhalb des Bargällasattels.
(Schweizmobil, Screenshot)
Am Samstag besuchten wir den Mittelpunkt Liechtensteins. Er liegt unterhalb des Bargällasattels auf einer Höhe von 1700 Metern über Meer – und ist ein wenig seltsam. Nun, ich meine damit nicht den viereinhalb Tonnen schweren, mit einer Inschrift versehenen Stein in seinem umzäunten Geviert auf der Alp Bargälla. Sondern die Art und Weise, wie man ihn erschlossen bzw. nicht erschlossen hat. Auf dem Bargällasattel ist der Stein angekündigt samt zwei Vorschlägen, wie man ihn von dort erreicht. Bloss, es gibt keinen richtigen Weg, der hinführt; wir fragten uns, was wohl der Älpler denkt, wenn bald einmal das Gras hoch steht und die Leute durch seine Wiesen tappen. Seit dem Jahr 2000 steht der Stein da. Damals, im Jahr der Mathematik, stellte ein Liechtensteiner Lehrer mit seinen Schülerinnen und Schülern Berechnungen an, um den Flächenschwerpunkt des Ländles zu bestimmen. Österreich lieferte dann den passenden Stein. Ein Geschenk. Die Schweiz spendierte ihrerseits den Helitransport. Schön, wenn man nette Nachbarn hat.

Sonntag, 4. Juni 2023

Die Ländletour


Gestern wanderten wir im grossen Kleinreich des Fürsten Hans-Adam II. – also in Liechtenstein. Das war lehrreich und auch ein wenig abenteuerlich, wir gerieten in die Geschichte der Walser, lernten etliche neue Berge und kuriose Flurnamen kennen, besuchten den Mittelpunkt des Ländles, bekamen es im steilen Gelände mit leicht ausgesetzten Stellen, hohen Tritten und Seilsicherungen zu tun, bestiegen einen Aussichtsturm und trafen die Posten eines Halbmarathons und Marathons. Auch assen wir gut. Das muss alles in Ruhe erzählt werden, heute erst komme ich im Laufe des Tages dazu, die Eindrücke zu sortieren. Hier vorerst eines der letzten Fotos der Wanderung, es ist etwas oberhalb von Triesenberg aufgenommen und zeigt den Rhein und sein Tal, Blickrichtung Sargans. Der Minigipfel praktisch in der Bildmitte ist das Ellhorn, von dem ich auch schon erzählt habe. Schön, Dinge wieder einmal gesehen zu haben aus einem ganz neuen Winkel.

Samstag, 3. Juni 2023

Stäfa muckt auf

Das Denkmal "Kettensprenger" von 1898 in Stäfa.
An der Zürcher Goldküste leben im 18. Jahrhundert viele Bürger der vifen Art, die Bücher lesen und Ideen von anderswo aufnehmen, die die herrschende Ordnung erstickend finden und darüber in der örtlichen Lesegesellschaft debattieren. Vier von ihnen, ein Ofenbauer, ein Bäcker, ein Wundarzt und ein Chirurg, verfassen 1794 eine Bittschrift an den Rat von Zürich, in der sie höflichst anregen, dem Volk mehr Freiheit zu gewähren. In Stäfa, damals der wichtigsten Zürcher Landgemeinde, wird dieses sogenannte Memorial speziell rege diskutiert. Die Obrigkeit schlägt bald zu, es gibt drei Landesverweise, viele Beteiligte müssen hohe Bussen zahlen, das Memorial, das die Regierung offiziell gar nie erreicht hat, wird verbrannt. Der Unmut wächst danach weiter, es kommt zu einer Solidarisierung, die Landschaft schliesst sich gegen die Stadt zusammen, was folgt, wird als "Stäfnerhandel" bekannt: Im Sommer 1795 spricht die Regierung einen Bann gegen Stäfa aus, verbietet den Verkehr mit dem Ort, flugs wird dieser militärisch besetzt. Verhaftungen, Verhöre, Folter, schliesslich die Gerichtsurteile, sechs Hauptangeklagte werden zuerst zum Tode verurteilt, worauf die Urteile in lebenslange Haft umgewandelt werden. Weitere 200 Leute werden mit empfindlichen Sanktionen bedacht. Stäfa verliert die Selbstverwaltungsrechte, ist wirtschaftlich ruiniert, muss wie andere Gemeinden in einem demütigenden Unterwerfungsritual der Stadt Zürich huldigen. Was für eine deprimierende Geschichte zu Ende des Ancien Régime, das offenbar unfähig zum Wandel ist! 1798 bringen französische Truppen der Eidgenossenschaft dann den Umsturz, die Helvetische Republik entsteht, eine neue Zeit beginnt. Johann Jakob Bodmer aus Stäfa, einer der Hauptangeklagten im Stäfnerhandel, wird im Jahr des Franzoseneinfalls rehabilitiert. Am 12. April eröffnet er als erster Präsident und Abgeordneter aus Zürich den helvetischen Senat. Vorgestern war ich in Stäfa essen und fotografierte am See das Denkmal zu Ehren der Leute, die sich hier einst auflehnten.
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Freitag, 2. Juni 2023

Japan in Zürich


Ich fotografierte das Höndli in Zürich im Eingang zum Migros an der Falkenstrasse. Brav bewachte es die "Sprüngli"-Tasche und hielt Ausschau nach seinem Herrn. Bald kam dieser, ein junger Mann in einem knallblauen Anzug, hinzu. Neinei, das sei kein Huskie, sagte er mir. Sondern ein Akita. Zuhause schaute ich nach und fand das interessant. In Japan gilt der Akita, eine Art fernöstlicher Spitz, als Urrasse, bis 1945 war die Ausfuhr verboten. Ich kreierte ad hoc einen neuen Namen für die Rasse: Japanischer Schoggibewachhund.

Donnerstag, 1. Juni 2023

Schnuckelding

Ein herziges Äuteli, oder? Ich fotografierte es eben auf dem Nachhauseweg in meiner Strasse. Der Microlino ist eine Schweizer Entwicklung, wird in der Autometropole Turin hergestellt, wiegt knapp 500 Kilo, bringt es auf eine Geschwindigkeit von 90 Stundenkilometern und kann 230 Kilometer weit fahren – dann muss man ihm wieder Strom zuführen. Kreiert haben das Schnuckelding Oliver und Merlin Ouboter, die Söhne von Wim Ouboter, dem Micro-Scooter-Pionier aus Küsnacht ZH. Die ersten Modelle aus der Serienproduktion kamen letztes Jahr auf den Markt.