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Sonntag, 12. November 2023

Speisen wie die Mönche

Stilvolles Esslokal: der Keller des Klosters von Kappel am Albis.
In der Klosterkirche.

Also wenn das nicht der Globi ist.

Immer wieder schön, aus der Ferne das Kloster von Kappel am Albis zu erblicken, die graue Fassade, den schlanken Kirchturm. Anzukommen, über das Gelände zu spazieren, eine Runde im Kreuzgang zu drehen, die Kirche zu besuchen – sie ist wunderbare Gotik. In einer Seitenkapelle der Kirche ist zudem jene berühmte Wand mit den aufgemalten kleinen Globis oder auch "Globis" zu sehen, die einst das Wappen der Gessler von Brunegg zierten. Der Ort soll in unserer Neuzeit den Globi-Zeichner Robert Lips aus dem Nachbardorf Hausen inspiriert haben, was dieser allerdings von sich wies. Zurück zur Hauptsache. Zu diesem feinen Zürcher Kloster, das längst kein Kloster mehr ist; schon 1526 legten die Mönche ihre Kutten ab und feierten das Abendmahl auf die reformierte Art. Heutzutage ist hier ein reformiertes Tagungs- und Bildungszentrum eingerichtet. Zum Betrieb gehört neben dem Café ein Restaurant. Auch Externe können dort essen. Also zum Beispiel ich und mein Wandergrüppli. Wir waren gestern angetan, als wir im Klosterkeller den Zmittag nahmen. Das Ambiente erinnerte uns an "Der Name der Rose". Bloss die Mönche fehlten.
Die Klosterkirche von aussen.

Samstag, 11. November 2023

Appenzellerbahnersatzbus

Trübe Suppe. So sahs gestern Nachmittag auf dem Säntis aus,
zeigt mein Screenshot von der Webcam.

Ich habe das mit dem Streckenunterbruch erst gestern vernommen. Seit dem 23. Oktober und bis und mit 1. Dezember verkehrt die Appenzellerbahn ab Gossau nur bis Waldstatt, dort muss man Richtung Urnäsch, Gonten, Appenzell, Wasserauen auf den Ersatzbus umsteigen. Auf der Strecke wird so einiges an den Bahnbauten ersetzt und erneuert, auch werden der Bahnhof Urnäsch sowie die Haltestellen Zürchersmühle und Gontenbad modernisiert. Nun, der Wanderer trägt den Bahn-Ausfall mit Fassung, die Saison der grossen Touren im Alpstein, zu denen man oft auf dieser Linie anreist, ist ja doch vorbei – bereits liegt auf dem Säntis Schnee.

Freitag, 10. November 2023

Das Gran-Becca-Spektakel

Diesen August auf dem Klein Matterhorn.

Am Wochenende ist Saisonauftakt im Skisport. Zwei Abfahrten der Männer machen den Anfang, die Frauen sind eine Woche später dran. Gestartet wird in der Nähe des Klein Matterhorn beim Gipfel Gobba di Rollin auf 3720 Metern, das Ziel ist bei den Laghi Cime Bianche auf 2840 Metern eingerichtet. Das Rennen spielt sich also in grosser Höhe ab, in der Gletscherwelt, was für viel Kritik sorgte, da dort im Vorfeld gebaut werden musste. Ich werde vielleicht kurz reinschauen. Skirennen interessieren mich nicht wirklich. Dafür in diesem Fall die Landschaft, mit der noch frische Erinnerungen verbunden sind. Im Sommer gondelten wir in einem Tagesausflug von Zermatt via Klein Matterhorn nach Breuil-Cervinia im Aostatal und retour, waren also in unmittelbarer Nähe der neuen Skipiste unterwegs. Die Hochgebirgs-Bahnlinie mit mehreren Sektionen spielt als Zubringer für die über Schweizer und italienisches Terrain führende Rennstrecke eine wichtige Rolle. Beim Anlegen der Piste achtete man darauf, dass die Kameras von gewissen Standorten aus das Matterhorn im Hintergrund schön einfangen können, da verbinden sich Sport und touristisches Marketing. "Gran Becca" heisst die neue Strecke, so wird im Patois des Aostatals das Matterhorn genannt.
Die neue Weltcupstrecke "Gran Becca".

Donnerstag, 9. November 2023

Also dieses Mistkratzerli ...

Für ein solches Mistkratzerli nehme ich die halbstündige Zugfahrt ab Zürich gern auf mich.

Wandern und gut essen sind für mich eng verwandt, und so geht es in diesem Blog immer wieder mal um ein Restaurant. Diesmal um den "Bären" in Mägenwil AG, der nach einem Besitzerwechsel seit kurzem "GüggeliBären" heisst – womit klar sein dürfte, welches das Paradegericht ist. Am Dienstag war ich dort mit zwei Gspänli, die ebenso verfressen sind wie ich. Sie hatten die Rehkeule, ich das Mistkratzerli, und alle drei waren wir vollauf zufrieden. Nein, mehr als das. Falls jemand einen Ort für ein stilvolles Weihnachtsessen sucht: Ich empfehle dieses Lokal, wo es das allerbeste Mistkratzerli im Land gibt. Halt, nein, das ist natürlich Blödsinn, Superlative sind in Gastrokritiken fehl am Platz. Aber jedenfalls war mein Poulet hervorragend, mit Geduld gegart, krosse Kruste, zartestes Fleischli, wunderbare Butter (Chilibutter in meinem Fall). Apropos Weihnachtsessen: Vor drei Jahren, in der Corona-Zeit, nahmen wir dieses im "Bären" Mägenwil ein. Gute Erinnerungen, auch deswegen gehe ich ab und zu wieder hin.
Der "GüggeliBären" in Mägenwil. 

Mittwoch, 8. November 2023

Eine tolle Erfindung

Föhniger Vormittag im Säuliamt.
Gut gesicherter Treppenweg hinab zum Türlersee.
Immer ein schönes Wanderziel: der Türlersee.

Was wären wir Wanderer und Wanderinnen ohne den Föhn! Immer wieder Mal hält er das schlechte Wetter fern, klärt zudem die Luft und rückt Entferntes in die Nähe. Letzten Samstag wars wieder einmal so. Regen war angesagt. Doch als wir um halb neun am Bahnhof Bonstetten-Wettswil starteten, schien die Sonne, die sanfte Landschaft des Säuliamtes war sozusagen erleuchtet. Via Tannboden, Lärchen, Bislikerhau, Cholholz, Müliberg, Buechholz, Im Stümel, Bolet, Uerenberg, Seerüti erreichten wir den Türlersee und folgten dem Ufer bis Türlen. Dort gabs nach dreieinhalb Stunden Zmittag im Restaurant Erpel, das Essen war sehr fein. Den ganzen Vormittag hatte der Föhn über uns gewacht, war allerdings bei aller Abwehrarbeit gegen die aus Westen herandräuende Front schwächer geworden, um schliesslich, während wir im Restaurant sassen, zusammenzubrechen. Als wir gegen halb zwei wieder ins Freie traten, tröpfelte es, alles war nun grau und wurde nass. Uns wars gleich. Im Bus heimwärts waren wir uns einig, dass der Föhn halt schon eine tolle Erfindung ist.
Mein Zmittag im Restaurant Erpel: Tagliatelle mit frischen Pilzen.

Dienstag, 7. November 2023

Heli statt Standseilbahn

Braunwald, Blick von der Terrasse bei der Bergstation der Standseilbahn
aufs Tal der Linth. Hinten in der Mitte der Tödi mit seiner markanten Schneekappe.

Nach Braunwald hinauf führen keine Strassen. Nur eine Standseilbahn gibt es. Die aber ist seit gestern Montag und bis  zum 17. stillgelegt – sie wird derzeit gründlich überholt. In dieser ÖV-losen Zeit gibt es zwei Möglichkeiten, in den Glarner Ferienort zu gelangen. Entweder setzt man die eigene Körperkraft ein, macht die 600 Höhenmeter also zu Fuss. Oder man nimmt den Heli. Der fliegt zu eingegrenzten Zeiten morgens, mittags und am späten Nachmittag und ist den Einheimischen, Handwerkern, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sowie Schülerinnen und Schülern vorbehalten. Ich überlegte mir gestern im Hinblick auf den kommenden Samstag kurz, ob eine Wanderung nach Braunwald etwas für mein Grüppli wäre. Das Problem ist, dass oben praktisch alle Betriebe geschlossen sind. Man kann nicht einkehren. Daher: nein.

PS: Der versprochene Eintrag zu unserer Wanderung durchs Säuliamt folgt morgen.

Montag, 6. November 2023

Vier Namen für eine Gegend

Blick von Aeugst am Albis im Säuliamt auf den Zugersee. Hinten links der Bildmitte die Rigi.

Die Bezirke des Kantons Zürich, 
hervorgehoben der Bezirk Affoltern.
(Quelle: Tschubby/Wikicommons)
Am Samstag wanderten wir auf Zürcher Gebiet südlich des Albisriegels. Die Gegend hat gleich vier Namen:

  1. Bezirk Affoltern. Der Kanton Zürich hat 12 Bezirke, dies ist einer von ihnen.
  2. Säuliamt. Diese populäre Bezeichnung ist wohl gar nicht so alt, wie man meinen könnte, sie kam vermutlich erst im 19. oder gar 20. Jahrhundert auf. Ob sie eher abfällig oder positiv gemeint ist, bleibt unklar. Aus Stadtzürcher Sicht könnten die Schweine aus dem Säuliamt bekannt gewesen sein für ihre Qualität. Oder aber man machte sich lustig über die primitiven Bauern und den Gestank, der mit Schweineställen assoziiert wird.
  3. Knonaueramt. Im 15. Jahrhundert annektierte Zürich Teile des Gebietes, andere Teile hatte es zuvor durch Kauf erworben. Daraus entstand die Landvogtei Knonau.
  4. Zürcher Freiamt. "Freiamt" meinte im Mittelalter einen Personenverbund. Menschen, die gegenüber ihren Nachbarn gewisse Freiheitsrechte hielten. In diesem Fall gab es auf habsburgischem Territorium mehrere Freiämter. Die meisten davon finden sich heute im Aargau, im Aargauer "Freiamt". Ein Teil aber wurde, siehe Punkt 3, von Zürich besetzt und an sich gerissen. Das Zürcher "Freiamt" eben.
Am Samstag bewanderten wir im Säuliamt einen Teil des Zürcher Ämtlerwäges. Ihn gibt es seit dem Jahr 2000, er ist blau ausgeschildert, wohingegen die Aargauer ihren Freiämterweg (2004) in Rostrot bezeichnen. Mehr zu unserer Unternehmung morgen.
Zwei Kantone, zwei Wege. (Foto: Paebi/Wikicommons)