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Montag, 1. Februar 2021

Das Goldhaus

Kornhäuser, etwa das in Bern oder in Morges, stammen in der Regel aus der Zeit des Ancien Régime. Mit der Lagerung von Korn vermied die Obrigkeit Nahrungskrisen und Hungeraufstände. Das Kornhaus von Romanshorn ist jünger. Es wurde vor 150 Jahren erbaut durch die Nordostbahn, die in ihm Lebensmittel und andere Güter aufbewahrte. Heutzutage enthält es Loftwohnungen und Dauerapartments, aber auch Ausstellungsräume und einen Festsaal sowie das Degustierbistro des Biowein-Händlers Delinat. Als wir das Massivlagerhaus, wie es auch genannt wird, am Samstag passierten, faszinierte uns die golden schimmernde Südfassade. Deren Messinglamellen wurden einzeln angepasst, eine halbe Million Franken kostete die aufwändige Veredelung während des zweijährigen Umbaus, der letztes Jahr endete. Seither hat Romanshorn ein Goldhaus.

Sonntag, 31. Januar 2021

Die Wurst fehlt

Viel Wasser in Romanshorn.
Horn, die evangelische Kirche von 1929. 
Das war genial gestern. Wir gingen von Romanshorn via Arbon nach Rorschach und schafften es, praktisch bis zum Schluss keinen Tropfen Regen abzubekommen. Erst am Ende der vierstündigen Unternehmung, bei der man den Bodensee ausgiebig aus der Nähe erlebt, begann es zu tröpfeln – spielte keine Rolle mehr. Ebenso schön wie die Wanderung war die Heimreise. Am Bahnhof St. Gallen gabs eine Kalbsbratwurst vom Metzger Schmid,  der direkt am Gleis eins einen Stand unterhält. Ein Foto habe ich nicht vorzuweisen. Denn ich hatte derart Hunger, dass ich die Wurst runterschlang – sie zu fotografieren, fiel mir erst ein, als sie schon weg war.
Die Nixen von Rorschach.

Samstag, 30. Januar 2021

N-Wort und M-Wort

Adelboden.
Handelt es sich bei der Person, die in Adelboden lebt, um einen Adelbodner respektive eine Adelbodnerin? Oder ist Adelbodmer und Adelbodmerin korrekt? Weil es ein bekanntes Mineralwasser aus dem Berner Oberländer Ort gibt, das Adelbodner, würde man meinen, es handle sich um eine Scheinfrage. Aber nein! Es gibt nämlich, stellte ich diese Woche fest, ein Adelbodmer Wörterbuch. Umgehend kontaktierte ich per Mail den einen der beiden Herausgeber, Christian Bärtschi. Und er reagierte freundlicherweise umgehend. Im Schriftdeutschen nehme man eher das N-Wort, im Dialekt eher das M-Wort, so Bärtschi. Er selber tendiere dazu, in beiden Fällen Adelbodmer zu verwenden.

Freitag, 29. Januar 2021

Der Wanderbahnhof


Wenn man im Bahnhof Bern ganz weit westlich aussteigt, ganz vorn oder ganz hinten je nach Fahrtrichtung, dann benutzt man beim Umsteigen in der Regel die Passerelle "Welle". Auf dieser Passerelle ist man ziemlich weit entfernt von der ungefähren Mitte des Bahnhofs mit dem Treffpunkt und den Läden. Derzeit nun wird der Berner Bahnhof umgebaut. Im Zusammenhang damit haben die SBB eines der Perrons ab Höhe der "Welle" noch einmal um 385 Meter nach Westen verlängert. Zu den dort eingerichteten neuen Perrons 49/50 führt ein überdachter Gang. Von dem sonderlich abseitigen Ort verkehren jetzt und in den nächsten Jahren die Züge nach Biel und nach Neuenburg. Wer so in Bern ankommt, ist schon tüchtig gewandert, bis er endlich den zentralen Bahnhofstrakt erreicht. Ich fotografierte den Zugang zum Perron 49/50 am Dienstag, als ich die "Welle" benutzte. Den weit hinten am Ende des "Fingerdocks" wartenden Zug habe ich, damit man ihn auf meinem Foto erahnen kann, mit einem Polygon markiert.

Donnerstag, 28. Januar 2021

O du kaltes Saanenland

Diese zwei Gipfel hatte ich beim Wandern vor Augen: Gummfluh (l.) und Le Rubli.

Birken liebe ich. Hier das passende Lied.
Brrrr, das war am Dienstag im Saanenland mit Abstand die kälteste Wanderung des Winters. Sie führte auf perfekt gespurten Wegen von Saanenmöser via Wittere und Ärbsere nach Gstaad - dort legten wir einen Bratwursthalt ein - und weiter über die Grenze zwischen den Kantonen Bern und Waadt nach Rougemont. Die Sonne zeigte sich im mittleren Drittel zögerlich und wärmte ein wenig. Danach freilich, in den schattigen Partien an der Saane, war es geschätzt gegen die zehn Grad minus. Gut, hatte ich die Daunenjacke an. Und gut, war es windstill. Die Route kann ich im Übrigen nur empfehlen: Toll, was man da an Bergen alles sieht.

Januar im Saanenland.

Mittwoch, 27. Januar 2021

Gstaad in zwei Fotos


Gestern war ich im Saanenland unterwegs. Hier zwei Fotos. Zum einen fiel mir auf, dass in Gstaad und Umgebung die Abfallkübel und Robidogs mit chaletartigen Holzdächli vor der Unbill des Wetters geschützt sind –  was für ein Verzierungsdrang! Zum anderen gönnte ich mir in Gstaad eine Take-Away-Kalbsbratwurst vom "Rössli". Sie kostete mich 15 Franken und schmeckte, nun, wie eine ganz normale Kalbsbratwurst.

Dienstag, 26. Januar 2021

Leopold fuhr selber

Astrid von Schweden 1926, im Jahr,
als sie mit 20 den König der Belgier
heiratete. (Wikicommons)

Die Astridkapelle ist knapp zehn Gehminuten
vom Bahnhof Küssnacht SZ entfernt.
Ach, hätte er doch an jenem Vormittag des 29. August 1935 seinen Chauffeur fahren lassen! Doch Leopold III., König der Belgier und seit bald zehn Jahren mit Astrid von Schweden verheiratet, aus welcher Ehe bereits drei Kinder hervorgegangen sind - Leopold hat sich selber hinter das Steuer des schmucken Packard-Coupés gesetzt. Das Paar, das unweit von Luzern in der familien-eigenen Sommerresidenz Ferien macht, ist auf einem Ausflug, als das Auto in der Nähe des Bahnhofs Küssnacht von der Strasse abkommt, in einen Birnbaum prallt, schliesslich im Schilfgürtel des Vierwaldstättersees endet. Leopold ist verletzt, seine Königin aber tot. Womöglich hat der spektakuläre Anblick der Rigi über dem Seeufer vis-à-vis Leopold abgelenkt. Die Astridkapelle erinnert vor Ort an das Unglück, wir besuchten sie letzten Samstag. Den Unfallwagen lässt Leopold später vor dem Meggenhorn im See versenken – aus heutiger Sicht ist der Akt vor allem eines: unökologisch.