Gesamtzahl der Seitenaufrufe

Dienstag, 30. September 2014

3 x 4

Auf La Dôle VD hat es Fernmeldeanlagen aller Art.
Marsstation? Nein, das Dôle-Personalhaus.
Gestern fuhr ich vier Stunden Zug, wanderte vier Stunden, fuhr erneut vier Stunden Zug und war um sieben Uhr wieder zuhause. Hat sich gelohnt. Auch wenn es leicht regnete, als ich die Wanderung in La Givrine begann, und leicht regnete, als ich in St-Cergue ankam. Ich hatte mir die Dôle, den zweithöchsten Schweizer Juraberg ganz im Westen des Landes, schon lange vorgenommen. Am Mittag war ich oben auf 1677 Metern. Der Himmel war wolkenverhangen, die Bise brutal, doch tief unter mir sah ich doch im Dunst den Genfersee und dahinter die Alpen Savoyens. Im Übrigen stellte sich meine Routenwahl als goldrichtig heraus. Ich eroberte mir meinen Wunschberg via dessen Westflanke. Sie ist deprimierend: Liftmasten, Pistenfahrzeug-Trassen, verkieste Wiesen. Wie es halt in der schneelosen Zeit dort aussieht, wo skigefahren wird. Die intakte Ostseite entschädigte mich dann für alles: herrlich einsame Weiden und Wälder, seelenvoll glotzendes Vieh und dazu der Rückblick auf die langgezogenen Kalkfluhen der Dôle. Sie ist ein Januskopf von Berg. Der Mensch hat sie dazu gemacht.
Trockenmäuerchen im Abstieg. 
Schöner Weg durch die Dôle-Ostflanke Richtung St-Cergue.

Montag, 29. September 2014

Regie führte... der Herbst



Ich denke, obige Fotos belegen es hinlänglich: Der Herbst mit seinem Licht regierte unsere Samstagswanderung im Glarnerland und machte sie zum Zauber; ein genialer Regisseur. Wir starteten in der Richisau oberhalb des Klöntalersees, hielten bei komfortabler Steigung hinauf zum Längeneggpass, stiegen ab auf direktem Weg zum Obersee, stiegen weiter ab nach Näfels und beendeten die Wanderung (770 Meter aufwärts, 1430 abwärts) nach 6 1/2 Stunden und einem Schlussbier am Bahnhof Näfels-Mollis.

Sonntag, 28. September 2014

Liebe Gnadenmutter...

Einsiedelns Schwarze Madonna zieht bekanntlich enorm viel hilfesuchendes Volk an. Kürzlich war in der NZZ ein Artikel über den Zweiten Weltkrieg. Pater Thomas Fässler, Einsiedelns Historiker, hat im Kloster an die 600 Briefe von damals gefunden. Zusendungen mit Fotos. Die da schrieben, waren Soldaten. Italienische, französische, österreichische, vor allem aber deutsche Soldaten. Sie - manchmal auch ihre Angehörigen - baten darum, dass man das Foto des Abgebildeten beim Gnadenbild der Gottesmutter deponiere, auf dass sie ihm im Krieg beistehe. Manche meldeten sich direkt aus Stalingrad. Jemand schrieb über einen Abiturienten und Theologiestudenten: "Seit Anfang 1944 in russischer Kriegsgefangenschaft. Liebe Gnadenmutter von Einsiedeln! Führe doch unseren Eugen recht bald glücklich in die Heimat zurück!"

So. Und jetzt noch ein Foto von gestern, aufgenommen auf der Klöntaler-Seite des Längeneggpasses; uns kamen gleich zwei Alpabzüge entgegen. War eine herrliche Glarner Wanderung, mehr morgen.

Samstag, 27. September 2014

Mein Wunsch an Herrn Roschi

Michael Roschi.
(Pressefoto Schweizer Wanderwege)

Wir Wanderer haben einen neuen Oberguru - wenn man den Geschäftsführer der Schweizer Wanderwege denn so nennen darf. Michael Roschi ist 38 und löst Christian Hadorn ab. Roschi ist ein Touristiker, arbeitete zuvor als Direktor von Thun-Thunersee Tourismus (was für ein blöder Name!) - und wenn ich, der ich ansonsten mit der Arbeit der Wanderwege völlig zufrieden bin, etwas vom Neuen wünschen dürfte: Sorgen Sie bitte mit allen Mitteln dafür, lieber Herr Roschi, dass nicht noch mehr Wanderwege verasphaltiert werden!

Seit Tagen ist klar, dass heute herrliches Bergwetter herrscht, es wird viel Volk unterwegs sein. Unsereins will vom Tal der Klön über den Längeneggpass ins Tal des Obersees halten. Habe ich vor Jahren - in umgekehrter Richtung - schon einmal gemacht, gefiel mir sehr gut.

Freitag, 26. September 2014

Echsen des Schreckens

Bei Plateosaurus war ich auch: Frick, Sauriermuseum.
In den letzten Wochen war ich einige Male im Zeichen des Dinosauriers unterwegs; das schlug sich teilweise auch an dieser Stelle nieder. Gestern nun erschien in der Zeitung meine Seite "Echsen des Schreckens", es geht um die Schweiz als Dinosaurier-Land, ich schlage sechs Ausflüge vor: zum Museum mit Originalskelett, Orten mit Trittspuren, Themenpark mit nachgebildeten Kunststoff-Monstern. Nun hoffe ich, dass die Leute den einen oder anderen Dino-Ausflug nachmachen.

PS: "Echsen des Schreckens" oder "Schreckensechsen": die wörtliche Übersetzung von Dinosaurier.

Donnerstag, 25. September 2014

Wenn Wandern hässig macht

Schöne Reben: gestern am Stammerberg ZH.
Gestern wollte ich den Stammerberg-Rundweg machen. Kanton Zürich also. Es gibt zu dieser Route von ProWeinland einen gedruckten Prospekt, den ich bei mir hatte. Zwei Stunden Gehzeit braucht man - doch um es kurz zu machen: Ich gab vorzeitig auf, Wanderabbruch nach einer Stunde. Der Prospekt ist schlecht gemacht, seine Karte unbrauchbar, sie enthält zum Beispiel Nümmerli von 1 bis 7, die nicht erklärt sind; nirgendwo eine Legende. Auch einen Kilometermassstab gibt es nicht. Und die Attraktionen, die der Text erwähnt, sind in der Karte nicht eingezeichnet. Ich fand unterwegs in den Rebhängen praktisch gar nichts von dem, was im Text aufgeführt war. Oder dann war ich unsicher. Zum Beispiel werweisste ich verzweifelt, welches denn nun die historische Tallmüli sein sollte, von der im Prospekt die Rede war. Schlecht, wirklich schlecht. Ein Prospekt muss seinen Wanderer führen, nicht verwirren und verunsichern.

Jetzt noch die guten Dinge von gestern. Erstens ist das Stammertal samt seinem Rebberg wunderschön. Zweitens sah ich eine grandiose Kapelle, dazu kommt ein separater Eintrag. Und drittens ass ich mir meinen Frust im Hirschen in Oberstammheim weg: Wildschweinbratwurst. Der Hirschen gilt als einer der schönsten Fachwerkbauten des Kantons, 1684 wurde er erbaut. Und er ist bekannt als Ort, wo man gut isst. Hingehen, einkehren, unbedingt! Am besten im Rahmen einer normalen Wanderung und nicht auf dem erwähnten Rundweg. Der macht einen bloss hässig.

Mittwoch, 24. September 2014

Wieder mal stadtgewandert

Auf der Dachterrasse des Toni-Areals, das blaue Haus ist der Prime Tower.
Am Montag stadtwanderte ich mit meinem Berner Freund Stefan von Bergen durch Zürich. Wir wollten eigentlich vor allem Max Frisch nachgehen, doch das - relativ - neue Frisch-App fürs Smartphone stürzte mehrmals ab. Immerhin besuchten wir Frischs Geburtshaus an der Heliosstrasse in Hottingen, seine letzte Wohnung in der Stadelhoferpassage und die Villa Coninx an der Heuelstrasse, die heute das Coninx-Museum beherbergt; einst wohnte in ihr Frischs Studienfreund Werner Coninx, der ihm das Architekturstudium finanzierte. Wie diese Freundschaft funktionierte und wie sie allmählich endete, kann man im "Montauk" nachlesen.

Prähistorisches Jagdgerät
im Parkhaus Opéra unter
dem neuen Sechseläutenplatz.

Das war bei weitem nicht alles. Wir schauten uns auch den neuen HB an. Den Lindenhof mit der Kopie einer römischen Grabtafel für das Kind eines Oberzöllners. Den neuen Sechseläutenplatz, auf dem gerade die letzten baulichen Reste des Circus Monti demontiert wurden. Das unterirdische Parkhaus des Platzes mit einer kleinen archäologischen Dauerausstellung. Die Villa Patumbah eines Kaufmanns, der im Sumatra-Handel extrem reich geworden war, um sich dieses Wahnsinnsgebäude zu bauen und dann früh zu sterben. An einer Tropenkrankheit, sinnigerweise. Dann ging es zum Schluss hinaus zum Toni-Areal, in dem die Zürcher Hochschule der Künste sowie weitere Bildungseinrichtungen hocken. Irgendwie war das riesige Gebäude gleichzeitig beeindruckend und unheimlich; ich lobte mir meinen Studienort von einst, das stickig-enge Islamwissenschaftliche Seminar im Sternengässli in Bern, wo man sich kannte.

Nachdem wir all das gesehen hatten - ah ja, da war auch noch der Viadukt-Weg auf dem Bahndamm bei der Josefswiese -, kam als krönender Abschluss das Nachtessen im Restaurant Markthalle. Mein Schweinskotelett dort: Spitzenklasse; ich könnte darüber viele Zeilen schreiben. Aber eigentlich ist dieser Eintrag jetzt schon zu lang.
Max-Frisch-Gedenkschild in der Stadelhoferpassage.