Gesamtzahl der Seitenaufrufe

Donnerstag, 2. Juni 2016

Die Zürcher Suone

Der Plättliweg verläuft (im Foto links) über einem gedeckten Wasserkanal.
Am Schluss des Plättliweges
ist der Kanal offen. Vorne links
Max Krieg, rechts Michael Dubach.
Gestern fuhr ich nach Wald im Zürcher Oberland. Traf die Herren Dubach (Tourismus-Verantwortlicher der Gegend) und Krieg (vormaliger Gemeindeschreiber, perfekter Ortskenner, Wanderweg-Verantwortlicher der Gemeinde). Wanderte mit ihnen. Es ging um den "Schweizer Familie"-Wandertag. Auch heuer schreibe ich den Appetizer in Form eine Repo, die Lust auf den Anlass machen soll; ich wähle dazu jeweils eine der drei Routen aus. Wir drehten eine wirklich schöne zweistündige Runde: das Sagenraintobel hinauf zum Webereggweiher und noch etwas weiter den Schmittenbach entlang bis auf Höhe des Weilers Oh; dann Spitzkehre und mehr oder minder parallel zum Hinweg retour auf dem sogenannten Plättliweg. Den fand ich sensationell, man geht auf Steinplatten, die ziemlich waagrecht in einen stellenweise steilen Hang gelegt sind. Bisweilen hat es Ritzen in den Platten, darunter sieht man Wasser; dies ist ein überdeckter Kanal aus der Textilzeit. Suonen hat es nicht nur im Wallis, Wald ZH hat auch eine Suone.

Mittwoch, 1. Juni 2016

Vom Versagen der Obrigkeit

1816 - ein Schreckensjahr im Züribiet. Das Wetter spielt verrückt, die Ernten fallen aus oder sind viel kleiner als sonst, und die armen Leute stürzen in den Hunger. Geradezu ein Lehrstück, wie die Obrigkeit versagt; Die Behörden handeln viel zu zögerlich zum Beispiel beim Zukauf von Getreide oder Reis aus dem Ausland. Flink sind sie einzig bei der Repression, beim Bau neuer Armenhäuser und der Aufstockung des Landjägerkorps. Heuer gedenkt das Zürcher Oberland der letzten Hungerkrise im Land mit vielen Anlässen, im Ritterhaus Bubikon startet heute die Ausstellung zum Thema. Von mir gab es gestern eine Seite zum Thema, hier der Link.

Dienstag, 31. Mai 2016

Godehard und der neue Tunnel

Godehard von Hildesheim.
(Wikicommons/ Hildesia)
Gestern war ein Artikel über den Namensgeber des Gotthardpasses im Tagi - aus aktuellem Anlass natürlich, denn morgen wird bekanntlich der Neat-Tunnel unter dem Gotthardmassiv eröffnet. Godehard ("Gott ist stark") war der Schutzpatron der Kaufleute an den grossen Handelsstrassen, 1230 weihte der Bischof von Mailand eine ihm gewidmete Kapelle auf dem Pass, der bald auch so hiess. Godehard war da schon gut zwei Jahrhunderte tot. Er war ums Jahr 1000 Bischof gewesen im niedersächsischen Hildesheim, ein tüchtiger, volksnaher und gottesfürchtiger Kirchenmann. 1131 wurde er heiliggesprochen. Den Gotthard hat unser Godehard aber nie überquert. Und nun hoffen wir natürlich, dass sein Wirkungsvermögen sich auch unter Tag entfalte und es auf der neuen Alpentransversale keine Unfälle gebe.

Sonntag, 29. Mai 2016

Hart am Orkus

Nach 25 Minuten: der Niederbauen und unter ihm das Seelisberger Seeli.
Am Samstag wanderten wir vom Seelisberg via Frutt, Schwandli, Rüters, Brennwaldhütte zur Brücke in die Risletenschlucht nahe Emmetten. Dann der Abstieg durch die Schlucht zur Risleten am Vierwaldstättersee und diesen entlang über Rütenen nach Beckenried. Sehr lang war die Unternehmung nicht, sie dauerte 3 1/2 Stunden (260 Meter aufwärts, 670 abwärts). Aber sie war ausgesprochen schön - nur schon der Blick vom Seelisberg hinab auf das grüne Seeli und zum Niederbauen lohnte die Tour. Ein Spektakel war die Risletenschlucht, der steile Treppenweg nah am Abgrund auf den vom Regen am frühen Vormittag glitschigen Steinen war nicht ungefährlich. Zwar gab es einen Handlauf, aber wäre man ausgeruscht, hätte man unter ihm durchgleiten und direkt in den Orkus stürzen können. Weiter unten gegen den See zu war die Fluh, durch die der Weg führte, fast senkrecht. Später in Beckenried assen wir im Rössli gleich bei der Schifflände (okay, aber nicht splendid) und beendeten die Tour, indem wir mit dem Raddampfer nach Luzern tuckerten.
Der Wasserfall fast zuunterst in der Risletenschlucht.

Die Flieger vom Seelisberg

Spirituelles Zentrum Sonnenberg auf dem Seelisberg.
Dieser Gebäudeteil sieht eher verkommen aus.
Unsere Wanderung startete gestern im kleinen Urner Kurort Seelisberg hoch über dem Urnersee und dem Rütli. Und zwar gleich beim Hotel Sonnenberg - einem Belle-Epoque-Kasten, der heute leider einigermassen verlottert wirkt, vor allem die Nebengebäude. 1972 zog hier mit seinen Jüngern Maharishi Mahesh Yogi ein, der spirituelle Lehrer der Beatles, von Clint Eastwood und Mia Farrow. Ein Jahrzehnt später ging der Guru wieder, den das Dorf als Fremdkörper empfunden hatte. Mittlerweile ist er längst verstorben. Doch der Sonnenberg ist nach wie vor in der Hand der Gemeinschaft, die im Haus ihre "Europäische Forschungs-Universität" betreibt. Wir schauten uns kurz im Foyer um, nahmen eine Broschüre mit, lehnten das Angebot einer Führung dankend ab. Einst behaupteten die Maharishi-Leute, sie könnten fliegen; das wäre allerdings was.
Hinten die Mythen (l.) und der Fronalpstock (r.).
In der Mitte die Sonnenberg-Kuppel.

Samstag, 28. Mai 2016

Die Giftmaus

Die Wasserspitzmaus fühlt sich am und im Wasser wohl. (Wikicommons)
Die Wasserspitzmaus wurde von Pro Natura zum Tier des Jahres 2016 erwählt. Sie ist mit ihrem hübschen Pelz putzig, und sie ist überaus fleissig und taucht pro Tag bis zu 600 Mal, um Nahrung zu beschaffen. Vorsicht - an dieser Stelle wird es schockierend: Die Wasserspitzmaus tötet ihre Beute, Kleinkrebse, Schnecken, Muscheln, kleine Fische, mit Gift. Jawohl! Sie ist einer der wenigen giftigen Säuger Mitteleuropas. Das habe ich bis anhin nicht gewusst. Da wurde ein Killer erkoren - ich bin überzeugt, die Schnecken finden die Wahl nicht gut.

Freitag, 27. Mai 2016

Die neue Taminabrücke

200 Meter über Boden, 265 Meter Spannweite: die Neue.
Valens SG, ein Dörfchen am Rande der Taminaschlucht, besitzt ein riesiges Rehazentrum. Das Problem ist, dass die Strasse von Bad Ragaz nach Valens durch einen rutschigen Hang führt, der Unterhalt läppert sich über die Jahre. Man beschloss deswegen, eine Brücke zu bauen, die - von Valens her gesehen - weiter unten vor dem Problemhang auf die andere Seite der Schlucht, nach Pfäfers, quert. 56 Millionen Franken kostet das Unterfangen, im Herbst 2012 begann man mit dem Bau, in der ersten Hälfte des nächsten Jahres soll die Brücke eröffnet werden. Wir unterquerten sie letzten Samstag auf dem Weg ins alte Bad Pfäfers an der Tamina. Was für ein Riesending: 265 Meter weit spannt sie sich über die Schlucht, und das in 200 Metern Höhe; dies ist eine der grössten Bogenbrücken Europas.