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Sonntag, 23. August 2020

Maskenpflicht?

Schönes Wetter ist langweilig. Als wir gestern von Rorschach per Schiff nach Rheineck und retour fuhren, zum einen auf dem Bodensee, zum anderen auf dem Alten Rhein, braute sich etwas zusammen. Einen solchen Himmel fotografiert man gern. Kurios war, dass der Kapitän per Lautsprecher durchgab, es herrsche auf dem Schiff Maskenpflicht, womit er und die Schweizerische Bodensee-Schiffahrtsgesellschaft aber ehrlich gesagt Mühe hätten. Zu diesem verwirrlichen Votum passte, dass der Mann, der unsere Billette kontrollierte, die Maske unter der Nase trug. Und dass mehr als die Hälfte der Passagiere im Innenraum die Maske durchgehend gar nicht auf hatte. Gut, sass unsereins unter dem hinteren Dach draussen im Freien.

Samstag, 22. August 2020

Bossis Kampfschrift

Emilio Bossi, dessen Denkmal in seinem Geburtsort Bruzella im Muggiotal wir unlängst erblickten, wurde nur 50; im Jahr 1920 verstarb er. Er war ein Multitalent: Verleger, Journalist, Rechtsanwalt, Politiker. Ein produktiver Schriftsteller war er auch, der unter dem Künstlernamen "Milesbo" Bücher verfasste, die seinem antikirchlichen Denken, seinem radikalen Freisinn entsprachen. Was für eine Doppelnatur, was für ein Macher und Theoretiker: Bossi sass in der Tessiner Kantonsregierung, schrieb aber gleichzeitig die bis heute berühmte Polemik "Cristo non è mai esistito" (Christus hat nie existiert).

Freitag, 21. August 2020

Wir sahen die Pferde vom Bisbino

Das war ein schöner Zufall. Ronja hörte am Dienstag im Abstieg vom Monte Bisbino ins Muggiotal im steilen Wald ein Bimmeln wie von einer Kuh- oder Ziegenherde. In diesem Fall waren es Pferde, die Glocken trugen. Sie gehören zu einer Herde von etwas über 20 Tieren - den berühmten Wildpferden vom Monte Bisbino, die im Sommer frei leben und die Grenze von Italien zur Schweiz nach Belieben überqueren. Am Anfang der Geschichte stand 2003 der Tod eines italienischen Bauern. Seine Pferde blieben sich selbst überlassen. Fünf Jahre später, im kalten Winter 2008/2009, wären sie fast umgekommen. Es bildete sich eine Supportgruppe von Tierschützern und Pferdefans, die sich um sie kümmerten. Gleichzeitig gab es Streit mit den Behörden und den Bauern der Gegend, die Bedenken gegen die frei herumstreifenden Haflinger hatten. Diese Phase ist vorbei, die Cavalli del Bisbino sind heute quasi anerkannt. Im Winter werden sie jeweils eingefangen und auf italienischem Gebiet in ein umzäuntes Gelände geführt. Dort bekommen sie zu fressen und werden vom Tierarzt kontrolliert. Wirklich wild sind die Wildpferde vom Bisbino also nicht. Das sieht man auch an ihren Kopfhalftern, die auf den Zugriff des Menschen verweisen.

Donnerstag, 20. August 2020

In Italien und überfordert

Auf dem Bisbino, Blick Richtung Monte Generoso. Rechts ein Moretti-Bier.
Die letzten Meter zum Bisbino mit der Kapelle. Das Restaurant ist mit ihr zusammengebaut.
Meine Pizzoccheri. Uffa!
Eine Entdeckung: der Monte Bisbino, dessen Gipfel knapp über der Grenze im Italienischen liegt. Ich bestieg ihn am Dienstag mit Ronja, wir wählten aufwärts die Direttissima durch den Buchen- und Birkenwald vom Tessiner Dorf Bruzella in der Valle di Muggio und gingen abwärts etwas länger und sanfter nach Morbio Superiore ebenfalls im Muggio-Tal (760 Meter aufwärts, 890 abwärts, 4 1/4 Stunden Gehzeit). Vom Berg blickt man auf Teile des Comer Sees und auf Como, sieht aber auch weit in die Runde, etwa zum Monte-Rosa-Massiv; man erfasst zudem, wie in dieser Gegend die Alpen auslaufen zur Po-Ebene hin. Der Gipfel, 1325 Meter über Meer und von der Comer Seite her mit einem Strässchen erschlossen, ist überbaut mit einer unzugänglichen Militäranlage, einer - leider verschlossenen - Madonnenkapelle und einem Ristorante. Dort bestellten Ronja und ich je ein Primo und ein Secondo. Fehler! Das Primo, hervorragend gekochte Pizzoccheri mit Kartoffeln und Käse, sätttigte uns voll und ganz. Es kam das Secondo, Kalbsvoressen mit Polenta, ebenfalls eine Holzfällerportion. Wir waren überfordert, was nie schön ist. Also, liebe Freundinnen und Freunde, falls ihr je auf den Bisbino steigt und oben einkehrt: Vorsicht, Kalorienwahnsinn!

Mittwoch, 19. August 2020

Runder Geburtstag

Hat dieser Widmer nichts Gescheites zu erzählen, dass er einen alten Eintrag recycliert? Man beachte das Datum. Gestern vor zehn Jahren - das soll der Screenshot belegen - erschien in diesem Blog der erste Eintrag. Seither habe ich täglich gebloggt. Ich gedenke das weiter zu tun.

Dienstag, 18. August 2020

Der Zauber des Arvenwaldes

Im Tamangur-Wald.
Frisches Joghurt mit Aprikosenconfi
auf der Alp Astras. War sehr, sehr fein.
Knochentrockenes Totholz. Sumpflöcher. Felsen und Geröll. Vom Blitz getroffene Splitterstämme. Und Bäume, die Flechtenbärte tragen, als seien sie Hippies oder der Zauberer Merlin: Das ist der Arvenwald von Tamangur bei S-Charl im Unterengadin, den wir am Sonntag durchquerten. Er steht unter Naturschutz wie die gleichnamige Moorlandschaft und gilt als höchster geschlossener Arvenwald Europas. Der Superlativ beeindruckt mich weniger als die Wirklichkeit. Der God Tamangur, wie er auf Romanisch heisst, hat einen tolkinesken Zauber, den wir alle spürten. Die dazugehörige Route: S-Charl - Tamangur Dadora - God Tamangur - Tamangur Dadaint - Alp Astras - Plan Mattun - Fuorcla Funtana da S-Charl - Plaun da l'Aua - Ofenpass, Passhöhe (4 1/4 Stunden, 765 Meter aufwärts, 420 abwärts).
Das Zielfoto: Widmer läuft am Ofenpass ein.

Montag, 17. August 2020

Ein Samstag in Schuls

Schuls mit der Kirche San Geer (Sankt Georg).
Znacht gabs in Schuls in der Traube.
Hier mein Entrecôte double.
Schuls, also Scuol, ist halt einfach schön. Der Name des Tourismusortes im Unterengadin stammt nicht, wie ich bis vor kurzem dachte, vom lateinischen "scola" gleich Schule. Vielmehr geht er zurück auf ebenfalls lateinisch "scopulus", Klippe; gemeint ist der Fels über dem Inn, auf dem die Kirche San Geer thront. Von Samstag auf Sonntag übernachteten wir in Schuls, an beiden Tagen gabs eine Wanderung. Hier vorerst, was wir am Anreisetag unternahmen: Wir fuhren mit dem Sessellift von Ftan hinauf nach Prui und starteten dort eine eher leichte Sache: hinüber zur Alp Laret, hinauf zum Muot da l'Hom, hinüber via die Alp Clünas nach Schlivera und hinab nach Naluns. Dort nahmen wir im Bergrestaurant einen Apéro und fuhren dann mit der Gondelbahn talwärts nach Schuls - Zimmerbezug im Hotel. Die Route hatte 3 1/4 Stunden Gehzeit gebraucht, wir waren 570 Meter auf und 490 abgestiegen. Der sanfte Rücken des Muot da l'Hom hatte sich als perfekter Aussichtspunkt herausgestellt, auf dem wir uns mit den Bergen rundum vertraut machen konnten; das Foto vom Piz Buin, das ich gestern brachte, zeigt einen Ausschnitt des Gipfelpanoramas. Was wir am zweiten Schulser Tag anstellten, erzähle ich morgen.
Muot da l'Hom voraus. Dankbar bin ich als Fotograf für die stilvollen Wolken.