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Samstag, 6. Dezember 2014

Heute wirds autobiografisch

Das Wappen von Stein AR.
Der Bär ist - hüstel - nicht
wirklich geschlechtsneutral.

Gibts heute die aparteste aller Wettererscheinungen, den Schneeregen, dem mein Wanderfreund Thomas Schenk vor wenigen Jahren einen Roman widmete? Wir wollen von Herisau via Stein und Haslen nach Appenzell wandern, also vom hässlichsten Hauptort der Schweiz zum ver-disney-isiertesten. Für mich wird es zwischendurch ausgesprochen autobiografisch. In Stein bin ich aufgewachsen, es ist auch mein Bürgerort. Wir werden bei der Haltenweid ("Haltewäd" mit kurzem Ä) das Waldstück passieren, wo ich als Bub mit Freund Ernst Pfahlbauer spielte; wir überfielen jeweils seine Mutter, die Holz zersägte und Pöscheli band - Tannzapfenattacke unter grossem Geheul. Hernach kommt das Dorf, wo das Lädeli der Rechsteiners war, dessen Duft ich in der Nase habe: frischgemahlener Kaffee und Schoggi. Gleich daneben steht das Haus meiner Grosseltern, das heute ein B&B ist; im Brunnen vor dem Haus badeten wir. In der Kirche 50 Meter weiter wurde ich vom Pfarrer Steiner konfirmiert, der im Suhrkamp Verlag Gedichte veröffentlicht hatte und ein wortkarger Mann war. Und schliesslich die Schaukäserei und das Volkskundemuseum daneben; als das Museum eröffnet wurde, war ich freier Journalist der Appenzeller Zeitung. Ich schrieb den Bericht darüber, wie Alfred Defago als Chef des Bundeamtes für Kultur das Band durchschnitt. Last not least erwähnt seien all die Bauernhäuser von Wilen bis Würzen, denen ich damals die Post zutrug, mein Vater war Briefträger, ab und zu half ich ihm. Doch, die heutige Wanderung ist für mich eine besondere. Und eben, vielleicht gibt es Schneeregen.

Freitag, 5. Dezember 2014

1/18 ist schon geschafft!

Heute in der Zeitung von mir ein Porträt von Bänz Friedli. Was der alles kann, was der schon alles war und ist: Gemeindepolitiker (einst der jüngste Exekutivler der Schweiz). Italienisch-sehr-gut-Könner mit eigener Sendung im Berner Lokalradio. Juror des italienischen Cantautore-Preises "Premio Tenco". Musikjournalist. Kolumnist übers Pendeln (früher) und Hausmann-Sein (heute). Vater und Ehemann. Radiosatiriker bei der "Zytlupe". Kabarettist mit eigenem Showprogramm. Unglaublich. Der Titel des Artikels heisst darum auch: "Der Bänz ist überall." Ah ja, der Anlass: Friedli bekommt den Kabarettpreis Salzburger Stier für die Schweiz. Und noch ein lustiges Detail aus dem Text: "Bänz" ist im Berner Oberland ein Bergschaf.

Bald sieht der Boden so aus.
Und sonst? Nun ja, der Winter hat begonnen. Der Winter der Meteorologen, die in Kalendermonaten denken. Dezember, Januar, Februar also. Er dauert genau 90 Tage. Bereits habe ich meine Gewohnheit früherer Jahre wieder aufgenommen, die Wintertage zu zählen, die schon erledigt sind. Wir haben den 5. Dezember. Ha, bereits 5 Wintertage sind bewältigt (der heutige ist so angenehm, dass ich ihn schon am frühen Morgen als geschafft betrachte). Das heisst: 1/18 des Winters ist bereits durch.

Donnerstag, 4. Dezember 2014

Das Hinkehirschlein von Schwendi Kaltbad

Oh weh! Viele Autos an der Glaubenbergstrasse. Rechts das Hotel Langis.
Die Obwaldner im Tal der Sarner Aa haben es nicht leicht, dem Hochnebel zu entfliehen. Der Bahnbetrieb nach Lungern-Schönbüel zum Beispiel ist eingestellt: Konkurs der sogenannten "Panoramawelt". Gerne fahren die Talleute dann halt winters mit dem Auto auf den Brünig, um die Sonne zu besuchen. Oder auf die Passhöhe der Panoramastrasse, wie die Verbindung von Giswil nach Sörenberg heisst. Oder hinauf zum Glaubenbergpass, der von Sarnen ins Entlebuch führt.

Das Restaurant bei Schwendi Kaltbad.
Womit wir beim Nachtrag sind, den ich am Montag versprach, als ich über unsere Wanderung von Giswil nach Langis und Schwendi Kaltbad erzählte. Ich war schockiert, als wir am Samstag bei Langis aus eine Art Urwald auftauchten, die Glaubenberg-Passstrasse erblickten und gleich in der Vollzivilisation landeten: Der Parkplatz neben dem Berghotel Langis war ziemlich belegt, die Strasse stark befahren. Ich fand das grässlich. Gleiches gilt für die 20 Minuten zu Fuss von Langis nach Schwendi Kaltbad: viel Volk war unterwegs. Ein Gläuf.

Das Restaurant bei Schwendi Kaltbad, Stil Kanada-Lodge, war ensprechend gut belegt. Wir fanden es ungemütlich: Selbstbedienung, zugige Verhältnisse, Rummel. Und eine doch eher fantasielose Küche. Ronja hatte einen Cervelat vom Grill mit "Hüttlikartoffeln" bestellt. Es kam, jawohl, ein Cervelat. Sowie drei Kartoffeln in der Schale, die traurig auf dem grossen Teller hin und her kollerten; keine Sauce, kein Dip, kein auch noch so kleines Gemüse zur Garnitur. schon ein 08/15-Peterli hätte die Sache entscheidend aufgelockert und etwas Farbe in die Ödnis gebracht. Ein Königreich für einen Tomatenschnitz!

Aber eigentlich wollte ich gar nicht von diesem Restaurant erzählen, das sich offensichtlich keine Mühe geben muss, weil seine Lage abseits der Strasse im wunderschönen Hochmoor unter dem weiten Waldgrat ihm halt einfach das ganze Jahr über Autowanderer, Wanderer, Velofahrer, Langläufler, Schneeschühler und Winterspazierer zuspült. Sondern ich möchte kurz erwähnen, dass der Name "Kaltbad" mit der eisenhaltigen Quelle zu tun hat, die schon zu Beginn des 17. Jahrhunderts bekannt war. Ein Hirtenknabe soll gesehen haben, wie ein hinkendes Hirschlein den Lauf ins Wasser steckte und gesund wieder herauszog. Vor Ort entstand im Laufe der Zeit ein weitum bekanner Kurort mit einem Kurhaus. 1970 brannte dieses nach mehr als einem Jahrhundert gediegenen Badebetriebes ab. An die einstige Wellnesserei erinnert noch eine Plakette in der reizenden Kapelle neben dem heutigen Restaurant, siehe Foto.

Mittwoch, 3. Dezember 2014

Eulenparlament

Gestern gab es von mir im Tages-Anzeiger eine Seite über die Eule, einen Vogel zwischen Natur und Kultur. Die Eule interessiert einerseits zoologisch, hat zum Beispiel ein grossartiges Gehör oder auch eine bemerkenswerte Technik, ihre Jagdbeute zu verschlucken und zu verdauen. Und anderseits ist die Eule seit jeher ein Thema der Kunst; Picasso etwa malte Eulen noch und noch. Alles weitere lese man hier.

PS: Gewusst? Eulen sind eigentlich Einzelwesen, selten sieht man mehrere zusammen. Trotzdem gibt es exakt dafür ein eigenes Wort. Man nennt eine Eulengruppe nicht etwa Rudel, Schar, Schwarm. Sondern: Parlament.

Dienstag, 2. Dezember 2014

Wanderstöcke - das Pro nach dem Contra

Letzte Woche stand im Tages-Anzeiger ein süffig geschriebener Artikel zu einem zentralen Wander-Objekt zu lesen: dem ausziehbaren Gehstock. Geht es nach dem Südtiroler Markus Hölzl, einem ausgewiesenen Bergretter, sind Wanderstöcke des Teufels, weil sie Unfälle verursachen. Vor allem, indem die Leute über sie stolpern. Gestern nun erschien meine Replik auf kleinem Raum. Deren Hauptargument: Wer aufzählt, was für Unfälle Stöcke bewirken, der muss auch thematisieren, welche Unfälle Stöcke verhindern. Den Rest lese man hier selber nach.

Montag, 1. Dezember 2014

Oh du uriges Obwalden!



Unsere Obwaldenexpedition am Samstag war eine der strengsten Wanderungen des Jahres. Weder die Länge (6 1/2 Stunden Gehzeit) noch der Höhenunterschied (1140 Meter aufwärts, 840 abwärts) machten es aus. Sondern das Gelände, das ungeheuer ruppig war mit Bodenlöchern und Wellenhügeln, glitschigen Steinwegen, immer neuen Bachrüfen und abschüssigen Waldpfaden durch menschenleeres Terrain, die Kollegin Ronja ausriefen liessen: "Das ist kein Wanderweg, das ist ein Wildwechsel." Dazu passte, dass die Route sehr schlecht signalisiert war; wir hatten den Eindruck, dass die Obwaldner keine Wanderer wollen.

Aber schön war das wie selten. Apart. Nordisch, irgendwie à la Lappland mit stillen Hochebenen, federnden Moorböden, erschlafftem Sumpfgras, Hirschspuren, Wald bis zum Horizont. Und mit einer Sonne, die wir uns in anderthalb Stunden Aufstieg ab Giswil eroberten, um sie erst kurz vor Stalden wieder preiszugeben, als es ohnehin einnachtete. Schön auch der Schluss dort im Restaurant Rössli, wo wir mit nassen Haaren ankamen, weil draussen nun der Nebel wieder waberte mit feuchter Kraft. Wir tranken ein Bier und stellten fest, dass sie auf dem Land nach wie vor jassen, manchmal hocken um die vier Spieler zehn andere, die ein bisschen zuschauen und plaudern. Das war gemütlich. Mein Dorfherz war berührt.

Die Route: Giswil - Grossteil - Bünten - Eichbüel - Hirtbüel - Aspli - Teilerenschwand - Selischwand - Gschwend - Münchenboden - Ochsenalp - Langis - Schwendi Kaltbad - Langis - Steinwurf - Hohnegg - Holenbachet - Schälfgraben - Hüslimatt - Brend - Enetdornen - Schwanden.

PS: Bald etwas mehr zum Ort, wo wir zu Mittag assen, Schwendi Kaltbad.


Sonntag, 30. November 2014

Wir armen Sunrisianer

Die Karte baut nicht auf, der Wanderweg verläuft durch ein Niemandsland und endet im Nichts, das einzige, was auf dem Bildschirm arbeitet und fröhlich blinkt, ist der grünweisse, per GPS gelieferte, meinen Standort anzeigende Punkt. Das passiert mir immer wieder, irgendwo da draussen. Vor wenigen Monaten hat meine Firma den Handyprovider gewechselt: von Swisscom zu Sunrise. Als Teilnehmer des Firmennetzwerkes stelle ich fest: In Stadt und Agglo ist mir der neue Provider kein Problem. Aber auf dem Land versagt der Empfang bei Sunrise sehr viel öfter als bei Swisscom. Sunrise: für navigierende Wanderer ungeeignet.

PS. Gestern in Stalden, einem Dörflein hoch über Sarnen, wo unsere Wanderung endete, hatten wir Sunrisianer gar keinen Empfang. Der Kollege mit Swisscom war voll verbunden.