Gesamtzahl der Seitenaufrufe

Sonntag, 14. Oktober 2018

Endlich!

Endlich! Kürzlich jammerte ich hier, dass seit gefühlten Ewigkeiten auf der Strecke St. Gallen - Teufen statt der Appenzeller Bahn ein blöder Ersatzbus verkehrt - nervig! Nun, seit einer Woche ist das vorbei, die Schienen sind wieder verlegt und der neue Ruckhaldetunnel zwischen St. Gallen und dem Riethüsli eingeweiht. Gestern morgen fotografierte ich am Bahnhof St. Gallen die Bahn, die nun wieder fährt, das Ding links daneben, das ist die Trogenerbahn. Bald werden die zwei sich vereinigen, denn im Dezember steht der zweite Modernisierungsschritt an, dann entsteht eine Durchmesserlinie. Nachdem ich fotografiert hatte, fuhr ich gestern Richtung Teufen - in einer total neuen Komposition, übrigens, deren Polster noch nach Fabrik rochen. Das Fahrgefühl ist völlig anders, früher ruckelte, zuckelte, schnaufte das Bähnli zahnradmässig ins Riethüsli hinauf. Im neuen Tunnel wird die Strecke schneller und unspektakulärer zurückgelegt. Unromantischer auch. Effizient halt. Aber hey, ein bisschen schneller ins Appenzellerland kommen ist immer gut. A propos: Könnte man bitte gelegentlich die Strecke Gossau - Herisau - Waldstatt - Urnäsch - Appenzell - Wasserauen beschleunigen? Schweizerdeutsch gesagt, bekommt man ja Vögel, bis man endlich am Alpstein ankommt und loslaufen kann. Mir würde eine Art Metro vorschweben. Appenzeller Bahnen, bitte planen!

Samstag, 13. Oktober 2018

Zwei Brüder namens Lü und Gü

Jö, Lü!
(Foto: Adrian Michael/ Wikicommons)
Lü ist ein Dorf im Val Müstair, Kanton Graubünden. Und Gü ist ein Flurname, den es laut der Datenbank der Schweizer Ortsnamen in der Schweiz gleich mehrfach gibt, zum Beispiel in Küsnacht im Kanton Zürich. Lü und Gü zusammen - das klingt wie ein chinesisches Brüderpaar. Und jetzt wünsche ich allen ein schönes Wochenende, das Wetter ist ja wieder einmal sehr gut. A propos: Gibt es neben mir noch andere Leute, die finden, es dürfte jetzt dann mal zwei, drei Wochen am Stück regnen?

Freitag, 12. Oktober 2018

Die sirachende Prättigauerin

Ich mag die Schweizer Spitzenkletterin Nina Caprez nur schon wegen ihres Prättigauer Dialekts: "D Wand wartet uf ünsch", sagt sie in diesem knapp halbstündigen Film. Zur Hauptsache wird darin freilich Französisch gesprochen, da Caprez mit ihrem französischsprachigen Gefährten Cédric Lachat unterwegs ist. Und zwar in Nordspanien im Picos-de-Europa-Gebirge, wo die Wand des Orbayu wartet. Die ist brutal schwierig, und unberechenbarer Nebel nervt, so dass Nina wieder einmal ausgiebig zum Sirachen kommt. Wirklich amüsant, diese Extremkletterei.

Donnerstag, 11. Oktober 2018

Museum statt Bergweg

Eigentlich sollten hier Fotos von der Bergroute Tällihütte (Gadmen) - Sätteli - Engstlenalp zu sehen sein, Bilder also aus der Region Susten/Haslital. Ich wurde gestern auch pünktlich wach, hätte also durchaus um 5 Uhr 10 zu der langen Anreise aufbrechen können. Bloss - ich hatte Halsweh und fühlte mich nicht wirklich fit. Also machte ich mir einen ruhigen Vormittag im Bett. Gegen Mittag dann rappelte ich mich auf, fuhr nach Aarau und schaute mir im Aargauer Kunsthaus die Ausstellung "Surrealismus Schweiz" an. Was für ein Spektakel! 400 Werke, vorwiegend Gemälde und Plastiken, sind zu sehen aus dem Zeitraum von 1920 bis 1950. Sie zeigen, dass surrealistische Gefühle auch hierzulande wallten in einer Zeit, die eigentlich Heimatkult und geistige Landesverteidigung und Dienst an der Scholle propagierte. Nachtschwarze Visionen, Traum- und Alptraumbilder, zerfliessende Gegenstände, erotische Stillleben, afrikanische Reminiszenzen, psychedelische Visionen sind in der Ausstellung zu sehen. Sie begeisterte und überforderte mich, ich will noch einmal hin, in einem Besuch ist das gar nicht alles zu bewältigen. Bis 2. Januar 2019 ist  es noch möglich. Hier eine gute Besprechung.

Mittwoch, 10. Oktober 2018

Bitte noch ein' Teller voll!

Riesenanlage: Das Gurnigelbad auf einer Postkarte, circa 1900.
(Wikicommons)
Ich würde lügen, würde ich behaupten, ich hätte den grossen Bildband über das Gurnigelbad schon von A bis Z gelesen. Aber durchgeblättert habe ich die Neuerscheinung "Gurnigelbad - Die Stadt im Walde" von Christian Raaflaub und finde die Geschichte faszinierend. Drei schwefel- und eisenhaltige Quellen gibt es in der Gegend des Bades im Bergland westlich von Thun auf Boden der Gemeinde Riggisberg; die Quellen bewirkten es, dass sich im 19. Jahrhundert ein florierender Hotelbetrieb ergab, nach einem verheerenden Brand im Jahr 1902 kam es zum Neubau. Von den riesigen Häusern ist nicht viel übriggeblieben, man kennt diese Niedergangsgeschichten einstiger Kurherrlichkeit von anderswo, immerhin gibt es bis heute den Berggasthof Gurnigelbad. Witzig fand ich im Buch das achtstrophige Gedicht "Gurnigelsuppe"; dabei handelte es sich um eine mit allerlei Zutaten wie Gerste angereicherte Bouillon aus Rinds- und Kalbsknochen, die einst den Badegästen schon zum Frühstück gereicht wurde. Das Gedicht beginnt so:
"Von des Stockhorns Felsenkuppe/ Bis zum feinsten Maulwurfsknoll/ Lebe Hoch Gurnigelsuppe! Bitte noch ein' Teller voll!"

Dienstag, 9. Oktober 2018

Das Kastell von Zürich

Der Lindenhof liegt etwas erhöht über dem linken Ufer der Limmat mitten in Zürich, er ist einer der frühen Orte der Stadt. Eine keltische Siedlung ist nachgeweisen, später bauten die Römer ein Kastell, es folgten im frühen Mittelalter zwei Pfalzgebäude, das erste gehörte noch der Zeit Karls des Grossen an. Heute ist der Lindenhof nicht mehr befestigt. Auf der baren Fläche wird Boule gespielt, die Touristen fotografieren die schmucke Zunfthauszeile auf der anderen Seite der Limmat und das blaue Tram. Kürzlich war ich oben und betrachtete fasziniert eine Serie didaktischer Plakate, die die verschiedene Bebauungs-Stadien des Lindenhofs zeigen. Eines dieser Plakate, das mit dem römischen Kastell, habe ich fotografiert. So sah Zürich einst aus.

Montag, 8. Oktober 2018

Fleisch und Pilz

Im Kühlraum von Luma. Foto oben: Beef mit Pilzmantel.

Lucas Oechslin erzählt und erklärt.
Kennen alle Luma? Ja, Beef! Der Firmenname setzt sich zusammen aus den ersten zwei Buchstaben der Vornamen der beiden Firmengründer Lucas und Marco. Luma ist acht Jahre alt, handelt mit gutem Rindfleisch, hat zudem ein Patent darauf, einen bestimmten Schimmelpilz auf Fleisch anzusetzen; der Pilz dringt in das Fleisch ein, verändert es, veredelt es, macht es zart - Luma Beef, ein Luxusartikel, ein gefragtes Produkt, das immer wieder mal in den Medien auftaucht. Am Samstag waren wir zu zwölft in Neuhausen, wo die Firma zuhause ist. Lucas Oechslin himself nahm sich Zeit, erzählte uns alles über den Schweizer Fleischmarkt, den Pilz seines Vertrauens und dessen Wirkweise, über Enzymschnitte und Moleküle, über den biologischen Zerfallprozess von Fleisch, über Rinderzucht hierzulande, in Amerika, in Spanien; ah ja, Luma hat mittlerweile einen Ableger in der EU, in Leipzig. Nach dem Vortrag und der Diskussion ging es in die Kühlkammer, wo das Fleisch lagert, wir trugen alle Schuhüberzieher, Haarhäubchen und Plastikmänteli. Und dann zogen wir in den nahen Wald, Lucas feuerte an, legte verschiedene Stücke auf den Grill, wir degustierten, herrlich. Wie das zustandekam? Freundschaft, ein Journalistenfreund von mir kennt Lucas gut. Am Ende wanderten und verdauten wir, indem wir von Neuhausen via den Rheinfall nach Schaffhausen gingen. Es war ein lebhafter, genussvoller und sehr lehrreicher Tag.
Später im Wald von Neuhausen.