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Sonntag, 7. Juli 2019

Tamina unscharf

Familie posiert. Esther fotografiert.
Am Donnerstag war ich mit Kindern unterwegs. Mit Lily, 5, und Mika, 8. Ihre Eltern waren auch dabei, die vier leben in Zürich. Sie hatten sich mir zur Verfügung gestellt für eine Wanderreportage, die wiederum Lust auf den diesjährigen Nationalen Wandertag der "Schweizer Familie" in Bad Ragaz am 7. September machen soll. Zu sechst - mit dabei war auch die Fotografin Esther Michel - gingen wir von Bad Ragaz das Badtobel hinauf zum Alten Bad Pfäfers, besichtigten die Taminaschlucht, gingen hernach zur Naturbrücke über die Tamina, wechselten die Flussseite, stiegen steil auf und hielten wieder hinab Richtung Bad Ragaz - diese Route ist eine der drei offiziellen am Wandertag. Mein Foto stammt aus der Taminaschlucht. Ja, es ist unscharf. Ich will ja nicht meine Reportage am 15. August im Heft bedrängen.

Samstag, 6. Juli 2019

Wo wohnt der Keller, fragt der Keller

GK in der "Schweizer Familie", die erste von drei Doppelseiten.
Zur "Schweizer Familie" von dieser Woche habe ich einen Artikel über Gottfried Keller beigesteuert, der vor 200 Jahren (am 19. Juli) geboren wurde. Ich stelle 50 Fragen, die ich gleich selber beantworte; bei den schwierigeren habe ich Experten zurate gezogen oder zitiere sie. Mir machte es Spass, noch einmal ausgiebig im Werk des grossen Zürchers zu lesen, aber auch anhand von Biografien und Aussagen der Zeitgenossen Kellers Charakter zu ergründen. Lustig finde ich eine Anekdote zum Dichter als Trunkenbold. Keller soll einmal auf dem Heimweg im Niederdorf nah seiner Wohnung in berauschtem Zustand einen Passanten gefragt haben, wo Gottfried Keller wohne. Alles Weitere findet man im gedruckten Heft.

Freitag, 5. Juli 2019

Vier Männer und das Wanderschaf

Aufstieg von Crémines zur Bergerie de l'Eschert. Dort nahmen wir den Apéro.
Ein Nachtrag zum Eintrag von gestern. Als wir am Mittwoch zu fünft im Berner und Solothurner Jura wanderten, war das auch ein Gipfeltreffen der ... - schwer, das richtige Wort zu finden. Der Leute halt, die nicht nur wandern, sondern auch übers Wandern schreiben oder dieses beruflich betreiben. Mit machten neben mir:
  • Fritz "WanderFritz" Hegi. Er kam hier auch schon vor, er hat ein eigenes Wandergrüppli, hat Wanderbücher verfasst und kolumniert im "Wandermagazin Schweiz".
  • Toni Kaiser ist der Chefredaktor ebendieses Magazins. Dort schreibt er viel und bringt ausgesprochen schöne und stimmungsreiche Fotos, die er selber gemacht hat. Bücher hat er auch publiziert. Auch Toni kam in meinem Blog schon vor.
  • Peter Lukas Meier ist Tonis früherer Chef, der sich unterdessen vom Wandermagazin zurückgezogen hat. Er ist ein begeisterter SAC-ler und auch bei der Weissenstein-Gondelbahn engagiert.
  • Sabine Schäfer war die Frau im Grüppli. Sie ist Wanderleiterin mit eidgenössischem Fachausweis und leitet als solche regelmässig Wanderwochen bei WeitWandern. Als Bloggerin hat sie sich den lustigen Namen "Wanderschaf" zugelegt.

Donnerstag, 4. Juli 2019

Chillen im Solothurner Jura

Andi, der Wirt im Oberdörfer. serviert zum Abschied ein Bonbon.
Widmer entspannt sich (sollte er mehr tun).
Unsere kleine Vorspeise.
Man kommt heim, ist müde und verschwitzt, muss duschen und will dann nur noch eins: sich hinhauen und ein Glas kühlen Weissen trinken. Gestern abend gings mir wieder einmal so. Und daher fällt dieser Blogeintrag nicht wirklich mitteilsam aus - ich werde in den nächsten Tagen wohl etwas mehr erzählen. Die Mittwochs-Unternehmung war nämlich ungewöhnlich. Ich wanderte mit vier Leuten, die alle eingefleischte Wanderer sind, die wanderbloggen oder Wanderungen professionell leiten, die Bücher oder Artikel übers Wandern schreiben. In Crémines BE trafen wir uns und machten uns bekannt, soweit das nötig war. Dann gingen wir hinauf zur Bergerie d'Eschert und höher auf den Oberdörferberg, um von dort abzusteigen nach Gänsbrunnen SO. Die Zeit verging dank guter Gespräche wie im Flug. Höhepunkt war unser gut zweieinhalbstündiger Mittagshalt im Bergrestaurant Oberdörfer, dessen Wirt Andi ein super Typ ist; ich merkte das schon letztes Mal, als ich dort einkehrte. Wir assen hervorragend. Redeten. Tranken sauren Most und Bier.  Schauten den Betrieb an. Und zwischendurch hauten wir uns hinter dem Haus in die Liegestühle, die Andi und seine Frau Luzia für Gäste bereithalten. Man nennt es chillen.
Plakat an der Wand des Oberdörfer.

Mittwoch, 3. Juli 2019

Dürler und Denzler

200 Meter südöstlich des Üetliberg-Restaurants Uto Staffel steht am Wanderweg Richtung Balderen und Felsenegg ein wenig verlassen dieser Gedenkstein im Unterholz. Die verwitterte Inschrift erinnert an Friedrich von Dürler, Stadtzürcher Armenpflege-Sekretär. Er kehrte im Spätwinter 1840 auf dem Zürcher Hausberg ein. Hernach wollte er in einer steilen Rinne talwärts rutschen, dies aufgrund einer Wette mit Freunden. Er schlug mit dem Kopf gegen einen Felsen und starb. Tragisch, denn Dürler war an sich kein Geländesimpel; er war bekannt als einer der ersten Besteiger des Tödi, des höchsten Glarner Berges (1837). Ein Pionier der Turnerbewegung war er auch, es mangelte ihm also nicht an Sportlichkeit. Der Üetliberg ist mit Namen und Geschichten bepackt. Ein zweites Beispiel: Der Denzler-Weg vom Albisgüetli auf den Gipfel ist benannt nach dem Bäcker Felix Denzler, 1863 bis 1917. Er trug täglich sein frisches Brot von der Stadt die steilen Stufen hinauf zum Kulm-Gasthaus, die Rede ist von 4000 Besteigungen.

Dienstag, 2. Juli 2019

Dänengeld

Karl der Kahle. Das Porträt findet sich in
seinem eigenen Gebetbuch. (Wikicommons)
Im Spätmärz des Jahres 845 fahren 120 Langschiffe die Seine hinauf. Wikinger! Diese scheussliche Soldateska aus Skandinaviern ist damals schon seit Jahrzehnten gefürchtet, auch in England hat es Überfälle gegeben. Die Nordmänner gehen mit äusserster Gewalt vor. Sie töten auch Wehrlose. Oder sie verschleppen sie in die Sklaverei. Dass ihr allerliebstes Jagdgebiet das Baltikum ist und sie auch ins heutige Russland übergreifen, erklärt die Herkunft unseres Wortes "Sklave", englisch "slave"; es kommt ziemlich sicher vom ethnischen Begriff "Slawe". Zurück an die Seine. Dorf um Dorf am Fluss wird in Schutt und Asche gelegt. Paris ist bedroht. Die Armee Karls des Kahlen, wie der damalige Frankenkönig und christliche Kaiser heisst, flieht. Der verzweifelte Karl offeriert den Wikingern 7000 Pfund Silver, wenn sie abziehen. Diese akzeptieren und verziehen sich. Doch sind sie nun auf den Geschmack des Geldes gekommen. In Zukunft wird es solche Zahlungen immer wieder geben, sie sind für die Invasoren ein gutes Geschäft. Gerade lese ich eine Geschichte der Wikinger. Sie ist Seite für Seite abstossend. Und lehrreich. Zum Beispiel wusste ich nicht, dass für diese Art Tributzahlung bald ein eigener Begriff aufkam, der auf Deutsch und Englisch gleich lautet: "Danegeld". Dänengeld.

Montag, 1. Juli 2019

Jrtzt bin ich auch ein Insider

Auf dem Kettenweg unter der Üetliberg-Plattform mit dem Aussichtsturm.

Zum Lindenweg gehören Stege.
Am Samstag begingen wir abenteuerliche Pfade am Üetliberg: Kettenweg, Coiffeurweg, Lindenweg. Wir starteten in Wettswil bei der Bushaltestelle Eggächer. In der Halbzeit kehrten wir ein im Waldbeizli Jurablick, wo ich Rosensirup trank. Und am Ende nahmen wir im Sternen Albisrieden in Zürich in einem von Kastanienbäumen beschatteten Biergarten einen späten Zmittag. Die Route war schlau gewählt, wir gingen die meiste Zeit im Wald und merkten kaum etwas von der Hitze, eine feine Brise trug dazu bei. Und nun bin ich also ein stolzer Insider des Zürcher Hausberges. Einer, der um die Schleichwege an dessen steilen Hängen weiss. Wer sich interessiert, hier unsere Route, 4 1/2 Stunden, 660 Meter aufwärts, 800 abwärts, Nachmachen auf eigenes Risiko.
Widmer ist oben. Das Geländer gehört zur Üetliberg-Plattform. Das Velo links stört.