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Samstag, 8. Januar 2022

Piratencharme und Fischknusperli

Das "Fischstübli" in Erlenbach ist eine gemütliche Höhle. Mit Jukebox (links oben).

Am Donnerstagabend traf ich in Erlenbach am Zürichsee einen Freund, er hatte das Restaurant Fischstübli vorgeschlagen, ich freute mich, weil ich auf der Webseite im Angebot "Bouillabaisse" gelesen hatte. Wir kamen rein, und der Wirt, ein sympathischer Walliser, teilte uns gleich als erstes mit, sein Koch sei ausgefallen. Er selber sei allein, es gebe daher nur hausgemachte Fischknusperli mit Ofengemüse. Oder Raclette. Wir wählten den Fisch, tranken Wein aus Flaschen, die keine Ettiketten trugen, zuerst Weissen, dann Roten, Walliser vom Germanier in Vétroz, wie uns gesagt wurde. Mir gefiel der, sagen wir mal, Piratencharme hinter alledem sehr. In Gemütsruhe bediente der Wirt die paar Gäste, kochte dazwischen konzentriert. Unsere Knusperli waren dann hervorragend. Und als wir gingen, bewunderte ich die zwei Käselaibe, die nah ans Feuer im offenen Kamin gerückt waren und gemächlich schmolzen. Wer stilecht Raclette essen will, muss nach Erlenbach. Und die Bouillabaisse wird irgendwann nachgeholt.

Freitag, 7. Januar 2022

Kapelle, Kirche, Kloster, Kreisel

Bei Waldibrücke. Hier sieht man den Pilatus und ...
... hat auch die weiter entfernte Rigi vor Augen.
Das war vorgestern eine schöne Wanderung. Auch wenn sie an einem unschönen Ort endete. Ich startete in Baldegg, ging südwärts, folgte zuerst dem Ufer des Baldeggersees und dann der Ron, verliess diese bei Urswil. Dort erfreute mich auf einem Kamm über dem Dorf eine alte Kapelle. In ihr machte ich halt, entkam so dem eiskalten Wind für einen Moment. Hinab nach Eschenbach, einem nicht besonders grossen Dorf mit einem gewaltigen Kloster und einer diesem in der Dimension ebenbürtigen Kirche. Und wieder hinauf auf den nächsten Hügel. Im Gebiet Huben erfreuten mich ein stilles Moos und ein Holzschnitzelweg, der meinen Gelenken wohltat. Ein kleiner Abstieg, dann erreichte ich den Waldibach und mein Wanderziel Waldibrücke, das aus Gewerbegebäuden und Wohnblöcken besteht, dem Trassee der Seetalbahn, einer stark befahrenen Strasse samt Kreisel und vielen Ampeln. Immerhin stellte ich fest: Man hat an diesem Ort wunderbar den Pilatus und die Rigi vor Augen. 
Die kleine, feine Kapelle von Urswil und ...
... wuchtiger Katholizismus in Eschenbach.

Donnerstag, 6. Januar 2022

Auf der Intensivstation

Alles schön, alles okay? An der Südspitze des Baldeggersees.

Den Mörder, liest man in Krimis, treibt es zurück an den Tatort. Mir geht es ähnlich. Mir als Wanderer, meine ich. Immer wieder denke ich nach einer Wanderung, dass ich gern grad noch einmal am selben Ort unterwegs wäre. Gestern fuhr ich nach Baldegg im Luzerner Seetal und startete dort, wo wir an Neujahr aufgehört hatten. Wieder erfreute mich der Baldeggersee, dessen Uferpartien weitgehend natürlich geblieben sind mit – stellenweise – breiten Schilfgürteln. Das Idyll trügt allerdings. Auf einem Plakat las ich, dass dieses Gewässer 1974 wegen massiver Überdüngung von allen Schweizer Seen den höchsten Phosphorwert aufwies. Vor allem Gülle und Mist waren daran schuld. Und sind es bis heute. Seit 1982 wird der Baldeggersee kontinuierlich beatmet. Würde man die Pumpe abstellen, verkäme er zur Kloake und stürben die Fische. Dieser schöne Mittellandsee liegt sozusagen auf der Intensivstation. Als Dauerpatient.

Mittwoch, 5. Januar 2022

Sehr kalt baden in Arosa

Stimmungsbilder aus Arosa von eisbadi.ch (Screenshot). 
In Arosa gibt es im Untersee seit Dezember eine "Eisbadi". Ein Loch im Eis, durch das man ins Wasser einsteigt. Also ich bin für so etwas zu weich. Aber falls hier ganz Harte Lust bekommen: Geht mal bitte hin, probiert das aus und berichtet mir dann, wies war! Gerne auch mit Fotos. Vielen Dank jetzt schon. Ah, ja, vielleicht ist dies ein Anreiz: Nach dem Eisbad kann man sich in einem Saunawagen aufheizen.

Dienstag, 4. Januar 2022

"Hie Österreich!"

Richensees mittelalterlicher Wohnturm ist derzeit eingerüstet.
Unteres Foto: Nienetwiler/Wikicommons

Richensee im Luzerner Seetal war ein habliches Städtchen. Bis es im Februar 1386 gebrandschatzt wurde, wobei 200 Menschen starben. Dabei wirkte jener Konflikt zwischen den Eidgenossen und den Habsburgern, der im selben Jahr in die Schlacht bei Sempach mündete. Richensee, wiewohl habsburgisch, hatte sich im Vorfeld den Eidgenossen angeschlossen, deshalb war es von seinen Herren zerstört worden. Obwohl die Eidgenossen dann im Kampf obsiegten, erlangte Richensee seine alte Bedeutung nicht mehr zurück. Heutzutage ist es Teil der grossen Gemeinde Hitzkirch. Der mittelalterliche Wohnturm bezeugt, dass es vormals ein wichtiger Adelssitz war. Hübsch ist die Sage, die mit dem Steinklotz verbunden ist. Eine junge Frau aus Richensee liebte den Ritter Konrad, der als Dienstmann der Habsburger im Turm wohnte. Aus der Schlacht bei Sempach kam er nicht zurück. Wenigstens nicht lebendig. Als die junge Frau eines Tages "Konrad, Konrad!" seufzte, stand er plötzlich vor ihr. In voller Rüstung, der Kopf von einem feindlichen Hieb gespalten, eine Stichwunde in der Brust. "Hie Österreich!", stöhnte der tote Konrad. Immer am 9. Juli, wenn um Mitternacht der Jahrestag der Schlacht beginnt, hört man angeblich diesen Kürzestdialog zweier Liebender. Da hatten wir am Neujahrstag, als wir vorbeikamen, natürlich keine Chance. Schade war, dass der Turm mit Blachen abgedeckt und eingerüstet war, so dass wir nicht viel von ihm sahen. Er wird grad für 700 000 Franken saniert.

Montag, 3. Januar 2022

Neujahr im Seetal

Blick über den Hallwilersee zum Lindenberg.
Vor Ermensee.
Der Himmel über dem Baldeggersee.

Viele Leute fuhren am Neujahrstag ja in die Berge. Unsereins blieb im Mittelland und war damit, finde ich, gut bedient. Ruhig wars im Seetal, das halb zum Kanton Aargau und halb zum Kanton Luzern gehört. Wir starteten in Boniswil, hielten hinab zum Hallwilersee, folgten dem Ufer bis zur Südspitze des Sees, gelangten über Ermensee und Hitzkirch zum Baldeggersee und gingen an ihm nach Baldegg. 22 Kilometer lang war die Strecke, wir brauchten für sie etwas mehr als fünf Stunden. Eine hübsche Unterbrechung war unser Apéro auf der Mannschaftsbank am Rand des Fussballplatzes des FC Hitzkirch mit Prosecco, Wein, Maischips, anderem Gebäck und Trockenfleisch. So richtig ausgiebig gefeiert wurde der erste Tag im 2022 später in der Zürcher Wohnung von Mitwanderin B., da degustierten wir uns engagiert durch ihren Vorrat an toskanischem Rotwein. Doch, das war ein toller Start ins Jahr. Das Wetter hatte entscheidend dazu beigetragen, indem es uns Abwechslung servierte. Wir hatten im ersten Viertel der Route Nebel, wussten aber stets, dass die Sonne, die als fahle Scheibe durchs Grau schon erahnbar war, sich durchsetzen würde. Das tat sie dann auch, so dass wir den Grossteil des Tages, die Rigi und den Pilatus vor Augen, im Licht unterwegs waren.

Sonntag, 2. Januar 2022

Ein erstes Mal gestaunt


Am Hallwilersee kämpften gestern Vormittag die Sonne und der Nebel gegeneinander. Durch den Dunst sahen wir am Ufer einen jungen Fischer auf seinem Boot. Wir unterhielten uns übers Wasser hinweg. Er müsse bald ins Militär und helfe bis dann seinem Vater, der halb Handwerker und halb Berufsfischer sei, erzählte der junge Mann. Danach zeigte er uns seinen Fang, einen Riesenhecht, rund 12 Kilo schwer. Wir staunten das erste Mal im Wanderjahr 2022.