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Donnerstag, 9. Juni 2016

Cappuccino macht er nicht!

Ha, gefunden! Der Ausserrhoder Bär war da auch. Allerdings entmannt.
Kurz vor dem Chessiloch:
Jérôme (vorn) und Samuel.
Gestern war ich mit dem jungen BaZ-Journalisten Samuel Tanner und seinem Fotografen Jérôme Delapierre unterwegs im Laufental. Regen hatten wir keinen, weil wir am Vormittag zeitig losgezogen waren; er kam erst, als ich heimfuhr. Samuel und ich, wir redeten während des Wanderns über das Wandern, sozusagen eine mobile Konversation, eine ambulatorische Unterhaltung, ein Gehgespräch - auf den Artikel bin ich gespannt. Die Route war leicht und kurz: von Grellingen via das Chessiloch in gut eindreiviertel Stunden nach Zwingen. Im Chessiloch, einer Engstelle an der Birs zwischen hohen Fluhen, verewigten sich während des ersten Weltkriegs, als sie die strategisch wichtige Bahnverbindung von Basel in die Ajoie bewachten, Schweizer Wehrmänner. Sie stellten Wappensteine auf und malten ihre Kantonswappen auch an den Fels; darüber habe ich früher bereits kolumniert. Schön, wieder mal beim Chessiloch vorbeizuschauen. Lustig später die Schlusseinkehr im Restaurant Bahnhof in Zwingen. Der Wirt stellte gleich, bevor wir Kafi Crème und Schorle bestellt hatten, klar: Bei mir gibt es im Fall keine neumödigen Sachen wie Cappuccino. Mache ich nicht, meine Herren!

Mittwoch, 8. Juni 2016

Das Sommerfloss ist da

Sieht gut aus, oder? Das Floss ist vor dem Bellevue im Zürichsee vertäut. 23 auf 32 Meter misst die Grundfläche, 150 Tonnen schwer ist das Ding und ruht auf acht Pontons in 50 Metern Abstand zum Ufer. Gebaut haben es Studis der ETH, es wird ab Samstag für 102 Tage als Badeplattform (tagsüber) und Kino (abends) dienen. Der Name des Flosses ganz aus Holz klingt ein wenig prätentiös: "Pavillon Of Reflections". Es ist ja auch Teil der in Zürich anlaufenden europäischen Kunst-Biennale "Manifesta" - bei solchen Anlässen gehören Wortgeklingel und Tiefsinnlerei dazu.

Dienstag, 7. Juni 2016

Blums Blumenland

Weisse Rhododendren. (Wikicommons/ KirinX)
Es gab einmal einen Mann, der hiess Robert Seleger und war Gartengestalter. 1953 kaufte er im Rifferswiler Hochmoor, südlich der Albiskette im Säuliamt, ein erstes Stück Land. Weitere Stücke kamen hinzu. Azaleen pflanzte Seleger an und Rhododendren. Pfingstrosen, Farne, Seerosen auch. 1966 wurde aus dem privaten ein öffentlicher, eintrittspflichtiger Garten, 1978 wurde eine Stiftung gegründet, 1988 zog Seleger die Migros Zürich als Patin bei. Im Frühling und Frühsommer vor allem zieht es die Leute ins Seleger-Moor, wie die Anlage heisst; in den besten Jahren kamen 60 000 Leute. In der letzten Zeit waren es merklich weniger. Der neue Geschäftsführer Mäni Blum - ja, ich weiss, Blum - positioniert den Park nun neu. Er will etwas mehr Didaktik veranstalten für Kinder, vor allem für Schüler, die auf einer Art Postenlauf die Natur im Moor kennenlernen sollen. Heutzutage gibt es für alles ein englisches Wort; diese Art Konzept nennt man, las ich eben im Tagi, "narrative environment". Erzählende Umwelt. Gern hätte ich den Artikel gelinkt, aber es gibt offenbar keine Online-Version.

Montag, 6. Juni 2016

Die Zoowanderung (2)

Heute etwas mehr zu unserer Ostschweizer Zoowanderung, die am Vormittag von monsunartigen Regenfällen begleitet war, worauf das Wetter gegen den Mittag kehrte; am Nachmittag hatten wir Sonne und schwitzten. Alles begann mit der Busfahrt vom Bahnhof Gossau SG zum Walter Zoo. Die nächsten Stunden waren wir absorbiert mit dem Rundgang. Dies ist ein sehr grosser Zoo; zu den Tieren kommen die üblichen anderen Attraktionen: Fütterung der Raubtiere (verpassten wir), Tierpfleger erzählen von ihrer Arbeit (verpassten wir auch), Ponyreiten (etwas für Kinder). Als wir schliesslich fertig waren, war es Mittag. Die folgende zweistündige Wanderung via Anschwilerwald, Grimm, Ätschberg, Schwobsrüti, Schwendi nach Engelburg war leicht und wunderschön. Von diesen Hügeln nördlich von St. Gallen sieht man unverstellt zum nahen Alpstein. Ebenfalls nett war das Essen im Säntisblick im Weiler Grimm; es gab unter anderem frischen Spargel aus Diepoldsau. Im Restaurant warteten die zwei Fähnleinfrauen auf uns, die keine Lust auf Zoo gehabt hatten; Zoo sei immer ein wenig trostlos, fand die eine. Nun ja, hat etwas, eingesperrte Tiere und so. Anderseits: So stresslos im Reservat leben, täglich gefüttert werden, einen Tierarzt in Reichweite haben ist auch etwas. Oder?

Sonntag, 5. Juni 2016

Die Zoowanderung (1)

Gestern wanderten wir wenig und schlenderten viel - wir waren im Walter Zoo in Gossau SG. Heute vorab dies: Mein Lieblingstier des Samstags war das zutrauliche Zebra.

Samstag, 4. Juni 2016

Pichls Tierli

Alle zwei Jahre oder so fuhr bei uns in der Primarschule Stein AR damals in den Siebzigerjahren ein Kleinbus vor. Geschäftiges Ausladen. Wir Kinder besammelten uns derweil in der Turnhalle, sassen im Schneidersitz, alle waren wir aufgeregt. Und dann zeigten uns die Leute vom Tierli Walter in Gossau SG ihre Tiere. So hiess der Zoo, so hiess die zugehörige mobile Abteilung, viele Ostschweizer Kinder sahen dank ihr schon früh eine, beispielsweise, Python. Oder war es eine Boa, die man damals berühren durfte, wenn man wollte?

Inzwischen heisst der Tierli Walter, benannt nach dem österreichischen Gründer Walter Pichl, "Walter Zoo". Heute besuchen wir die Anlage auf unserer Wanderung. Die haben dort alles, Schlangen. Affen, Pumas, Tiger, Alligatoren, Yaks und so weiter und so fort. Was ich nicht wusste und in der Beschreibung las: Zum Walter Zoo gehört heute auch eine offizielle Quarantänestation für Tiere, die illegal in die Schweiz eingeführt wurden.

Freitag, 3. Juni 2016

Gault Millooooooooooh!

Das Dolder Grand - da war ich gestern zum Zmittag.
Im Entrée zu The Restaurant hing dieser Dali.
Gestern war ich von einem Freund eingeladen zum Essen. Und zwar in The Restaurant im Dolder Grand in Zürich. Dort kocht Heiko Nieder. Er hat im Gault Millau 18 Punkte und im Guide Michelin zwei Sterne. Eindrücke:
  • Schön, wie man vom Dolder direkt auf Zürich und seinen See sieht. Ich war bis anhin ein Dolder-Nichtkenner, die Lage begeisterte mich. Das historistische Hauptgebäude selber: na ja. Das Landesmuseum unten beim HB spielt mit mehr Grandezza Schloss. Nicht übel fand ich die gewundene Fassade des Neubaus.
  • Wir hatten beide das Häppchen-Menu zu 98 Franken. Man bekommt 19 Schälchen, die abgesehen vom Dessert jeweils zu dritt kommen, thematisch geordnet, Suppe, Fisch, Fleisch usw. Dazu gab es Amuse-Bouches und Friandises. Weil alles schlau portioniert war, fühlte man sich am Ende nicht übervoll. Federnden Schrittes verliessen wir nach zweieinhalb Stunden das Etablissement.
  • Das Personal war in nüchterne Monturen gekleidet, glattes, irgendwie satiniertes, geschlechtsloses, straff auf den Leib geschneidertes Tuch in grau oder braun. So ähnlich wie die namenlosen, stets in Vielzahl auftretenden Helfer des grossen Bösewichts in den alten "James Bond"-Filmen. Das klingt womöglich negativ. Ist nicht so gemeint. Die Servierer und Serviererinnen, alles Deutsche, waren jung, nett, keine Schleimer, aber aufmerksam; dies ist ein Restaurant, wo man dir den Stuhl unterschiebt, während du dich setzt. Der eine oder andere hatte Humor. Einer fragte mich, als wir uns entschieden hatten: "Irgendwelche Unverträglichkeiten bei den Speisen - oder kommt das bei Ihnen erst?"
  • Was ich von den Schälchen am liebsten hatte: Erstens Hummer mit Erdbeere, Rande, Estragon und Senf. Zweitens Petersilienwurzelschaum mit Hirsch (ein ultrawürziger Suppenkloss) und Schokolade. Drittens Milken mit Mimolette, Bärlauch und Bier. Viertens das Karamell-Bonbon. Als ich es anbiss, quoll flüssige Karamellsauce heraus, himmlisch.
  • Man redet immer von der Kunst in der "Kronenhalle". Aber hey, in "The Restaurant" hing direkt vor mir ein Hodler. Dazu gab es ganz nah drei Matisse. Und war das hinten ein Braque? Wir rätselten. Im Entrée, als wir gingen, bemerkte ich einen kleinen Dali. Wenn man im Dolder isst, kommt das nicht billig. Aber man spart sich den Eintritt ins Kunsthaus.
Heilige Dreifaltigkeit! Rechts die Milken.