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Donnerstag, 14. April 2016

Der Wolf und die Hühner

Der soll mir ja nicht die Hühner fressen! (Wikicommons)
Gestern rissen die Hühner meiner Schwester aus. Vielleicht war es der Donnerschlag gegen den frühen Nachmittag. Jedenfalls, als ich von auswärts zum Hemetli (es liegt zwischen Bühler und Trogen) zurückkam, spazierte der Güggel ausserhalb des Geheges herum; er musste über den Elektrozaun gesprungen sein. Ich musste die Türe zum Stall öffnen, um ihm die Chance zu geben, wieder ins Gehege zu kommen. Stattdessen begann er wild zu krähen, worauf ihm die vier Hennen folgten und durch die offene Tür ebenfalls ins Freie entflohen; das ging blitzschnell. Das Quintett spazierte dann den ganzen Nachmittag ums Haus und bis zum Nachbarhof und pickte wild in den Wiesen, bis es sich gegen Abend doch wieder ins sichere Geviert scheuchen liess - wenn es dunkel wird, begehren Hühner einen sicheren Ort. Uff. Gleichentags las ich auf "20 Minuten", dass gleich hier, einen guten Kilometer entfernt bei der Wissegg, im März ein Wolf gesichtet wurde, der auf dem Gebiet der Gemeinde Trogen ein Reh gerissen hatte. Gut möglich, dass er sich immer noch in der Gegend aufhält. Ich glaube, ich muss das Federvieh gut im Auge behalten in den nächsten Tagen.

Mittwoch, 13. April 2016

Süd-Appezeller, Olio-Petrolio, Maiser

Grün-Weiss-Rot: Italiens Flagge.
Dass eine Negativbezeichnung sozusagen umgedreht wird, gibt es ab und zu. Der "Tschingg" war ein Schimpfwort, die Schweizer - und dazu die Schwaben und Vorarlberger - nannten so die italienischen Einwanderer. Das Wort, das bei uns so circa zur Zeit des Baus der Gotthard-Bahnlinie in Umlauf kam, rührt von italienisch "cinque" (fünf), einem Ausruf bei einem Spiel. Später verkehrte sich das Image der Italiener hierzulande dann ins Gegenteil, sie standen irgendwann für den Lebensgenuss, den sie uns beibrachten. Heute gibt es in Zürich einen Take-Away-Italiener mit drei Filialen, der sich selbstbewusst "Tschingg" nennt.

PS. Zürichs "Tschingg" liefert auf der eigenen Homepage eine Liste mit anderen Namen der Schweizer für "Italiener" - die Klischees jagen sich:
  • en Funghi
  • en Gotthard-Chines
  • en Grüen-Wiss-Roote
  • en Hörnli-Bohrer
  • en Maiser
  • en Makkaroni
  • en Marroni-Brätler
  • en Olio-Petrolio
  • en Paulino
  • en Pizza-Beck
  • en Ramazzotti
  • en Salami-Stampfer
  • en Salami-Tröchner
  • en Spaghetti-Frässer
  • en Süd-Appezeller
  • en Südtessiner
  • en Zitrone-Schüttler

Dienstag, 12. April 2016

Selber kocken in der Capanna Cadagno

Ich meine es nicht bös, ich muss bloss immer grinsen, wenn ich solche Übersetzungen lese. Die beiden Müsterli habe ich von der Homepage der Cadagno-Hütte. Sie liegt oberhalb des Ritom-Stausees in der oberen Leventina.

Montag, 11. April 2016

Pirenne im Puurehuus

Der kann es!
Die Völkerwanderungen und der Untergang Roms bringen auch einen Kulturzerfall mit sich. Im achten Jahrhundert kann in Europa genau ein Berufsstand noch lesen und schreiben: die Geistlichen. Die Kleriker. Und deswegen heisst die Schreibkraft im Büro bis heute clerc auf Französisch und clerk auf Englisch.

Das Frankenreich Karls des Grossen grenzt im Osten an den Läufen der Saale und Elbe an die Stammesgebeite der Wenden, Sorben und Obotriten; im neunten und zehnten Jahrhundert kommt es dort zu einem kurzen Aufleben der Sklaverei. Besagte in Gefangenschaft geratene Stämme sind Slawen, von daher rührt mit grosser Wahrscheinlichkeit unser Wort Sklave.

Beide Dinge habe ich einem Buch entnommen, das ich derzeit im Hemetli im Appenzellerland mit viel Vergnügen lese:"Europa im Mittelalter" von Henri Pirenne, einem grossen belgischen Historiker. Das Buch bietet eine Gesamtschau dies Mittelalters. Pirennes Sohn gab es 1936 postum heraus. Pirenne war im Ersten Weltkrieg in Deutschland in einem Internierungslager festgesessen. Dort hielt er, ohne Zugriff auf eine Bibliothek, aus dem Gedächtnis heraus Vorlesungen für Kriegsgefangene. Die Manuskripte ergaben später das Buch.

Sonntag, 10. April 2016

Der Überraschungsgast

Stillleben in der Hohen Buche.
Gestern wars winterlich im Ausserrhodischen.
Keine Angst, ich werde jetzt nicht jeden Tag von meinem neuen Buch erzählen. Aber heute schon. Ich sitze für ein paar Tage im Hemetli der Schwester in Bühler und hüte dieses samt den Tierli. Gestern liess ich das Wandergrüppli zu mir wandern, ich bestellte sie in die Hohe Buche, ein Restaurant zwischen Trogen und Bühler. Das Wetter war garstig, kalt mit etwas Schnee. Als ich am Mittag im Restaurant eintraf, waren sie alle schon da. Ich sah zuerst nicht viel, weil meine Brille extrem anlief. Als ich sie dann sah, stellte ich fest, dass unter ihnen einer sass, mit dem ich nicht gerechnet hatte. Ein Überraschungsgast. Einer meiner zwei Verleger vom Echtzeit Verlag, Wendelin Hess. Die hatten im Grüpplein ohne mein Wissen organisiert, dass er mitkam. Und was hatte er dabei? Mein Buch, das ich noch nicht gesehen hatte. Alles sehr toll.

Samstag, 9. April 2016

Nebensache Munot

Auf dem Munotstieg. Unten das Allerheiligen-Münster.
Das Münster, dunkle Romanik.
Der Kreuzgang von Allerheiligen ist riesig.
Rekonstruierte Grabstätte des
Geschlechts der Nellenburger im
Münster. In der Mitte Graf Eberhard,
der Allerheiligen stiftete und darum
ein Kirchenmodell im Arm hält.
Vor bald zwei Wochen war ich in Schaffhausen, eine Verabredung. Ich war eine Stunde früher angereist und schaute mir in dieser freien Zeit wieder einmal den Munot an. Und danach das Allerheiligen-Münster unten in der Altstadt, das ich noch gar nicht kannte. Allerheiligen ist riesig; so hiess die grosse, 1049 gestiftete Benediktiner-Abtei. Das zugehörige Münster gilt als grösste romanische Kirche der Schweiz, der Kreuzgang ist gleichermassen der grösste der Schweiz. Ich war beeindruckt, habe mir fest vorgenommen, bald wiederzukommen und mehr Zeit mit der Besichtigung der Allerheiligen-Bauten samt Museum zu verbringen, und finde grundsätzlich: Das Munot ist letztlich nur eine tumbe Haudrauf-Burg. Wirklich eindrücklich ist in Schaffhausen das Münster. Plus einige andere Häuser, auf die ich hier bald auch eingehen will.

Freitag, 8. April 2016

tiers auf der lanstros

Sprachen Graubündens. Blau ist Deutsch, Grün Italienisch, der Rest sind
rätoromanische Idiome. (Wikicommons)
Ich erwähnte den Sammelband "Der Bischof als Druide" von Peter Egloff schon einmal; in jenem Eintrag ging es um einen ziemlich speziellen Pater des Klosters Disentis. Hier möchte ich einen weiteren der kurzen Texte des Bandes erwähnen, er heisst "Orsal e harabet". Egloff, der in der Surselva wohnt, sagt, dass er sich darüber ärgert, dass den meisten Leuten zum Thema Vierte Schweiz bloss dies einfällt: Das Rätoromanische stirbt. Oder aus Rätoromanen-Sicht: Wir ertrinken im Deutschen. Egloff gewinnt gerade der Vermischung der zwei Welten Positives ab. Konkret sagt er über das Deutsche und das Rätoromanische, die beiden hätten "miteinander eine Schar lustiger, zappelmunterer Kinder gemacht - Sprösslinge, die von einer originellen, vergnügten und ausgesprochen sinnlichen Liaison zeugen". Als Beleg bringt er eine Reihe von Wörtern, die sehr rätoromanisch klingen und doch deutscher Herkunft sind. Hier Müsterchen:
  • batlini (Bettleinen, Bettleintuch)
  • brastuoc (Brusttuch)
  • gl'orsal (die Jahrzahl am Haus, Brunnentrog, Ofen)
  • harabet (Karrenbett; eine Truhe auf Rädern, die man unter dem Bett verstaut)
  • lanstros (Landstrasse)
  • tiers (Tiere)