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Samstag, 13. Dezember 2014

Heute wird geweihnachtswandert

Heute findet die Weihnachtswanderung meines lieben Fähnleins Fieselschweif statt mitsamt dem anschliessendem Nachtessen. Zehn Leute sind angemeldet. Es gibt Zürich-nah eine sechsstündige Wanderung (wobei man auch erst in der Mitte dazustossen kann). Einen Apero (nach gut fünf Stunden). Und eine Schifffahrt (von Meilen nach Zürich, mit Zweitapero). Ich freue mich, man wird auf das Wanderjahr anstossen, das unglaublich viel offeriert hat und am 1. Januar schon gut begann mit der Route von Kerzers nach Biel.

PS: In eigener Sache sei mitgeteilt, dass ich im neuen Jahr Tagi-intern wechseln werde - vom Hintergrund/Analyse-Ressort in den Zürichteil. Warum? Journalisten sind in der Regel Glücksritter und mögen es mobil. Ich wurde von meinem Chef und Kollegen, der wechselt, gefragt, ob ich mitkommen wolle, und hatte Lust. Immerhin war ich jetzt sechs Jahre Hintergründler (in der letzten Zeit auch Teamleiter). Meine Wanderkolumne im Kultur-Gesellschafts-Bund ist nicht tangiert und läuft fröhlich weiter.

Freitag, 12. Dezember 2014

Ebersecken bleibt handyfrei

Ebersecken, schrieb ich vor längerem, ist ein Unikat im Kanton Luzern: eine Gemeinde ohne Handy-Empfang. Vor einiger Zeit spannte man dort deshalb mit der Swisscom zusammen und plante, ausserhalb der Bauzone, den Bau einer 25 Meter hohen Antenne. Die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz erhob Einsprache und bekam kürzlich vor Kantonsgericht recht. Jetzt, hörte ich eben im Radio, überlegen sich Ebersecken und Swisscom offenbar, die Sache vors Bundesgericht weiterzuziehen. Sicher ist das aber noch nicht. Und jedenfalls bleibt Ebersecken vorerst ein handyfreier Flecken. Was ja auch seine Vorzüge hat.

PS: Weiss jemand, was Hrywna ist? Flotzmaul? Ein mechanischer Fallblattanzeiger? Heute gibt es von mir in der Zeitung eine Seite mit Wörtern, die ich im 2014 als Zeitungsleser neu gelernt habe.

Donnerstag, 11. Dezember 2014

Wolke Nummer sieben

Aristoteles, antik römische Büste nach
griechischem Vorbild. (Wikic./Jastrow)
Hier ein wenig historische Himmelskunde. Man sagt, jemand schwebe auf Wolke Nummer sieben oder im siebten Himmel. Warum? Hat mit der Antike zu tun, mit Aristoteles. Er sah den Himmel als Abfolge von sieben übereinandergestülpten, durchsichtigen Schalen oder Gewölben. In jedem dieser Himmel oder Sphären bewegte sich ein Planet: Mond, Merkur, Venus, Sonne, Mars, Jupiter, Saturn. Damit verband sich dann auch eine Farbenlehre, denn jedem Planeten war eine Farbe zugeteilt, Mars etwa war rot. Der siebte Himmel nun ist der von uns am weitesten entfernte Himmel.

Das ganze Konzept wanderte hernach durch die Epochen und Weltgegenden. Es taucht etwa auch im Koran auf, Sure 13, Vers 2: 
"Gott ist es, der die sieben Himmel erhöht hat ohne Säulen,  die ihr seht, alsdann setzte Er sich auf den Thron und zwang zum Frondienst Sonne und Mond. Alles eilt zu einem bestimmten Termin. Er lenkt alle Dinge; Er macht die Zeichen klar."

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Gut gemacht, Micha und Tobias

Brücke 26: die alte Hundwilertobel-Brücke, auch "sprechende
Brücke" genannt, weil sie mit allerlei Inschriften bemalt ist.
Urnäsch ist eine Gemeinde, die Urnäsch ist der dazugehörige Ausserrhoder Fluss. Sie entspringt auf der Schwägalp unterhalb des Säntis. Sie mündet nach 20 Kilometern in die Sitter. Und sie hat einen eigenen Internetauftritt. Urnäscher Schüler erstellten die Site während einer Projektarbeit. Eine gute Sache, besonders mag ich die Rubrik "Brücken", unter der alle 28 Übergänge über die Urnäsch aufgelistet und fotografiert sind. Gut gemacht, Micha und Tobias, ich hoffe, ihr bekamt dafür eine Spitzennote!

Dienstag, 9. Dezember 2014

Pogrom bei den Aargauern


Die Synagoge von Endingen.
Es gibt in der Geschichte nicht nur die grossen Kriege, sondern auch unzählige Kleinkonflikte und Regionalscharmützel. Hierzulande ist da etwa der Zwetschgenkrieg. Hinter dem nicht unpoetischen Namen versteckt sich ein Übergriff gegen die Aargauer Juden im Jahre 1802. Ich erinnerte mich an diese Episode, als ich vor einiger Zeit in Endingen AG durchwanderte. Dieses und der Nachbarort Lengnau waren im 18. und 19. Jahrhundert die einzigen Schweizer Dörfer, in denen sich Juden niederlassen durften. Das war schikanös, indem es sie in ihrer Mobilität stark hemmte; auch mussten sie sich regelmässig mit sogenannten Schutz- und Schirmbriefen "freikaufen". 1798 marschierten Napoleons Truppen in die Schweiz ein, kippten das Ancien Régime und lancierten die Helvetische Republik. Die Durchschnittsbevölkerung im Aargauischen hasste die neue Ordnung der Franzosen, wohingegen die meisten Juden sie begrüssten; wie auch nicht - die alten Zwänge waren nun abgeschafft. Im September 1802 fiel eine Horde von Leuten aus den Nachbardörfern über Lengnau und Endingen her, verschonte die christlichen Einwohner, plünderte hingegen schamlos die jüdischen Haushalte. Der Zwetschgenkrieg.

Montag, 8. Dezember 2014

Als seien wir Heugabeldiebe

Es weihnachtet. Auch im Appenzellerland.
Kalt war es am Samstag. Und den ganzen Vormittag nebelte und nieselte es, was Herisau nicht schöner machte, den Ort, wo wir starteten. Bis wir am späten Nachmittag in Appenzell einliefen und uns bei Regula Dörig in der Linde unser Appenzeller Menü mit Brotsuppe, Salat, Siedwurst und Chäs-Chnöpfli zuführten, hatten wir:
  • vier Töbel durchquert sowie einen Nagelfluh-Abgrund am Hang des Sonderbachs bewältigt, über den ein Gruselsteg führt.
  • die Villa von alt Bundesrat Hans-Rudolf Merz mit Säntisblick passiert (vom Säntis war rein gar nichts zu sehen).
  • den Dorfplatz von Stein besichtigt, wo einst meine Grosseltern lebten.
  • das Volkskundemuseum ebenfalls in Stein besucht und uns die Appenzeller Sennenkunst und anderes auf drei Etagen angeschaut; mehr davon bald in einem eigenen Eintrag.
  • mehr grüne Wiesen gesehen, als ein Mensch im Tag eigentlich fassen kann.
  • uns mit einem Kläffblässli duelliert, das nicht weichen wollte und uns mit einem Ingrimm verbellte, als seien wir gekommen, Heugabeln zu klauen.
Am Schluss waren wir dann doch knapp 5 1/2 Stunden gelaufen (714 Meter aufwärts, 674 abwärts). Die Route: Herisau Bahnhof - Kreckel - Sedel - Egg - Churzenberg - Hundwiler Tobel - Moos - Sonderbach-Steg - Wilen - Haltenweid - Stein Dorf - Stein, Volkskundemuseum und Schaukäserei - Langenegg - Horgenbühl - Würzen - Steg über die Sitter - Haslen - Nördli - Honegg - Rüti - Lankerholz - Anker - Rässenau - Münz - Appenzell Dorf - Appenzell Bahnhof.
Bald ist hier alles vereist: Steg über die Sitter zwischen Stein und Haslen.

Sonntag, 7. Dezember 2014

Die 30 000 Jahre alte Eule

Stilsicher eingefangen: die Eule in der Chauvet-Höhle. (Wikicommons)
Wahnsinnig. Diese Eulenzeichnung ist gut 30 000 Jahre alt. Sie wurde in der Chauvet-Höhle im Ardèche-Tal in Südfrankreich entdeckt - eine von gut 440 Tierdarstellungen. Frappant die Stilsicherheit des prähistorischen Künstlers, der es mit wenigen Gravurstrichen schafft, den Vogel unverwechselbar zu bannen. Ich stiess auf die Zeichnung, als ich mich im Internet ein wenig über Eulen informierte. Danach schrieb ich einen Artikel über Eulen, auf den ich hier bereits hingewiesen habe.

Und gleich noch eine Eule. Sie fotografierte ich gestern im Appenzeller Volkskundemuseum in Stein AR. Sie ist Teil einer bemalten Appenzeller Bauernhauswand von 1598.