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Donnerstag, 14. August 2025

Lago mio, der ist schön!

Gestern konnte ich wieder einige Bildungslücken auffüllen. Geografische. Zum Beispiel lernte ich den Lago di Lucendro kennen, der auf Boden der Gemeinde Airolo TI liegt, nicht weit von der Gotthard-Passhöhe entfernt, aber doch dem Blick der Durchreisenden entzogen. Auf meiner Wanderung vom Gotthardpass über einen eher selten genutzten Pass nach Realp im Urserntal (mehr dazu ein andermal) kam ich nach einer guten Stunde zur Staumauer gut 40 Höhenmeter über der Passstrasse; 1947 war der Lago di Lucendro vom Berggewässer zum Stausee umgewandelt worden. Seit Beginn des laufenden Jahres gehört er der "Azienda Elettrica Ticinese", also dem Kanton Tessin, nachdem zuvor Deutschschweizer Energieunternehmen mit seinem Wasser Strom produziert hatten. Schmuck ist er ganz unabhängig von den Eigentumsverhältnissen, dieser Stausee, den ich nun aus eigener Ansschauung kenne.

Mittwoch, 13. August 2025

Die Sache mit der Tafel

1320 Kilometer? Total falsch!
Der Tomasee oder auch Lai da Tuma, den wir am Sonntag besuchten, gilt als Rheinquelle und wird unter diesem Namen auch touristisch vermarktet. Wer die Karte betrachtet, sieht freilich, dass das mit der Quelle nicht ganz stimmt. Der See wird nämlich gespiesen vom Rein da Tuma, der anderthalb Kilometer entfernt unter dem Rheinquellenstock entspringt – jener Ort ist die Quelle. Es gibt noch eine zweite Unstimmigkeit. An der Ostspitze des Sees ist unweit von dort, wo der Rein da Tuma austritt, im Granit eine Tafel montiert, die den "Rhein-Ursprung" benennt mit der Angabe von 1320 Kilometern bis zur Mündung. Korrekt sind es, stellte 2010 eine internationale Hydrologie-Kommisson fest, 1233 Kilometer. Man geht, was die Tafel betrifft, von einem Schreibfehler aus, zudem bezieht sich die Kilometerangabe der Kommission nicht auf den Tomasee, sondern auf die erwähnte Quelle des Rein da Tuma oberhalb. Alles klar soweit? Dann etwas anderes Interessantes. Die 1233 Kilometer Distanz bis zur Einmündung in die Nordsee in den Niederlanden machen den Rein da Tuma punkto Länge nicht etwa zum Rekordhalter unter den Quellbächen des Rheins. Der Rein da Medel, der auf Tessiner Boden westlich des Lukmanierpasses startet, bringt es auf 1238 Kilometer. Auch der Rein da Maighels und der Rein da Curnera sind etwas weiter von der Rheinmündung entfernt als der Rein da Tuma. Zahlensalat? Kommen wir zurück zum Wesentlichen: Der Tomasee ist, Rheinquelle hin oder her, ein wunderschönes Gewässer.
Hippieflora am Tomasee.
Noch einmal der Tomasee, bekannt als Rheinquelle.

Dienstag, 12. August 2025

Strapaze über dem Oberalppass

Sieht aus wie eine Adlerschwinge: Granit kurz vor dem Pazolastock-Gipfel.
Das Metallkreuz auf dem Pazolastock. Hände weg, wenns gewittert!
Widmer macht mal Pause.
Es war eine anspruchsvolle Bergwanderung, bei der uns aber nicht die schwindelerregenden Tiefblicke und auch nicht die wenigen leicht ausgesetzten Stellen zu schaffen machten. Heikel fanden wir vielmehr die steilen Passagen im Abstieg, bei denen Verstauchungsgefahr herrschte: hohe Tritte, wacklige Granitplatten, Geröll, rutschige Bröselerde, Bodenlöcher von fiesen Murmeli und so weiter. Am Sonntag stieg ich mit Freund Peider von der Bahnstation Nätschen oberhalb Andermatt auf den Pazolastock, 2739 Meter über Meer. Die Aussicht vom weiten Gipfelrücken war ein Traum. Innert einer halben Stunde gelangten wir anschliessend zum drei Meter höheren Rheinquellenstock, stiegen  ab zur Badushütte, dort trank ich in Windeseile einen Liter Flüssigkeit, die Bise – jawohl, die Bise – trocknete aus; übrigens schwitzte ich wenig und fror stattdessen zeitweise. Weiter gings zum Tomasee, also der Rheinquelle; mehr zu diesem Wasserthema morgen. Und schliesslich stiegen wir endgültig ab zur Bahnstation auf dem Oberalppass. Am Ende waren wir glücklich über all das, was wir gesehen hatten. Und ein bisschen stolz auf unsere Gelenke, die die Strapaze (knapp 5 1/2 Stunden Gehzeit, 1090 Höhenmeter aufwärts, 870 Höhenmeter abwärts) im ruppigen Gelände klaglos mitgemacht hatten.
Abstieg vom Rheinquellenstock. In der Bildmitte winzig
die Badushütte (helles Dach), rechts ein Teil des Tomasees.
Schön, dass es dich gibt, Badushütte.
Noch 35 Minuten bis Wanderende: die Oberalpstrasse, hinten links der Piz Tiarms.
Die Bahnstation auf dem Oberalppass mit dem Oberalpsee.

Montag, 11. August 2025

Stilvoll gezeigt

Zu einer guten Museums- oder Ausstellungsvisite gehört meiner Meinung nach, dass man so nebenbei ein neues Wort lernt. Kürzlich waren wir auf einem Teamausflug der Redaktion in Zürich in der Sukkulentensammlung. Sukkulenten sind Pflanzen, die aufs Wasserspeichern spezialisiert sind und deshalb auch in trockenen Zonen überleben können, Kakteen gehören zu dieser Gruppe. Wir unterhielten uns bestens in den Gewächshäusern der Sammlung, die als eine der grössten und wichtigsten weltweit gilt. Hübsch fand ich die an Theaterbühnen erinnernden Miniatur-Holzkästen; diese waren offenbar speziell im England des 19. Jahrhunderts beliebt. Damals inszenierte man in ihnen mit Vorliebe neue Zuchtvarianten der Auricula-Primel. "Aurikeltheater" heissen die Kästen deshalb, voilà das neue Wort, das ich heimtrug.

Sonntag, 10. August 2025

Tod eines Ballonsoldaten

"Jura", erschienen im AT Verlag.
In neuen Wanderbüchern schneugge ich gern, suche nach Ideen und Zielen. Der Führer "Jura. Wilde Kreten, historische Orte und sagenhafte Plätze", im laufenden Jahr erschienen, strotzt vor Geschichten. Zum Beispiel ist da die traurige Begebenheit, die in der Gemeinde La Baroche spielt, heute Kanton Jura. Im Ersten Weltkrieg. Auf der Anhöhe Bellevue in Miécourt an der Grenze zu Frankreich ist ein Beobachtungsposten eingerichtet, von dem aus Schweizer Soldaten nach feindlichen Truppen Ausschau halten. Der junge Leutnant Walter Flury, ein Grenchner, steigt 1918, kurz vor Kriegsende, in einem mit einer Schweizerfahne gekennzeichneten Fesselballon auf 1000 Meter Höhe auf. Da nahen zwei deutsche Jagdflugzeuge. Flury gibt ein Hornsignal, seine Kameraden sollen den Ballon zur Erde ziehen. Zu spät. Die Deutschen eröffnen das Feuer, Flury hat keine Chance. Wo der brennende Ballon niederstürzte, steht heute ein Gedenkstein für den ersten Toten der – jawohl, die gab es – Schweizer Ballontruppen. Die Koordinaten, falls jemand hin will: 579888 254207.

Samstag, 9. August 2025

Suonen und Eringerbratwurst

Danke für die Planke! An der stillgelegten Suone Gibjeri.
Noch einmal die Gibjeri. Hinten links der Weiler Stafel.
Das gabs am Schluss.
Gestern erzählte ich, wie wir am Mittwoch von der Simplonstrasse zur Bortelhütte wanderten; ein nicht allzu strenger Aufstieg über 600 Höhenmeter wars. Hier, wie die Sache weiterging. Der zweite Teil war völlig anders. Wir querten durch ruppige Bergflanken hinüber nach Rosswald, der Ortschaft über Ried-Brig. Und lernten dabei zwei Suonen kennen. Nun, die erste, die beim Steinubach beginnt und hoch über der Steinuschlüocht verläuft, ist sozusagen eine gewesene Suone; der Wasserkanal Gibjeri wurde vor gut 90 Jahren zubetoniert. Was bleibt, ist attraktiv: ein bequemer Pfad hart an der Felswand, stellenweise ausgesetzt und mit Seilen, an einer Stelle auch mit einem Seilgeländer gesichert. Freilich vermissten wir das Gluckern des Wassers. Vor dem Weiler Stafel erreichten wir eine zweite Suone, die den Bach Bärgwasser fasst. Sie führt durch weniger schwieriges Gelände, bei Stafel verlierte man sie kurz aus den Augen, findet sie danach wieder. Kurz vor Rosswald sagten wir dem Bärgwasser Adieu, stiegen ab zur Gondelbahnstation – und fuhren dort noch nicht grad talwärts. In der "Rosswaldstube" gabs zuvor eine Eringerbratwurst.
Ganze Tour Berisal, Kehr – Bortelhütte – Suonen – Rosswald, Seilbahn: 4 h. 740 Hm aufwärts, 430 Hm abwärts.
Gluckert so traut: die Suone Bärgwasser.

Rosswald voraus. Der hohe Berg links der Mitte ist das Bietschhorn.

Freitag, 8. August 2025

Neue Hütte, neuer Hund

Die Bortelhütte. Von hier kann man via die Bortellücke nach Italien gelangen.
Auffallend gepflegter Weg zur Hütte.
Knopfartige Blüten: Rainfarn.
Die Bortelhütte, grenznahes Simplongebiet, wurde im Zweiten Weltkrieg für militärische Zwecke gebaut. Das mag die auffallende Qualität des Kehrenweges erklären, der die Hütte von Berisal her erschliesst: Er ist breit und zu einem guten Teil mit Steinplatten belegt. Ruppig ist an diesem Weg gar nichts. Mittlerweile ist es längst der Skiclub Simplon Brig, dem die Bortelhütte gehört, sie ist ein ziviles Ziel. Am Mittwoch stieg ich, begleitet von Ronja, von der Bushaltestelle "Berisal, Kehr" via Tamatta auf; wundervoll, wie wir gleich nach dem Start an der lärmigen, vom Schwerverkehr Richtung Italien genutzten Simplonstrasse in ein stilles Seitental gerieten. Gut anderthalb Stunden brauchten wir bis zur Hütte und waren überrascht, wie viel Volk dort kurz nach elf Uhr schon sass. Nun, die meisten Leute waren Frauen aus der Region, Mitglieder eines gfürchelig fitten Bergwanderclubs für Seniorinnen, die die gleiche Route machten wie wir – hinüber nach Rosswald. Diese zweite Hälfte unserer Wanderung ist einen eigenen Eintrag wert, sie führt gleich an zwei Suonen entlang. Mehr davon morgen und noch einmal zur Bortelhütte: Wir trafen auch einen mit seiner Besitzerfamilie angerückten Grosshund an. Einen Weimaraner. Das Tierli erwies sich als liebenswert und schleckte mir brav die Hand ab. Weimaraner wurden einst am Hof zu Weimar gehalten in jener Epoche, als Deutschland noch aus einzelnen Kleinreichen bestand. Schön: Ich habe während dieser Unternehmung eine neue Hütte kennengelernt. Und eine neue Hunderasse.
Der Weimaraner gleich neben mir. Ein sehr entspanntes Höndli.