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Mittwoch, 14. August 2013

Der Anruf kam in Lützelflüh

Ich startete gestern Dienstag um 8 Uhr 10 in Burgdorf, zottelte gemütlich der Emme entlang, passierte um 10 Uhr in Lützelflüh diesen Fischer - da klingelte mein Handy. Dran war ein namhafter Schweizer, dem ich am Vortag eine Nachricht hinterlassen hatte mit der Bitte um Rückruf. Doch, er hätte Zeit für das Interview zu dem vorgeschlagenen Thema, sagte er, "aber nur heute". Danach verreise er für zwei Tage. Ich freute mich, schlug 17 Uhr vor, beendete das Gespräch. Hernach drehte ich ab zum Bahnhof Lützelflüh-Goldbach, nahm den nächsten Zug, war um 13 Uhr wieder zuhause, duschte und bereitete alsbald das Interview vor. Es ist, finde ich, gut ausgefallen, morgen kann man es in der Zeitung lesen. So bewegt ist das Reporterleben. Meine Emmewanderung will ich irgendwann noch weiterführen.

PS: Sorry für die Geheimniskrämerei punkto Person und Thema. Redaktionsgeheimnis halt.

Dienstag, 13. August 2013

Garten Eden (AG)

Fricktal, du bist schön! Auf dem Hügel rechts der Mitte steht der Cheisacherturm.
Von Brugg via Bözberg, Sennhütten, Sulzerberg nach Laufenburg - eine weite, aber nicht sonderlich strenge Wanderung. Nicht zum ersten Mal kam mir das Fricktal vor wie ein Garten: das satte Grün sanfter Hügel, die reifen Äpfel, die Brombeeren an sonnenwarmen Halden. Man muss, man will da immer wieder hin - und es gibt halt für diese paradiesische Gegend kein besseres Adjektiv als mein altes, geliebtes "bukolisch".

Montag, 12. August 2013

Zweimal vertikal im Unterwallis

Wenn man um 5 Uhr 10 das Haus verlässt und vier Stunden reist, retour dasselbe, und das für eine Wanderung von gut drei Stunden, dann muss diese Wanderung schon toll sein, mit einem Versprechen locken, Sensationen bereithalten. Die Route Veysonnaz - Hérémence - Euseigne im Unterwallis leistet das locker. Insbesondere zwei himmelwärts strebende Monumente machten mir am Samstag, abgesehen von der lauschigen Bisse de Vex, grossen Eindruck.

Zum einen die Kirche von Hérémence, Hauptort des gleichnamigen Tals. Das Gros der Häuser ist aus geschwärztem Holz, die üblichen Chalet- und Speicher-Bejahrtheiten. Mitten drin sitzt das Gotteshaus aus Beton, ersonnen vom Architekten Walter Förderer, fertiggestellt 1970. Ist es schön? Ich glaube nicht. Ist es hässlich? Ich finde nicht. Kraft hat es, denke ich; man nennt den Stil nicht von ungefähr "Brutalismus". Die Wirtin vom Café du Relais in Euseigne, wo ich einkehrte, sagte mir: "Keine Kirche in der Gegend hat eine bessere Akustik."


Zum anderen bin ich froh, die Erdpyramiden von Euseigne nun endlich aus der Nähe gesehen zu haben; es war eine Begegnung mit religiösem Einschlag, eine Wallfahrt in Stein. Sie hocken am Eingang zum Val d'Hérens, ein wenig phallisch, sehr prähistorisch, dinosaurisch irgendwie; sie sind ein Zeichen der Ewigkeit, Boten des Beginns. Aber auch der Vergänglichkeit, denn irgendwann, in vielen Tausend oder auch Zehntausend Jahren, wird der eine oder andere Pfeiler einstürzen, oder ein Deckstein wird fallen. Aber solange sie da sind, Kappadokien im Wallis, bewirken sie Ehrfurcht.



Sonntag, 11. August 2013

Kleinlützel, die Fortsetzung

Ich schrieb kürzlich über den Dorfnamen Kleinlützel, der "Kleinklein" bedeutet. Offen blieb, wie es zu diesem Namen kam. Blogleser und Blogger Beat Studer fragte bei der Schnabelweid nach, der SRF-Dialektsendung, die einen Briefkasten unterhält. Redaktor Markus Gasser antwortete umgehend und kompetent:
Kleinlützel ist wirklich auf den ersten Blick ein sonderbarer Name, wenn man – wie offenbar Sie auch – weiss, dass „lützel“ ein altes deutsches Wort ist für „klein“.
Kleinlützel heisst also wörtlich „Kleinklein“.

Das ist so gekommen:
Zuerst hiess das Flüsschen die „lützelaha“ (ahd. *luzzilaha, zu ahd. luzzil = klein und ahd aha, mhd ach = Bach, also „Kleinbach“), in der romanisierten Variante die „lucelle“.
Der Name ging auf das alte Kloster ganz hinten im Lützeltal, heute direkt hinter der Grenze in Frankreich, über (gestiftet 1123 oder 1124): Kloster Lützel oder Lucelle.
Später gab es vorne, beim heutigen Dorf Kleinlützel, nochmal ein Kloster, zweitweise eine Frauenkongregation und viel kleiner als die Zisterzienserabtei weiter hinten (noch heute gibt es eine Kapelle und den Flurnamen „Chlösterli“ am Dorfrand).
Also wurden die zwei Klöster unterschieden in „Grosslützel“ und „Kleinlützel“.

Eine völlig logische Namengebungsfolge führt zu einem scheinbar völlig unlogischen Namen.
Der „Trick“: Im Moment, als der Name „Kleinlützel“ vergeben wurde, wurde „lützel“ nicht als Wort für „klein“ betrachtet, sondern als Klostername. Kleinlützel ist also einfach „das kleinere der beiden Lützel“.

Samstag, 10. August 2013

Visite à Euseigne

Die Erdpyramiden von Euseigne.
(Wikicommons/ Gabriele Delhey)

Heute fahre ich ins Unterwallis, meine neue Lieblingsgegend. Ich will die Erdpyramiden von Euseigne aus der Nähe betrachten. Ich sah sie kürzlich schon, von Hérémence aus, auf dem Weg zur Staumauer Grande Dixence. Aber da lagen ein paar Kilometer Luftlinie dazwischen. Eindrücklich muten sie an, diese Pfeiler; auf manchen hocken flache Steine. Erdgeschichtlich betrachtet handelt es sich um die Reste einer steil aufgestellten Moräne; manchenorts blieben die Decksteine erhalten. Mehr davon demnächst in diesem Blog.

Freitag, 9. August 2013

Kleinklein SO

Kleinlützel kommt in Sicht.
"Lützel" gibt es in einigen Schweizer Dialekten. In meiner Appenzellermundart etwa: "lötzel". Auch im Namen der Zürichsee-Insel Lützelau finden wir das Adjektiv, das dem Englischen "little" gleichkommt: "klein". Bedenkt man die Bedeutung, mutet der Dorfname Kleinlützel kurios an. Kleinlützel - ich kam dort am Dienstag nach einer Leichtwanderung an - ist ein Pleonasmus: Kleinklein.

Donnerstag, 8. August 2013

Roggenburg und der Berner Mutz

Verblichene Sympathie für Bern in Roggenburg BL.
Roggenburg BL, wo ich am Dienstag durchkam, gehörte lange zum Berner Jura. Im Vorfeld der Gründung des Kantons Jura stimmte es 1975 als deutschsprachige Gemeinde dafür, beim Kanton Bern zu bleiben; so geschah es denn auch. Doch dann sprach sich in den Achtzigern der Berner Amtsbezirk Laufen, dem Roggenburg nun angehörte, für einen Übertritt zum Kanton Basel-Landschaft aus. Roggenburg wollte nicht, war aber in der Minderheit, musste sich fügen und wurde zu Baselbieter Territorium. Von der Bernsympathie künden bleiche Wappen an den Wänden; manchenorts flattert trotzig die Fahne mit dem Mutz.