Gesamtzahl der Seitenaufrufe

Dienstag, 7. November 2023

Heli statt Standseilbahn

Braunwald, Blick von der Terrasse bei der Bergstation der Standseilbahn
aufs Tal der Linth. Hinten in der Mitte der Tödi mit seiner markanten Schneekappe.

Nach Braunwald hinauf führen keine Strassen. Nur eine Standseilbahn gibt es. Die aber ist seit gestern Montag und bis  zum 17. stillgelegt – sie wird derzeit gründlich überholt. In dieser ÖV-losen Zeit gibt es zwei Möglichkeiten, in den Glarner Ferienort zu gelangen. Entweder setzt man die eigene Körperkraft ein, macht die 600 Höhenmeter also zu Fuss. Oder man nimmt den Heli. Der fliegt zu eingegrenzten Zeiten morgens, mittags und am späten Nachmittag und ist den Einheimischen, Handwerkern, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sowie Schülerinnen und Schülern vorbehalten. Ich überlegte mir gestern im Hinblick auf den kommenden Samstag kurz, ob eine Wanderung nach Braunwald etwas für mein Grüppli wäre. Das Problem ist, dass oben praktisch alle Betriebe geschlossen sind. Man kann nicht einkehren. Daher: nein.

PS: Der versprochene Eintrag zu unserer Wanderung durchs Säuliamt folgt morgen.

Montag, 6. November 2023

Vier Namen für eine Gegend

Blick von Aeugst am Albis im Säuliamt auf den Zugersee. Hinten links der Bildmitte die Rigi.

Die Bezirke des Kantons Zürich, 
hervorgehoben der Bezirk Affoltern.
(Quelle: Tschubby/Wikicommons)
Am Samstag wanderten wir auf Zürcher Gebiet südlich des Albisriegels. Die Gegend hat gleich vier Namen:

  1. Bezirk Affoltern. Der Kanton Zürich hat 12 Bezirke, dies ist einer von ihnen.
  2. Säuliamt. Diese populäre Bezeichnung ist wohl gar nicht so alt, wie man meinen könnte, sie kam vermutlich erst im 19. oder gar 20. Jahrhundert auf. Ob sie eher abfällig oder positiv gemeint ist, bleibt unklar. Aus Stadtzürcher Sicht könnten die Schweine aus dem Säuliamt bekannt gewesen sein für ihre Qualität. Oder aber man machte sich lustig über die primitiven Bauern und den Gestank, der mit Schweineställen assoziiert wird.
  3. Knonaueramt. Im 15. Jahrhundert annektierte Zürich Teile des Gebietes, andere Teile hatte es zuvor durch Kauf erworben. Daraus entstand die Landvogtei Knonau.
  4. Zürcher Freiamt. "Freiamt" meinte im Mittelalter einen Personenverbund. Menschen, die gegenüber ihren Nachbarn gewisse Freiheitsrechte hielten. In diesem Fall gab es auf habsburgischem Territorium mehrere Freiämter. Die meisten davon finden sich heute im Aargau, im Aargauer "Freiamt". Ein Teil aber wurde, siehe Punkt 3, von Zürich besetzt und an sich gerissen. Das Zürcher "Freiamt" eben.
Am Samstag bewanderten wir im Säuliamt einen Teil des Zürcher Ämtlerwäges. Ihn gibt es seit dem Jahr 2000, er ist blau ausgeschildert, wohingegen die Aargauer ihren Freiämterweg (2004) in Rostrot bezeichnen. Mehr zu unserer Unternehmung morgen.
Zwei Kantone, zwei Wege. (Foto: Paebi/Wikicommons)

Sonntag, 5. November 2023

Ein Ausserrhoder im Wallis

Johann Ulrich Schiess, Schweizer
Bundeskanzler von 1848 bis 1851.
(Wikicommons)

Ich habe die "Appenzellischen Jahrbücher" der "Appenzellischen Gemeinnützigen Gesellschaft" abonniert. Jahr für Jahr wird darin in Kürze berichtet, was in den einzelnen Gemeinden so passiert ist von Hausbrand bis Steuererhöhung; auch die Nekrologe sind für mich interessant, da ich doch die eine oder andere verstorbene Person kannte. Auch werden historische Stoffe abgehandelt. Grad eben ging mir die Jahrbuch-Ausgabe 2023 zu, ich las darin vorerst  ein Porträt des ersten Bundeskanzlers der Schweiz, eines Appenzellers, Johann Ulrich Schiess aus Wald AR. Besonders sprachen mich die beigestellten Auszüge aus dem Tagebuch von Schiess an. Hier etwas Kurzes darüber, wie Schiess 1851 vom Genfersee in der Postkutsche Richtung Wallis reist. "St. Mauritze" ist natürlich St-Maurice, "Martinach" Martigny.

"Um 9 Uhr mit der Post von Lausanne nach St. Mauritze. Allein in Aigle, wo mich ein natürliches Bedürfnis, das selbst der Papst zu befriedigen gezwungen ist, aus dem Wagen trieb, hatte der Conducteur nicht die Geduld auf mich zu warten, sondern eilte von dannen; ich miethete dann einen Einspänner bis Martinach, welcher Spass mich für diese 6 Stunden 18 ffr. kostete. Das herrlichste Wetter, der Anblick der wunderschönen Natur und der lieblichen Dörfer Montreux, Yvorne, Bex entschädigte mich für die erlittene Unbill."

Samstag, 4. November 2023

Offene Pilgere

Gestern schrieb ich hier über den Sport Mint. In der Folge kommentierten einige Leute den Ableger meines Eintrags auf Facebook, sie alle erinnerten sich an ihre Jugend. Ans Skilager zum Beispiel. Marlies Longatti aus Stein AR, die ich aus meiner Kindheit in ebendiesem Dorf kenne, schrieb, sie habe manchmal Sport Mint gegessen, bis die "Pilgere" offen war. Verstehen das alle? Biller, Biler, Böller, Billere, Bilder, Bildere, Bilderne, Bilgere, Pilgeri, Pilgere: Laut "Idiotikon" ist das ein Dialektausdruck für den Gaumen oder auch das Zahnfleisch.


Freitag, 3. November 2023

Die MS Seestern


Es gibt hierzulande etliche Gewässer, über die ich noch nie geschippert bin. Hallwilersee. Zugersee. Lac de Joux. Ich rede von der öffentlichen Passagierschifffahrt, wohlgemerkt. Am letzten Samstag war ich zum allerersten Mal auf dem Sarnersee unterwegs, zum Abschluss unserer Obwaldner Unternehmung fuhren wir auf der MS Seestern von Zollhaus bei Giswil nach Sachseln. Wir genossen es, vom See aus noch einmal den Hang über Sachseln zu mustern und zu ergründen, wo genau wir durchgelaufen waren. In der Frage, ob das Schiff nicht gelegentlich einen frischen Anstrich braucht, waren wir uns uneinig. Ich fand, unbedingt, die anderen hingegen meinten, ich würde übertreiben. Mittlerweile ist Saisonende, mal schauen, wie die "Seestern" nächstes Jahr daherkommt.

Donnerstag, 2. November 2023

Minzige Kindheitserinnerung

Es war einmal ein Glarner Confiseur namens Jakob Disch. Der, geboren 1874 in Elm, hatte die Vision, man könnte Süsswaren doch im grösseren Stil produzieren. Industriell. So entstand 1903 im aargauischen Othmarsingen die Biskuitfabrik J. Disch-Schatzmann. Jakobs Sohn Alfred wiederum interessierte sich für Ernährungsforschung und lancierte 1933 das erste Bonbon mit einem nahrungsergänzenden Stoff drin, mit synthetisch produziertem Vitamin C nämlich. "Sport Mint" hiess das Bonbon. Bis heute wird es in Othmarsingen produziert, auch wenn die Firma mittlerweile einer Finanzholding gehört. Am Dienstagmorgen kaufte ich in meinem Cööpli einen Sack Sport Mint, weil ich fand, ich müsste etwas parat haben, falls am Abend – Halloween! – Kinder an meiner Tür klingeln würden. Zu unserem Haus kam aber niemand. Und so schnusle ich die angenehm weichen Bonbons, welche mir zwar viel zu süss sind, aber auch schön minzig im Gout, halt selber. Und erinnere mich an meine Kindheit.

Mittwoch, 1. November 2023

Er schnitzte seine Welt

In diesem Holzhaus im Dorfkern von Sachseln ist
im ersten Stock die Sammlung Sigrist untergebracht.
Eine der Szenen, die Christian Sigrist schuf: Steinhauer an der Arbeit.
Christian Sigrist aus Sachseln, 1906–1987, betrieb eine Kunstschlosserei, lancierte als Fuhrhalter aber auch einen Transportdienst zur Älggi-Alp hinauf, wo bekanntlich der Mittelpunkt der Schweiz liegt. Gerne und mit Geschick schnitzte Christian Sigrist. Als er dann im Pensionsalter war, beschäftigten ihn die grossen Veränderungen in seiner bäuerlich-gewerblich geprägten Welt – er verspürte den Drang, das Entschwindende zu dokumentieren. Und also begann er Menschen, Werkzeuge, Geräte, Räume, Bräuche, Berufe schnitzend darzustellen. Die 28 detailliert und präzis ausgearbeiteten Szenen, die so entstanden, zeigen zum Beispiel eine Alpsennerei, einen Waschplatz, eine Sägerei, aber auch die Feuerwehr, das Schnapsbrennen und das Bierbrauen. Puppenstubengross sind Sigrists Miniaturmodelle, haben aber nichts Herziges und Jöliges; Dinge, die wir Heutigen kaum noch oder gar nicht mehr kennen, werden mit grossem Ernst vorgeführt. Volkskundlich ist das von grösstem Wert. Letzten Samstag, als wir in Sachseln waren, besuchten wir die Sammlung Sigrist, die am Dorfplatz in einem alten Holzhaus untergebracht ist, dem Nebengebäude des benachbarten Herrenhauses, in dem sich das Museum Bruder Klaus eingerichtet hat. Wer Lust bekommt, in den nächsten Tagen hinzugehen: Geht nicht, Saisonschluss. Unsereins hat es knapp noch geschafft.