Gesamtzahl der Seitenaufrufe

Samstag, 29. November 2014

Bald herrscht Barbarei

Die Gegend bei Schwendi Kaltbad OW. (Webcam-Screenshot)
Der Glaubenbergpass führt von Sarnen nach Entlebuch, die Passhöhe liegt auf etwas über 1500 Metern; der Pass ist eine Asphaltpiste durch mooriges Gebiet, das auf Fotos ein wenig an Nordschweden oder so erinnert. Heute soll es in guter Entfernung zur Strasse von Giswil hinauf nach Schwendi Kaltbad in der Nähe der Passhöhe gehen; dort wird gegessen, hernach wollen wir hinab nach Stalden nah Sarnen halten. Ich freue mich auf den Moment, wo wir den Hochnebel durchstossen und die Sonne sehen und spüren. Ich freue mich auf ein Stück Grillfleisch im Restaurant (hoffentlich keine Carna-Grischa-Ware). Und ich freue mich auf meinen letzten richtig warmen Herbstwandertag, bevor am Montag die Temperatur stürzt und das Wetter auf feucht wechselt. Bald schon wird der schöne Moorboden dort oben von barbarischem Schnee bedeckt sein; die Vorstellung tut weh.

Freitag, 28. November 2014

Etwas Zürilogie

Zu meinem Arbeitsweg von Zollikerberg nach Zürich-Stauffacher gehört für gewöhnlich, dass ich am Paradeplatz aus dem Zweierstram steige und dem Schanzengraben entlang das letzte Stück laufe. Schon oft fiel mir unmittelbar vor der Neuen Börse dieser Turm auf, der ein wenig versteckt 50 Meter rechterhand steht, neben dem Männerbad Schanzengraben. Da der Schanzengraben Teil der sogenannten Dritten Befestigung Zürichs ist, dachte ich stets, der Turm sei zu wehrhaften Zwecken angelegt worden. Stimmt nicht! Er heisst korrekt "Wasserturm", wurde 1724 erbaut und war ein Reservoir. Quellwasser vom Albisriederberg wurde in ihm gestaut und dann in die Brunnen des Talackerviertels eingespiesen.

Donnerstag, 27. November 2014

Armes drittes Rind

"Users Bänkli?" Die Touristiker sollen sich dann bloss nicht beklagen, wenn sich ein Junkie auf dieser Bank einen Schuss setzt; die Ü-Pünktli auf dem U sind wirklich sehr undeutlich. Soweit eine Nachbemerkung zur dienstäglichen Rigi-Wanderung; das Foto stammt von der Scheidegg.

Und gleich noch zwei Dinge von jener Wanderung - bzw. von der Zeitungslektüre danach im Scheidegg-Gasthaus. Der "Blick" berichtete am Dienstag über die "nervigste Barriere der Schweiz". Sie befindet sich in Hendschiken AG und ist, wenn sie sich mal senkt, gern 25 Minuten unten. In dieser Zeit rattern dann vier, fünf Züge vorbei und es geht gar nichts. Über 24 Stunden besehen, ist der Bahnübergang gut 16 Stunden zu.

Der "Bote der Urschweiz" wiederum servierte mir einen Artikel über drei Schwzyer Hochlandrinder. Sie büxten alle aus. Das eine Rind konnte der Bauer nach ein paar Tagen wieder einfangen. Das zweite schwamm 500 Meter weit durch den Lauerzersee, verkroch sich in einem Naturschutzgebiet und wurde vom Bauern erst nach drei Wochen wieder gestellt und in den Stall abgeführt. Das dritte Hochlandrind schliesslich verwilderte derart stark, dass man es abtun musste; es war nicht mehr menschenfähig.

Mittwoch, 26. November 2014

Eine ganze Rigi nur für mich

Nebel Richtung Burggeist und Gersau.
Nebel um den Rossberg.
Nebel unterhalb Rigi-Scheidegg.
Der Nebel war aber die Nebensache. Hier die Sonne auf Rigi Kaltbad.
Als ich gestern um fünf aufstand, wusste ich noch nicht, dass ich um sechs aus dem Haus eilen würde, der Rigi zu. So ist der Mensch bzw. Widmer, man kann es sprunghaft nennen oder auch spontan. Um 20 Minuten vor neun war ich auf dem Berg. Es war schon hell, das Massiv hob sich aus dem Nebel, doch die Sonne würde mit voller Kraft erst eine gute Stunde später wirken. Besonders genoss ich, dass ich praktisch allein war, abgesehen von den Bähnlern, die allerhand Transportgut über die Perrons zum Kulmhotel schoben. Ganz oben bei der Antenne dann: keiner ausser mir. So hat man die Rigi gern. Ich stieg ab nach Staffel, zum Chänzeli und zum Kaltbad. Dort ein Kaffee in einer juniartigen Wärme, dann ging es weiter via First zur Scheidegg; auf dieser zweiten Passage war ich wieder längere Zeit völlig allein unterwegs. Muss man mehr machen: unter der Woche am Rand der Saison wirklich früh los und sich einen Berg zu eigen machen. Am Ende ass ich auf der Scheidegg, bevor ich mit der Seilbahn in den Nebel niederfuhr, eine Rösti mit Spiegelei; ich war dabei der einzige Gast. Erst als ich ging, kam jemand anders.

Dienstag, 25. November 2014

Das Lama und der Kondor

Irgendwie mag ich dieses Foto - sieht ein wenig surral aus, oder? Und ein bisschen scherenschnittig auch. Das Lama stand mit einigen Artgenossen in einer Weide bei Goldingen SG; wir passierten es am Samstag kurz vor Wanderschluss. Kollegin R. intonierte dann am Zaun "El condor pasa", quasi ein Lied vom Heimatkontinent des Lamas, mit dem sie dieses emotional abholen wollte, wie man so schön sagt. Doch das Lama verharrte reglos und blieb völlig ungerührt.

Montag, 24. November 2014

Novemberglück, Novemberhoffnung

Schön ist der alte Kasten auf der Chrüzegg nicht. Oder doch?
Der Alpenkranz von der Chrüzegg aus. Dafür geht man meilenweit.
Schon wieder ein Novemberwunder! Auch dieser Samstag war ein Herbsttag, wie man ihn normal im September und Oktober hat, mit warmem Licht und einer Sonne, die wärmte, ja sogar ins Schwitzen brachte. Wir machten eine Rundwanderung: Goldingen - Rüeterswil - Köbelberg - Eggli - Atzmännig - Schwammegg - Obere Tweralp - Chrüzegg - Im Chabis - Enkrinnen - Schutt - Hintergoldigen/Sandacher - Sägel - Stüssel - Huzlen - Goldingen (5 1/2 Stunden, je 880 Meter aufwärts und abwärts). Ich fand die Route recht streng, weil das Gelände ruppig war und rutschig im Schatten. Aber die Sicht war überwältigend. Auf der Chrüzegg erspähten wir unseren Wanderfreund René P. Moor, der auf separater Tour unterwegs war und sich alsbald an unseren Tisch setzte. Doch, das war ein toller Wandertag. Er endete eigentlich erst in Rüti, wo wir die Heimfahrt unterbrachen und in einer niveaulosen Bar am Bahnhof das wohlverdiente Schlussbier nahmen, das uns in Goldingen versagt geblieben war, weil dessen Dorfbeiz zu war, Betriebsferien. Nun hoffe ich, dass der November sich bis zum Ende grosszügig zeigt; wer weiss, vielleicht kann man nächstes Wochenende noch einmal hoch und schön ins Gelände!
Unbekannter Mann geniesst unterhalb Chrüzegg November.

Sonntag, 23. November 2014

Die Halsabschneider von Baden

1580/81 reiste der grosse Renaissance-Gelehrte und Essayist Michel de Montaigne von Frankreich über die Schweiz und Deutschland nach Italien. Was er sah und ass und fühlte, wen er traf, worüber er sich wunderte und ärgerte - alles das kann man jetzt im wundersamerweise wieder aufgetauchten und in "Die Andere Bibliothek" erschienenen Reisetagebuch lesen. Es ist, so der akribische Herausgeber im Vorwort, zu exakt 54 Prozent von Montaigne selber geschrieben. Den Rest verfasste ein mit Namen nicht bekannter Sekretär, entweder aufgrund der direkten Diktate seines Herrn oder aber aus der noch frischen Erinnerung, an den Abenden oder Wochenenden. Kurios ist, dass Montaigne mit vier wesentlich jüngeren adeligen Compagnons startete. Respektive, dass diese ihm unterwegs alle abhanden kamen, weil sie sich beim Tanzen und Fechten verlustierten und nicht länger folgen mochten. Ich lese das Buch gerade. Hier eine Stelle, die sich auf die Stadt Baden AG bezieht, die damals ein wichtiger Bade- und Kurort war:
"... sind die den Fremden abverlangten Preise halsabschneiderisch. Vier Zimmer mit neun Betten, davon zwei mit Öfen und einem Bad, kosteten uns täglich für jeden der Herren einen Taler und für jeden Bedienten vier Batzen (also etwas mehr als neun Sous), und für die Pferde mussten wir sechs Batzen (ungefähr vierzehn Sous) täglich berappen. Ausserdem aber haben sie uns ... bei der Abrechnung mehrfach bemogelt."