Gesamtzahl der Seitenaufrufe

Samstag, 12. September 2020

Die Schreibstube, der Wind und der Kustos


Ein Kustos oder Kustode ist ein Aufseher oder Kurator, etwa in einem Museum. Das Wort hat auch eine zweite Bedeutung, von der ich erst kürzlich erfuhr. Stellen wir uns eine spätmittelalterliche Schreibstube vor oder eine frühneuzeitliche Buchdruckerei ein paar Jahrzehnte nach Gutenberg. Ein Neuling sitzt dort, findet es im Raum zu warm und öffnet das Fenster, worauf ein Windstoss einen Stapel noch ungebundener Buchseiten verwirbelt. Sie haben alle keine Seitenzahl, das ist damals nicht üblich. Was tun, um die durcheinander geratenen Einzelblätter wieder in der korrekten Abfolge zu ordnen? Gott sei Dank gibt es den Kustos. So heisst die Silbe rechts unten auf jeder Buchseite, die angibt, mit welcher Silbe die nächste Seite links oben beginnt. 

Foto (Wikicommons): Arngrimur Jonsson, "Brevis Commentarius de Islandia" von 1593 mit Kustos ("dos").

Freitag, 11. September 2020

Tödlicher Hummelhonig

Blauer Eisenhut, die aufgeschnittene Blüte.
(Foto: Franm Vincentz/Wikicommons)
Als Herakles den Wachhund Cerberus aus der Hölle entführt, ihn mit Gewalt ans Licht zerrt, da geifert das Monster reichlich. Aus dem Speichel, der zu Boden tropft, wächst eine teuflisch schöne neue Blume: Aconitum. Dies der Mythos. Gestern war in der NZZ dem Blauen Eisenhut - so der deutsche Name des Gewächses - eine Seite gewidmet, die ich mit grossem Interesse las, schliesslich begegne ich dem Blauen Eisenhut, der giftigsten Pflanze Europas, beim Wandern sehr oft. Finster die Geschichten, die in dem Artikel erzählt werden. 1817 zum Beispiel tun sich zwei Urner am Honig eines Hummelnestes gütlich. Der eine Mann wird schnell von Benommenheit, Brechreiz und schaurigen Krämpfen heimgesucht, der andere stirbt kurz nach dem Verzehr. Die Hummeln, die den Honig gesammelt hatten, waren Eisenhuthummeln, die mit ihrem besonders langen Rüssel auf die verschlungenen Blüten der Giftpflanze spezialisiert sind. Normale Bienen ignorieren den Blauen Eisenhut. Gute Sache, ich kann also weiterhin gefahrlos Bienenhonig essen.

Donnerstag, 10. September 2020

Moai am Mythenquai

Kürzlich ging ich von Zürich Stadelhofen um die Spitze des Zürichsees und weiter bis Kilchberg, ein langes letztes Stück verlief auf Asphalt. Beim Mythenquai erblickte ich die Gottfried-Keller-Statue, die bloss aus dem - übergrossen - Kopf des Dichters besteht. Ich musste an einen Geköpften denken, dessen Haupt öffentlich zur Schau gestellt wird. Aber auch die Moai fielen mir ein, die kolossalen Steinstatuen auf der Osterinsel. 
Oben Keller, unten Moai.
(Unteres Foto: Rivi/ Wikicommons)

Mittwoch, 9. September 2020

Amdos Auszeit

Amdo ist ein Mungg und das Maskottchen von Amden, dem St. Galler Tourismusort über dem Walensee. Er wacht auch über den Munggeweg, einen Erlebnispfad für Kinder. Doch was war das? Am Samstag, als wir nach unserer Speer-Wanderung per Sessellift hinab nach Amden schwebten, fuhr Amdo bergwärts. Hatte er frei gehabt, hatte er sich im Dorf verlustiert, hatte er mal kurz eine Auszeit gebraucht? Wir wissen es nicht.

Amdo fährt bergwärts. Unten ein Teil von Amden, hinten der Mürtschenstock.

Dienstag, 8. September 2020

Das Loch war leer

Geländerippen zwischen Speer und Mattstock (hinten) mit der Alp Oberchäseren.

Das Schneeloch wird mit
Holzbrettern abgedeckt.
Wenn man von Amden auf den Speer will wie wir am Samstag, hat man ein Problem. Der Mattstock stellt sich einem in den Weg, ihn muss man links oder rechts umrunden. Hinter dem Blockierberg wartet verborgen in einem markant gerillten, reizvoll unebenen Gelände die Alp Oberchäseren. Auf 1651 Metern gelegen, fungiert sie sozusagen als Basislager für die Speer-Besteigerinnen und -Besteiger, vor dem Gipfelsturm kann man sich im Alpwirtschäftli stärken. Nachher sowieso. Wir taten beides. Für den Hinweg hatten wir von Amden die etwas einsamere Variante via Durschlegi und Hintermatt gewählt, heimwärts gingen wir später über die Hinter Höhi und den Strichboden und beschlossen die Wanderung bei der Sessellift-Bergstation Niederschlag. Noch einmal zur Oberchäseren: Die ist urgemütlich. Ich hatte - natürlich nach der Speer-Strapaze (6 Stunden, 1210 Meter aufwärts, 825 abwärts) - Fleischkäse mit Spiegeleiern, meine Mitwanderer und Mitwanderinnen assen Dinge wie Hamburger, Gerstensuppe, Nussgipfel. Auf meine Bitte hin durften wir auf Oberchäseren auch einen Blick in das berühmte Schneeloch im Keller des Nebengebäudes werfen. Leider war der Schnee schon geschmolzen, den man dort im Frühling jeweils per Karette heranführt und ins Loch wirft - bis Ende August kühlt er jeweils den Käse.
Blick von Oberchäseren Richtung Federispitz.

Montag, 7. September 2020

Der Speer ists

Der Speer, 1950 Meter über Meer. Am Samstag bestiegen ihn sehr viele Leute.

Vorgestern Samstag stiegen wir von Amden auf den Speer, der mit dem Titel des höchsten Nagelfluhberges in Europa versehen ist; wir hatten schönes Wetter und sahen weit. Mehr über unsere Route will ich morgen erzählen. "Speer" lautet auch das Lösungswort des gestrigen Rätsels, ich bekam im Lauf des Tages doch einige Lösungen. Hier die Einsenderinnen und Einsender in der Reihenfolge, in der sie sich meldeten: Christine Lienhart-Racine, Marianne Jeker, Monika Schlatter, Stefan Brauchli, Marlies Sturzenegger, Brigitte Eichenberger, Barbara Pfenninger.
Blick vom Gipfel hinüber zum Zürichsee.

Sonntag, 6. September 2020

Wieder mal ein Rätsel

Er ist eine Waffe und hat einen Superlativ. Wie heisst der Berg?

Soweit das heutige Sonntagsrätsel. Lösungen bitte wie immer an widmerwandertweiter@yahoo.de - schönen Sonntag allen!